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Friedensethik

Nur nicht abheben

dpa/Michael KappelerSoldaten in Uniform halten den Helm im Arm.Helm ab zum Gebet: Präses Ulrich Oelschläger möchte die Perspektive der Bundeswehrsoldaten in einer Friedensethik der Kirche formuliert wissen.

Die Kirchenleitung hat der Synode einen Entwurf vorgelegt, wie ihre friedensethische Haltung aussehen könnte. Gegenstimmen gab es nicht, aber viele Synodalen vermissten in dem Papier aktuelle Entwicklungen und Perspektiven anderer.

Bei der nächsten Sitzung der Kirchensynode im Frühjahr soll die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eine friedensethische Stellungnahme abgeben. Die Synode beauftragte ohne Gegenstimme und ohne Enthaltung ihren Ausschuss für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, federführend einen Text dazu auszuarbeiten.

Vorrang für zivile Konfliktlösung

Ulrike Scherf, Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten, hatte zuvor einen Entwurf für eine Stellungnahme vorgestellt. Er enthielt fünf Schwerpunkte. Die EKHN solle sich erstens für einen Vorrang für zivile Konfliktlösungen stark machen, zweitens im öffentlichen Diskurs jene Stimmen stärken, die Rüstungsexporte kritisieren, drittens darauf dringen, dass Minderjährige nicht an der Waffe ausgebildet würden, viertens gegen Atomwaffen einstehen und fünftens eine Debatte um die Ächtung autonomer Waffensysteme führen.

Bezug zum »cyberwar« vermisst

Dieser Entwurf ging vielen Synodalen nicht weit genug. Christian Heß aus dem Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim und die Jugenddelegierte Claudia Künkel vermissten einen Bezug auf neue Formen des Kriegs, zum Beispiel die »cyberwars«. Heute würden Kriege auch ohne Waffen geführt, gab Heß zu bedenken: »Wir alle werden zu Spielbällen in so einem Krieg.«
Heß nannte den Fall des Computervirus »WannaCry«, der im Mai 2017 Computersysteme weltweit befallen hatte. In Deutschland habe vor allem die Bahn für einen ganzen Zeitraum keine Fahrkarten mehr verkaufen können.

Auch strukturelle Gewalt muss Thema sein

Markus Nett aus dem Dekanat Wiesbaden forderte, auch die Militärseelsorge müsse einbezogen werden. Er habe Probleme damit, wenn zum Beispiel Militärbischof Sigurd Rink den Inhalt der Bergpredigt für interpretierbar erkläre (Evangelische Sonntags-Zeitung, Nr. 35, S. 8). Erika Mohri aus Worms verwies darauf, dass auch das Thema strukturelle Gewalt – zum Beispiel durch ungerechte gesellschaftliche Verhältnisse oder durch ausbeuterische Handelsbeziehungen – in eine solche friedensethische Stellungnahme gehöre.

Respekt für Soldaten

Präses Ulrich Oelschläger wollte die Perspektive der Bundeswehrsoldaten, dass sie auf ihre Weise ebenfalls für Frieden sorgten, abgebildet wissen. »Diesen Respekt haben Soldaten verdient«, sagte er. Andreas Heidrich aus dem Dekanat Kronberg pflichtete ihm bei. Die Kirche laufe Gefahr abzuheben, wenn ihre Mitglieder sich als die besseren Christen verstünden.

Nils Sandrisser

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