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Migration

»Sehen nicht, was in Afrika geschieht«

EKHNDiskutieren gemeinsam über Migration: Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung (links) sowie Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen in Afrika und der hessen-nassauischen Kirche.

STELLENBOSCH/DARMSTADT. Einen genaueren Blick auf Fragen der Migration fordert der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung nach einem Besuch in Afrika. Dort haben Partnerkirchen eine Stellungnahme verabschiedet in der es auch heißt, dass Migration zum Leben gehört.

Zum Abschluss seines Besuchs in Südafrika hat der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung dazu aufgerufen, Herausforderungen der Migration in der Kirche mehr in den Blick zu nehmen. Nach einer Konsultation in Stellenbosch bei Kapstadt hatten die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und ihre Partnerkirchen in Afrika verabredet, das Bewusstsein für Migrationsfragen zu stärken. Das umfasse das Handeln der Kirchen, die Verkündigung, die diakonische Arbeit, das öffentliche Zeugnis sowie die Anwaltschaft und Lobbyarbeit der Kirchen für Migrantinnen und Migranten, wie es in einer gemeinsam verabschiedeten »Erklärung zur Migration« heißt.

Konsultation zum Thema "Migration"

Jung war mit einer fünfköpfigen Delegation zu der Herrnhuter Kirche in Südafrika (Moravian Church in South Africa) gereist. Teil des Besuchs war auch ein Zusammentreffen der afrikanischen Partnerkirchen der EKHN aus Tansania und Ghana zu einer dreitägigen Konsultation über das Thema »Migration«. An der Begegnung in Stellenbosch konnte eine Delegation aus Ghana nicht wie geplant teilnehmen, weil sie nicht rechtzeitig ein Visum erhielt.

Abwanderung gut ausgebildeter Menschen beklagt

»Migration ist ein großes Thema für die Kirchen. Es ging uns darum, aus afrikanischer und europäischer Perspektive differenziert die jeweiligen Herausforderungen in den einzelnen Ländern wahrzunehmen und zu erkennen, wo unsere Aufgaben als Kirchen sind«, sagte Jung. Aus europäischer Sicht sei es aufschlussreich gewesen zu sehen, dass Migration in Afrika in erster Linie eine Frage der innerafrikanischen Migration sei.
 »Wer in Deutschland behauptet, da stünde ein halber Kontinent bereit, der nach Europa drängt, nimmt nicht wahr, was in Afrika wirklich geschieht«, sagte Jung. Sowohl Tansania als auch Südafrika nähmen Menschen aus anderen afrikanischen Ländern auf. Die Teilnehmenden der Konferenz aus Afrika hätten zudem die Abwanderung zum Teil sehr gut ausgebildeter junger Menschen in verschiedene Länder beklagt.

Verbreitete globalisierte Gleichgültigkeit

Große Übereinstimmung habe bei dem Zusammentreffen in der gemeinsamen Überzeugung bestanden, »dass Migration fest zum menschlichen Leben gehört und nicht unterbunden werden kann, sondern gestaltet werden muss«, so Jung. Flüchtlinge in ihrer besonderen Situation wahrzunehmen und anzuerkennen, hielten die beteiligten Kirchen nicht nur für eine humanitäre Forderung, sondern für eine Grundhaltung des christlichen Glaubens. »Dies ist tief im Menschenbild des christlichen Glaubens verwurzelt, der alle Menschen als Ebenbilder Gottes versteht und menschliches Leben immer auch von anderen Menschen als den Nächsten her versteht«, hob der Kirchenpräsident hervor.
»Wir halten Gastfreundschaft und die Bereitschaft, Menschen als Mitmenschen anzuerkennen und im anderen auch immer sich selbst zu sehen, für eine mit dem christlichen Glauben verbundene Grundhaltung«, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. Angesichts einer »verbreiteten globalisierten Gleichgültigkeit« sehen die Unterzeichner ihre Rolle als Kirchen darin, dafür einzutreten, dass Menschen einander als freie Menschen wahrnehmen. Weiter heißt es: »Dazu gehört, dass wir jeder Form von Rassismus, Sexismus, Menschenverachtung, Erniedrigung und Verfolgung von Menschen entgegentreten.«
Die EKHN hat in Afrika Partnerschaften mit den Diözesen Karagwe und Nord-West der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, der Moravian Church Southern Province in Tansania, der Presbyterian Church in Ghana und der Moravian Church in Südafrika. esz

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