Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

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A

Advent ...

kommt vom lateinischen »adventus« für Ankunft. Gemeint war damit die Ankunft des Kaisers in Rom. Christen verwendeten das Wort für die Ankunft Christi unter den Menschen als Kind in der Krippe. Sie bezogen es auch auf seine erhoffte Wiederkunft. So verbindet der Advent das Warten auf Weihnachten und die Hoffnung für die Endzeit. Erstmals sicher belegt ist die Adventszeit ab dem 5. Jahrhundert nach Christus. Bischof Perpetuus von Tours forderte für die Zeit vom 11. November bis Weihnachten ein dreimaliges Fasten pro Woche. Die Adventszeit dauerte also ursprünglich sechs Wochen und war eine Fasten- und Bußzeit. Wer an Epiphanias, also am 6. Januar, getauft werden wollte, sollte sich durch Fasten darauf vorbereiten. 

Advent

Warten. Du wartest vergeblich, sagen ihm welche. Du wartest auf Godot. Schon möglich, denkt er. Doch wenn niemand kommt, woher dann die Unruhe in mir, und woher die Ruhe inmitten des Getümmels, jedes Mal neu, in jedem Advent?

Advent

Angefangen haben wir alle klein. Sind selig auf dem Boden gekrabbelt, bevor man uns lehrte, die hohen Stühle zu erobern. Damals haben wir den Kurs selbst bestimmt: Vom Puppenhaus auf allen Vieren zum Kaufladen, dann zur Autorennbahn des großen Bruders, zurück zu Mutters Nähkasten oder gleich ins Blumenbeet, auch wenn Vater erzieherisch eingriff. Wir konnten etwas, bevor wir’s mussten. Wo wir als Große angekommen sind, zwischen Lohnzettel, Waage, Konto, Dax, Tacho und CO2-Werten, scheint normal. »Advent ist, wenn der Euro hält«, raunt einer. Soviel Normalität ruft nach Revolution. Die steckt im Advent: Verwandelte Welt, endlich erwartungs- und spannungsgeladen. Allmacht im Winzling, Heiliges im Schäbigsten, im Kaputten das Heile. Endlich Zeit zu spielen, zu schenken, für irdisches Vergnügen in hochheiliger Zeit. Normal ist, was alle aus Angst tun: Advent erhebt Einspruch dagegen, hilft, vom hohen Ross hinunter auf die Erde zu kommen. Wo später die Krippe steht.

Advent

Erst seit dem 16. Jahrhundert beginnt der Advent im Dezember oder ein paar Tage zuvor. Weihnachten und Advent gibt es erst seit dem vierten und fünften Jahrhundert. Nach dem ältesten Beleg begann die Adventszeit am Martinstag, also am 11. November. Dann folgte eine 40-tägige Fastenzeit bis zum Epiphaniastag am 6. Januar. Das waren acht Wochen abzüglich der fastenfreien Sonn- und Feiertage und damit insgesamt 40 Tage. Der biblische Bezug: Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, das biblische Volk Israel war 40 Jahre in der Wüste unterwegs, ehe es ins Gelobte Land ziehen durfte. In der orthodoxen Kirche in Ländern wie Russland und Griechenland gibt es keinen Advent, sondern eine Fastenzeit. In Griechenland etwa beginnt sie am 15. November und endet am 24. Dezember. Manche Kirchen wie die russisch-orthodoxe feiern Weihnachten erst am 6. oder 7. Januar.

Altar

Das Wort kommt vom Lateinischen »ara« für Aufsatz auf dem Opfertisch, der Platz für Brand- und Schlachtopfer. Altäre entstanden zunächst unter freiem Himmel. Menschen schichteten Steine auf und schufen eine erhöhte Feuerstelle. Jakob zum Beispiel nach seinem Traum von der Leiter, die Himmel und Erde verbindet. Er machte den Stein, der ihm als Kopfkissen diente, zum Altar. Er erinnert an die Begegnung mit Gott. Bei Jesus kommen Altar und Kult wenig und wenn, dann kritisch vor. Die Urchristen feierten in ihren Häusern Abendmahl. Als sie Kirchen bauten, wurde der Altar zum Abendmahlstisch. Zur Unterscheidung vom Opferkult nannten sie ihn »mensa Domini«, Tisch des Herrn. So heißt er in reformierten Gemeinden. Altar oder Tisch des Herrn erinnert an das Abendmahl Jesu. An die Gemeinschaft mit Gott, die Christus stiftet.

Altar oder Tisch des Herrn

Das ist ein kleiner, feiner Unterschied und Streitpunkt zwischen Lutheranern und Reformierten. Evangelisch-lutherische Christen sprechen recht unbefangen vom Altar, um den herum die Gemeinde Abendmahl feiert. Altar war in der Antike der Tisch, auf dem der Priester die Opfertiere geschlachtet und verbrannt hat. Im Christentum gibt es keinen Opferkult. Die ersten Christen feierten das Abendmahl an ganz normalen Tischen. Ab dem 6. Jahrhundert verwendete die Kirche im Westen wieder Altäre, um Reliquien darin aufzubewahren. Seit dem Zürcher Reformator Zwingli vermeiden Reformierte den steinernen Altar zugunsten eines beweglichen Tisches. Bei Lutheranern geht es ebenfalls nicht um eine blutige Opfertheologie. Der Altarstein erinnert: Beim Abendmahl begegnen sich Gott und Mensch, berühren sich Himmel und Erde.

Antependium

Seit dem vierten Jahrhundert zeigen die Antependien mit ihren Farben die Kirchenjahreszeit an. Bestickte Behänge aus Stoff hängen am Altar, an der Kanzel und, wenn vorhanden, am Lesepult. Vier Farben stehen für das Kirchenjahr: Weiß für Christus, Violett für die Erwartung, Rot für den Heiligen Geist und Grün für die Hoffnung. Weiße Antependien hängen an Ostern und Weihnachten. Weiß steht für das Licht des Weihnachtssterns und der Auferstehung. Vor diesen Christusfesten gibt es jeweils eine Vorbereitungszeit, die Advents- und Passionszeit. Dann sind die Antependien violett. Früher waren das die Fastenzeiten. Rot steht für das Feuer des Heiligen Geistes, das ist die liturgische Farbe für Pfingsten, Gedenktage und die Konfirmation. In den Zeiten ohne besondere Prägung sind die Antependien grün. Grün ist die Farbe der Hoffnung und des Wachstums. So hängen die grünen Antependien in der langen Sommerzeit, aber auch zwischen Weihnachten und der Passionszeit.

Aschermittwoch

Eben noch Jubel, Trubel, Heiterkeit an Fastnacht. Einen Tag darauf ist Schluss mit Lustig. Selten im Jahr liegen Ausgelassenheit und aschgraue Ernüchterung so dicht beisammen. Mit Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Christliches Vorbild ist Jesus, der sich 40 Tage in die Wüste zurückzog und gefastet hat, bevor er öffentlich zu predigen begann. Von Aschermittwoch bis Ostern sind es 40 Tage – die Sonntage nicht mitgezählt, denn sie sind vom Fasten ausgenommen. Seinen Namen verdankt der Aschermittwoch einem alten Brauch der Buße. Reuige Sünder zogen an diesem Tag ein Bußgewand an. Der Priester streute ihnen Asche aufs Haupt. Asche reinigt. Noch heute lassen sich Katholiken an Aschermittwoch ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen. Evangelische Gemeinden können am Aschermittwoch einen Bußgottesdienst feiern.

Aschermittwoch

Wenn am Aschermittwoch das närrische Treiben vorbei ist, beginnt die christliche Bußzeit, die an die 40 Tage erinnern soll, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte (Matthäus 4,2). Seit der Frühzeit der Kirche mussten Menschen, denen eine Kirchenbuße auferlegt wurde, am Anfang der Fastenzeit ein Bußgewand anziehen, und sie wurden mit Asche bestreut. Daher kommen die Redensarten »In Sack und Asche gehen« oder »Asche auf mein Haupt streuen«. Daraus entwickelte sich der Brauch in der katholischen Kirche, Palmzweige aus dem Vorjahr zu verbrennen, die Asche zu segnen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen. Mit diesem Ritual soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Parteien begehen den politischen Aschermittwoch ohne einen erkennbaren Bezug zur Buße.

Auferstehung

Das Alte Testament kennt in seinen älteren Schichten keine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. »Die Toten loben dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue«, heißt es bei Jesaja (38,18). Doch schon im Alten Testament drängt die Frage: Endet die Treue Gottes mit dem Tod? Die Frauen, die am Ostermorgen den Leichnam Jesu salben wollen, rechnen mit allem. Nur nicht mit einem leerem Grab. Dann erscheint der Auferstandene seinen Jüngerinnen und Jüngern immer wieder, immer unerwartet. Er ist kein Geist. Man kann die Finger in seine Wunden legen. Das Neue Testament spricht vor allem von Auferweckung: Nicht der Mensch steht auf. Gott erweckt ihn zu neuem Leben.

Auferstehung

»Die Vorstellung, der ganze Scheiß geht wieder von vorne los, ist für mich unerträglich«, sagte der jüdische Schriftsteller Johannes Mario Simmel. Sein ehrlicher Seufzer ist sympathischer als ein geheucheltes Bekenntnis. Doch sei die Gegenfrage erlaubt: Ist die Vorstellung, »der ganze Scheiß« bleibe das Schlusswort in Ewigkeit, nicht noch unerträglicher? Auferstehung ist die Hoffnung auf himmlische Akteneinsicht für alle. Triftiges Gerücht, dass dem Tod wider Erwarten ein Fehler unterläuft.

Augen Gottes

»Pass auf, kleines Auge, was du siehst! Denn der Vater im Himmel schaut immer auf dich«, ist ein frommes Kinderlied, das oft wenig fromm und gar nicht harmlos eingesetzt wurde. Manche kennen es als Teil einer schwarzen Pädagogik. Erwachsene machten Kindern damit Angst vor einem Gott, der jeden Fehler sieht und ahndet. In der Bibel fürchten Menschen tatsächlich, dass ihr Leben vor den Augen Gottes keinen Bestand haben könnte. »Schau nicht auf meine Sünden«, ist darum eine Bitte. Noch größer ist aber die Sehnsucht, von Gott gesehen zu werden, bei ihm angesehen zu sein. »Du bist ein Gott, der mich sieht«, sagt die Magd Hagar, als Gott sie und ihren Sohn Ismael vor dem Verdursten in der Wüste gerettet hat (1. Mose 16,13). Gottes Auge, das auf einem Menschen ruht, bedeutet Segen.

B

Begegnung mit Gott ...

ist am Anfang der Bibel alltäglich. Der Schöpfer geht abends durch den Garten Eden und plaudert mit seinen Menschen. Mit dem Sündenfall schlängelt sich die Angst vor Gott in die Seele. Adam und Eva verstecken sich, nachdem sie von den verbotenen Früchten gegessen haben (1. Mose 2,8). Seitdem fürchtet der Mensch, in Grund und Boden zu sinken, wenn er vor dem Ewigen steht. Mose verhüllt vor Schreck sein Gesicht, als er Gottes Stimme aus dem brennenden Dornbusch hört (2. Mose 3,6). Später, als er wissen will, wie Gott aussieht, schützt Gott ihn vor sich selbst: »Kein Mensch wird leben, der mich sieht. Ich halte meine Hand über dir, bis ich vorübergegangen bin.« (2. Mose 33,20) »Weh mir, ich vergehe!«, ruft Jesaja, als er sich in einer Vision in den Thronsaal Gottes versetzt sieht (Jesaja 6,5). Kein Wunder also, dass der Engel an Weihnachten den Hirten erst einmal die Angst nimmt: »Fürchtet euch nicht!« Ihr werdet Gott begegnen, aber nicht sterben, sondern leben.

Berg

»Viele Wege führen zu Gott. Einer geht über die Berge«, sagte der begeisterte Alpinist und frühere katholische Bischof von Innsbruck Reinhold Stecher. Auf einem Berg fühlt man sich dem Himmel näher. Das ist auch in der Bibel so. Im Evangelium für den letzten Sonntag nach Epiphanias geht Jesus mit drei Jüngern auf einen hohen Berg. Oben angekommen beginnt sein Gesicht zu leuchten wie die Sonne, seine Kleider werden weiß wie Licht. Eine Stimme spricht: »Dies ist mein lieber Sohn.« (Matthäus 17,1-9) Berge sind nicht nur majestätisch, sondern auch unheimlich und lebensgefährlich. Das erlebt das biblische Volk Israel, als es nach der Befreiung aus Ägypten an den Berg Sinai kommt. Der Berg ist von einer dichten Wolke umhüllt. Er raucht und bebt, es blitzt und donnert. Mose steigt allein hinauf und kommt mit den Zehn Geboten wieder. So sind Gotteserfahrungen: erschütternd und erleuchtend.

Bergpredigt

Beeindruckt Menschen weit über das Christentum hinaus: Der Evangelist Matthäus hat Worte Jesu zu einer Rede komponiert (Matthäus 5-7). Eine Reihe von Versen steht auch in der Feldrede bei Lukas. Das deutet darauf, dass beide eine gemeinsame Quelle benutzt haben. Bei Matthäus hält Jesus die Rede auf einem Berg am See Genezareth. Der Berg ist in der Bibel ein Ort für Offenbarung. Jesus beginnt mit den sogenannten Seligpreisungen: »Selig sind, die ...« Vor dem Anspruch steht der Zuspruch. Die Bergpredigt ist wie ein Gang vom Alltag ins Allerheiligste und wieder zurück. Jesus gibt Gebote zu weltlichen Fragen: zum Töten, Ehebrechen, Schwören, Vergelten. Er formuliert in Antithesen: Das jeweilige Gebot aus der Thora (»Ihr habt gehört, dass«) radikalisiert er (»Ich aber sage euch«). Nach dem Gebot zu Feindesliebe und Almosen führt die Bergpredigt ins Allerheiligste: das Vaterunser. Von dort geht es zurück in die Welt: Fragen des Fastens, Schätzesammelns, Sorgens, Richtens. Am Schluss steht ein Bild: Wer die Rede hört und tut, ist wie ein Mensch, der sein Haus auf Fels baut.

Böse

Das waren noch Zeiten, als die Theologie das Böse dem Teufel auf den Buckel binden konnte. Heute versteckt es sich tief im Menschen und hat sich dort weit wirkungsvoller erwiesen als im Handeln eines Satans.

Brot

Das tägliche Brot ist im christlichen Verständnis das Gegenteil von Selbstausbeutung. Alles, was das Leben reich macht und was sich keiner selbst schaffen kann, wird bei Gott im Gebet eingefordert: Liebe, Gute Gefährten, Essen und Trinken, reiche Kinderschar, gute Regierung.

Brot

Deutschland ist Weltmeister, was die Anzahl der Brotsorten betrifft. Doch zum täglichen Brot gehören für Martin Luther auch das gute Leben, verträgliche Nachbarn, liebende Eheleute und eine gute Regierung. Welches »Brot« letztere gerade zubereitet? Die nächsten spannenden Wochen werden es zeigen. Mit hoffentlich genießbarem Ergebnis.

Brot...

steckt schon in Jesu Geburtsort: Bethlehem bedeutet Brothausen. Der erwachsene Jesus wird von sich sagen: »Ich bin das Brot des Lebens« (Johannes 6,35). Brot ist ein Grundnahrungsmittel im biblischen Israel. Brotbacken ist damals Frauensache. Sie kneten das Gersten- oder Weizenmehl mit Wasser und Salz zu Teig. Ein Stück Sauerteig durchsäuert das Ganze. Wenn Eile geboten war, wie bei der Flucht des Volkes Israel aus Ägypten, wurde ungesäuertes Brot gebacken (Mazzen). Brot gilt als Gabe Gottes. Vor dem Essen bricht der Hausherr das Brot und spricht Worte nach Psalm 104: »Gesegnet seist du, Herr unser Gott, König der Welt, der Brot aus der Erde hervorbringt.« So hat Jesus oft mit seinen Jüngern das Brot gebrochen und das letzte Abendmahl gefeiert.

Bruder ...

nannte Jesus nicht nur seine leiblichen Geschwister. Zu seinen Brüdern und Schwestern machte er auch die, die ihm eng verbunden waren. »Wer Gottes Willen tut«, das war für Jesus das Kriterium, wer zur Familie Gottes gehört. Die christliche Religion schuf daraus das Ideal von Gemeinschaft, in der sich bis heute Menschen auf Augenhöhe begegnen und gegenseitig helfen sollen. Christen sind Schwestern und Brüder, weil sie alle durch die Taufe Kinder Gottes sind und gemeinsam beten: »Vater unser im Himmel«.

