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Generationenwechsel

Talar fürs Leben

epd/Giulia IannicelliTalarschneider Reinhard K. Albrecht aus Nürnberg arbeitet in seiner Werkstatt an einem Talar. Nun geht Albrecht in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin ist schon seit elf Jahren im Betrieb.

NÜRNBERG. In der Nürnberger Talarschneiderei scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nähmaschinen rattern, große Stoffballen liegen in den Regalen. Doch nun steht Veränderung an.

Im Nassauer Haus im Herzen von Nürnberg, direkt gegenüber der Lorenzkirche, betreibt Reinhard K. Albrecht eine der letzten Traditionswerkstätten in Deutschland, in denen evangelischen Geistlichen ihre Amtstracht nach Maß auf den Leib geschneidert wird. Vier Stockwerke geht es nach oben, unter dem Dach des mittelalterlichen Wohnturms befindet sich eine Werkstatt wie aus einer anderen Zeit.

In 40 Jahren 4600 Talare geschneidert

In dem hellen Arbeitsraum sind offene Regale zu sehen, in denen dunkle Stoffe aufeinandergeschichtet sind, Kleiderständer und Schneiderpuppen, die Talare und Lutherröcke präsentieren und viele Zwirnspulen. Das Rattern der historisch anmutenden Nähmaschinen auf großen Holztischen erinnert an die Anfangstage der Schneiderei. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. In den vergangenen 40 Jahren haben Albrecht und seine Mitarbeiterinnen rund 4600 Talare geschneidert.

Kunden aus Toronto und Palästina

Um die 750 Euro kostet so ein edles Stück. Maßarbeit hat ihren Preis. Dafür erwirbt der Käufer oder die Käuferin ein Kleidungsstück fürs Leben. Der Ruf eilt Albrechts Werkstatt voraus. Sogar aus Toronto und Palästina kommen die Kunden. Die letzten Pröpste von Jerusalem wurden alle von ihm eingekleidet. Derzeit arbeitet er an einem Lutherrock für den neuen Bischof in Palästina.

Generationenwechsel bis Ende des Jahres

Es sieht aus, als hätten die »9er-Jahre« einen besonderen Bezug zu Albrecht: 1949 wurde die Schneiderei von seinem Vater in Ottensoos gegründet, 1979 übernahm Albrecht die Talaranfertigung von Ernst Schmalzreich (Bayerische Talare seit 1922), 1989 zog er mit seiner Werkstatt ins Nassauer Haus und jetzt – 2019 – übergibt er seine moderne und gleichfalls traditionsreiche Schneiderwerkstatt an seine Nachfolgerin Andrea Junghanns. Bis zum Ende des Jahres soll der Generationenwechsel vollzogen sein.

Nur Spezialisten haben eine Zukunft

Reinhard Albrecht hat die Herrenschneiderin ausgebildet, seit elf Jahren ist sie in seiner Werkstatt, arbeitet schnell und präzise. »Talare schneidern macht mir Spaß«, sagt Andrea Junghanns. Der Beruf bietet nur noch jenen eine Zukunft, die sich spezialisieren. Sie findet auch Haute Couture oder Tracht interessant, aber bei den Gewändern für die Pfarrer, Vikare und Bischöfe arbeitet sie für eine sichere Zielgruppe. Außerdem gefällt ihr die Arbeit mit den Stoffen. Nicht jeder kann mit Samt umgehen. »Der Samt hat Flor, und das schiebt beim Nähen«, erklärt sie. »Da muss ich aufpassen, dass der Samt das macht, was ich will.«
Roland Rosenbauer/epd

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