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Orte und Menschen

Konfirmanden sprechen mit Senioren über Heimat

Nicole Weisheit-ZenzTheresa Reinhardt mit den Ergebnissen, die ihre Konfis gesammelt haben.

INGELHEIM. Heimat bedeutet für jede und jeden etwas anderes. Was genau, wollte Theresa Reinhardt ergründen. Denn was Senioren über Heimat denken, hat auch viel damit zu tun, wie sie ihren Lebensabend wahrnehmen.

H eimat schmeckt nach Hefeklößen mit Heidelbeeren. Oder nach Kartoffeln. Für viele ist sie eng verbunden mit Familie und Freunden oder mit dem Blick auf den Kirchturm. Als Teil ihrer Konfirmandenarbeit hat sich die Saalkirchengemeinde in Ingelheim diesem Thema gewidmet: »Jung fragt Alt: Erzähl Geschichten aus deiner Heimat« lautet der Titel eines Konfirmanden-Senioren-Begegnungsprojekts. Einige Ergebnisse werden nun an mehreren Orten der Stadt als kleine Ausstellung präsentiert.

Aufwand sei schon mit dem Vorhaben verbunden gewesen, schaut Vikarin Theresa Reinhardt zurück auf die vergangenen Wochen. Doch auch anderen Gemeinden würde sie ein solches Projekt empfehlen, wie sie es vor allem mit ihrer Lehrpfarrerin Anne Waßmann-Böhm und dem Konfirmandenjahrgang in die Tat umsetzte.

In der Bibel ist Heimat kein Ort

Im ersten Schritt beschäftigten sie sich im Konfi-Unterricht mit dem Thema Heimat und was sie selbst damit verbinden. Die angehende Pfarrerin, Jahrgang 1991, hat dabei einiges vor Augen: Ihr Elternhaus und die Gegend um Dresden, wo sie herkommt. »Beim Blick in die Bibel zeigte sich dann, dass für viele Menschen damals nicht ein fester Ort im Mittelpunkt stand«, sagt sie.

Nachdem die 13– und 14-Jährigen auf die Themen der Gespräche vorbereitet wurden, trafen sich Jung und Alt. Je zwei Jugendliche kamen zu Besuch und fragten, ob für die Seniorinnen und Senioren eher Orte oder Menschen Heimat seien und welche Gegenstände und Gefühle dabei eine Rolle spielen.

Nachdenken nach Jahren in Familie und Beruf

Generell zeigten sich große Unterschiede: Manche waren immer in der Region geblieben und fest mit ihr verwurzelt. Andere waren umgezogen. Auch Flucht und Vertreibung hatten manchen Lebensweg entscheidend geprägt. Nach intensiven Jahren mit Familie und Beruf kommen einige Betroffene nun eher zum Nachdenken und die Erinnerung an Hinterpommern oder Schlesien als alte Heimat schmerzt wie ein Stachel.

Eine wichtige Rolle scheint auch zu spielen, wie Senioren ihren Lebensabend im Heim wahrnehmen – mit Bedauern über das, was man dafür zurücklassen musste, oder Blick auf verbleibende Lieblingsstücke: den gemütlichen Sessel zum Wohlfühlen, die Puppe, die einen über die Jahrzehnte hinweg begleitete.

Ausstellung tourt durch Heime und Kirchen

»Mein Haus, meine Kinder, mein Ingelheim«, heißt es nun auf einer von elf Leinwänden, jeweils zu einer Person. Für die Ausstellung wurden Notizen und Zusatzmaterial geordnet und als Collagen gestaltet. Erstmals gezeigt wurde die Schau zum Eröffnungswochenende des Kultursommers Rheinland-Pfalz in Ingelheim. Derzeit wird sie im Altenzentrum »Im Sohl« präsentiert und am 7. Juli im Gottesdienst ab 11 Uhr noch einmal thematisch aufgegriffen, zusammen mit interviewten Seniorinnen. In den Sommerferien ist sie in der Saalkirche zu sehen, im Herbst voraussichtlich dann im Heim Carolinenhöhe.

Von Nicole Weisheit-Zenz

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