C

Chanukka ...

liegt in zeitlicher Nähe zu Heiligabend. Zu Chanukka wird ausgelassen gefeiert – in Familien, mit Freunden und in den Gemeinden. Das jüdische Lichterfest dauert acht Tage. Es erinnert an den Aufstand der Makkabäer gegen die syrische Herrschaft im zweiten Jahrhundert vor Christus und die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Eine Überlieferung besagt, dass der Leuchter im Tempel nicht erlöschen durfte. Doch in ihrem Heiligtum fanden die Juden nur noch einen Krug geweihtes Öl vor. Wundersamer Weise ließ dies den Leuchter acht Tage brennen – so lange, wie sie brauchten, um neues Öl herzustellen. Im Gedenken daran entzünden Juden heute zu Hause und in der Synagoge Lichter. Jeden Abend kommt eine Kerze in einem achtarmigen Leuchter hinzu.

Charisma ...

hat ein Mensch mit Ausstrahlung. Das Wort aus dem Griechischen bedeutet »Gnadengabe«. Ein charismatischer Mensch ist ein von Gott besonders Begabter. Durch die Taufe sind alle Christenmenschen besonders begabt: mit dem Heiligen Geist. Jede Fähigkeit kann durch den Heiligen Geist zum Charisma werden, wenn sie anderen Menschen, im Besonderen der Gemeinde dient. Paulus nennt ganz unterschiedliche Charismen: Weisheit, prophetisch reden, die Geister unterscheiden, heilen, in fremden Sprachen sprechen, helfen. Auch die Kunst zu leiten ist ein Charisma (1. Korinther 12). Paulus warnt davor, sich eines Charismas zu brüsten: Jede Begabung ist ohne Liebe nichts wert (1. Korinther 13). Handauflegung verleiht das »Amtscharisma«: Auftrag und geistliche Kraft, als Lehrer, Prophet, Apostel oder Ältester in einer Gemeinde zu wirken (2.Timotheus 1, 6). Verstärkt seit den 60er Jahren gibt es quer durch die Konfessionen die charismatische Bewegung, auch Pfingstbewegung genannt. Hier spielen die Gaben des Heiligen Geistes eine besondere Rolle. Charismatische Gemeinden gehören zu denen, die weltweit am stärksten wachsen.

Choral

Ein Choral ist ein geistliches Musikstück. Zunächst wurden die in der Westkirche in den Messfeiern gesungenen Stücke als Gregorianischer Choral bezeichnet. Ursprünglich waren diese einstimmig. Später entwickelte sich daraus der mehrstimmige Chorgesang. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Begriff Choral zur Bezeichnung für die Gemeindelieder insgesamt. Auch die Orgelbearbeitungen und die musikalischen Sätze für Posaunenchöre von Kirchenliedern sowie kirchenliedähnliche Passagen innerhalb der weltlichen Musik können als Choral bezeichnet werden.

Christi Himmelfahrt

Seit dem vierten Jahrhundert feiern Christen 40 Tage nach Ostern das Fest Christi Himmelfahrt. Im Neuen Testament steht, dass der auferstandene Jesus Christus vor den Augen seiner Jünger »aufgehoben« wurde: »Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken« (Apostelgeschichte 1,9). Der Tag wird in den Kirchen mit Gottesdiensten in Pfarrgärten, im Wald und auf Bergen begangen. Christi Himmelfahrt ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Der Termin ist im Brauchtum auch als Vatertag bekannt.

D

Damaskuserlebnis ...

hat jemand, der von heute auf morgen eine 180 Grad-Wende in seiner Einstellung oder in seinem Leben macht. Eine Politikerin mutiert vom Kriegsfalken zur Friedenstaube. Ein Fleischesser wird über Nacht Vegetarier. Die Redewendung geht auf den Apostel Paulus zurück. Noch unter dem Namen Saulus verfolgt er fanatisch die ersten Christen, bis er auf dem Weg nach Damaskus eine Vision hat. Ein Licht vom Himmel leuchtet um ihn. Er fällt auf die Erde und hört Jesus: »Saul, Saul, was verfolgst du mich?« (Apostelgeschichte 9,4) Saulus lässt sich taufen und wird zum glühenden Missionar für den christlichen Glauben. Der Namenswechsel von Saulus zu Paulus hängt übrigens nicht mit dem Damaskuserlebnis zusammen. Davon berichtet die Bibel später in einem Nebensatz: »Saulus, der auch Paulus heißt« (Apostelgeschichte 13,9).

 

Darstellung des Herrn

Am Dienstag, 2. Februar, feiern katholische Christen sowie Angehörige der orthodoxen Kirchen die Darstellung des Herrn. Der Feiertag ist auch im evangelischen Kalender verzeichnet. Er geht zurück auf eine alttestamentliche Tradition: 40 Tage nach einer Geburt soll sich die Frau kultisch reinigen. Außerdem galt der erstgeborene Sohn als Eigentum Gottes. Daher brachten Maria und Josef ihren Sohn Jesus in den Tempel, um ihn mit einem Opfer, einem Paar Turteltauben, auszulösen. Dort erkannten der alte Mann Simeon und die hochbetagte Prophetin Hanna in dem Kind den Erlöser (Lukas 2,22-40). Am 2. Februar werden traditionell die Kerzen für das kommende Jahr geweiht, Katholiken bezeichnen den Tag deshalb als Mariae Lichtmess. Orthodoxe Kirchen, die sich am julianischen Kalender orientieren, feiern 13 Tage später.

Demut ...

oder hessisch »de Mut«. Das is ebbes, was mer nie verliern sollte. Es is nämlisch unheimlisch schwierisch, den widder zu finne. Sollte mern doch emol verlorn habbe, geht mer in die next Kersch un kniet voller Demut nieder. Es soll werklisch ahn gebbe, der eim aus fasst allem naus hilft – un des is kaa Geschwätz. Probierts emol un ihr werds an de eischene Glieder erfahrn. Alsdann – mer sieht sisch.

Draußen

Jesus von Nazareth hatte kein Büro. Diese banale Einsicht erinnert daran, dass die meisten Geschichten der Evangelien draußen vor der Tür spielen. Der Samariter ist auf einer Wanderung, die Speisung der Fünftausend findet unter freiem Himmel statt, desgleichen die Bergpredigt, der verlorene Sohn wird weit vor der Haustüre von seinem Vater umarmt. Der Sämann zieht seine Bahnen auf dem Felde und Zachäus wartet draußen vor der Stadt in einem Maulbeerbaum auf den Messias. Dessen Kreuz pflanzt man schließlich vor den Toren der Stadt auf: Seine Religion zieht nach draußen, macht Vertrautes fremd und Rechtgläubige obdachlos.

Dreieinig

Die christliche Trinitätslehre findet biblische Anhaltspunkte, aber sie verdankt sich der theologischen Reflexion. Als dreieiniger Gott vollzieht er selbst die Glaubensvorstellungen von Schöpfung, Tod und Auferstehung. Gott begrenzt sich selbst in Menschengestalt und ist durch den Geist, die soziale Gestaltung der Welt, gegenwärtig.

Dreikönigsfest

Wenn Sternsinger am Freitag (6. Januar) durch die Straßen ziehen, ist für Katholiken Dreikönigsfest. Der Tag geht zurück auf die Weisen in der Bibel, die dem Stern von Bethlehem folgten und Jesus in der Krippe fanden. (Matthäus 2,1-12) Heute wandern verkleidete Kinder von Haus zu Haus und schreiben die Schutzformel »C+M+B« an die Türen. Das bedeutet »Christus Mansionem Benedicat« und heißt »Christus segne dieses Haus«. Die Heiligen Drei Könige standen aber nicht immer im Mittelpunkt des Festes. Mit dem Kind in der Krippe hat Gott sich den Menschen gezeigt. Daher wurde an diesem Tag ursprünglich die Erscheinung des Herrn (Epiphanias) gefeiert. So heißt der 6. Januar nach wie vor bei evangelischen Christen.

E

Ehebruch

»It takes two to tango« – es gehören immer zwei dazu. Bei der Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin fragt man sich: Wo ist eigentlich der Liebhaber, mit dem sie im Bett erwischt wurde? Die Menge beschuldigt allein die Frau. Dabei sagt das Gebot in der Bibel: »Beide sollen des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin.« (3. Mose 20,10) Jesus spricht trotzdem kein Todesurteil über die Ehebrecherin. Er sagt zu ihr: Geh heim und ändere dein Leben. (Johannes 8,11) Generell verschärft Jesus die Ehemoral. Wer eine andere Frau ansieht und begehrt, hat schon im Herzen die Ehe mit ihr gebrochen, sagt er in der Bergpredigt (Matthäus 5,28). Die Ehe ist für Jesus unauflöslich. »Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.« (Markus 10,9) Der Apostel Paulus sieht das nicht ganz so streng. Für ihn kann eine Ehe brechen und geschieden werden, wenn die beiden nicht im Glauben übereinstimmen. Denn »zum Frieden hat euch Gott berufen« (1. Korinther 7,15).

Ehescheidung

Der Schutz der Ehe ist das sechste der Zehn Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen«. Trotzdem gibt es im Alten Testament die Möglichkeit der Scheidung, allerdings nur für den Mann. Er kann seiner Frau den Scheidebrief geben, wenn er »etwas Schändliches an ihr gefunden hat« oder »ihrer überdrüssig« ist (5. Mose 24, 1). Jesus lehnt diese Praxis vehement ab (Matthäus 5, 31). Er bekräftigt: »Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden« (Markus 10, 9; Matthäus 19, 6). Bei der Trauung versprechen sich zwei die Treue, »bis dass der Tod uns scheidet«. Anders als in der katholischen Kirche ist die Ehe in der evangelischen Kirche kein Sakrament. Auch in der Liebe können Menschen scheitern und sind auf Vergebung angewiesen. Nach evangelischem Verständnis ist darum eine kirchliche Trauung Geschiedener möglich.

Eltern-Kind-Beziehung

Jesus war ein schwieriges Kind. Noch vor seiner Geburt erfährt Maria: Ihr Junge wird »Sohn des Höchsten« genannt werden. Wie erzieht man einen Höchstbegabten? Maria und Josef geben ihr Bestes. Josef, der Ziehvater, ist seiner Zeit weit voraus. Er wird oft dargestellt, wie er für Maria im Kindbett das Feuer schürt, das Baby wiegen hilft und Windeln wäscht. Mit zwölf ist Jesus altklug – typisch präpubertär. Er büxt seinen Eltern im Tempel aus. Die suchen ihn verzweifelt und finden ihn unter den Gelehrten sitzen. Die Reaktion des Halbwüchsigen ist für seine Eltern wie ein Schlag ins Gesicht: »Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?« Seine Beziehung zu Gott setzt auch der erwachsene Jesus über die Familie. Seine Mutter macht das alles mit. Sie hält zu ihrem Sohn bis unters Kreuz.

Engel

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein, oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel. Dem Kranken hat er das Bett gemacht, und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel. Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein. Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Otto Wiemer

Engel

Das Wort für Engel in der Bibel bedeutet »Bote«. Engel überbringen den Menschen Gottes Willen. Sie zeigen die Nähe Gottes an und seinen Schutz, so wie in dem Psalmvers »Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten« (Psalm 91, 11). Der Prophet Jesaja tut in einer Vision einen Blick in Gottes Thronsaal. Serafim, eine Art von Engeln, fliegen mit je sechs Flügeln und loben Gott: »Heilig, heilig, heilig!« Darum werden Engel als Wesen mit Flügeln dargestellt. Im Neuen Testament überbringen die Engel vor allem eine Botschaft: »Fürchtet euch nicht!« So spricht der Engel in der heiligen Nacht zu den Hirten. So redet der Engel an Ostern zu den Frauen am leeren Grab.

Epiphaniaszeit

Epiphanias ist das ältere Geburtsfest Christi als Weihnachten. Es entstand im 2./3. Jahrhundert im Christentum Ägyptens. Epiphanias bedeutet Erscheinung und erinnert daran, dass Gott durch seinen Sohn in der Welt erschienen ist. Für viele orthodoxe Christen, die sich am julianischen Kalender orientieren, wie etwa die russisch-orthodoxe Kirche, beginnt Weihnachten nach wie vor mit dem 6. Januar. Anfangs hatte Epiphanias sowohl Geburt als auch Taufe Jesu zum Inhalt. Auch das erste Wunderzeichen Jesu, die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana, gehörte dazu. Das westliche Christentum machte den 25. Dezember zum Geburtstag Jesu. Dem Epiphaniasfest blieben die Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern nach Bethlehem folgen, die Taufe Jesu und das Weinwunder. Epiphanias ist ein Licht-Fest. Viele seiner Lieder besingen Christus als Morgenstern und als das wahre Licht.

Epiphaniaszeit ...

beginnt am 6. Januar, dem Epiphanias- oder Dreikönigstag. Wie viele Sonntage es nach Epiphanias gibt, richtet sich nach dem Ostertermin. Je früher im Jahr Ostern liegt, desto weniger Epiphanias-Sonntage gibt es. Der letzte liegt zehn Wochen vor Ostern. Ob die Weihnachtszeit erst jetzt endet oder bereits am 6. Januar, ist liturgisch eine umstrittene Frage. Denn der Epiphanias-Festkreis ist ursprünglich kein Weihnachts-Anhängsel, sondern steht für sich. Er ist älter als das Weihnachtsfest. Im heidnischen Ägypten feierte man am 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore. Die Kirche christianisierte dieses Fest und bezog es auf Jesus. Das spätere Weihnachten betont den herabgestiegenen Gottessohn, der in einer Krippe liegt. Der Epiphanias-Festkreis hingegen feiert das Erscheinen Gottes in Christus glanzvoll. Er ist das Licht in der Finsternis.

Erhöhen

Die Theologie des Evangelisten Johannes sieht in der Kreuzigung Jesu Christi einen Sieg Gottes über die Mächte der Welt: Der johanneische Christus spricht: »Es ist vollbracht.« Kreuz und Auferstehung begründen nach Johannes jenen Geist, der die christliche Gemeinde als Gegenwart Christi erst möglich macht. Zugleich wurden die johanneisch geprägten Gemeinden, die unter Verfolgung zu leiden hatten, durch die Vorstellung des erhöhten Christus getröstet: In der Welt habt ihr Angst –Ich habe die Welt überwunden (Johannes 16,33).

Erinnerung

Religionen sind Erinnerungsgemeinschaften. Juden erinnern sich am Passahfest an den Auszug aus Ägypten. Christen feiern das Abendmahl zum Gedächtnis an Jesus Christus. Muslime vergegenwärtigen in der »Nacht der Bestimmung«, wie der Prophet Mohammed den Koran empfangen hat. Erinnerung stiftet Identität. Sie vergewissert uns dessen, wie wir wurden, wer wir sind. Sie verbindet Vergangenheit mit Gegenwart und eröffnet Zukunft. Erinnerungen können zu Erinnyen werden, zu Rachegöttinnen, die auf ewig verfolgen, was man getan hat. Darum betet ein Mensch im Psalm 25: »Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen. Gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit.« Gottes Gedenken rückt an den rechten Platz, was ein Mensch getan hat.

Erlösung

Erlösung verband sich zur Zeit Jesu mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen. Die Zeloten, wörtlich übersetzt die »Eiferer«, hofften auf die Erlösung von der Herrschaft Roms und waren zum gewaltsamen Aufstand bereit. Andere wie Pharisäer und Essener versuchten, ganz nach den Geboten Gottes zu leben. Ihre Vorstellung von Erlösung war, dass am Ende aller Zeit die Gottesherrschaft anbricht. Es gab himmelschreiende Missstände in der Gesellschaft: Großgrundbesitzer, die das Land ausbeuteten, gegenüber Kleinbauern, die ein karges Leben fristeten. Die Lage entsprach so gar nicht den Hoffnungsbildern, wie sie die Propheten im Alten Testament beschrieben hatten. Dort wird der Messias verheißen, der Israel erlöst. Der Frieden ohne Ende bringt, Recht und Gerechtigkeit aufrichtet (Jesaja 9, 1-6). Das Wort für Erlösung aus dem Griechischen übersetzt bedeutet Befreiung. Die Evangelien berichten, dass Jesus so gewirkt hat: Er machte Menschen von Krankheiten und Gebrechen frei. Er befreite von Schuld. Am Ende machte er frei von der Angst vor dem Tod. So beschreibt das Neue Testament Erlösung.

