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Ausgrabung in Mainz

Sarkophag-Öffnung bringt noch keine Gewissheit

epd / Andrea EnderleinEin internationales Wissenschaftlerteam hat nach der Öffnung des Sarkophags in der evangelischen Mainzer Johanniskirche zunächst noch nicht klären können, wer dort bestattet wurde.

Wer in dem geheimnisvollen Steinsarkophag in der Mainzer Johanniskirche begraben liegt, bleibt auch nach der Öffnung des Grabes am Dienstag ein Rätsel. Die beteiligten Wissenschaftler wollen aber weiter daran arbeiten, es zu lösen.

Mainz. Nach der spektakulären Öffnung eines mittelalterlichen Sarkophags in der evangelischen Mainzer Johanniskirche bleibt vorerst offen, wer darin bestattet wurde. »Es ist eine Priesterbestattung mit höchster Wahrscheinlichkeit«, erklärte der wissenschaftliche Forschungsleiter Guido Faccani am Dienstag. Die in dem Steinsarkophag bestattete Person könne aber bislang nicht identifiziert werden. Auch das genaue Alter des Grabes sei noch nicht zu bestimmen. Die Bestattung sei zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert erfolgt. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die beteiligten Wissenschaftler von Gewebeuntersuchungen und Analysen der aufgefundenen Textilreste.

Goldfragment im Kopfbereich

Außerdem soll das Innere des Sarkophags mit einem Metalldetektor abgesucht werden. Bei der Untersuchung des Grabes seien außer den stark zersetzten sterblichen Überresten des Bestatteten auch Stoff- und Schuhfragmente sowie die Reste einer Goldborte gefunden worden, bei denen es sich um Verzierungen eines liturgischen Gewands handelte. Dass es sich bei Goldfragmenten im Kopfbereich um die Reste einer Bischofsmitra gehandelt haben könnte, bestätigte Faccani nicht.

Der Tote sei offenbar bei der Bestattung mit Ätzkalk bedeckt worden, um die Verwesung zu beschleunigen. Daher gebe es nur noch Knochenreste in dem Sarkophag. So seien der Schädel mitsamt den Zähnen komplett zersetzt und auch von den Händen des Toten gebe es bislang keine Spuren. Der Verstorbene sei mit Blickrichtung nach Osten bestattet worden, mit dem Kopf zwischen drei Steinplatten gebettet worden und auf den damaligen Hauptaltar der Kirche hin ausgerichtet gewesen.

Nichts spricht gegen ein Bischofsgrab

Vor Beginn der aufwendigen Sargöffnung hatten die Forscher die These vertreten, dass in dem Grab der 1021 verstorbene Mainzer Erzbischof Erkanbald bestattet wurde. Falls sich die These belegen lässt, dass es sich bei dem Sarkophag in St. Johannis um ein Bischofsgrab handelt, wäre dies der letzte Beweis dafür, dass St. Johannis der Vorgängerbau des benachbarten Mainzer Doms ist. »Es ist immer noch möglich, dass er es ist«, sagte Faccani. Bislang gebe es zumindest keine Funde, die gegen ein Bischofsgrab sprechen.

Kein zweiter Sarkophag

Faccani dementierte bei einer Pressekonferenz am Nachmittag die zuvor aufgekommene Information, unter dem mutmaßlichen Bischofsgrab befinde sich ein zweiter Sarkophag. »An dieser Stelle dürfte keiner mehr liegen«, sagte er. Die evangelische Kirche sei nicht enttäuscht darüber, dass es vorerst keine Klarheit über die Identität der in St. Johannis bestatteten Persönlichkeit gibt. »Uns ist ein Erzbischof genauso lieb wie jeder andere Kleriker oder auch Laie«, erklärte der evangelische Mainzer Dekan Andreas Klodt.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, der die Forschungsarbeiten am Morgen zusammen mit dem katholischen Mainzer Bischof Peter Kohlgraf vor Ort verfolgte, sprach von einem bewegenden Ereignis. Er halte die Vermutung, dass es sich um ein Bischofsgrab handele, für naheliegend.

Eine der ältesten Kirchen Deutschlands

Nach einer Reihe spektakulärer archäologischer Entdeckungen in St. Johannis steht bereits fest, dass es sich um eine der ältesten Kirchen Deutschlands handelt. Immer neue Funde hatten mehrjährige Grabungen im Inneren des Baus zur Folge. Teile der erhaltenen Kirchenmauern können mittlerweile auf das 5. oder 6. Jahrhundert datiert werden. «Wir wollen, dass diese Kirche als Kirche erhalten bleibt und nicht ein Museum daraus machen», kündigte Jung an. Fortführung und Abschluss der Arbeiten würden allerdings noch viel Zeit und erhebliche Mittel erfordern. Bislang haben allein die 2013 begonnenen archäologischen Grabungen rund sieben Millionen Euro gekostet. epd

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