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Umbau

Kirche wird zum Studentenwohnheim

epd/Harald KochWo einst Menschen in den Bänken saßen, öffnen sich jetzt Zimmertüren. Im Oktober werden die ersten Studenten in die umgebaute frühere Gerhard-Uhlhorn-Kirche in Hannover einziehen.

HANNOVER. Weil die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, stehen überall in Deutschland immer wieder Kirchengebäude zum Verkauf. Zwei Investoren aus Hannover wagen jetzt neue Wege: Sie verwandeln die Kirche in ein Wohnheim und wollen Zimmer an Studenten vermieten.

epd/Harald KochIn der früheren Gerhard-Uhlhorn-Kirche in Hannover vollzieht sich ein ungewöhnliches Bauprojekt: Dirk Felsmann und sein Partner Gert Meinhof lassen die Kirche in ein Studentenwohnheim umbauen.

Wo einst die Orgel spielte, ist künftig eine Gemeinschaftsküche. Und wo Menschen in Kirchenbänken saßen, öffnen sich jetzt Zimmertüren. In der früheren evangelischen Gerhard-Uhlhorn-Kirche in Hannover vollzieht sich derzeit ein ungewöhnliches Bauprojekt: Zwei Investoren bauen die 1963 errichtete Kirche in ein Studentenwohnheim um. 31 Räume sind hier neu entstanden, mit Eichenparkett, Duschbad und einem äußerst leisen »Flüsterkühlschrank«. Damit »man nachts schlafen kann«, erläutert Projektentwickler Dirk Felsmann (55). Schon im Oktober werden die ersten Studierenden einziehen.

Wohnungen für Familien wären zu teuer geworden

Eine Kirche als Wohnraum für Studenten, das ist aus Sicht der Investoren bislang einmalig in Europa. »Wir haben viel nachgeforscht, aber nichts gefunden, was in diese Richtung ging«, sagt Felsmann. Vor drei Jahren haben er und sein Partner Gert Meinhof die 2012 entwidmete Kirche gekauft. Zunächst wollten sie hier Wohnungen für Alleinerziehende schaffen, doch die wären zu teuer geworden. So kamen sie auf die Idee, kleinere Zimmer an Studierende zu vermieten.

Konzept gefällt der Pastorin

Die Uhlhorn-Kirche, idyllisch am Leine-Ufer gelegen, gehört zu den Kirchen in Deutschland, die in den vergangenen Jahren aufgegeben und verkauft wurden, weil die Zahl der Kirchenmitglieder zurückgeht. Viele von ihnen wurden zu Museen, Bibliotheken oder Kulturtreffs, einzelne zu Synagogen oder Restaurants umgebaut. In Hannover-Linden hatten 2009 zwei Gemeinden fusioniert, damit war eine Kirche übrig. »Zwei Kirchen im Abstand von fünf Minuten, das macht keinen Sinn«, sagt Pastorin Dorothee Blaffert. Vier Jahre stand die Uhlhorn-Kirche zum Verkauf, doch erst die Idee von Felsmann und Meinhof überzeugte die Pastorin: »Das war das passendste Konzept, denn Wohnraum wird gebraucht.«

Ein Haus im Haus gebaut

Der fünf Millionen Euro kostende Umbau forderte viel Kreativität, erzählt Dirk Felsmann. »Wir bewegen uns die ganze Zeit im Spannungsverhältnis zwischen Bauphysik, Denkmalschutz, Brandschutz und Statik.« So durfte an den denkmalgeschützten Wänden der Kirche keine Wärmedämmung angebracht werden. Die Lösung: »Wir haben ein Haus im Haus gebaut.« Der zweistöckige Zimmerblock wurde in die Kirchenhülle wie eine Schachtel hineingesetzt. Nur die neuen Räume sind schall- und wärmegedämmt – einschließlich dicker Türen. »Der Rest ist nur wasserdicht.«

Buntglasfenster zeigen Schöpfungstage

So ist vom alten Sakralraum des Architekten Reinhard Riemerschmid (1914–1996) noch viel zu sehen. Wie ein Zelt wölbt sich das Dach 21 Meter in die Höhe. »Wer nach oben schaut, blickt direkt in den hölzernen Spitzgiebel.« Wenn die Sonne scheint, bricht sich das Licht durch die Buntglasfenster und wirft rote, gelbe und blaue Lichteffekte auf die weiß gestrichenen Flurwände. Das Kunstwerk der Berliner Glasmalerin Ingrid Schuhknecht zeigt den zweiten bis sechsten Tag der Schöpfung.

Jesus bekommt eineHülle aus Segeltuch

Selbst für die alten Kirchenbänke hat Felsmann noch Verwendung. Einige von ihnen werden in die beiden Gemeinschaftsküchen eingebaut – als Sitzgelegenheit an einer zwölf Meter langen Tafel aus Eichenholz. »Alles, was zu erhalten ist, bleibt erhalten.« An einer der Giebelwände hängt noch die große Jesus-Figur von einst. Sie soll jedoch durch Segeltuch verhüllt werden. »Wir verleugnen nicht, dass er da ist. Wir stellen ihn aber auch nicht zur Schau.« Der frühere Altar steht ebenfalls noch an Ort und Stelle, am Ende des früheren Mittelganges und heutigen Zimmerflures. Um ihn zu schützen, wird er mit Parkettholz verkleidet.
Internet: u.epd.de/1ayh

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