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Mensch-Tier-Bestattungen

Mit Waldi ins selbe Grab

pixabayManch enge Verbindung reicht bis in den Tod.

HANAU. Haustiere sind längst Familienmitglieder. Eine Podiumsdiskussion in Hanau drehte sich um die Frage, ob das Auswirkungen auf die Bestattungskultur hat.

Uta GrossmannTierärztin Ines Ott (auf dem Podium links) hatte in ihre Hanauer Praxis eingeladen und diskutiert über die Bestattung von Mensch und Tier. Daneben Pfarrer Martin Abraham, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Tierbestatter Richard Reiber.

Wenn das Haustier stirbt, bricht für viele eine Welt zusammen. Der Hund oder die Katze gehören zur Familie und entsprechend groß ist die Trauer über den Verlust. Zumal das Haustier gerade bei Älteren oder Einsamen oft das einzige ihnen nahestehende Geschöpf ist. Immer häufiger äußern die Menschen dann den Wunsch, das Tier nicht nur auf einem Tierfriedhof zu bestatten, sondern die Urne mit der Asche später im eigenen Familiengrab beisetzen zu lassen. In Hanau lud nun die Tierärztin Ines Ott gemeinsam mit dem evangelischen City-Pastoral Hanau zu einer Diskussion in ihre Praxis ein. Die Frage »Sich mit dem Haustier bestatten lassen. Zukunft oder Spinnerei?« diskutierte die Tierärztin mit Pfarrer Martin Abraham aus Bruchköbel, Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dem Tierbestatter Richard Reiber aus Maintal und dem Hanauer Bestatter Thomas Herrmann. Die Moderation übernahm City-Pastoral-Pfarrer Stefan Axmann.

1,5 Millionen Haustiere sterben jedes Jahr

Er veranschaulichte zu Beginn die Dimension des Themas: Mehr als 30 Millionen Haustiere leben in Deutschland, »Zierfische nicht mitgerechnet«, vor allem Katzen (14 Millionen) und Hunde (neun Millionen). 1,5 Millionen Haustiere sterben jedes Jahr.
»Jeder geht anders um mit dem Tod seines Haustiers«, sagt Tierbestatter Richard Reiber, selbst Besitzer von drei Schlittenhunden. Wenn das Tier eingeschläfert wurde, holt er es beim Tierarzt ab und bringt es in seinen Hygienekühlraum in Maintal. Im Tierkrematorium – das nächste ist in Darmstadt – wird das Tier auf Wunsch aufgebahrt und der Besitzer kann bei der Einäscherung dabei sein. Reiber hat sogar in Langenselbold einen eigenen Waldtierfriedhof eingerichtet, wo das Haustier wie in einem Bestattungswald in einer Urne unter Bäumen bestattet wird.

Raum zum Abschiednehmen in der Tierarztpraxis

Tierärztin Ott hat in ihrer Praxis immer wieder erlebt, dass den Menschen eine Möglichkeit zum Abschiednehmen fehlte, wenn das Tier eingeschläfert werden musste. »Alles musste schnell, schnell gehen, weil schon die nächsten Patienten warteten.« Deshalb hat sie einen »Raum für Zeit« eingerichtet, wo die Menschen sich in Ruhe und Stille von dem vierbeinigen Freund verabschieden können. Das Angebot hatte eine ungewöhnlich große Resonanz, erzählt Ott. Sie bekam Dankesbriefe von Tierbesitzern, Zeitung und Radio berichteten.

Immer häufiger Anfragen nach Mensch-Tier-Bestattungen

Juristisch ist es möglich, die Asche des Tieres in einem Beutel in den Sarg oder den Deckel der Urne des Besitzers zu legen, erläutert Bestatter Thomas Herrmann, der sich eigens beim Bundesverband der Bestatter erkundigt hat. Die Bestatter erhielten immer häufiger Anfragen nach Mensch-Tier-Bestattungen. Vereinzelt gibt es in Deutschland auch schon Friedhöfe mit gemeinsamen Gräbern für Hund und Halter, etwa in Essen und Braubach bei Koblenz.
Und wie stellt sich die evangelische Kirche dazu? Pfarrer Martin Abraham aus Bruchköbel verweist darauf, dass es keine offizielle Stellungnahme gebe. Er ist selbst Tierbesitzer, hat Hühner, Fische, eine Katze und einen Hamster. Der Vater von vier Kindern hat auch schon Kleintiere begraben. Doch eine Trauerrede für ein verstorbenes Tier zu halten, kann er sich nicht vorstellen.

Bestattung auf dem Tierfriedhof mit 20 Gästen

Dagegen berichtet Tierbestatter Reiber von einer Bestattung auf dem Frankfurter Tierfriedhof mit 20 Gästen, für die ein freier Trauerredner engagiert worden sei. Pfarrer Abraham verweist auf eine gewisse »Asymmetrie, die ich ansprechen möchte«, denn es gebe etwa in seiner Gemeinde in Bruchköbel »Bestattungen von Menschen, zu denen keiner hingeht«. Zwar habe der Mensch einen Fürsorgeauftrag und müsse gut mit Tieren umgehen, doch die »lebendige Seele« des Menschen und die besondere Beziehung zwischen Mensch und Gott habe eben doch eine andere Qualität.

Tiere spüren die Traurigkeit des Menschen

Allerdings ist sich die Diskussionsrunde, Pfarrer Abraham eingeschlossen, einig darin, dass Tiere durchaus eine Seele haben – oder, wie Oberbürgermeister Kaminsky es formuliert, »Individualität und Gefühle, ganz klar«. Tiere trösten, Bestatter Herrmann sagt, »sie spüren die Traurigkeit der Menschen«. Sein Rauhaardackel Paul sei »als Erster bei meinem Kind, wenn es hingefallen ist«.
Kaminsky glaubt, dass die Debatten über gemeinsame Mensch-Tier-Bestattungen zunehmen werden und forderte Respekt sowohl gegenüber Menschen, die das nicht wollen, als auch Akzeptanz für den wachsenden Wunsch danach. Er prophezeite: »In zehn Jahren wird die Situation eine andere sein.«
Von Uta Grossmann

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