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Wechselhafte Geschichte

Welch’ Brot ich ess ...

gettyimages/Simeon DonovAuch frühere Vertreter der Gattung Homo haben Getreidekörner zur Ernährung genutzt. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal des Homo sapiens.

Jahrtausendelang hing es oft von der jeweiligen sozialen Schicht ab, welches Brot ein Mensch aß. Den Beginn des Brotbackens sahen Wissenschaftler lange zeitgleich mit dem Beginn des Getreideanbaus. Aber Brot gab es vielleicht schon früher.

Lange dachten Forscher, dass Menschen erst angefangen hätten, Brot zu backen und zu essen, als sie ihr Jäger- und Sammlerdasein aufgegeben hatten und sesshafte Bauern geworden waren. Doch das ist wohl falsch: Erst kam das Brot, dann der Getreideanbau. Im vergangenen Jahr veröffentlichten Forscher der Universität Kopenhagen ihre Erkenntnisse von einer Fundstelle in Jordanien.

Menschen hatten dort vor 14 000 Jahren gebacken, also rund 4000 Jahre vor Erfindung des Ackerbaus. Die Archäologen fanden halbverkohlte Reste von Broten aus wilder Gerste, Einkorn und Hafer. Die Brote könnten allerdings auch Reste von Getreidebrei sein. Wenn es Brote waren, ähnelten sie in ihrer Form den heutigen Fladenbroten.

Selbst die Neandertaler haben ihre Zähne keinesfalls nur in Mammutkeulen geschlagen. Leipziger Anthropologen fanden auf 44 000 Jahre alten Neandertaler-Zähnen aus dem Nordirak Reste von Stärke, dem Hauptbestandteil von Getreide. Es stammte wohl von Wildgerste und anderen Gräsersorten. Die Forscher wiesen auch nach, dass diese Nahrung erhitzt worden war.

Es sei jedoch »eher unwahrscheinlich«, dass die Neandertaler schon Brot gegessen haben, sagt die Archäologin Simone Riehl von der Universität Tübingen. Getreideprodukte haben ihren Worten zufolge wohl auch keine große Rolle für deren Ernährung gespielt. Aber immerhin zeige der Fund, »dass frühe Menschenformen ebenfalls Gräser sammelten und aßen, und dass es nicht, wie früher angenommen, eine Errungenschaft des modernen Menschen war«.

Brot aus Weizen nur für Begüterte

Welches Brot man aß, hing jahrtausendelang auch von der sozialen Gruppe ab, der ein Mensch angehörte. Selbst im antiken Sparta. Die herrschende Schicht des griechischen Militärstaates, die Spartiaten, erzählte von sich zwar gern, sie würde nur ganz anspruchslos speisen. Das spartanische Gerstenbrot hatte den Ruf, abscheulich zu schmecken. In späterer Zeit allerdings, im dritten vorchristlichen Jahrhundert, genehmigten sich die harten Krieger gerne mal Gebackenes aus Weizen. Für die sparta nischen Staatssklaven, die Heloten, dürfte es hingegen beim Gerstenlaib geblieben sein.

Im Mittelalter war das tägliche Brot ebenfalls vom jeweiligen Stand abhängig. Dafür sorgte der Preis. Bei den Ärmeren stand häufiger Brei- als Brotgetreide auf dem Speiseplan als bei den Reicheren, zum Beispiel Hafer. Ein Dokument aus Frankfurt aus dem Jahr 794 legt fest, dass für einen Malter Weizen – ein altes Hohlmaß, das ungefähr 100 Litern entsprach, aber regional unterschiedlich ausfallen konnte – vier Denare zu zahlen seien. Ein Malter Roggen kostete nur noch drei, ein Malter Gerste oder Dinkel zwei Denare und ein Malter Hafer einen Denar.

Grundnahrungsmittel und heilige Speise

Die Bedeutung der unterschiedlichen Getreide- und Brotsorten für die Ernährung nahm im Laufe des Mittelalters gewaltig zu. Brot wurde zum Hauptnahrungsmittel, im Hochmittelalter bestand drei Viertel der Nahrung der Menschen aus Getreide. Rund um Brot gab es eine Fülle von Bräuchen und Symboliken. Brot galt als heilige Speise, eben weil es als Grundnahrungsmittel so eine enorme Bedeutung hatte.

Heute spielt Brot für die tägliche Ernährung immer noch eine große Rolle – aber die Bedeutung sinkt langsam. Kauften die Deutschen im Jahr 2012 noch 48,5 Kilogramm der Backware pro Haushalt, waren es vier Jahre später nur noch 45,9 Kilo.

In den zahlreicher werdenden Single-Haushalten stehe das traditionelle Abendbrot oft nicht besonders hoch im Kurs, erklärt Meike Bennewitz vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwesens. Man esse heute lieber zwischendurch etwas außer Haus und abends dann zu Hause etwas Warmes. Aber es gebe auch Brotsorten, die beliebter würden, und zwar das Gebäck der Vorfahren: »Dinkelbrot hat einen großen Boom in den vergangenen Jahren erlebt«, sagt sie, »ebenso Brot aus alten Getreidesorten wie Einkorn oder Emmer.« Und in Großstädten erkenne man einen Trend weg vom industriegefertigten Brot hin zu handgemachten Laiben, die dann auch gerne etwas teurer sein dürften.

Nils Sandrisser

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