Erntedank

Das Erntedankfest ist kein christliches Fest im engeren Sinne, »von seinem Kern her naturreligiös geprägt und das einzige auf das Naturjahr bezogene Fest des Kirchenjahres«, heißt es in »Religion in Geschichte und Gegenwart«. Der Göttinger Theologe Manfred Josuttis spricht gar von Erntedank als einem »unmöglichen Fest. Die Ernte in unserer Gesellschaft vollzieht sich ohne Bezug zur Religion«. Wenn diese These zutrifft, könnte sich das Erntedankfest stärker auf die säkulare Welt beziehen: Die Bedeutung menschlicher Arbeit und Fragen des Umgangs mit Tieren und Nutzflächen sollten dann bedacht werden.

Erntedank

Gott für die Ernte zu danken, gehört zu allen Zeiten und in den verschiedenen Kulturen zu den religiösen Grundbedürfnissen des Menschen. Im Judentum gibt es zwei Erntedankfeste: das Fest für die ersten Früchte, die geerntet wurden (Schawuot). Am Ende der Lese wird nochmals gefeiert beim Laubhüttenfest (Sukkot). Im Christentum ist ein Erntedankfest seit dem dritten Jahrhundert nach Christus belegt. Lange gab es keinen einheitlichen Termin, da sich die Ernte nach der Klimazone richtet. In Deutschland bürgerte sich seit dem 18. Jahrhundert der erste Sonntag nach Michaelis (29. September) für Erntedank ein. Das amerikanische Thanksgiving hingegen wird am Donnerstag vor dem ersten Advent gefeiert. 

Esel

Equus asinus asinus, so sein wissenschaftlicher Name (Latein, wörtlich: Pferd Esel Esel) ist ein weltweit verbreitetes Haustier, das vom wilden Afrikanischen Esel abstammt und in der Bibel an vielen Stellen vorkommt. Kein Wunder: Rund ums Mittelmeer war der Esel schon in der Antike als Last- und Reittier beliebt, und ist es heute immer noch. Und wenn das Grautier zu störrisch ist, wird er geschlachtet. Kenner schwören auf Eselssalami.

Eucharistie

nennt die katholische Kirche das Sakrament, das bei Evangelischen Abendmahl heißt. Eucharistie kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Danke sagen«. Jesus sprach beim letzten Abendmahl über Brot und Kelch ein Dankgebet, bevor er beides an die Seinen weitergab. Nach katholischem Verständnis meint Eucharistie zudem das »Lobopfer«, das die Kirche Gott dar-bringt. Für Protestanten hingegen ist das Abendmahl reine Gabe Gottes. Es gibt nichts, was der Mensch Gott als Gegenleistung oder Opfer geben könnte. Muss er auch nicht, denn Gott will ihn erlösen allein aus Gnade. Gott ist gegenwärtig beim Abendmahl. Darüber sind sich die christlichen Kirchen einig. Wie, darüber streiten sie. Die katholische Kirche macht Gottes Präsenz an Brot und Wein dingfest, weshalb für sie beides nach der Wandlung Leib und Blut Christi bleibt. Nach evangelischem Verständnis ist das Abendmahl ein Geschehen, das sich nicht auf Brot und Wein fixieren lässt. Abendmahl heißt auch »Communio« – Gemeinschaft untereinander und mit Gott. Daran glauben alle Christen. 

Evangelium ...

bedeutet aus dem Griechischen übersetzt »gute Nachricht«. Das Wort stammt wahrscheinlich aus dem Herrscherkult. Ein neuer Kaiser hat den Thron bestiegen. Das galt als gute Nachricht. Im Neuen Testament hat Evangelium doppelte Bedeutung: das, was Jesus von Gott verkündet hat. Und die Botschaft über Jesus Christus selbst: dass in ihm Gottes Heil angebrochen ist. Im Neuen Testament gibt es vier Evangelien, geschrieben von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die ersten drei werden »Synoptiker« genannt. »Synopse« heißt Zusammenschau. Man kann die drei nebeneinander legen und sieht zahlreiche Übereinstimmungen. Johannes dagegen bietet viel eigenen Stoff. Die vier Evangelisten wurden in der Tradition mit Symbolfiguren verbunden, die sich nach dem Anfang ihres Evangeliums richten: Für Matthäus steht der Mensch oder Engel, für Markus der Löwe, der Stier für Lukas, der Adler für Johannes. Nach dem Stand der Forschung überliefert Markus das älteste erhaltene Evangelium. Er hat es als eine Gattung von Literatur geschaffen. Ein Evangelium ist weder Biografie noch Roman. Die Evangelien zeichnen den Weg von Jesus nach und wollen zeigen: Jesus ist Gottes Sohn.

Evangelium

Die gute Nachricht gibt es nicht »pur«. Evangelium ist ein Anlass zum Lebensmut in konkreten sozialen und politischen Situationen, bisweilen mit prekären Lebensumständen einhergehend. Die Erfahrung von »Befreiung«, wie sie der Predigttext schildert, ist solch eine Konkretion.

Ewigkeit

Das dauert ja wieder eine Ewigkeit! Wer so schimpft, beklagt sich, dass er warten muss. Hingehalten wird. Ewigkeit wird zur ins Unerträgliche gedehnten Zeit des Leerlaufs. Gottes Ewigkeit meint anderes. Gewiss, sie ist ein menschlicher Gedanke, den manche für naiv halten. Und doch ist er zutiefst vernünftig. Denn er handelt von einem Sein, das keine Partikularität mehr kennt, weil die Vereinzelten jetzt Anteil am Leben Gottes haben. Ohne den Gedanken der Ewigkeit werden Wahrheit und Gerechtigkeit entwürdigt.

Exaudi

So heißt der sechste Sonntag nach Ostern. Er gehört noch zur Osterzeit, die theologisch betrachtet erst mit dem Pfingstfest endet. Exaudi ist Latein und bedeutet »Höre, vernimm (o Herr!)«. Das stammt aus Psalm 7: »Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te« (Vernimm, o Herr, meine Stimme, wenn ich Dich anrufe). Der Vers soll die Spannung widerspiegeln, in der sich die Jünger befanden, nachdem ihr Herr in den Himmel aufgefahren war. Die Vergangenheit seines Wirkens ist endgültig vorbei, und die Zukunft, die mit Pfingsten beginnt, hat noch keine Kraft. Man erwartet den Beistand Gottes.

F

Fasten

Demonstratives Wurstessen in der Fastenzeit – so hielt die Reformation unter Zwingli Einzug in Zürich. Fasten macht nicht frömmer. Essen und trinken was und wann man will, gehört zur christlichen Freiheit, so die Überzeugung der Reformatoren. Darum fristete das Fasten lange ein mageres Dasein in der evangelischen Kirche. Inzwischen haben Protestanten die Fastenzeit neu entdeckt. Dazu beigetragen haben Aktionen wie »7 Wochen ohne« und »Andere Zeiten«. Ein Motiv beim Fasten aus religiösen Gründen: Der zeitweilige Verzicht führt an die eigenen Grenzen und eröffnet neue Möglichkeiten. Wer fastet, spürt, an welchen sonst unbemerkten Fäden das Leben hängt und wie sehr man es Gott verdankt. Die Fastenzeit vor Ostern erinnert an Jesus, der 40 Tage in der Wüste fastete, bevor er als Wanderprediger und Wundertäter in Erscheinung trat.

Feindesliebe ...

gilt als ein Merkmal des Christentums. Den Gedanken gibt es auch in anderen Weltanschauungen und Religionen. Jesus sagt in der Bergpredigt: »Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.« Er begründet das Gebot: »Damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.« (Matthäus 6, 44) Am Kreuz bittet er für seine Peiniger: »Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!« (Lukas 23, 34) Die Feindesliebe Jesu ist Vorbild für christliche Ethik. Friedrich Nietzsche sah Feindesliebe als Schwäche. Sie diene nur dem Eigennutz, als Schwacher geschont zu werden. Der französische Philosoph Paul Ricoeur hielt dagegen. Feindesliebe sei frei vom Kalkül auf Gegenleistung: »Ich gebe, um zu geben. Ich ver-gebe.« Wie kann man seinen Feind lieben? Lieben ist mehr als Liebhaben. Lieben, wie Jesus es meint, ist der »schöpferische, vergebende gute Willen für alle Menschen«. So deutete es Martin Luther King: »Nur mit dieser Liebe können wir Kinder unseres himmlischen Vaters sein.«

Ferien

Sie erinnern an die Krone der Schöpfung, den Sabbat. Am Ziel der Welt steht die Zeit der Ruhe, die nicht mehr zweckgebunden ist.

Feuer

In der christlichen Religion steht das Bild des Feuers für Aufbruch und Neuanfang durch den göttlichen Geist. Pfingsten und Reformation erinnern daran, dass Glaube und Religion keine unveränderlichen Gaben Gottes sind, sondern mit Erfahrung und Begriffen, das heißt kritisch, erfasst werden wollen. Der Blick ins göttliche Feuer setzt eigene Potenziale frei, um sich nicht bloß als geschoben und verwaltet zu erfahren. Der Philosoph Georges Bataille nennt drei Felder, um menschliche Überschussenergien abzufackeln: Parasitäre Größen, also der fatale Impuls, von göttlicher Macht her eigene Machtansprüche zu legitimieren, den Krieg und das Spiel. Der christlichen Religion wäre zu wünschen, dass sie das zwanglose Spiel, die gemeinsam erfahrene zwecklose Zeit, neu entdeckt.

Fisch ...

und nicht das Kreuz war in den ersten vier Jahrhunderten das Symbol der Christenheit. Sein Element ist das Wasser. Das steht für Leben und Fruchtbarkeit und macht den Fisch zum Talisman in vielen Religionen und Kulturen. Das Christentum kam zum Fisch wie die Jünger zu Jesus. Der Wanderprediger aus Nazareth hat Simon Petrus und seine Fischermanns-Freunde mit einem wundersamen Fischfang geködert, seine Menschenfischer zu werden. Als die Christen im römischen Reich verfolgt wurden, soll der Fisch ihr geheimes Erkennungszeichen gewesen sein. Einer zeichnet eine gebogene Linie auf den Boden. Die andere Person malt den Gegenbogen, so dass die Zeichnung wie ein Fisch aussieht. Damit gab man sich als Mitchrist zu erkennen. Der Fisch ist ein Glaubensbekenntnis. Die Buchstaben im griechischen Wort für Fisch, Ichthys, haben Christen so gedeutet: I für Jesus. X wie Christus. Th für Theos, also Gott. Y für Hyios, Sohn. S wie Soter, der Retter, Erlöser. Zusammengesetzt ergibt das: Jesus ist der Christus (hebräisch der Messias). Jesus ist der Sohn Gottes. Jesus ist der Retter. Jahrhundertelang war der Fisch als christliches Symbol in der Versenkung verschwunden. Seit den 1970er Jahren taucht er wieder auf. Neben »Lisa on Tour« und »Max an Bord« zählt er zu den beliebten Autoaufklebern.

Flucht

Die Bibel ist voll von Geschichten über Flucht und Vertreibung. Den Anfang machten Adam und Eva mit ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Erster biblischer Flüchtling war beider Sohn Kain, der nach der Ermordung seines Bruders Abel umherirrte. Als nächster musste Noah mit Familie und Getier vor der Sintflut fliehen. David flieht vor dem Hass König Sauls. Später flieht Absalom, auch er ein Mörder, vor der Rache Davids, der nun König ist. Immer nur Flucht, Flucht, Flucht. Menschen fliehen vor den Häschern, vor bösen Feinden, vor Gottes Zorn. Nur einer flieht nicht: Jesus. Er stellt sich der irdischen Gerichtsbarkeit und wird gekreuzigt.

Flut

Nicht nur die Sintflut, auch Fluten von Hass und Gewalt begleiten die Menschheitsgeschichte. Wenn Religion hier mäßigend statt anfeuernd einwirken kann, hat sie die Lehre aus der Sintflut verstanden.

Freude

Freude lässt sich weder planen noch religiös vereinnahmen. Offiziell verordnete Freude entlarvt sich, weil sie sich selbst nicht recht glaubt; verschlagene Freude amüsiert sich übers Unglück, das dem Mitmenschen widerfuhr. Christliche Freude? Sie lebt dort, wo das unerwartet Gute einzieht, wo ein Mächtiger über sich selbst lachen kann, wo mit menschlichem Maß gemessen wird. Der alte Zuspruch Karl Barths, niemals die Ohren hängen zu lassen, weil im Himmel regiert werde, illustriert liebenswürdig die Freude.

Freude

Worüber man sich freut und lachen kann, verrät viel über Charakter und Kultur. »Halleluja! Lobe den Herrn!« ist der Freudenruf in der Bibel. Beim Aussprechen des Wortes öffnet sich automatisch der Mund, Kehle und Seele werden weit. Freude kann anstößig sein. Michal findet nicht lustig, wie ihr königlicher Gemahl David vor Freude nackt um die Bundeslade tanzt. Jesus galt als feierfreudig, was nicht allen Zeitgenossen gefiel. Doch das war seine Mission: Trauer und Tod in Osterfreude verwandeln.

Frohlocken

Das ist der Kern des Sonntags Jubilate: Jubeln, jauchzen – eben frohlocken. Glaube und Religion werden zwar gern dazu missbraucht, Menschen einzuschüchtern, furchtsam und folgsam zu machen. Eigentlich aber geben Glaube und Gottvertrauen doch allen Grund zur Zuversicht. Wenn das keine Anlass zur Freude ist: Jubilate!

Fronleichnam ...

feiern Katholiken in der Woche nach Trinitatis. Das Wort geht auf das mittelhochdeutsche »vron« (Herr) und »lichnam« (lebendiger Leib) zurück. Mit der Feier der Heiligen Messe zelebrieren die Gemeinden das Geheimnis der Eucharistie: die leibliche Gegenwart Jesu in Brot und Wein. Bei den anschließenden Prozessionen tragen Geistliche eine Monstranz mit Hostie durch die Straßen. Die Reformatoren haben das Fest abgelehnt. Heute ist Fronleichnam in vielen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag.

G

Gebet

Jesus spricht vom Gebet in der stillen Kammer, jenseits von einer Kalkulation aufs richtige Bekenntnis. Da mag einer stammeln, brummen, seufzen oder auch weinen, wenn er nur unverwechselbar er selbst ist. Das aber geht nur alleine. »So ist das gemeinschaftliche Gebet oftmals zu einem Medium verkommen, wo man sich mit ›strategischer Demut‹ (Max Goldt) samt seiner Correctness produziert, ungehindert nach links und rechts austeilt und fröhlich unterjubelt, was man immer schon mal anbringen wollte, um den dann noch verbliebenen Rest summarisch im Vaterunser zu entsorgen.« (Bernd Beuscher, Professor für Evangelische Theologie.)

Gebetshaltung

Beten hat in der Bibel sehr unterschiedliche Formen. Im Alten Testament betet Hanna im Stehen, Gott möge ihr ein Kind schenken. Jesus in Gethsemane kniet nieder und fleht zu Gott: »Nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.« Als Zeichen der Buße zerreißt Josua seine Kleider und wirft sich vor Gott zu Boden, das Gesicht zur Erde. »Kultische Proskynese« ist der Fachausdruck dafür. Jahrhunderte lang war die »Orantenhaltung« vom lateinischen »orare = beten« die übliche Gebetshaltung: aufrecht vor Gott stehen, Augen und Arme zum Himmel erhoben, die Hände weisen schalenförmig nach oben. Die gefalteten Hände entsprechen der Haltung gegenüber dem Lehnsherrn im mittelalterlichen Feudalsystem. Übertragen bedeuten sie: Ich verschränke meinen Willen mit Gottes Willen. Beide Handflächen flach aneinander gelegt, so wie Dürer sie gezeichnet hat, weisen vom betenden Menschen weg hin auf Gott. Verneigung, Knien oder sich Gott zu Füßen werfen sind Zeichen von Ehrfurcht und Hingabe. Beim Beten gibt es kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, es nicht zur Schau zu tun, sondern für Gott.

