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Dekanat Büdinger Land: Kirchengemeinde Ulfa feiert Mundart-Gottesdienst • Von Elfriede Maresch

»Woann doas Bruut«

Elfriede MareschLohnauszahlung bei den Arbeitern im Weinberg: Freude bei den einen, Frust bei den anderen.

NIDDA. Beim Mundart-Gottesdienst in Ulfa geht es um Groll, Zorn und Gerechtigkeit. Das Platt hat im Vergleich zum Hochdeutschen einen bestimmten Vorteil.

Dou hoaast uus, Herr, geruffe, earn dohrim soi mir hej …« – Kirchenbesucher, die nicht mit dem örtlichen Dialekt, dem Ilfer Platt aufgewachsen waren, erkennen das Eingangslied an der Melodie. Der Kirchenvorstand (KV) in Ulfa, dem einwohnerstärksten Ortsteil Niddas mit Ausnahme der Kernstadt, hat zum Mundartgottesdienst eingeladen, wobei die Andacht ein Nebeneinander von Hochdeutsch und Platt ist. Zum KV gehören Andrea Schneider, Ute Hacker, Werner Sparwald, Sonja Arnold, Bianca Rau, Corinna Müller, Ursula Hofmann und Stefanie Franz. Solche Mundartgottesdienste sind beliebt und auch von Auswärtigen gut besucht.

Alteingesessene sind unentbehrlich

Reiner Isheim, Pfarrer der Kirchengemeinde, ist kein gebürtiger Ulfaer. Sprechen kann er das Platt nicht, aber verstehen – so integriert ist er schon. Also sind die alteingesessenen Kirchenvorsteher unentbehrlich in der Gottesdienstvorbereitung. Die Ulfaer sind ihrem Ort sehr verbunden, es gibt ein reges Leben in der Kirchengemeinde, den Vereinen. Zu dieser Ortsverbundenheit gehört auch die Pflege der Mundart. Die örtliche Theatergruppe, die »Ilfer Schaustecker«, spielt prinzipiell in Platt. Ortsbürgerin Petra Graf bietet in der Nachmittagsbetreuung der örtlichen Grundschule immer wieder Mundartprojekte an.

Im Gottesdienst singen die Besucher »Woann doas Bruut, woas mir dahn, als Ruuse bloäud«. Wer das nicht erkennt, schlägt im Gesangbuch der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unter dem Lied Nummer 632 nach. Sonja Arnold hat die Lieder ins Platt übersetzt, die Beiträge zu Liturgie, Anspiel und Fürbittengebet übersetzen alle Beteiligten selbst. »Das bereitet oft Kopfzerbrechen«, schildert Sonja Arnold. »Unser Dialekt hat seine Eigenständigkeit, Eins-zu-eins-Übertragung ist nicht möglich.« Kirchenvorsteher Werner Sparwald ergänzt: »Der Vorzug unseres Dialekts ist seine Bildhaftigkeit, wir freuen uns, wenn die Texte besondere Anschaulichkeit bekommen.«

»Seid houd morje geärwed on gschidzd!«

Das trifft auch für das Anspiel zum Predigttext zu, dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Gleicher Lohn für alle? Da sind einige nicht einverstanden, Groll und Unverständnis machen sich Luft: »Mir haan seid houd morje geärwed on geschwidzd!«.

Ulf Häbel – Pfarrer, Landwirt und auch als Ruheständler Sozialraumpionier in seiner Wohngemeinde Freienseen bei Laubach – hält die Predigt und greift die verständliche Frustration auf: »Numerische Gleichheit für alle geht nicht. Die Menschen sollen das Lebensnotwendige bekommen – das ist eine Aussage des Gleichnisses.« Häbel warnt vor Neid, plädiert für Wertschätzung und Güte untereinander.

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