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Online-Diskussion mit Bedford-Strohm

»Wir verlieren unsere Seele«

epd/Friedrich StarckHeinrich Bedford-Strohm hält links ein Mikro in der Hand und weist mit der rechten Hand nach vorne.Diskutiert auch online über das Engagement der Kirchen in der Flüchtlingspolitik: Heinrich Bedford-Strohm.

FRANKFURT. Trotz der Kritik an der Verschärfung der Bedingungen für das Kirchenasyl, dürfen die Kirchen den Rechtsstaat nicht infrage stellen, sagte Heinrich Bedford-Strohm während einer Online-Diskussion. Auch die Juristin Beatrice von Weizsäcker äußerte einen Wunsch an die Kirchen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat einen humaneren Umgang mit Asylsuchenden angemahnt. Der »Grundkonsens der Humanität« dürfe nicht aufgeweicht werden, sagte Bedford-Strohm in einer Online-Diskussion zur Flüchtlingspolitik: »Wir verlieren unsere Seele, wenn wir die Menschen nur fernhalten wollen.«

Sterben im Mittelmeer darf nicht für Strategien herhalten

Mit Blick auf Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz sowie Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft sagte der EKD-Ratsvorsitzende, er befürchte eine »Verschiebung des Grundkonsenses« der Werte. Man könne über viele Themen politisch streiten, etwa was die Grenzkontrollen in Europa angehe. Aber das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer etwa dürfe niemals Teil einer Strategie sein, die Schlepper zu bekämpfen, so Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist.

Kein Konsens für Weg in die Illegalität

Trotz aller Spannungen beim Thema Kirchenasyl warnte Bedford-Strohm davor, das Gespräch mit den staatlichen Behörden abzubrechen. Er glaube nicht, dass es für den Weg in die Illegalität in den christlichen Gemeinden tatsächlich einen »Konsens gibt«, fügte er hinzu. Der Staat respektiere grundsätzlich, dass Flüchtlinge, die abgeschoben werden sollen, im Kirchenasyl sicher seien.

Kein kircheneigener Rechtsweg

KBei aller Kritik an den gegenwärtigen Verschärfungen des Kirchenasyls durch die Behörden dürfe die Kirche den Rechtsstaat aus seiner Sicht nicht in Frage stellen. Es dürfe keinen »kircheneigenen Rechtsweg« geben, die Kirchen dürften das »Gesetz nicht selbst in die Hand nehmen«, sagte Bedford-Strohm. Christen hätten allerdings die Pflicht, verfolgten Menschen beizustehen. Zugleich warnte er vor ideologischen Ansätzen in der kirchlichen Flüchtlingsarbeit.
An der Online-Diskussion nahmen die Juristin Beatrice von Weizsäcker und Sven Giegold, Mitglied der Grünen-Fraktion im Europaparlament, teil. Beide gehören dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags an.

Kirchengemeinden sollen stolz sein

Der Grünen-Europa-Politiker Giegold plädierte für eine Homepage der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf der auf einer Karte alle Kirchenasyle und Initiativen für Flüchtlinge eingetragen sind, sofern die Gemeinden das wollen. Er ermutigte die Kirchen zu mehr »Stolz und Selbstbewusstsein« für dieses Engagement.

Kirchen sollen in ihrem Engagement »schärfer« sein

Weizsäcker beklagte eine Verrohung der Sprache beim Thema Flüchtlinge in der Gesellschaft. Die Tochter des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1920–2015) forderte von den Kirchen, sich gegenüber der Politik mit mehr »Schärfe« für eine humanere Flüchtlingspolitik einzusetzen.
Mehr als 109 000 Menschen haben den Angaben zufolge eine Petition für eine christliche, humane und solidarische Flüchtlingspolitik in Europa mit dem Titel »Erst stirbt das Recht, dann der Mensch!« unterschrieben. Darin wird von den EU-Regierungen Humanität statt Abschottung und von den Kirchen die Verteidigung der Menschenwürde ohne politische Rücksichtnahme gefordert.epd

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