Gebot

Sie sagen
Idealismus ist ein Intelligenzdefekt.
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
die Bergpredigt wäre nicht so gemeint.
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
Du sollst nicht töten ist so zu verstehen, dass...
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
bei etwas gesundem Menschenverstand müsste doch jeder...
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
selbst Christus würde, wenn er heute...
Ich glaube es nicht.

Und wenn man mir Berge schwarzen und roten Goldes verspricht
Ich glaube es nicht.

Hanns Dieter Hüsch

Gebot ...

lässt meist an die Zehn Gebote denken. Darüber hinaus gibt es in der Bibel zahlreiche Gebote, Vorschriften für Speise oder Kleidung, Regelungen für Gottesdienste. Die Begründung der Gebote im Alten Testament ist: Gott hat seinen Bund mit dem Volk Israel geschlossen. Seine Gebote zu halten, ist der Part der Menschen. Das Alte Testament durchzieht die Klage: Das Volk vergisst Gottes Bund und bricht seine Gebote. Im Neuen Testament sagt Jesus: »Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen.« (Matthäus 5, 17) Paulus erkennt: Kein Mensch kann das Gesetz Gottes erfüllen. Christus hat es stellvertretend getan. Gottes Gebot zeigt, wie weit der Mensch von Gott entfernt ist und wie sehr er Gottes Gnade braucht.

Gefängnis

Es besteht nur im äußersten Fall aus Mauern und vergitterten Fenstern. Noch häufiger kommt er in der Religion als geistiges Gefängnis daher: aufgespreizte Eitelkeit und wahnhafter Glaube, der seine eigene prekäre Existenz nicht durchschaut. Das Evangelium Christi zielte exakt aufs Gegenteil. »Intelligenz kann sich dumm stellen. Umgekehrt ist das weit schwieriger«, erzählt ein Graffito am Frankfurter Hauptbahnhof. Es steht auf einer Mauer.

Geist

Gottes Gabe, der nach reformatorischem Bekenntnis den Glauben erst möglich macht. Glaube ist also keine Leistung, sondern göttliche Gabe.

Geist

Der Philosoph Theodor W. Adorno hielt die vermeintlich aufgeklärte moderne Welt für einen Hort des Ungeistes, »im Zeichen triumphalen Unheils«. Die rasant wachsenden technischen Möglichkeiten des Menschen werden in ihren Auswirkungen nur noch von einer kleinen Minderheit begriffen. Gleichzeitig bildet sich eine neue Form von religiösem Eifer, welcher der vieldeutigen Moderne eindeutige Parolen entgegensetzt: Die Geistlosigkeit der Technik erfasst so auch die Religion.

gering

»Schaffe mir Recht«, bittet eine Witwe im Lukasevangelium. Gering sind jene, die Hilfe benötigen, weil sie nicht zu ihrem Recht kommen.

Gesetz

Das jüdische Gesetz umfasst das soziale und kultische Leben. Die alttestamentliche Forschung betont inzwischen den pragmatischen Umgang mit sogenannten »strafrechtlichen« Vorschriften. Die Rechtsprechung »Auge um Auge, Zahn um Zahn« dürfte eher an die eigene Einsicht appelliert als auf Strafe gesetzt haben.

Gesetz

Das jüdische Gesetz, das fälschlich dem »Evangelium« untergeordnet wird, regelt nicht nur die kultische Dimension der jüdischen Religion, sondern versteht Gott als Inbegriff vollendeter Gerechtigkeit. Das Straf- und Sozialgesetzbuch des Judentums, ohne das die Zehn Gebote unverständlich bleiben, bewahrt versteckt den jüdischen Traum von der erlösten Rückkehr ins Paradies.

Gesetz

Die Theologie des Johannes basiert auf einem klaren Gegensatz von Gesetz und Evangelium. Beide sind jedoch Teil desselben religiösen Bewusstseins eines Menschen und können daher nur im Bezug aufeinander angemessen verstanden werden: Die Freiheit des Evangeliums besteht nicht in bloßen Wertappellen, sondern bedarf des Rechtes als deren Konkretion.

Gesundheit ...

ist nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) »ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen«. Das ist ein weit gefasstes Verständnis von Gesundheit. Demnach kann ein Mensch krank sein, auch wenn ihm medizinisch nichts fehlt. Umgekehrt kann jemand mit Gebrechen gesund sein, weil es ihm körperlich, geistig und sozial gut geht. Für die Menschen der Bibel ist für ihr vollständiges Wohlergehen Gottes Nähe entscheidend. Wer Gott als fern oder verborgen erlebt, sieht sich Krankheiten schutzlos ausgeliefert. Ist Gott nahe, kann kein Unheil schaden. 

Gewalt ...

ausüben darf man nicht. Das galt in der christlichen Urgemeinde. Auch in der säkularen Gesellschaft gilt: Nur der Staat selbst hat das Recht, Zwang auszuüben. Polizei und Militär schützen die öffentliche Ordnung. Auch Jesus formuliert ein Gewaltmonopol. »Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und der Erde«, sagt er zum Abschied zu seinen Jüngern. Gewalt bedeutet hier eine Vollmacht, die von Gott kommt. In seinem Namen liegt die Kraft und das Selbstbewusstsein, in dem bis heute Christen losziehen und – friedlich – für das Gute in der Welt arbeiten. 

Glaube

Geglaubt wird vieles. Dass der Euro kaputt geht und der Goldpreis abstürzt. Dass menschliches Heil vom Handeln Gottes, des Messias oder eines Propheten abhängig sei. Kritischer Glaube ist zunächst Anlass zur Selbstkritik: Bin ich bereit, das Zustandekommen meiner eigenen Weltbilder zu überprüfen? Oder muss ich religiös dauernd aufrüsten?

Glück

»Glücklich sein heißt, ohne Schrecken seiner selbst innewerden können.« Der Philosoph Walter Benjamin legt die äußere Dimension des Glücks ins Innere eines Menschen. Zum Glück gehört für den Philosophen folglich auch der potenzielle Schrecken über dessen Abwesenheit, weil sich der Glückssucher als innerlich arm oder roh erkennen könnte.

Gleichnisse

Jesus war ein Dichter. Er sprach vom Reich Gottes in Bildern und Gleichnissen. Er erfand kleine Geschichten von Gott und Mensch. Den Stoff dafür nahm Jesus aus dem Alltag damals: Hirten und Schafe, Säen und Ernten, ein Fest feiern, nach einer verlorenen Münze suchen. Jesus zeigte seinen Zuhörern damit: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Ihr müsst nur die Augen öffnen, um Gottes Gegenwart in den Bildern der Welt zu sehen. Von Jesus sind Gleichnisse in großer Dichte überliefert. Aber er war nicht der einzige, der diese Form verwendet hat. Rabbinische Schriften enthalten ebenfalls viele Gleichnisse. Jesu Gleichnisse heute zu verstehen, birgt Herausforderungen: Meist erfahren wir nicht, wer die ursprünglichen Hörer und ihre Fragen an Jesus waren. Nachösterlich wurden manche Gleichnisse in einen anderen Zusammenhang gesetzt. Spricht das Gleichnis für sich, kann man jedes Detail deuten oder kommt es nur auf den einen wichtigen Vergleichspunkt an?

Gnade

»Was auf der Welt geschieht, das verstehen wir noch nicht. Nur eines sollen wir wissen, dass es von Gott geschieht und dass er unser Bestes will und dass er, mag es gehen so oder so, mit seiner Gnade bei uns ist. Wir werden die Gedanken Gottes über uns nicht verstehen. Wir werden auch seine Gnade nicht fühlen, nicht tasten, nicht sehen, sondern gerade nur seinen Zorn – weil Gott Gott ist. Und weil er es sagt, darum können wir auch dort, wo uns alles versagt wird, an Gottes Gnade glauben. An Gottes Gnade glauben – das heißt aber, plötzlich sich den Boden unter den Füßen weggezogen fühlen, heißt, dort stehen, wo eigentlich kein Mensch stehen kann, heißt, etwas grenzenlos Widersinniges und grenzenlos Mutiges unternehmen.« Dietrich Bonhoeffer

 

Güte ...

bezeichnet eine freundliche, wohlwollende und nachsichtige Einstellung gegenüber anderen. Dies wird an vielen Stellen in der Bibel Gott zugesprochen wird. Gott ist gütig. Seine Güte zeigt er in seinem Handeln gegenüber Menschen. So kündigt Gott am Berg Sinai Mose an, ihm seine Güte zu erweisen, und verbindet es damit, gnädig und barmherzig sein zu wollen. (2. Mose 33,19) Der Mensch, der diese Güte erfährt, kann dankbar sein und dies auch Gott zeigen. König David ruft zum Beispiel in einem Danklied dazu auf. (1. Chronik 16,34) Im Neuen Testament gilt die Güte als Frucht des Heiligen Geistes. (Galater 5,22) Der Heilige Geist gießt sozusagen Gottes Güte in uns. Wer gütig mit seinen Mitmenschen umgeht, lässt darum etwas von der Güte Gottes spürbar werden.

H

Halleluja

Das ist ein zusammengesetztes Wort. Es besteht aus dem Imperativ Plural (Befehlsform in der Mehrzahl) des hebräischen Worts »hillel« für preisen, loben, verherrlichen; angehängt ist »Jah« für Gott. Halleluja bedeutet also »Lobt Gott!«. Es steht in vielen Psalmen, kommt auch im neuen Testament mehrmals vor und wird in vielen Gesangbuchliedern verwendet. Beim Lobpreis, der vor allem in pfingstkirchlichen und charismatischen Gemeinde populär ist, spielt es eine besonders große Rolle.

Heil

Was in der deutschen Sprache einst als Gruß sich breit machte, erwies sich als größtmögliches Unheil. Christliches Heil gilt denen, die beschädigt, krank und ratlos sind und widerspricht allem Heldentum.

heilig

Der Philosoph Emil Cioran antwortete auf die Frage, wie er sich den idealen Seelsorger vorstelle: »Als einen mit allen Wassern gewaschenen Heiligen.« Dem ist nichts Menschliches fremd. Fanatismus überlässt er den seit jeher Nervösen. Als Einsiedler benötigt er kein Publikum, das ihn verehrt. Religion ist ihm so wichtig, dass er sich freiwillig in Schwierigkeiten begibt. Seine Kerngemeinde steht am Rande, und mit seinem Gott springt er vielleicht über die Mauern der Rechtgläubigen.

Heiliger Geist

Er ist von Anfang an mit dabei. Als die Welt noch nicht war und Tohuwabohu herrschte, schwebt Gottes Geist auf dem Wasser. Er ist also kreativ und ordnet das Chaos zum Kosmos. Mose, Könige, Prophetinnen und Propheten haben Gottes Geist. Er verleiht also Charisma. Am Jordan, als Jesus getauft ist und aus dem Fluss steigt, fährt der Heilige Geist auf ihn herab wie eine Taube. Das offenbart: Dieser Mensch ist Gottes Sohn. Der Heilige Geist macht also zum Kind Gottes. An Pfingsten kommt er mit großem Brausen. Er pustet kräftig durch. »Heilige Aufregung« nannte ihn deshalb die Theologin Dorothee Sölle. Er setzt sich wie Feuerflammen auf Jesu Jüngerinnen und Jünger. Die sprechen auf einmal so, dass alle sie verstehen, egal welche Muttersprache sie haben. Der Heilige Geist sorgt also dafür, dass Menschen sich verstehen. Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist. In der Sprache der Dogmatik ist der Heilige Geist die dritte Person der Trinität, der Dreieinigkeit Gottes. Wie offenbart sich Gott? Die Antwort des christlichen Glaubens: Gott zeigt sich als der, der alles geschaffen hat. Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. Und: Gott ist als Heiliger Geist persönlich gegenwärtig im Leben jedes Einzelnen.

Heilung

Krankheit erleben Menschen im Alten Testament als Gottesferne: Gott hat seine Nähe entzogen und sein Angesicht verborgen. Dadurch ist der Mensch feindlichen Kräften schutzlos ausgeliefert. Er fleht zu Gott, er möge sich ihm wieder zuwenden. Gottes Nähe bedeutet Heil und Heilung. Die heilsame Nähe Gottes verkörpert Jesus im Neuen Testament. In seiner Umgebung werden Kranke gesund, so erzählen die Heilungsgeschichten in den Evangelien. Jesus wendet sich dem kranken Menschen zu, er berührt ihn. Oft spricht Jesus nur ein Wort und der- oder diejenige wird gesund. Die Heilungsgeschichten im Neuen Testament wollen zeigen: In Jesus wirkt Gott selbst. Der Heiler Jesus wird heillos seinen Feinden ausgeliefert und hängt als gebrochener Mensch am Kreuz. Das war für viele der Beweis: Den hat Gott aufgegeben. Das Neue Testament bleibt nicht beim Kreuz stehen. Es bekennt: Den Gekreuzigten weckt Gott von den Toten auf. Gottes Nähe hört auch im Tod nicht auf. Davon ist das christliche Gebet um Heilung getragen: von der Bitte um Gottes heilsame Nähe. Selbst wenn keine Heilung eintritt, gibt es Heil-Sein.

Heilung

Wird ein Kranker wieder gesund, spricht man von Heilung. Lässt sich nicht erklären, wie es dazu kam, etwa durch ärztliche Kunst oder geeignete Medikamente, spricht man von Wunderheilung. Alle großen Religionen wissen davon zu erzählen. Auch durch das in den Evangelien beschriebene Leben und Wirken Jesu auf Erden ziehen sich zahlreiche Schilderungen von Heilungen, die er bewirkt haben soll. Petrus’ Schwiegermutter beispielsweise befreite er vom Fieber. Auch vielen religiösen Wallfahrtsstätten werden heilende Kräfte zugeschrieben – ob sie tatsächlich etwas bewirken, ist reine Glaubenssache.

Herz...

gilt in unserer Kultur als Zentrum der Lebenskraft. Solange mein Herz schlägt, lebe ich. Im übertragenen Sinn verorten wir im Herzen unsere Gefühle. Herz – Schmerz ist der klassische Reim darauf. Auch in der Körpersymbolik der Bibel steht das Herz für das Zentrum eines Menschen. Aber es ist weniger der Ort für Gefühle, sondern vor allem der Sitz der Vernunft. Zu wenig oder kein Herz zu haben, bedeutet im biblischen Israel nicht Gefühlskälte, vielmehr Gedankenlosigkeit oder schlicht Dummheit. »Man sieht nur mit dem Herzen gut«, dichtete Antoine de Saint-Exupéry. Das nennt man heute »emotionale Intelligenz«.

Hiob und Hexe

Im Buch Hiob rebelliert erstmals ein Mann gegen göttliche Willkür; die als Hexen gebrandmarkten Frauen rebellieren ihrerseits gegen eine männlich dominierte Welt. Hiob und Hexen sind theologische Außenseiter: Hiob wehrt einen Gott ab, der mit einem Mörder Geschäfte macht. Die Hexen werden zum Gegenstand des Hasses, weil sie einem hierarchischen, männlichen Weltbild weibliche Anarchie entgegensetzen.

Hirte

Die biblischen Hirten hüten keine religiösen Wahrheiten, sondern ihre Tiere. Was ihnen später als Wahrheit widerfährt, ist Geschenk Gottes. Damit sind sie die schuldlosesten Theologen der ganzen Welt.

Hirten ...

haben in der Bibel ein zwiespältiges Image. Einerseits hatte man sie in Verdacht, es mit dem Mein und Dein nicht ganz genau zu nehmen. Andererseits waren große Glaubensmänner Israels von Beruf Hirte. Mose oder David, bevor er König wurde. Hirten sind die ersten, die vom Engel erfahren: »Euch ist heute der Heiland geboren.« Gott oder Jesus als guter Hirte – das steht für besondere Nähe: Ein Hirte bleibt Tag und Nacht bei seiner Herde, um sie zu beschützen. Das wurde zum Leitbild für den Pfarrberuf: Pastor heißt aus dem Lateinischen übersetzt »Hirte«

Hoffnung

Sie stirbt angeblich zuletzt, weiß der Volksmund. Doch am Ende, so plaudert er es ungewollt aus, wartet ohnehin der Tod. Auch auf die Hoffenden. Was aber ist mit den Hoffnungslosen? Die Frauen, die zum Grab kamen, wollten einen Leichnam waschen. Nichts weiter. Ihre Hoffnung war mit dem am Kreuz tatsächlich gestorben. Was ihnen widerfuhr, lag jenseits ihrer eigenen Erwartungen. Hoffnungsträger wurden so die Hoffnungslosesten.

