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Delegation besucht Berlin

Reise in die Kirchenwelt der Zukunft

eöa/Dekanat WetterauDelegierte des Dekanats Wetterau werfen einen Blick auf kirchliche Strukturen in der Bundeshauptstadt.

FRIEDBERG. In Berlin, so sagt man, könne man einen Blick in die Zukunft der Kirchen werfen. Ein Blick, der zunächst Angst macht: Religion spielt dort kaum eine Rolle mehr im öffentlichen Leben. Aber die Protestanten dort gehen findig damit um.

Was in Berlin heute schon Normalität ist, ist im Rest der Republik noch Zukunftsmusik. Berlin gilt als Zukunftslabor für die bundesdeutsche Gesellschaft – da könnte die Stadt ja auch Modelle für die Entwicklung des Dekanats Wetterau bergen. Deshalb hat sich dort eine Delegation des Dekanats umgetan.

Kirchenmitglieder sind in Berlin in der Minderheit: Nur 16 Prozent der Bevölkerung gehören den großen Kirchen an. Mit einer inhaltlichen Neuorientierung ist es der protestantischen Kirche in Berlin-Mitte gelungen, ihre Strukturen an diese Gegebenheiten anzupassen. »Kirchliche Orte« heißt das hier mit Erfolg umgesetzte Modell. Soll bedeuten: Kirchen spezialisieren sich auf einen inhaltlichen Schwerpunkt, wie etwa Flüchtlings-, Diakonie-, oder Jugendkirchen.

Sterbehilfe für klassische Gemeinde

Im Gespräch mit den Wetterauer Gästen nahm Superintendent Bertold Höcker kein Blatt vor den Mund: »Die klassische Kirchengemeinde ist ein Modell der Vergangenheit. Da können wir nur noch Sterbehilfe leisten.« Trotzdem gehe es dem Evangelium gut in der Hauptstadt. Dort, wo Traditionelles nicht mehr greife, entstünden neue Gemeinschaften und inspirierende Gottesdienstformen. Wissen über Religiöses gebe es in der Bevölkerung kaum noch, bedauerte Höcker. Nur noch sechs Prozent eines Jahrgangs werde konfirmiert. Religiöse Erziehung finde hauptsächlich an Schulen statt.

Auf staatliche Unterstützung kann die Berliner Kirche nicht zählen. Da auch die Kirchensteuer nur spärlich fließt, setzt der Kirchenkreis Mitte auf professionelles Immobilienmanagement und Zusammenarbeit mit Unternehmen. Gebäude seien ein Schatz für die Kirche, glaubt Höcker. In Berlin-Mitte gibt es gewinnbringende Konzepte für die Gebäudenutzung: Kirchen werden vermietet für Konzerte, Kongresse und andere Veranstaltungen. Damit sich die Pfarrerinnen und Pfarrer auf Seelsorge und Verkündigung konzentrieren können, kümmern sich Geschäftsführer um Finanzen und Verwaltung.

Neue Formen von Spiritualität

Dort wo die klassische Gemeindearbeit stirbt, entstehen neue Formen von Spiritualität. In der Reformationskirche in Moabit ist 2011 ein solcher »Zukunftsort« entstanden. Unter dem Motto »Kirche unter anderen Umständen« hat sich eine Lebensgemeinschaft in der alten Kirche gesammelt. 35 Menschen leben hier gemeinsam in zwei Wohnhäusern. »Wir wollen Liebe und Offenheit leben«, sagt Steve Rauhut, der zu den Gründern der Lebensgemeinschaft gehört. Refo sei für ihn irgendetwas zwischen Hippie-Kommune und Kommunität, sagt der studierte Ingenieur und Theologe.

Auf dem Campus im Kiez sind heute gemeinnützige Organisationen beheimatet, eine Kita für 135 Kinder wird von Refo betrieben, ansonsten versteht man sich als Kirche für die Menschen am Ort. Refo ist ein eingetragener Verein, der sich ohne Kirchensteuer selber trägt. Zu Refo gehört ein multi-kulturelles Jugendtheater, momentan entsteht ein Café als Begegnungsort für den Kiez.

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