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Genmanipulation

Theologe fordert »Haltung der Demut«

dpa/SpectraTabubruch: Ein chinesischer Forscher behauptet, die Gene zweier Babys so manipuliert zu haben, dass sie nicht an HIV erkranken können.

WIEN/FRANKFURT. Vor kurzem hat der chinesische Genforscher He Jiankui für Aufsehen gesorgt. Er hat berichtet, das Erbgut von Zwillingen mit der Genschere Crispr/Cas9 verändert zu haben. Auf dem Spiel stehe nun die Frage der Menschenwürde, kritisiert der Theologe Ulrich H. J. Körtner.

Die Berichte über die mutmaßliche Geburt erster genmanipulierter Babys in China haben eine neue Wertedebatte ausgelöst. Der Wiener evangelische Sozialethiker Ulrich H. J. Körtner stellt grundsätzlich die Frage, »wie die Gesellschaft insgesamt in die komplexe biopolitische und bioethische Debatte eingebunden werden kann«.

Ethische Grenzen der Wissenschaft

Die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen, wenn das Leben immer mehr als technisches Produkt statt als Gabe verstanden werde, »seien gravierend«, erklärte der Theologieprofessor in Wien. Wissenschaftsfreiheit sei ein hohes Gut, aber »sie hat ethische Grenzen«. Laut verschiedenen Medienberichten ist der chinesische Genforscher He Jiankui inzwischen verschwunden.

Wer darf über Schicksal von Ungeborenen verfügen?

»Die entscheidende Frage lautet, was es künftig heißt, ein Mensch zu sein, und wer wir sein wollen«, so Körtner, Ordinarius für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien: »Wer gibt Menschen das Recht, über andere Menschen und über das Schicksal von Ungeborenen zu verfügen?« Die Achtung vor dem Menschen und seiner Würde bedeute, ihn zu verschonen.

Es stellen sich auch Fragen zum Tierschutz

»Je mehr das biomedizinische Wissen wächst, desto größer wird das Nichtwissen, und desto mehr braucht es in Forschung und Weltgestaltung eine Haltung der Demut«, so Körtner. »Auf dem Spiel steht nicht nur unser Verständnis der Menschenwürde. Es stellen sich auch Fragen zum Tierschutz und zur Tierethik«, fügte der Theologe hinzu, der auch Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien ist.

Menschen mit Gen-Schere maßschneidern

Sollte die Geschichte um die Manipulationen an der menschlichen Keimbahn erfunden sein, »wäre dies ein Fall von Wissenschaftsbetrug. Getrieben von zügellosem Ehrgeiz machen unseriöse Forscher immer wieder mit Sensationsmeldungen von sich reden; etwa mit der Behauptung, ein geklontes Kind zur Welt gebracht zu haben«, kritisierte Körtner. Sollte die Geschichte aus China allerdings stimmen, wäre sie erst recht ein Wissenschaftsskandal. Menschen mit Hilfe von Gen-Scheren maßzuschneidern, gelte international zu Recht als Tabu.

Staatliche Gesetzgebung stößt an Grenzen

Offenbar genügten ethische Selbstverpflichtungen wissenschaftlicher Fachgesellschaften nicht in jedem Fall, damit ethische Regeln auch wirklich eingehalten werden, gab Körtner zu bedenken. Die staatliche Gesetzgebung stößt an Grenzen, weil Forschung heute global vernetzt betrieben wird. Doch gebe es zu weiteren Anstrengungen, die Einhaltung internationaler Forschungsstandards durchzusetzen, keine Alternative.epd

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