Hoffnung

Zentrales Element vieler Religion – besonders des Christentums. Sie richtet sich nicht nur auf ein besseres Leben im Jenseits, sondern verleiht zugleich Zuversicht und Kraft, schon das Leben im Diesseits menschenwürdig zu gestalten.

Hölle

Das war damals ein todsicheres Geschäft – den Menschen Angst vorm Fegefeuer machen und ihnen einreden, gegen Zahlung einer Geldbuße an die heilige Mutter Kirche erhielten sie und ihre Vorfahren einen Ablass ihrer Sünden. Einen gewissen Martin Luther regte das dermaßen auf, dass als Folge seines Zorns die evangelische Kirche entstand. Und ob man nun daran glaubt oder nicht: Wünschen sollte man niemandem, dass er bei Tausenden von Grad und Tausende von Jahren lang in der Hölle schmort.

Holocaust

»Den Mord an sechs Millionen europäischer Juden muss man den Deutschen nicht erst ins Gepäck legen. Das ist im Gepäck selbst derjenigen Deutschen, die noch gar nicht geboren sind.«

Helmut Schmidt

Holz

Spontan mag man an das Holz der Krippe oder auch des Kreuzes denken. Doch es ist Immanuel Kant, der den Menschen als »krummes Holz« bezeichnet, weil er sittlich handeln kann und gleichwohl immer wieder an dieser Aufgabe scheitert.

Hören

Schon im Ägypten vor 4300 Jahren galt: Wer zuhören kann, ist beliebt und hat Sinn für Gott. Religion beginnt mit dem Hören. Im Schöpfungsbericht der Bibel entsteht die Welt, indem sie hört, was Gott spricht. »Höre Israel!«, so beginnt das Grundbekenntnis, das Jüdinnen und Juden täglich beten. »Höre Israel! JHWH ist unser Gott, JHWH allein. Und du sollst JHWH, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.« (5. Mose 6,4) Entscheidend für das richtige Hören ist, dass Ohr und Herz gut zusammenspielen. Die beiden sind Innen- und Außenminister des Verstehens. Ein gutes Gehör allein ist keine Garantie dafür, dass ein Mensch wirklich hört. Darum die häufige Aufforderung Jesu: »Wer Ohren hat zu hören, höre!« Im Neuen Testament kommt zum Hören das Tun. Zum Reich Gottes gehört, wer Gottes Wort hört und tut. (Lukas 8,21)

I

Irritation

Die Bibel steckt voller unerwarteter Wendungen. Mose führt das Volk aus Ägypten zum gelobten Land, aber er selbst darf dort nicht einziehen. Hiob ist glaubensstark und erlebt doch Schreckliches. Jeremia fühlt sich zu jung und wird trotzdem von Gott zum Propheten berufen. Und das sind nur Beispiele aus dem Alten Testament. Gott bricht mit menschlichen Erwartungen. Im Neuen Testament setzt sich dieser Trend fort. Jesus, Gottes Sohn, wird in einer Krippe geboren. Er beruft Menschen aus niederen Schichten in seinen engsten Kreis. Später wird er in Jerusalem wie ein König empfangen, kommt aber nur auf einem Esel daher. Für heutige Begriffe ungewöhnlich. Doch so haben schon die Propheten im Alten Testament den Messias erwartet. Sie wussten: Gott ist anders. Manchmal ist er Menschen spürbar nah und manchmal unbegreiflich fern. Gott lässt sich nicht in menschlichen Kategorien fassen.

Israel ...

ist der neue Name, den der Stammvater Jakob bekommt. Nach langen Jahren steht ihm das Wiedersehen mit seinem Zwillingsbruder Esau bevor. Dem hatte er einst Erstgeburtsrecht und väterlichen Segen abgeluchst. Nun treffen die beiden wieder aufeinander. Jakob ist bang und das zu Recht: Esau rückt ihm mit 400 Mann entgegen. Am Abend davor ist Jakob allein am Fluss Jabbok. Ein Fremder ringt mit ihm bis zum Morgengrauen. Wer das ist, lässt die Bibel offen. Jakob wird an der Hüfte verletzt. Aber er lässt nicht locker, bis der Unbekannte ihn segnet. Zum Segen sagt der Fremde: »Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft.« (1. Mose 32, 28) So erklärt die Bibel den Namen Israel. Die zwölf Söhne Jakobs werden die zwölf Stämme Israels. Israel ist im Alten wie im Neuen Testament das erwählte Volk, mit dem Gott seinen Bund geschlossen hat. Nicht weil Israel größer wäre als andere Völker, »sondern weil er euch geliebt hat« (5. Mose 7, 8).

Israelsonntag ...

gab es schon im Mittelalter. Fokus war lange die Judenmission, die Bekehrung von Juden zum Christentum. Nach dem Holocaust setzte ein Umdenken ein. Nun wird am Israelsonntag der christlichen Schuld gegenüber Juden gedacht. Er macht bewusst: Es gibt kein Christentum ohne den jüdischen Glauben.

Israelsonntag

Der heutige Israelsonntag bedenkt in besonderer Weise das Verhältnis von Christentum und Judentum. Die in der Liturgie des Sonntags wählbare Farbe violett verweist, als Zeichen der Buße, auf die Mitverantwortung protestantischer Theologie für die Shoah, die industriell angelegte Ermordung der jüdischen Bevölkerung.

J

Jahreswende

»Der Faden rollt sich sausend ab«, schreibt Annette von Droste-Hülshoff in ihrem unvergesslichen Gedicht zu Silvester. »Ich sinke auf das Knie: Das Jahr ist um.« Es scheint, als solle der längst übliche Silvesterkrawall von der inneren Stille ablenken, wie sie die Droste beschrieb. Jeder Jahreswechsel erinnert an die eigene Lebensuhr, die in der Stille eben besonders laut tickt. Wohl denen, die hier glauben können, dass sie Gott und nicht dem Vergessen entgegengehen.

Jakobsweg

»Endlich mal weg« lautet im Sommer für viele die Devise. Immer mehr begeben sich auch auf spirituelle Reise. Pilgern ist en vogue, am liebsten auf dem Jakobsweg. Es gibt nicht den einen, sondern viele Jakobswege, die durch Europa, auch durch Hessen, nach Santiago de Compostela in Spanien führen. Dort ist laut einer Legende aus dem 9. Jahrhundert Jakobus Zebedäus, ein Jünger Jesu, begraben – der Heilige Jakob, »Santiago«. Zeichen der Jakobspilger ist die Muschel. Sie diente zum Wasserschöpfen. Die Rillen auf ihrer Schale führen wie die vielen Jakobswege alle zu einem Ziel.

Jesaja

Der Autor des oben stehenden Wochenspruchs lebte im achten Jahrhundert vor Christi Geburt, stammte aus einer begüterten Familie und war quasi amtlich bestallter Prophet des Hofes. Sein Auftrag, so beschreibt es das Ökumenische Heiligenlexikon: »Er sollte die Verstockung des Volkes aufzeigen, ja herbeiführen.« Das darauffolgende Gericht sollte nur einen Teil des Volkes übrig lassen, mit dem Gott dann seine Heilsgeschichte zum Ende führen könne. Jesaja starb standesgemäß: als Märtyrer. Weil er es gewagt hatte, Jerusalem mit Sodom und Gomorrha zu vergleichen, fiel er in Ungnade und versteckte sich in einem hohlen Baum, den König Menasse mitsamt dem Propheten durchsägen ließ.

Jesus ...

ist ein hebräisch-aramäischer Name. Der Evangelist Matthäus leitet seine Bedeutung vom Wort für »retten« ab (Matthäus 1,21). »Euch ist heute der Retter geboren«, verkündet der Engel an Weihnachten den Hirten auf dem Feld. Was für ein Retter ist Jesus? Ein religiöser Erlöser oder ein politischer Befreier? Für die mediterranen Menschen des ersten Jahrhunderts war das eine nicht vom anderen zu trennen. Religion war keine Privatsache. Jeder Herrscher, der etwas auf sich hielt, verlieh seiner Macht religiöse Züge. Rom hatte Galiläa und Juda unterworfen. Die Sehnsucht im Land nach einem Retter war groß. Dieses neugeborene Kind, von dessen Geburt so wundersam erzählt wird, soll der Retter sein. Der zukünftige Herrscher, der erfüllt, was die Propheten verheißen haben: Frieden und Gerechtigkeit ohne Ende.

Johannes der Täufer

Sein Tag ist der 24. Juni, sechs Monate vor Weihnachten. Laut Bibel ist er ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Er gilt als sein Vorläufer. Johannes, der Wüstenprediger im Kamelhaarmantel, der sich von Heuschrecken und Honig ernährt, liest seinen Zeitgenossen die Leviten: Das Gericht Gottes ist nahe. Wer seine Sünden bekennt, kann sich retten. Zur Sündenvergebung tauft er im Jordan. Er weist auf einen Größeren hin. Auch Jesus lässt sich von ihm taufen. Das lehnt Johannes erst ab: Er sei es nicht wert, Jesus die Schuhriemen zu lösen. Wahrscheinlich war Jesus ein Anhänger von Johannes. Als der Täufer wegen seiner Kritik am König verhaftet wurde, trat Jesus mit eigener Botschaft auf. Johannes ist Vorbild für asketisches Leben. Der Johanniterorden ist nach ihm benannt. Als »Stimme in der Wüste« ist er Patron der Kirchenmusik.

Johannis...

am 24. Juni erinnert an die Geburt von Johannes dem Täufer. Laut Lukasevangelium ist er sechs Monate vor Jesus geboren. Er gilt als Wegbereiter für den Messias. Über den sagt Johannes: »Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.« Passend dazu nehmen die Tage ab Johannis ab, bis sie zu Jesu Geburt an Weihnachten wieder länger werden.
Denken, Dank, Gedanke

Jüngster Tag ...

hat doppelte Bedeutung. Der letzte Tag dieser Welt ist der erste in Gottes kommender Welt. Die frühen Christen erwarteten: Es kann jeden Tag geschehen, dass diese Welt zu Ende geht und Jesus Christus wiederkommt. Sie mussten verkraften, dass die ersten starben, ohne die Wiederkunft Christi zu erleben. Um zu trösten, beschrieb Paulus den Jüngsten Tag. Vom Himmel erschallen die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes. Zuerst werden die auferstehen, die in Christus gestorben sind. Die Lebenden werden mit ihnen in die Höhe entrückt. Der Jüngste Tag verheißt den Himmel und steht für den Ernst: Jeder Mensch muss sich vor Gott verantworten.

Jüngster Tag

Der Tag, an dem die Welt an ihr Ende kommt und der auferstandene Christus wiederkehrt. Das bekennen Christen im Glaubensbekenntnis, wenn sie sagen: »Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.« Auch vor- und außerchristliche Religionen kennen das göttliche Endgericht oder einen Jüngsten Tag, zum Beispiel der persische Zoroastrismus und der Islam. Ungerechtigkeiten und ungesühnte Schuld werden am Jüngsten Tag aufgedeckt und zurechtgebracht, so die Vorstellung. Die Besonderheit der christlichen Religion ist, dass sich die Gläubigen auf das Endgericht freuen dürfen. Denn der gekreuzigte und auferstandene Christus hat alle Sünden vergeben und die Welt mit Gott versöhnt. 

K

Karwoche...

beginnt mit Palmsonntag und geht bis zum Anbruch des Ostersonntags. »Kar« bedeutet Klage, Sorge. Die Karwoche ist bis zum Zerreißen gespannt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Sie beginnt mit der Begeisterung des Palmsonntags. Montag, Dienstag, Mittwoch: Jesus sorgt für Streit in der Stadt, für Tumult im Tempel. Gründonnerstag: Jesus weiß, dass es böse enden wird. Sein Passahessen im engsten Kreis wird zum letzten Abendmahl. Judas, sein Freund und Verräter, sitzt mit am Tisch. Noch in derselben Nacht geht es Schlag auf Schlag. Jesus wird verhaftet, verhört, als Gotteslästerer und Unruhestifter zum Tod verurteilt. Karfreitag, drei Uhr Nachmittag: Jesus hängt tot am Kreuz.

Kinder

Sie kommen auf die Welt und wissen nichts von Religion. Doch das nützt ihnen nichts: Ungefragt wird den Neugeborenen die Religion der Eltern übergestülpt, durch Taufe, Beschneidung oder irgendein anderes Ritual. Skandal? Nun ja. Auf jeden Fall ist es ein Grundrecht der Eltern, für ihren Nachwuchs Entscheidungen zu treffen, auch solche. Nur wenige Glaubensgemeinschaften überlassen diesen Schritt ihren Kindern im Erwachsenenalter – und auch nur formal, doch unter dem Druck eines engmaschigen Netzes sozialer Beziehungen.

Kirchentag...

beziehungsweise mit vollem Namen »Deutscher Evangelischer Kirchentag« wurde 1949 in Hannover gegründet. Gemeinsam mit Freunden initiierte damals der Theologe Reinhold von Thadden-Trieglaff die Bewegung, die sich von der Amtskirche unabhängig versteht. Anfangs fand der Kirchentag jährlich statt, seit 1957 alle zwei Jahre, um sich mit dem Katholikentag abzuwechseln. Ökumenische Kirchentage gab es bislang zwei: 2003 in Berlin, 2010 in München. Der Kirchentag findet an wechselnden Orten statt. Vom 3. bis 7. Juni ist er zu Gast in Stuttgart.

Kollekte vom lateinischen »colligere« für »sammeln« ist die Geldsammlung für kirchliche und karitative Zwecke.

Schon im salomonischen Tempel Jerusalems gab es am Eingang eine Lade, in die oben ein Loch gebohrt war. Mit dem Geld, das eingelegt wurde, wurde Baufälliges am Tempel ausgebessert (2. Könige 12, 9-11). Jesus beobachtet einmal diesen Gotteskasten im Tempel. Er sieht Reiche spenden und eine Witwe, die zwei Scherflein einlegt. Jesus sagt: »Die arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt.« (Lukas 21, 1-4) Neben dem Geld zum Erhalt des Tempels ist es im Alten Testament ein Gebot, die Schwächsten in der Gesellschaft, damals Witwen und Waisen zu unterstützen und sie in ihrem Recht zu stärken. Das prägte auch das Leben der urchristlichen Gemeinden, in denen Geld für Arme gesammelt wurde. Für Paulus war die Kollekte zudem ein Zeichen der Verbindung unter den Gemeinden. Heute legt die Landeskirche den Zweck der Kollekte für einen Teil der Sonntage fest. An den übrigen Sonntagen ist die Kollekte »frei«. Die Gemeinde vor Ort entscheidet, für was gesammelt wird.

Kommunikation

Fast alle Lebewesen kommunizieren miteinander – mit Lauten, Mimik, Gesten, sogar Düften. Ohne Verständigung mit ihresgleichen können die wenigsten Lebewesen existieren. Der Mensch hat die Laut-Kommunikation zur höchsten Perfektion entwickelt, zur Sprache. Er hat es sogar geschafft, sie der Notwendigkeit zu entheben, ein direktes Gegenüber zu haben, Zeit und Raum zu überwinden. Die Bibel, die Überlieferung uralter Texte, ist das prominenteste Beispiel dafür. Doch ob Schriftrollen, Bücher, Telegrafie, Funk, Telefonie oder Internet: Nichts geht über das persönliche Gespräch, das Gegenüber fest im Blick.

König

Wo Gott als König vorgestellt wird, kommt er als Saboteur dieser Vorstellung. Dieser König zeichnet sich nicht durch äußere Hoheitszeichen aus, sondern als revolutionärer Veränderer aller bislang bekannten Vorstellungen von Gott. Kein Berühmter, eher ein Berüchtigter, der mit seiner Gemeinde noch das eine und andere theologische Fass aufmachen möchte.

Kontemplation und Kampf

So lautet das Motto der Communauté von Taizé. Damit zielt die ökumenische Bruderschaft in Burgund nicht auf eine gewaltsame Auseinandersetzung ab. Christinnen und Christen sollen nicht nachlassen, sich zu engagieren – für den Frieden, für eine bessere Welt, für Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Bewahrung der Schöpfung. Dies kann aber, so der Grundgedanke, nicht geschehen ohne die permanente Rückbesinnung auf Gottes Wort und Gottes Werk.

