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Menschenfreund

Oskar Schindlers Freunde

Doris SticklerUrsula Trautwein (links), Frau des früheren Propstes Dieter Trautwein, kann sich noch gut an Oskar Schindler erinnern. Von ihm erzählt sie auf Einladung von Monika Kittler in der Dreifaltigkeitsgemeinde.

Frankfurt . Er war eine schillernde Persönlichkeit: Lebemann und Menschenretter in einer Person. Und er war ein guter Bekannter der Familie Trautwein aus Frankfurt: Oskar Schindler.

Das Haus am Hauptbahnhof war heruntergekommen, die Wohnung unter dem Dach. Als Dieter Trautwein dort 1967 auf den Klingelknopf drückte, ahnte er nicht, wer ihm da öffnen sollte. Oskar Schindler war damals kaum jemandem ein Begriff. Auch für den Pfarrer nicht. Er hatte den Namen bei einer Israelreise in der Gedenkstätte Yad Vashem entdeckt und wollte wissen, wer sich dahinter verbirgt.

Spielbergs Film ändert alles

Nach der Rückkehr fing er an zu recherchieren und stieß auf die Frankfurter Adresse. Was Dieter Trautwein dann zu Ohren kam, habe in dieser Zeit fast niemanden interessiert, erinnert sich seine Witwe Ursula. Aufmerksamkeit für Oskar Schindlers Rettungsaktion zu erregen, sei erst 25 Jahre später Steven Spielberg mit seinem Film »Schindlers Liste« gelungen.

Ein häufiger und willkommener Gast

Ursula Trautwein ist eine der wenigen Personen, die Oskar Schindler noch persönlich kannten. Bei ihr zu Hause war er bis zu seinem Tod 1974 ein häufiger und willkommener Gast. »Oskar gehörte zur Familie, auch unsere drei Kinder liebten ihn sehr«, erzählte sie in der Dreifaltigkeitsgemeinde, wo sie im UHU-Treff – das Kürzel für »Unter Hundert« – von ihrer Begegnung mit einem Ausnahmemenschen berichtete.

Ein Lebemann im Krieg

Durch und durch Lebemann, habe er sich »mit allen möglichen Arbeiten durchgeschlagen«, nach Kriegsbeginn als Treuhänder für jüdisches Eigentum gewirkt und in Krakau eine Emailfabrik übernommen. Eigentlich, um damit Geld zu verdienen. »Als er mitbekam, dass man Juden ins Ghetto steckte, änderte er seine Haltung und tauschte nach und nach die polnischen Mitarbeiter gegen Juden aus.«

Ein Mann mit Mitgefühl

»Das Elend der Menschen hat Oskar enorm bewegt, er hatte unglaubliches Mitgefühl.« Außerdem habe er einen unfassbaren Wagemut besessen. Die mehr als 1200 von ihm geretteten Jüdinnen und Juden hätten ihn deshalb auch »Vater Courage« getauft. Er sei aber auch ein »Schluri« und Frauenheld gewesen und dem Alkohol sehr zugetan, sagte Ursula Trautwein und gestand: »Durch Oskar haben wir braven Pfarrersleute eine ganz andere Welt kennengelernt.« Sie bedaure sehr, dass er »nach dem Krieg trotz wiederholter Versuche nie mehr auf einen grünen Zweig gekommen« ist. Von Doris Stickler

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