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Mitgliederschwund

Kurhesssen und Hessen-Nassau verlieren weiter

Foto: epd/Friedrich StarkImmer mehr Menschen verlassen die Kirche.

Die Kirchen in Deutschland verlieren weiter an Rückhalt in der Gesellschaft. Auch in Kurhessen und Hessen-Nassau geht die Mitgliederzahl zurück.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat im vergangenen Jahr so viele Mitglieder verloren wie nie zuvor. Nach Angaben der EKHN-Pressestelle vom Freitag rutschte sie mit einem Minus von 2,2 Prozent (Vorjahr 2,1 Prozent) erstmals unter die Marke von 1,5 Millionen. Wie Pressesprecher Volker Rahn weiter mitteilte, betrug der Stand zum Stichtag 31. Dezember genau 1.483.767 Mitglieder. Ende 2018 hatten der EKHN noch 1.517.119 Menschen angehört.

Neben Sterbefällen und Wegzügen trug demnach vor allem der Austritt von 21.071 Mitgliedern (Vorjahr: 18.404) zu dem Rückgang bei. Die hessen-nassauische Kirche bleibe damit aber weiterhin die mit Abstand mitgliedsstärkste Religionsgemeinschaft in der Region. Das Kirchengebiet umfasst neben der Mitte und dem Süden Hessens mit rund 1,2 Millionen Mitgliedern auch angrenzende Gebiete in Rheinland-Pfalz, wo über 276.000 Menschen zur EKHN gehören.

Taufen und Konfirmationen stabil

Stabile Zahlen vermeldet die EKHN hingegen bei Taufen und Konfirmationen. Der Mitteilung zufolge lassen sich auch weiterhin 87 Prozent eines evangelischen Jahrgangs konfirmieren. Das waren 2019 insgesamt 11.792 Jugendliche nach 12.400 im Vorjahr. Zudem wurden 2019 im hessen-nassauischen Kirchengebiet 10.452 Kinder (Vorjahr: 10.997) und mit 972 Erwachsenen sogar etwas mehr als im Vorjahr (928) getauft. Leicht zugenommen hat mit 2.812 Personen (Vorjahr: 2.796) auch die Zahl der Eintritte in die evangelische Kirche. Zurück ging gleichzeitig die Zahl der evangelischen Beisetzungen mit 19.338 gegenüber 20.429 im Vorjahr.

Die EKHN folge damit dem bundesweiten Trend zu höheren Austrittszahlen, der sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche gleichermaßen erfasst habe, ergänzte Rahn. Für Kirchenpräsident Volker Jung bringt die aktuelle Statistik "große Herausforderungen für die Kirche". Die Steigerung der Austrittszahlen werfe "viele Fragen" auf, doch gebe es "kein "Patentrezept, um den vielfältigen Ursachen zu begegnen". Als Gründe für die jüngste Steigerung der Austritte vermutet Jung unter anderem, "die zunehmende Abkehr von großen Institutionen und deren Bindungskraft". Zugleich sieht er die evangelische und die katholische Kirche derzeit medial und in gesellschaftlichen Debatten großem Druck ausgesetzt. Als Beispiel führt er die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt auf, die im zurückliegenden Jahr oft die Schlagzeilen beherrscht und in allen Kirchen die Glaubwürdigkeit angetastet habe.

 

Lebensbegleitung und Lebensorientierung

Gleichzeitig wertet es der Kirchenpräsident als eine "hoffnungsvolle Perspektive, dass die Kirche bei vielen Jüngeren und deren Eltern auch weiter hohes Vertrauen genießt, wie die Tauf- und Konfirmationszahlen belegen". Viele erwarteten sich auch heute "Lebensbegleitung und Lebensorientierung im Glauben von ihrer Kirche", sagte Jung. Das habe sich auch deutlich in der Corona-Pandemie gezeigt, wo kirchliche Angebote in medialen und digitalen Formaten sowie in der Seelsorge sehr geschätzt worden seien.

Die Mitgliederzahl der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) ist 2019 um rund 17.000 unter die Marke 800.000 gesunken. Die genaue Zahl belaufe sich nunmehr auf 783.980 gegenüber 800.663 Mitgliedern im Vorjahr, teilte die EKKW  mit. Dies ist ein Rückgang von 2,1 Prozent. Von den gesamtrechnerisch 16.683 verlorenen Mitgliedern seien 12.995 verstorben (2018: 11.236), 8.265 (6.843) traten aus der Kirche aus. Den Verlusten stehen 5.909 Taufen (5.860) sowie 793 Neuaufnahmen (732) gegenüber.

Der demografische Faktor

"Dieser Rückgang ist erheblich und schmerzt", kommentierte Vizepräsident Volker Knöppel die Zahlen. Er beruhe auf Austritten und darauf, dass der Zahl der Verstorbenen nur eine halb so hohe Zahl von Getauften gegenüberstehe. Hier mache sich auch der demografische Faktor bemerkbar.

Während der Corona-Krise sei die Nachfrage nach kirchlicher Begleitung und Seelsorge sowie nach digitalen Gottesdienstangeboten allerdings stark angestiegen, betonte Knöppel. So konnten auch Menschen erreicht werden, die bisher kaum Kontakt zur Kirche hatten. Offensichtlich sinke aber das Bedürfnis, die Zugehörigkeit zur Kirche durch eine Mitgliedschaft auszudrücken. "Diese Ambivalenz werden wir genauer untersuchen", kündigte er an.epd

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