Kopfbedeckung, Teil 1 für Männer

In der Synagoge müssen Männer eine tragen. In der Kirche sollen sie sie abnehmen. Hut ab oder auf – beides ist Ausdruck des Respekts vor Gott. In der hebräischen Bibel steht nichts über eine Kopfbedeckung. Der Brauch, dass jüdische Männer nie barhäuptig unterwegs sind, verbreitet sich ab dem 16. Jahrhundert. »Man darf nicht mit unbedecktem Haupte vier Ellen (gut zwei Meter) weit gehen«, lautet eine rabbinische Vorschrift. Die Kippa, eine kreisrunde Mütze auf dem Hinterkopf, wurde zum jüdischen Erkennungszeichen. Sie erinnert ihren Träger daran: Es gibt etwas über dir – Gott ist allgegenwärtig. Im Neuen Testament findet Paulus: Ein Mann, der beim Beten seinen Kopf bedeckt, schändet sein Haupt. Umgekehrt hält er es für schändlich, wenn eine Frau unbedeckt betet. (1. Korinther 11,4-6)

Krankheit

»Es gibt nur eine Form der Gesundheit, aber Tausende Formen der Krankheit«, schreibt der Journalist Heinz Zippert. Da überrascht es nicht, dass die Bibel keine Patentantwort auf die Frage nach der Ursache von Krankheiten gibt. Im Wirken Jesu Christi richtet sie den Blick auf das Ende von Krankheit und Tod.

Küche

»Unser tägliches Brot gib uns heute«, heißt es im Vaterunser. Onkel Erich, der Freund der Großeltern, kam 1947 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause. Er stolperte die Treppe hinauf, direkt in die Küche, setzte sich auf die Küchenbank und aß einen halben Laib Brot auf einen Schlag auf. Das bekam dem ausgemergelten Körper zwar gar nicht. »Aber erst in dieser Küche habe ich das Vaterunser richtig begriffen«, erzählte er viel später, in Wirtschaftswunderzeiten.

Kunst

Kunst und Religion verbindet der neue, bislang ungewohnte, bisweilen anstößige Blick auf die bekannte Welt. Wenn Religion ihrer Sache selbst nicht mehr sicher ist, diffamiert sie die Schwester Kunst. Drei junge Frauen der Moskauer Musikband »Pussy Riot« sitzen deswegen in Russland hinter Gittern: Ihr provokanter Auftritt in einer Kirche zog die Wut jener orthodoxen Theologen auf sich, die auf Frauen dann aufmerksam werden, wenn sich diese ihrer Sozialkontrolle entziehen.

L

Liebe

Wer liebt, gibt das, was er nicht hat, einem anderen, der nichts davon will. Liebe ist zart, sie verträgt keine harten Worte. Erst recht kein Denkgebäude. Liebe kann noch in den widersprüchlichsten Lebenssituationen existieren; Hass, der Liebe Gegenteil, ist auf Eindeutigkeit angewiesen. Deswegen bleibt Hass der Liebe stets unterlegen, so wirkungsvoll er sich auch in Szene setzen mag.

Lutherbibel

Es ist angedruckt! Seit Donnerstag (16. Juni 2016) laufen die Maschinen in der Druckerei C. H. Beck in Nördlingen für die Neuausgabe der Bibel in der Übersetzung von Martin Luther. Sie soll rechtzeitig zum Beginn des Reformationsjubiläumsjahres am 19. Oktober 2016 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden. Fünf Jahre lang haben rund 70 Theologen den Text überarbeitet. Die bisherige Version von 1984 wurde an mehreren tausend Stellen geändert. Ziel der Revision war es nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), »eine größere sprachliche Genauigkeit herzustellen und gleichzeitig der Sprachkraft Martin Luthers gerecht zu werden«.

Lohn und Gnade ...

bilden in der Bibel ein spannungsgeladenes Paar. Einerseits macht das Prophetenbuch Daniel klar: Der Mensch kann nichts ausrichten mit dem, was er tut oder lässt (Daniel 9,18). Alles hängt an Gottes Barmherzigkeit. Andererseits ist bei Gott nicht gleichgültig, ob man gut oder schlecht handelt. Der Apostel Paulus vergleicht das Leben mit einer Kampfbahn. Man muss seine Kräfte mobilisieren, um ans Ziel zu kommen. »Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt!«, spornt er die Christen an (1. Korinther 9,24). Was also gilt: Lohn oder Gnade? Martin Luther verbindet die beiden. Zuerst kommt Gottes Gnade. Die bewegt zu guten Taten, die sich im Namen der Nächstenliebe lohnen.

M

Macht hoch die Tür ...

ist das erste Adventslied und die Nummer Eins überhaupt im Evangelischen Gesangbuch. Sein Dichter Georg Weissel greift den Psalm 24 auf. Wir befinden uns in Jerusalem irgendwann vor dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Eine Gruppe steht vor dem Stadttor. Sie hat die Bundeslade bei sich, das alte Zeichen für die Nähe Gottes. Sie ruft zu den Zinnen hinauf: »Macht das Tor auf, damit der König der Ehren einziehe!« Die oben rufen zurück: »Wer ist der König der Ehren?« Von unten schallt die Antwort: »Es ist der Herr der Heerscharen.« Gott, mächtiger als jede Gewalt der Welt. Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Zepter ist Barmherzigkeit. Da geht das Tor auf.

Mann

»Wann ist ein Mann ein Mann?«, fragt Herbert Grönemeyer im Lied »Männer« von 1983. Die Bibel antwortet: Wenn er ein Gegenüber hat. Am Anfang der Schöpfung gibt es weder Mann noch Frau. Nur den Menschen, Erdling genannt. Dann aber stellt Gott fest: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.« (1. Mose 2,18) Er braucht ein Gegenüber. Zu zweit können sie sich von der Einsamkeit erlösen und einander eine Hilfe sein. So schöpft Gott Eva, anders als Adam und doch ebenbürtig. Mann, Frau – der Unterschied ist nicht wichtig, meint Paulus. »Denn ihr seid allesamt eins in Christus Jesus.« (Galater 3,28)

Mariä Himmelfahrt ...

heißt der katholische und orthodoxe Feiertag am 15. August. Dieses Marienfest hat keinen biblischen Grund. Es gibt jedoch Vorläufer bereits im 5. Jahrhundert nach Christus. Die Vorstellung, die Mutter Jesu sei am Ende ihres Erdenlebens direkt in den Himmel aufgenommen worden, erhob 1950 Papst Pius XII zum Dogma für die römisch-katholische Kirche. Das Neue Testament erzählt von Maria, der Jungfrau, die ein Kind bekommt. Es will damit zeigen: Jesus war nicht irgendein Mensch, sondern der Sohn Gottes. Auf dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 nach Christus erhielt Maria den Ehrennamen theotókos« (Gottesgebärerin). Mehr und mehr wurde sie ähnlich verehrt wie Christus. Sie wird zur Fürsprecherin bei Gott, zur Himmelskönigin, zur Erlöserin. Solche Marienverehrung haben die Reformatoren scharf kritisiert. Für Evangelische ist Maria ein Vorbild im Glauben. Sie hat Gott vertraut. Durch sie kommt Gott in die Welt und schließt Menschen den Himmel auf. 

Mariä Verkündigung

Ein Engel überbringt die Botschaft, Maria werde den Sohn Gottes zur Welt bringen. Am 25. März feiern orthodoxe Christen Mariä Verkündigung. Die katholische sowie evangelische Kirche kennt das Fest als Verkündigung des Herrn. Nach christlichem Glauben wird Gott durch Jesu Geburt zum Menschen, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen. Maria stimmt Gottes Plan zu. So sind auch alle Menschen aufgerufen, das Handeln Gottes zu bejahen und die Erlösung geschehen zu lassen. Orthodoxe Kirchen, die sich am julianischen Kalender orientieren, feiern das Fest 13 Tage später.

Maschine

Theologisch gesprochen ist jede Maschine ein Versuch zur nachträglichen Bearbeitung des Sündenfalls. Die Strafe der Arbeit sollte die Maschine ein Stückchen erleichtern. Nur dass sich in Folge die Menschen zu Anhängseln der Maschine zurückentwickelten.

Menschensohn

Die einzige Bezeichnung, die Jesus selbst für sich wählte. Hier kommt keiner mit religiösem Machtanspruch. Eher einer, der die Menschen kennt und in den Bildern der Welt von Gott spricht.

Menschensohn

Der Begriff taucht schon im Alten Testament besonders im Buch Daniel auf. Dort ist der Menschensohn eine Gestalt am Ende der Welt, die Gottes Strafgericht vermittelt. In den Evangelien nennt Jesus sich selbst »Menschensohn«. Die Pointe: Der Menschensohn Jesus steht nicht richtend über den Menschen. Er dient ihnen und nimmt selbst das Strafgericht auf sich.

Meer ...

steht in der Bibel für Chaos und lebensfeindliche Mächte. Am Anfang der Schöpfung schwebt Gottes Geist über den Wassern. Gott drängt die Fluten zurück, der Gottessohn Jesus stillt den Seesturm. Aus dem Chaos wird Kosmos, eine Erde, auf der Leben möglich ist. Das Israel des Alten Testaments war kein Seefahrervolk. Es wusste wenig über die Tiefe und Weite des Mittelmeeres und ahnte dunkel, welche Tiere und Ungeheuer darin leben. »Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer« – der Beter von Psalm 139 sieht sich in der Nähe des Totenreichs. Am Ende der Welt, in Gottes neuer Schöpfung, gibt es kein Meer, keine Bedrohung mehr (Offenbarung 21,1). Der Schiffbruch-Profi Paulus kannte die Gefahren des Meeres, wusste aber auch: ohne Meer keine Mission. Und solange die Fluten in ihren Grenzen bleiben, kann die Bibel sogar schwärmen: »Da ist das Meer, das so groß und weit ist.« (Psalm 104,25).

Michaelis

Der 29. September ist in der evangelischen wie in der katholischen Kirche der Tag des Erzengels Michael und aller Engel. Der Name Michael ist, im Hebräischen eine Frage: »Wer ist wie Gott?« Die Frage stellen heißt die Antwort wissen: Niemand. Der Name Michael drückt das Staunen darüber aus, dass Gottes Wesen alles überbietet. Es ist die vornehmste Aufgabe der Engel, Gottes Größe zu loben. Bei jedem Abendmahl erklingt der Engelsgesang »Heilig, heilig, heilig ist der Herre Zebaoth«. Der Name Michael für Menschen kommt im Alten Testament mehrfach vor. Als einer der Engelfürsten wird Michael im Prophetenbuch Daniel bezeichnet. Er kämpft für die Israeliten. Dahinter steht die Vorstellung, dass Gott jedem Volk einen eigenen Engel zugeteilt hat. Der Judasbrief im Neuen Testament nennt Michael »Erzengel«. Das ist die einzige Stelle in der ganzen Bibel, an der das Wort Erzengel vorkommt. Michael streitet und rechtet mit dem Teufel um den Leichnam des Mose. Im Buch der Offenbarung führt Michael das Engelheer im apokalyptischen Endkampf gegen den Drachen. 

Mission ...

kommt aus dem Lateinischen und bedeutet »Sendung«. Der Missionsauftrag wird auf Christus zurückgeführt: »Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker« (Matthäus 28,19). Der Missionar mit dem größten Sendungsbewusstsein im Neuen Testament war Paulus. Er brachte das Christentum von Kleinasien nach Europa. Der Jüngste Tag steht unmittelbar bevor, meinte Paulus. Vorher wollte er möglichst viele für Christus gewinnen. Mission gerät in Misskredit, wenn sie durch Zwang und Gewalt erfolgt. »Tod oder Taufe«, gab Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert als Parole gegenüber Nicht-Christen aus. Seit dem 16. Jahrhundert ging Mission oft mit der Kolonialbewegung Hand in Hand. Das Verständnis von Mission heute: Im Auftrag des Herrn gemeinsam mit Christen in aller Welt das Evangelium mit Wort und Tat bezeugen und im Dialog mit anderen sein.

Mose

Eine der großen Heldenfiguren des Alten Testaments, eine Gestalt des Mythos und der Tragik. Der Mythos beginnt mit der Aussetzung des Neugeborenen in einem Körbchen, die ihm das Leben rettet. Die Tragik endet mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten ins gelobte Land, wo Milch und Honig fließen. Der arme Mose führt ein Volk dorthin, darf vor seinem Tod noch einen sehnsüchtigen Blick darauf werfen, doch betreten wird er es nicht mehr. Ein klassischer Erzählstoff für Bibelfilme und Kindergottesdienste, und schon in der Antike ein unterhaltsames Thema für lange Abende. In vielerlei Abwandlungen wurde die Geschichte des Mose in den alten Kulturen weitergegeben – und aufgeschrieben.

Musik

Die Liturgie des evangelischen Gottesdienstes zeigt, welch hoher Stellenwert der Musik zukommt. Der Gottesdienst beginnt mit einer Stille, die in der Gottesdienstpraxis oft im Geräusch von Reden, Husten und Platzieren untergeht. Der erste liturgische Ton gehört jedoch der Orgel. Es ist eine Musik, die aus der Stille zu den Menschen kommt. Und so auf den Ewigen verweist.

Mut

»Hab Mut! Jedoch nicht um ihn zu beweisen«, rät Joachim Ringelnatz. Mutig ist, wer vorgefertigte Lebensdeutungen in Zweifel zieht. Manch religiöse Praxis als den Unfug verspottet, der sie ist. Verachtung aus religiösen Gründen auf sich nimmt. So wie Jesus von Nazareth.

Muttertag

»Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren«, heißt das vierte der Zehn Gebote. Es begründet weder Blumen zum Muttertag noch bierselige Ausflüge von Vätern an Himmelfahrt. Das Gebot mahnt erwachsene Kinder, ihre gebrechlich gewordenen Eltern zu versorgen. Frauen aus Friedensgruppen in den USA versuchten Ende des 19. Jahrhunderts, einen Muttertag zu etablieren. Sie dachten an die Mütter von Soldaten, die im amerikanischen Bürgerkrieg gefallen waren. Am 12. Mai 1907 fand der erste Muttertags-Gottesdienst statt, initiiert von der methodistischen Christin Anna Marie Jarvis. Der Muttertag wurde zum Exportschlager. »Ehret die Mutter!« Den Werbespruch von Blumenläden griffen die Nationalsozialisten auf. Er passte zu ihrem Wahn von der Vermehrung ihres Herrenmenschen. Sie machten den Muttertag zum Feiertag in Deutschland. Er hat NS-Regime und Zweiten Weltkrieg überdauert und lässt bis heute das Blumengeschäft florieren.

 

N

Nähe Gottes

»Freuet euch! Der Herr ist nahe!« ist die Botschaft des Dritten Advent. Gottes Nähe löst bei den Menschen der Bibel nicht nur Freude aus. Erste Reaktion ist oft Scham und Furcht. Adam und Eva verstecken sich, als Gott durch den Garten Eden geht. Sie fürchten sich davor, nackt vor Gott zu stehen, nachdem sie die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen haben (1. Mose 3, 9). Mose verhüllt sein Gesicht und fürchtet sich, als ihm klar wird, dass Gott selbst aus dem brennenden Dornbusch mit ihm spricht. Später dann bittet Mose Gott sogar darum: »Lass mich deine Herrlichkeit sehen!« (2. Mose 33, 18) Gott antwortet: »Kein Mensch wird leben, der mich sieht.« »Wehe mir, ich vergehe!«, schreit der Prophet Jesaja, als er sich in den Thronsaal Gottes versetzt sieht (Jesaja 6, 5). Dass Gott den Menschen im Kind in der Krippe zum Anfassen nahe kommt, jagt den Hirten an Weihnachten einen heiligen Schrecken ein. »Fürchtet euch nicht!« ist deshalb die erste Botschaft des Engels (Lukas 2, 10).

Nachfolge

Jesus zog durchs Land und sagte zu Menschen: »Folge mir nach!« Noch erstaunlicher als diese Aufforderung: Die Leute taten es. Sie ließen alles zurück. Männer, Frauen, Paare, Mutter und Sohn – viele teilten Jesu Vagabundenleben. Daneben gab es auch Nachfolger, die sesshaft blieben und in deren Häuser Jesus einkehrte. Er versprach seinen Jüngern nicht nur den Himmel auf Erden. Er sagte klipp und klar: »Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich.« Nachfolge heißt, so Dietrich Bonhoeffer, sich Gott ganz und gar in die Arme werfen. Nachfolge ist Bindung an Christus.

naiv

Wer das Bedürfnis hat, Konsistenz, Sinn und Vernunft in die Welt zu bringen, geht auf’s Ganze. Dem zynischen »Geld regiert die Welt« oder »Nur Bares ist Wahres« präsentiert der Naive die Rechnung, indem er nachfragt: »Wie hoch ist denn dein Preis? Was bezahlt man dir für deine Meinung?« Das Bedürfnis nach stimmiger, heiler Welt, ist das kindliche Bedürfnis nach Aufklärung über Ideologie. Solche Aufklärung leistet der Mann aus Nazareth.

