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Aktion in und vor der Ringkirche richtet Blick auf wohnungslose Menschen

Leben auf zwölf Quadratmetern

Anja Baumgart-PietschDer junge Flüchtling (rechts) ist froh, überhaupt ein Dach über den Kopf zu haben. Seine Geschichte ist Teil der Fotoausstellung.

WIESBADEN. »… denn sie hatten keinen Raum in der Herberge.« Ein Satz aus der Weihnachtsgeschichte, der jedes Jahr zitiert wird. Auch in der modernen Welt hat nicht jeder ein Dach über dem Kopf. Darauf möchte eine Aktion an der Ringkirche aufmerksam machen.

Wohnungslose Menschen können sich in Wiesbaden vornehmlich an das Diakonische Werk und das Wohn- und Übernachtungsheim »Heilsarmee« wenden. Neben zahlreichen anderen Angeboten gibt es als neuestes Projekt eine Containersiedlung, die bis zu 17 Menschen ein eigenes Dach verschafft. Tatsächlich sind es Baustellencontainer, die im Wiesbadener Stadtteil Freudenberg im vergangenen Jahr aufgebaut wurden. Sie ersetzen die bisherige Wohnwagensiedlung aus mehr oder weniger schrottreifen Wohnwagen. Zwölf Quadratmeter Platz bietet ein Container – und »12 qm Zuhause« heißt deswegen auch die Ausstellung, die in der Ringkirche bis zum 19. Dezember auf die Situation wohnungsloser Menschen aufmerksam machen will.

Ein Blick in die Wohnzimmer der Menschen

Dritter Partner dabei ist das Dekanat Wiesbaden. Mit Vorträgen, Angebotsvorstellungen und Kurzandachten sowie einer Fotoausstellung in der Kirche kann man sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Thematik nähern. Die Ausstellung der Wiesbadener Fotografin Marita Steuernagel beleuchtet dabei »Mein Zuhause« – nicht nur Bewohner der Containersiedlung, sondern auch wohlsituierte Wiesbadener haben ihr ihre Wohnzimmer geöffnet. Auch ein junger Flüchtling ist dabei, der das Glück hat, eine eigene Wohnung gefunden zu haben.

Wohncontainer als alternative Krippe

Parallel steht vor der Ringkirche exemplarisch ein Wohncontainer: Als eine Art alternative Weihnachtskrippe, kein Stall mit Ochs und Esel, sondern Blechkubus mit aufgeklebtem Mobiliar, in dem jeder Besucher einmal erfahren kann, wie es sich auf so wenigen Quadratmetern Platz lebt. Für jene, die hier ihre Bleibe gefunden haben, ein enormer Fortschritt: »Die Zielgruppe sind Wohnungslose, die aufgrund von Mehrfachproblemlagen, Suchterkrankung oder Verhaltensauffälligkeiten keine Chance auf Vermittlung in eine eigene Mietwohnung haben«, sagt Matthias Lutz vom Diakonischen Werk.

Zurzeit wohnen 13 Menschen in der Siedlung, davon drei Frauen. Es sind Menschen jeden Alters, die in Gemeinschaftsunterkünften nicht klarkommen, psychisch oft stark angegriffen sind und beim Zusammenleben mit anderen immer irgendwie scheitern.

Wohncontainer kosten 320 Euro Kaltmiete

»Anders als in unseren weiteren Angeboten ist dieses auf Dauer ausgelegt, es gibt kein Ziel, nach einer bestimmten Aufenthaltsdauer die Einrichtung zu verlassen«, erklärt Matthias Lutz. Nur wer gewalttätig wird, wird entlassen. Immer wieder komme es vor, dass nach einer Zeit der Stabilisierung die Vermittlung in eine eigene Wohnung wieder möglich wird.

Die Nutzungskosten von 320 Euro und 100 Euro Nebenkosten im Monat übernimmt in der Regel das Sozialamt. »Mit den Mieteinnahmen finanzieren wir die Kosten für die Anschaffung der Container und die Umgestaltung des Geländes, mit denen das Diakonische Werk in Vorlage getreten ist. Die Kosten für die Betreuung übernimmt meist der Landeswohlfahrtsverband (LWV)«, sagt Lutz.

Für ein weiteres Containerdorf fehlt Gelände

«Insgesamt bestehe ein sehr hoher Bedarf nach solchen Plätzen. Jede Woche gehen 2–3 Anfragen von Betroffenen, gesetzlichen Betreuern, der Wohnungsnotfallhilfe der Stadt sowie von Kollegeinnen und Kollegen der Gemeindepsychiatrie ein. Planungen für ein weiteres Containerdorf laufen schon seit Jahren, erklärt Lutz. Es gelinge aber nicht, ein geeignetes Gelände zu finden.

Der Container soll den ganzen Winter vor der Ringkirche stehen bleiben. Wenn die Öffentlichkeits-Aktion beendet ist, wird er mit Stockbetten ausgerüstet und dient als Not-Schlafplatz.

Anja Baumgart-Pietsch

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