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Grenzüberschreitend

Zwei Länder, eine Gemeinde

epd/Leonie/MielkeDie »Kapelle der Begegnung« im Herzen des Straßburger Quartiers »Port du Rhin« ist Zentrum des Projekts »Von Ufer zu Ufer – D‘une rive à l’autre« der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Union Protestantischer Kirchen von Elsass und Lothringen. Die Menschen im Quartier können sich sowohl an den Kehler Dekan Günter Ihle als auch an die Straßburger Pfarrerin Roos Van De Keere wenden.

KEHL/STRASSBURG. Eines der größten Bauprojekte Frankreichs läuft derzeit in Straßburg: Direkt am Rhein entsteht ein französisch-deutsches Stadtviertel für 20.000 Menschen. Erstmals teilen sich auch die badische und die elsässische Kirche eine pastorale Stelle.

Die Städte Straßburg und Kehl leisten dem EU-Abgesang Widerstand und wachsen zusammen: Vom Osten Straßburgs bis zu den Toren der Stadt Kehl entstehen bis 2030 Wohnungen für 20.000 Menschen sowie Büroflächen, Kliniken und Behörden. Das Bauvorhaben »Zwei Ufer / Deux Rives« solle die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland stärken und den Status Straßburgs als europäische Hauptstadt bestätigen, heißt es dazu auf der Homepage der elsässischen Metropole.

Kirchengemeinde steht für Europa

Die ersten Früchte dieser Arbeit sind bereits sichtbar: Die Evangelische Landeskirche in Baden und die Union Protestantischer Kirchen von Elsass und Lothringen (UEPAL) haben das Projekt »Von Ufer zu Ufer – D’ une rive à l autre« ins Leben gerufen. Erstmals in der Geschichte der beiden Kirchen teilen sie sich eine pastorale Stelle. Die Menschen im Straßburger Quartier »Port du Rhin« können sich sowohl an den Kehler Dekan Günter Ihle als auch an die Straßburger Pfarrerin Roos Van De Keere wenden. »An dieser Grenze ist viel Blut geflossen, wir wollen für Europa stehen«, sagt Ihle.

Pfarrer und Pfarrerin sprechen beide Sprachen

Möglich wurde das im Dezember 2017 gestartete Projekt, weil Gemeinden und Gruppen der elsässischen und badischen Kirchen schon seit Jahren grenzüberschreitend zusammenarbeiten. »Es ist Vertrautheit da. Man kennt sich«, erklärt Van de Keere. Sie duzt den badischen Pfarrer auf Deutsch genauso souverän wie er sie auf Französisch.

Kapelle ist sanierungsbedürftig

Das Zentrum ihres Projekts ist die »Kapelle der Begegnung« (Chapelle de la Rencontre). Der weiße Bau liegt im Herzen des Straßburger Quartiers »Port du Rhin«, nur wenige hundert Meter hinter der Rheinbrücke nach Kehl, direkt gegenüber einer katholischen Kirche. Einziges Problem: Die Kapelle ist stark sanierungsbedürftig.


»Wir brauchen rund eine halbe Million Euro um die Heizung auf Vordermann zu bringen, die Wände zu isolieren und die Innenräume zu renovieren«, sagt Ihle. Mit etwas Glück könne die Sanierung Ende des Jahres beginnen. Praktisch sei die Kapelle derzeit vor allem im Frühjahr und im Herbst nutzbar. Im Sommer und im Winter sei nur ein eingeschränktes Programm möglich.

Angebote sollen Menschen vernetzen

Die beiden Theologen laden ein zu zweisprachigen Krabbel-Gottesdiensten, Konzerten, Ausstellungen, Musik-Workshops oder Bastel-Nachmittagen. »Es ist uns wichtig, auch nicht-religiöse Angebote zu haben, die vernetzend wirken«, erklärt Pfarrerin Van de Keere. Vor dem Beginn des Bauprojektes war »Port du Rhin« ein Fischer- und Hafenarbeiterviertel mit 1500 Einwohnern, ein sozialer Brennpunkt. »Es gibt hier nach wie vor die typischen Probleme mit Armut und Drogen, hinzu kommt der Wirbel durch die vielen neu ankommenden Menschen«, sagt Van de Keere. Dem wollten sie entgegenwirken.

In Frankreich ist Gemeinde ein Verein unter vielen

 Hinzu kommt der unterschiedliche Umgang mit Religion in Deutschland und Frankreich: »In Kehl können wir selbstverständlich agieren«, sagt Ihle. Im laizistischen Frankreich müssten sie deutlicher machen, welchen Beitrag die Kirche leistet. »Man kann sagen, in Frankreich sind wir nur ein Verein unter vielen, wir müssen schauen, wo unser Platz ist«, schätzt Van de Keere die Lage ein. Im Gegensatz zur badischen Landeskirche müsse sich die UEPAL als Minderheitenkirche behaupten.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Probleme bei der pastoralen Arbeit, etwa bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, gibt es keine. In Baden sind homo- und heterosexuelle Paare gleichgestellt. Die UEPAL hat bei dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen. »In diesem Fall würde ich das übernehmen«, sagt Dekan Ihle. Aber egal, welche theologischen Fragen sich stellten, sie würden sicherlich eine Lösung finden.
Leonie Mielke/epd

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