Neu

Die Botschaft Jesu wird in der Apostelgeschichte als »neuer Weg« bezeichnet. Nicht nur der Inhalt des jungen Christentums, auch seine Zugangsbedingungen sind neu. An die Stelle der Zugehörigkeit zu einer bestimmten
sozialen Gruppe ersetzt Egalität die früheren Zugangsbedingungen zur Religion.

Neuanfang

Am Beginn des neuen Kirchenjahrs lohnt ein Rückblick. Nicht mit guten Vorsätzen. Sondern einmal umgekehrt: Was möchte ich in meinem Leben auf keinen Fall ändern? Was soll so bleiben, wie es ist? Und warum wünsche ich mir das? So wird aus dem Rückblick aufs Bestehende ein neuer, bewusster Anfang.

Neues

Mit der Vorstellung der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus kommt ein grundlegend neuer Gedanke in die Welt: Gott begrenzt sich selbst im Leib eines Menschen. Nicht die Allmacht steht im Mittelpunkt, sondern der Glaube an einen Gott, der menschliche Wege auch dann mitgeht, wenn diese notgedrungen krumme Wege sind. Anerkannt wird der Gottlose, nicht der Fromme, aufgesucht werden skandalöse Lebenssituationen, nicht bürgerliche Rechtschaffenheit. Als der Film »Die Sünderin« 1951 die christlichen Gemüter erregt, sagt die Hauptdarstellerin Hildegard Knef: »Ich wünschte, die Leute hätten sich über Auschwitz so aufgeregt, wie über meinen Busen.«

Neujahr

Es ist nicht selbstverständlich, dass das Jahr mit dem 1. Januar anfängt. Für Christen zum Beispiel beginnt das neue Kirchenjahr am ersten Advent. Ab dem Jahr 153 nach Christus galt im römischen Reich der 1. Januar als Jahresbeginn. In den zwei Wochen davor feierten die Römer ausschweifend das Fest des Gottes Saturn, die Saturnalien. Christen sollen deshalb am 1. Januar gefastet haben. Im Mittelalter setzt sich dieser Tag im westlichen Europa weitgehend als Jahresbeginn durch. Weltweit lagen die Jahresanfänge kreuz und quer im Kalender. So sah der französische Revolutionskalender den 22. Juni als Neujahr vor. Andere Religionen und Völker haben bis heute bewegliche Neujahrstermine wie im chinesischen, im jüdischen oder im muslimischen Kalender.

Neujahr der Bäume

Im jüdischen Kalender gibt es das »Neujahr der Bäume«, auf hebräisch Tu Bi-Schewat. Hintergrund ist das Gebot Gottes, die Früchte von neu gepflanzten Bäumen erst im fünften Jahr zu essen. Tu Bi-Schewat markiert den Beginn der Pflanzzeit in Israel. Darum ist dies der Stichtag für die Jahreszählung. Juden begehen diesen Tag mit einem Festmahl, dem Tu-Bischewat-Seder, zu dem Weintrauben, Nüsse, Feigen, Datteln, Oliven, Granatäpfel und Getreide gehören – die sieben Früchte Israels. In der heutigen Zeit wird Tu Bi-Schewat mehr und mehr zu einem Tag des Umweltschutzes. Zu dem Fest pflanzen in Israel viele Menschen Bäume.

Nikolaus

Als Sohn reicher Eltern soll er sein gesamtes ererbtes Vermögen den Armen gegeben haben. Die Legende zeigt ihn als Bischof der Stadt Myra, dem heutigen Demre, einem kleinen Ort 100 Kilometer südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei. Gestorben ist er an einem 6. Dezember im vierten Jahrhundert – das genaue Jahr ist nicht bekannt. Im Mittelalter verändert sich seine helfende Rolle, als die Gestalt des Knecht Ruprecht dazukommt, die den gütigen Nikolaus begleitet und Verfehlungen bestraft. Martin Luther wollte die Heiligenverehrung in den Nikolausbräuchen zurückdrängen und empfahl das Christkind als Geschenkebringer. Das Christkind ist nicht der neugeborene Jesus, sondern eine engelhafte Gestalt, die sich nachts ins Haus schleicht und die Geschenke bringt. Tatsächlich hat sich das Schenken zum Weihnachtsfest erst im 19. Jahrhundert nach und nach durchgesetzt und die Nikolausgeschenke deutlich verdrängt.

O

Ökumene ...

kommt aus dem Griechischen und bezeichnet ursprünglich den ganzen bewohnten Erdkreis. Das Evangelium gilt aller Welt. So wurde Ökumene zum Namen für die Kirche, die den Erdkreis umspannt. Kaiser Konstantin machte das vormals verfolgte Christentum im 4. Jahrhundert zur privilegierten Religion im römischen Reich. Als »ökumenisch« galt nun, was die Konzilien des 4. bis 8. Jahrhunderts als verbindlich zu glauben festlegten. Diese Ökumene zerbrach: Im Jahr 1054 mit der Entzweiung zwischen der oströmischen, heute orthodoxen und der weströmischen, heute katholischen Kirche. Im 16. Jahrhundert mit der Reformation. Neuen Elan und Esprit bekam die ökumenische Bewegung auf der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh. Sie führte 1948 zur Gründung des »Ökumenischen Rates der Kirchen«. Wie können Christen das Gemeinsame des Glaubens leben, ohne die Unterschiede zwischen den Konfessionen gleichzumachen? Leitend dafür ist heute der Gedanke von der »Einheit in versöhnter Verschiedenheit«. Der Sonntag Exaudi ist mit dem Bittgottesdienst um die Einheit der Kirche verbunden.

Opfer

Im Alten Testament ist an vielen Stellen von einem Opferkult zu lesen. Tiere werden geopfert, das heißt, auf den Altar gelegt und verbrannt. Gott wird eingeladen, Gast unter den Menschen zu sein. Der Opferaltar wird Ort der persönlichen Gottesbegegnung. Der Mensch drückt so seine Dankbarkeit und Ehrfurcht gegenüber Gott aus. Er richtet sich auf Gott aus. Mit Menschenopfern macht Gott in der Bibel Schluss. Er stoppt Abraham, als der seinen Sohn opfern will. Die Propheten im Alten Testament üben sogar generell Kritik am Opferkult. »An euren Speisopfern habe ich kein Gefallen«, spricht Gott im Prophetenbuch Amos. Gott fordert statt einem Opfermahl: »Sorgt lieber dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt!«

Ostern

Ohne Ostern kein Christentum. Ohne Ostern wäre die Jesus-Bewegung mit ihrem Begründer am Kreuz gestorben. Vielleicht hätte man sich an den Mann aus Nazareth erinnert wie an andere fromme Menschen und Wundertäter. Doch darüber hinaus wäre er ohne Bedeutung geblieben. Noch unterm Kreuz sagt ein römischer Hauptmann: So stirbt kein Mensch. Dieser ist wirklich Gottes Sohn gewesen! (Markus 15,39) Das bestätigt der Ostermorgen: Gott weckt Christus von den Toten auf. Der Tod ist tot, das Leben lebt. Das ist die Glaubenserfahrung der ersten Jüngerinnen und Jünger, die bis heute weitergeht.

Osterzeit...

ist mit Ostern lange nicht vorbei. Sie dauert – wie die Passions- und Fastenzeit vor Ostern – sieben Wochen lang. Die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten sind wie ein einziger großer Festbogen. In der Bibel ist der auferstandene Jesus den Jüngern nicht nur einmal erschienen. Er kommt und geht, ist ebenso plötzlich präsent wie wieder verschwunden. An die Begegnungen mit ihm erinnern die Festwochen der Osterzeit. Jeder Sonntag nach Ostern hat einen lateinischen Namen, meist nach den Anfangsworten des Leitverses zum Psalm so wie »Misericordias Domini« für »Die Erde ist voll der Güte des Herrn« (Psalm 33).

P

Panorthodoxes Konzil

Ab dem 19. Juni 2016 wollen sich Vertreter der verschiedenen orthodoxen Kirchen zu einem gemeinsamen Konzil auf Kreta treffen. Eine solche »Heilige und Große Synode« gab es noch nie. Die jetzige wird seit gut 100 Jahren vorbereitet. Es gibt einiges zu besprechen. Was bedeutet orthodoxes Christsein im 21. Jahrhundert? Orthodox heißt übersetzt »rechtgläubig«. Sind alle anderen Christen »falschgläubig«? Die Orthodoxen diskutieren über ihr Verhältnis zu Katholiken und Protestanten. Inner-orthodox kriselt es im Vorfeld gewaltig. Die Kirche Bulgariens hat mit Boykott gedroht. Damit könnte das Konzil scheitern, ehe es begonnen hat. Das Moskauer Patriarchat versucht, es durch Vorgespräche noch zu retten.

Palme

In der Antike waren vor allem die Blätter der Dattelpalme bei politischen Demonstrationen populär. Bis zu drei Meter groß kann ein solches Palmblatt sein. Es galt als Sinnbild des Lebens und des Sieges. Darum schwenkten die Menschen im damaligen Palästina Palmzweige, wenn ein König nach gewonnener Schlacht in die Hauptstadt einzog. Sie riefen dazu: »Hosianna!«, zu Deutsch: »Hilf doch!« Der König – noch in Siegerlaune – hatte vielleicht ein offenes Ohr für die Nöte seiner Untertanen. Dass Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem so begrüßt wurde, musste wie eine Provokation auf die römische Besatzungsmacht wirken.

Passion

Vor uns liegt der letzte Sonntag vor der Passionszeit. Der Weg wird steil. Sein Ziel ist eine Hinrichtungsstätte. Wer mitgeht, mag noch allen Mut verlieren. Wie der Mann am Kreuz, dem nichts mehr blieb als die Hoffnung auf Gottes Aufstand.

Passionszeit

Wir begehen mit dem heutigen Sonntag den ersten Sonntag der Passionszeit. Die Liturgie des Gottesdienstes »trägt« nun Violett als Zeichen der Besinnung und Sammlung. Die Leidensgeschichte Christi hat nicht nur Theologen, sondern auch Schriftsteller und Regisseure beschäftigt. Ein Film des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman nimmt sich der Passion in besonderer Weise an: Im Film »Licht im Winter«, der 1962 entstand, verliert ein lutherischer Pfarrer seinen Glauben. Die Passion Jesu und auch seine eigene Leidensgeschichte erscheinen ihm zu ungeheuerlich. Vielleicht eine Anregung für einen Filmabend in der Passionszeit.

Passionszeit

Wörtlich heißt das Leidenszeit – vom lateinischen Verb patere: leiden – und steht als Synonym für die 40 Tage des Fastens und Betens zur Vorbereitung auf das Osterfest der Auferstehung. Sie beginnt traditionell am Aschermittwoch und endet mit dem Ostersonntag. Das sind allerdings 46 Tage, werden kluge Rechner einwenden. Da die Sonntage jedoch nicht mitgezählt werden, stimmt die Rechnung.

Petrus und Paulus

Der 29. Juni ist ihr Tag. Sie waren sich nicht immer grün, hatten aber ein Ziel: das Evangelium weitersagen. Simon Petrus, Fischer vom See Genezareth, ist – neben Marta – der erste, der zu Jesus sagt: »Du bist Christus!« Jesus nennt ihn »Petrus«, Griechisch für »Fels«. Petrus wird zur Mitte der Jerusalemer Urgemeinde. Paulus, Pharisäer und Zeltmacher, hat Jesus nicht erlebt. Noch unter dem Namen Saulus hat er die ersten Christen verfolgt, bis ihm auf dem Weg nach Damaskus Christus erschien. Er wurde von Saulus zu Paulus, dem Apostel der Völker. Seine Streitfrage mit Petrus: Muss, wer Christ sein will, erst Jude werden, sich beschneiden lassen und nach jüdischen Geboten leben? Petrus meinte zunächst, ja. Paulus nein. Auf dem Apostelkonzil in Jerusalem konnte Paulus mit seiner Position überzeugen. Die Jesus-Bewegung tat den Schritt von einer innerjüdischen Gruppe hin zur weltweiten Kirche.

Pfingsten ...

ist nach Weihnachten und Ostern das dritte große Fest im Kirchenjahr. Sein Thema ist die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu. Der Name kommt vom griechischen »Pentekoste« für der »fünfzigste Tag« nach Ostern. Das christliche Pfingsten gehört mit dem jüdischen Wochenfest zusammen (hebräisch »schawuoth«): Es wird sieben Wochen oder eben 50 Tage nach Pessach gefeiert. Im Mittelpunkt des Wochenfestes stehen die zehn Gebote. Es ist ein Pilgerfest: Juden, die sonst in verschiedenen Ländern leben, kommen nach Jerusalem. Darum waren Menschen verschiedener Herkunft in der Stadt, als der Heilige Geist auf die Jünger Jesu herab kam und sie so sprechen ließ, dass jeder es in seiner Muttersprache verstand.

Profan

»Mach’ dein Ding!« Jede Baumarktwerbung ist heute religiös, weil selbst das profane Schaffen, Hämmern und Spachteln den religiösen Kern hat, dem Leben Sinn, Stabilität, Inhalt zu geben. Zur Entschlüsselung des Christentums lohnt der Blick in den profanen Alltag: Er kann im Gegenzug gleichnishaft für das werden, was in jeder Dogmatik schlummert. Doch ohne den erlösenden Kuss aus der Welt wäre Dornröschen zwar schön, aber nicht lebendig.

Psalm

Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Lied« oder »Saitenspiel«. Der Psalter mit 150 Liedern heißt in der hebräischen Bibel »Buch der Preisungen«. Eine Reihe von Psalmen wurde nachträglich König David zugeschrieben. David galt als guter Harfenspieler und Dichter. Der Psalter ist über Jahrhunderte entstanden. Seine heutige Fassung bekam er vermutlich im 4. Jahrhundert vor Christus. Einige Psalmen geben Hinweise, wie sie zu singen sind – heute meist unverständlich wie in Psalm 22: »Nach der Weise der Hirschkuh, die früh gejagt wird.« Psalmen haben Worte für die unterschiedlichen Situationen des Lebens: Dank und Klage, Vertrauen und Verzweiflung, Buße und Staunen über Gottes Schöpfung. Martin Luther nannte den Psalter eine kleine Bibel: »Wo findet man feinere Worte von Freuden, als die Lobpsalmen haben? Wo findest du tiefere Worte von Traurigkeit, als die Klagepsalmen haben?« Lieder, über 2400 Jahre alt. Bis heute gelesen, gebetet, gesungen.

Purim

Das jüdische Fest nimmt Bezug auf das biblische Buch Esther. Darin wird berichtet, wie Esther, die jüdische Ehefrau des persischen Königs, ihr Leben riskierte, um ihr Volk von der Verfolgung durch den Hofbeamten Haman zu retten. Der Tag der geplanten Vernichtung wurde per Los (hebräisch: Pur) bestimmt. In den Synagogen wird das Buch Esther vorgelesen. Vielerorts gibt es eine feierliche Mahlzeit, Kostümfeste, bei denen Ratschen zum Einsatz kommen, und es werden Süßigkeiten und Geschenke an Bedürftige verteilt. Der Tag vor Purim wird Taanis Esther genannt, als Erinnerung an die Fastenzeit Esthers.

Q

Quasimodogeniti...

bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt »wie die neugeborenen Kinder«. So heißt der erste Sonntag nach Ostern, auch »Weißer Sonntag« genannt, weil die an Ostern frisch getauften Christenmenschen früher eine Woche lang ihre weißen Taufkleider trugen und am Sonntag nach Ostern ablegten. In der katholischen Kirche findet an diesem Sonntag die Erstkommunion statt. Darum sind an Quasimodogeniti viele kleine weiß gewandete Prinzessinnen zu sehen. Die Jungs tragen lieber Schwarz. Auch in manchen evangelischen Gemeinden war und ist es üblich, die Konfirmation am Sonntag nach Ostern zu feiern.

