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Freiwilliges Soziales Jahr in Tansania

Träume von Nudelauflauf und WLAN

SCHMITTEN. Nach dem Abitur reisen viele Jugendliche für ein Jahr »Work and Travel« nach Neuseeland oder in die USA. Die 20-Jährige Paula Wienhold entschied sich für ein halbes Jahr in Afrika. Nach ihrer Rückkehr weiß sie vieles in Deutschland mehr zu schätzen.

privat/Paula WienholdPaula Wienhold in Tansania.

D ie »Weiße« wurde sie im Bus von Einheimischen genannt, Taxifahrer haben versucht, sie über den Tisch zu ziehen, tagelang musste die angehende Studentin ohne Strom und damit ohne Handy auskommen. Trotzdem hat es Paula Wienhold in Tansania gut gefallen, sie hat viel gelernt. Von einer Freundin hörte sie von der Organisation »STEP Africa«. Dort können sich Jugendliche melden, die sich in Afrika engagieren möchten. Paula Wienhold entschied sich für die Arbeit in einem Kinder- und einem Tierheim.

Nicht nur die Sprache, auch die Gestik ist verschieden

Gelebt hat die angehende Studentin in einem Vierbettzimmer in einem Hostel. Ohne eigenes Bad, ohne Privatsphäre. Der Essensplan wiederholte sich nach zwei Wochen. »Es gab schon mal Momente, in denen ich dachte: Boah, jetzt einen Nudelauflauf!« Reis, Bohnen und Kraut waren nach einiger Zeit dann doch etwas eintönig, sagt Wienhold. Wenn es mal wieder keinen Strom gab, mussten die Eltern auf das Skypen mit ihrer Tochter auf den nächsten Tag warten.

Besonders im Kinderheim war es mit der Sprache nicht immer einfach. Zwar machte die reisebegeisterte Abiturientin einen Sprachkurs und konnte gegen Ende einige Vokabeln der Verkehrssprache Swahili, trotzdem musste sie oft improvisieren und sich mit Händen und Füßen verständigen. Sogar das klappte nicht immer, erzählt Wienhold. »Unser Winken zum Beispiel kennen die nicht. Anders als wir drehen Tansanier den Handrücken nach oben und bewegen dabei die Finger auf und ab.«

Weihnachten fast wie zu Hause

Fast wie zu Hause erlebte sie dagegen den Weihnachtsabend. Im Kinderheim kamen Hunderte, schick gekleidete Menschen aus der Nachbarschaft zusammen, es gab einen Gottesdienst, Süßigkeiten für die Kinder und ein Abendessen. Wienhold war häufiger in der International Church. »Das denkt man gar nicht, aber da waren immer viele Amerikaner und Europäer, die dauerhaft dort leben.« Im Radio gebe es deutlich mehr Kirchensender als in Deutschland. »Ich habe zwar nichts verstanden, aber die Leute da haben gepredigt und richtig geschrien. Das war beängstigend.« Die Mitarbeiter im Heim erklärten ihr, dass es im Land viele Hass-Prediger gebe.

Richtig sicher hat sich die junge Frau aus Schmitten nicht immer gefühlt. »Einmal bin ich auf einem klapprigen Motorradtaxi irgendwo in die Pampa gefahren. Mitten auf der Fahrt fiel irgendwas vom Motorrad ab. Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht.« Der Taxifahrer sammelte das Teil entspannt wieder auf. Auch wenn Wienhold spätabends auf den letzten Bus wartete, war ihr manchmal mulmig zumute.

In Tansania beherrscht man die Kunst der Improvisation

»Der Großteil der Menschen ist total gastfreundlich und herzlich«, erzählt Wienhold. Die Verkäuferin vom nahegelegenden Supermarkt habe sie immer fröhlich mit »Hi Darling!« begrüßt und sogar einmal zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen. Spontanität und die Kunst zur Improvisation – das könnten die Deutschen von den Menschendort lernen, findet Wienhold. Vieles wisse sie in ihrem Heimatland nun mehr zu schätzen. »Wir haben hier in Schmitten so einen Monster-Rewe. Wenn ich da jetzt vor den Regalen stehe, fällt man um vor diesem Überfluss.« An ihre ersten Stunden nach ihrer Rückkehr im Februar dieses Jahres erinnert sie sich genau: »Abends habe ich erst einmal schön heiß geduscht und mich den ganzen Tag auf mein großes Bett mit der guten Matratze gefreut.«

Von Carina Dobra

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