Quasimodogeniti

Der Name des Sonntags Quasimodogeniti leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab. Das war ein Wechselgesang zum Psalm: »Quasi modo geniti infantes, Halleluja, rationabile, sine dolo lac concupiscite.« Auf deutsch: Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch. (1. Petrus 2,2)

R

Reformiert

Am 11. Oktober 1531 starb Huldreich (Huldrych) Zwingli, der Reformator in Zürich. Auf ihn und Johannes Calvin in Genf geht der reformierte Strang der evangelischen Kirche zurück. Innerhalb des Protestantismus unterscheidet man zwischen den Kirchen, die sich auf Luther als Reformator berufen (evangelisch-lutherisch), und denen, die sich auf Zwingli und Calvin beziehen (reformiert). Die dritte Gruppe, die unierten Kirchen wie Hessen-Nassau, verbinden beides. Luther und Zwingli entzweiten sich über dem Wort »ist«. »Das ist mein Leib, das ist mein Blut«, so die Übersetzung von Jesu Worten über Brot und Kelch. Ist Christus also beim Abendmahl leibhaftig präsent (Luther) oder sind seine Worte symbolisch zu verstehen (Zwingli)? Calvin vertrat eine Zwischenposition: Christus schenke mit Brot und Wein seine Gemeinschaft. Wegen dieses Streits feierten Reformierte und Lutheraner jahrhundertelang kein gemeinsames Abendmahl. Erst 1973 einigten sie sich in der sogenannten »Leuenberger Konkordie«. 

Reichtum...

... ist in der Bibel nicht an sich schlecht. Gottes Segen an Abraham oder Jakob drückt sich auch darin aus, dass ihre Herden groß und ihre Güter zahlreich sind. Jesus erzählt in seinen Gleichnissen von Menschen, die Äcker oder Perlen kaufen, ohne deren Besitz zu kritisieren. Reichtum wird zum Problem, wenn man sein Herz daran hängt und die Not der anderen ausblendet. Die Kluft zwischen Arm und Reich sieht bei Gott ganz anders aus. Der selbstbezogene Reiche findet sich ganz unten in der Hölle wieder. Der arme Lazarus, dessen Elend er ignoriert hat, sitzt oben in Abrahams Schoß (Lukas 16,19-31).

Religionsunterricht

Religiöse Bildung ist keine Nötigung zu einem Bekenntnis. Sie ist notwendig, weil zur menschlichen Bildung Einsicht in eigene und fremde Werte und Normen, Glück und Selbstkritik, Schmerz und Sehnsucht gehören. Weil diese Bildung nicht nebenbei erfolgt, sondern geschütztes Terrain benötigt, ist Religionsunterricht in allen Schulformen unverzichtbar.

retten

Das ist der Job des dreieinigen Gottes und seines Sohns Jesus Christus, nichts weniger. Allerdings dürfen die Menschen dabei nicht tatenlos herumstehen und ihnen bei der Arbeit zusehen. Jeder Einzelne ist dazu aufgerufen, seinen Beitrag dafür zu leisten, dass die Welt ein wenig besser wird. Jeden Tag ein bisschen mehr. Zugegeben: Klingt ein bisschen mühsam. Lohnt sich aber.

Richterstuhl

Gott ist vollendete Gerechtigkeit. Darauf hoffen Christen und Juden. So steht der Richterstuhl Jesu Christi nicht für einen himmlischen Volksgerichtshof, sondern als Zuspruch: Nichts ist vergessen. Alles kommt noch einmal zur Sprache. Vor einem, der selbst Unrecht erlitt.

Richterstuhl

Lässt sich ein solches Bild Gottes, des gestrengen Richters, heute noch aufrechterhalten? Ja. Denn die Hoffnung, die jenem Bild innewohnt, lebt nicht von Strafe, sondern von der Sehnsucht nach vollendeter Gerechtigkeit.

S

Samariter ...

sind eine Sondergemeinschaft in Israel. Der Grund für die Trennung vom übrigen Judentum liegt im 8. Jahrhundert vor Christus. Das Nordreich Israels war von den Assyrern erobert, ein Großteil der Bevölkerung verschleppt. Ein Rest blieb im Land und vermischte sich mit anderen Völkern. Auch religiös ging man in Samarien eigene Wege. Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus gründeten die Samariter ein eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim. Sie akzeptieren nur die fünf Bücher Mose, nicht die übrigen Schriften der hebräischen Bibel. Samariter galten als häretisch. Ausgerechnet einen Samariter beschreibt Jesus als Beispiel für Barmherzigkeit.

Samariter

Was sich umgangssprachlich als »selbstlos« und »hilfsbereit« eingebürgert hat, war zu Jesu Zeiten eher ein Schimpfwort. Denn die Samariter galten als ungläubig, weil sie nur die fünf Mosebücher als heilige Schriften anerkannten und andere Kultorte verehrten als das übrige Judentum. Im Predigttext zeigt Lukas, dass solche menschlichen Unterscheidungen vor Gott nichts gelten.

Schaf

Ein triebstarkes Tier, dessen Herdentrieb ihm mitunter zum Verhängnis wird. Dann nämlich, wenn die Schafe blind vor Gehorsam einem Führer nachlaufen, der sie ins Verderben führt. Der Mensch wird gern mit einem Schaf verglichen, von seinem Herrgott gütig geleitet. Zum Bild des aufrechten, freien Protestanten passt das aber nur begrenzt.

Schaf

Gleich D wie Doof? Manchmal wird dieser böse Vergleich mitgedacht. Doch das Bild des Schafs, das die Stimme seines Hirten hört, meint etwas ganz anderes: Das Schaf im Lukasevangelium geht verloren und wird vermisst, vom Hirten selbst. Die Erfahrung, von anderen vermisst zu werden, ist in der modernen Welt kostbar geworden. Insofern steht das Bild des Schafs für eine Lebenserfahrung, an die sich die christliche Gemeinde deswegen erinnert, weil die Erfahrung selbst verloren geht. Das »doofe« Schaf klärt auf: Über eine Gesellschaft, in der sich alle ausreden lassen, wie austauschbar sie sind.

Schönheit...

wird in der Sprache des Alten Testaments nicht mit einem Wort, sondern in vielen Facetten beschrieben: angenehm, gut, herrlich, mächtig, wohlgefällig. Schönheit ist keine isolierte Eigenschaft, sondern geht mit vielen äußeren und inneren Merkmalen einher. Eine Frau, ein Mann kann schön sein genauso wie Musik, Worte, Weisheit oder ein Gebet. Schönheit hat ihre Abgründe. Die verbotene Frucht im Garten Eden sieht zum Reinbeißen schön aus. Schönheit kann vergehen, wie Motten ein Kleid zerfressen. Inbegriff für Schönheit ist das Staunen, wie schön ein Mensch oder die Natur geschaffen ist. Staunen über die Herrlichkeit Gottes, die sich darin spiegelt.

Schöpfung

»Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit.«

Martin Luther, Kleiner Katechismus

Schwarz

Die liturgische Farbe des Karfreitags, einmalig im Kirchenjahr, Zeichen der Trauer und der Stille, Erinnerung an das, »was nicht gelang«, Farbe des Todes und dessen Opposition.

See

Manche verbinden das Christentum vielleicht mit dem Bild eines ruhigen Sees: Sein Anblick erbaut, stärkt wohl auch, und das ist ohne Zweifel gut und lebensdienlich. Den Blick in seine Tiefen und Abgründe muss aber riskieren, wem Religion wichtiger ist als bloße Überlebensstrategie. Die Geschichte von Kain und Abel blickt in eben diesen Abgrund unter der ruhigen Oberfläche. Anteile von Kain und Abel tragen wir alle in uns, leben zwischen blinder Wut aufs Fremde und Andere und der Sehnsucht nach gutem Leben. Im Kreuz scheint beides noch einmal auf: Die Wut der Zwanghaften auf einen freien Menschen verbindet sich mit dem geheimen Wissen, dass die versöhnende Botschaft des Gekreuzigten auch seinen Gegnern gilt.

Sehen

Keiner wird Mensch aus eigener Kraft. Die hebräische Bibel spricht vom Menschen als Gottes Abbild. Sein Gesicht bekommt der Mensch nicht durch eitle Selbstbespiegelung, sondern weil er von Gott gesehen und angesehen wird.

Serafim

Der Prophet Jesaja findet sich in einer Vision im Thronsaal Gottes wieder. Über dem Thron stehen Serafim und rufen einander zu: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr.« Wegen des dreimaligen Heilig wurde dieser Bibelvers zum Wochenspruch für Trinitatis. Schon die Serafim im Alten Testament huldigen dem dreieinigen Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das steht zwar nicht in der hebräischen Bibel. Aber so haben Christen das »Heilig, heilig, heilig« im Nachhinein verstanden. Was sind Serafim? Das Wort bedeutet »feurig« und »erhaben«. Bei Jesaja sind sie erhabene Wesen mit drei Paar Flügeln: ein Paar zum Fliegen. Ein Paar, um sich die Augen zu bedecken, denn die Herrlichkeit Gottes kann niemand sehen, ohne zu vergehen. Ein Paar, um sich die Füße zu verhüllen. Die Füße können für den ganzen Unterleib stehen. Das wurde mitunter als Zeichen der Keuschheit gedeutet. Diese Engelswesen haben sich bis in die Herzen werdender Eltern gespielt, die ihre Tochter nach ihnen benennen: Serafina.

Siebenschläfer

Der Siebenschläfertag am 27. Juni. Der Name des Tages geht auf eine christliche Legende zurück. Sieben junge Männer hatten sich vor der Christenverfolgung des Kaisers Decius (249-251 nach Christus) in einer Höhle bei Ephesus versteckt. Doch die Verfolger spürten sie auf und mauerten sie ein. Statt zu sterben, schliefen die sieben fast 200 Jahre lang. Der Legende nach wurden sie am 27. Juni 446 zufällig entdeckt, wachten auf und bezeugten ihren christlichen Glauben an die Auferstehung. Wenig später starben sie. Mit dem gleichnamigen Nagetier hat die Legende von den Siebenschläfern nichts zu tun. Ihr Tag, der 27. Juni, gilt auch als Indiz für das Wetter. »Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt«, heißt eine Bauernregel. Tatsächlich sagt die Statistik, dass sich die Großwetterlage in Europa Ende Juni, Anfang Juli für einige Zeit stabilisiert – regnerisch oder sonnig.

Silvester ...

der letzte Tag des Jahres, verdankt seinen Namen einem Papst aus dem vierten Jahrhundert. Silvester I., seit 314 Bischof von Rom, starb am 31. Dezember 335. Er wurde später heilig gesprochen und gab so dem Tag seinen Namen. Der Jahreswechsel wurde in der Geschichte schon früh von rituellen Festen und Volksbräuchen begleitet. Die bösen Geister des vergangenen Jahres sollten durch Lärm vertrieben werden. Im Blick auf das kommende Jahr versuchte man sich an der Zukunftsdeutung. Beide Traditionen haben sich bis heute in Form von Feuerwerken und Horoskopen sowie des Bleigießens erhalten. In den christlichen Kirchen haben sich am Silvesterabend Andachten und Gottesdienste zum Jahreswechsel durchgesetzt, immer häufiger auch eine Stunde vor Mitternacht. Kurz vor 24 Uhr beginnen in den Städten die Glocken der großen Kirchen zu läuten.

Simeon

Gemeinsam mit der Prophetin Hanna erkennt Simeon im kleinen Kind Jesus den Messias, als Jesus von seinen Eltern 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel gebracht wird. Weil eine Frau in dieser Zeit als unrein galt, ein Zeitraum, der sich nach der Geburt eines Mädchens verdoppelte, musste sie dem Priester ein Reinigungsopfer übergeben. Anschließend erfolgte die Übergabe des Erstgeborenen als Gottes Eigentum. In diesem ehrwürdigen liturgischen Geschehen bekennt Simeon das Unerhörte: Der verheißene Messias ist gekommen.

Singen

Weihnachten 1945. Pastor Heinrich Albertz, Kriegsflüchtling wie so viele, hört das Weihnachtsoratorium in einer Kirche in Celle. Auf einmal können die Menschen ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. »Da war keine Sentimentalität, da war Befreiung. Die Kirche war nass von Tränen«, schreibt Heinrich Albertz. »Kein Heil dem Hitler, sondern Heil dem Gott, der sich an Weihnachten einen Namen gab.« Die Kraft der Musik rührt ans Innerste des Menschen. Und wer nicht mehr singen kann, für den singen die Engel.

Sonne

Das Zentralgestirn, genießt kultische Verehrung, seit der Mensch denken kann. Göttliche Kraft wird dem Energiespender zugeschrieben, manche Religionen verehrten den Quell allen irdischen Lebens sogar selbst als Gott. Der Vergleich mit der Sonne ist immer ein Kompliment, auch viele Gesangbuchlieder handeln von ihr.

Sorge

In aktuellen Umfragen sorgen sich die meisten Deutschen um den Wert ihrer Ersparnisse. Volkswirtschaftler sind noch unentschieden: Für manche ist eine Inflation nur eine Frage der Zeit, andere sehen sorgloser in die Zukunft, weil drastisch steigende Löhne als möglicher Ausgangspunkt von Inflationen nicht in Sicht seien. Auch in der Volkswirtschaft geht es also um Glaubensfragen. Die christliche Religion verhindert keine Inflationen. Doch sie kann den Menschen helfen, Krisensituationen gelassener anzugehen. »Bei uns geht es um mehr oder weniger Wohlstand, andernorts geht es um Leben und Überleben«, sagte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er setzt den richtigen Rahmen: Finanzkrisen sind menschlichen Ursprungs. Dann sollten sie auch mit menschlichen Mitteln repariert werden können.

Splitter und Balken

Jesus nervt. Was er verlangt, ist eine Zumutung. Immer soll man bei sich selbst anfangen und bei dem, was man selber besser machen kann. Dabei ist es doch viel einfacher und angenehmer, die Schuld bei anderen zu suchen. Das lässt Jesus nicht durchgehen: »Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?« (Lukas 6,41) Die Verbesserung der Welt beginnt beim Blick in den Spiegel. Anderen Menschen Gutes tun im Sinne von Jesus rechnet nicht mit Wechselseitigkeit. Nicht »ich gebe, damit du gibst«, sondern: So wie ich behandelt werden will, so gehe ich mit den anderen um. Einfach, weil es gut ist.

Stehlen

»Du sollst aber nicht meinen, dass nur das gestohlen heißt, was du deinem Nächsten wegnimmst. Sondern wenn du deinen Nächsten Not, Hunger und Durst leiden siehst oder kein Obdach, Schuhe und Kleider haben, und du hilfst ihm nicht, so stiehlst du genauso. Denn du bist ihm schuldig, zu helfen in seiner Not. Denn deine Güter sind nicht dein; du bist als ein Verwalter darüber gesetzt.«

Martin Luther

Stille

»Gott ist die Stille«, klagt der Pfarrer in Ingmar Bergmans Film »Licht im Winter«. Ihm wird die Ruhe zur Last, die im Pfarrhaus herrscht, seit er alleine lebt. Er leidet unter Gottes Schweigen, Gottes Antwortlosigkeit. Doch dieses Schweigen steht bei Bergman für mehr, für die Unfähigkeit der modernen Menschen, miteinander ihre Ängste zu teilen und zu tragen. Die Stille einer lärmenden Gesellschaft überträgt sich auf Gott.

Stimme

Zahllose Stellen in der Bibel berichten davon, wie Menschen plötzlich Stimmen hören. Die Stimme eines Engels, die Stimme Gottes – oder auch die des Teufels, der sie in Versuchung führen will. Wir alle kennen die Geschichte Abrahams, der auf göttliche Eingebung seinen Sohn Isaak opfern wollte. Es war aber nur ein Test. Heutzutage käme Abraham schon für die bloße Absicht in den Knast, und die Ausrede vom lieben Gott würde ihm keiner abnehmen. Wir wissen halt nicht, wenn er zu uns spricht.

Sünde ...

meint in erster Linie nicht einzelne Vergehen. Sünde ist der existenzielle Zustand des Menschen: die Trennung von Gott. Der Mensch wendet sich von Gott ab. Er entfernt sich himmelweit von dem, was Gottes Wille ist. Ursprünglich bedeutet das deutsche Wort Sünde »der es gewesen ist«. Die ersten, die es gewesen sind, waren Adam und Eva. Ihnen stand der ganze Garten Eden zur Verfügung. Doch sie vergreifen sich an den Früchten, die zu essen Gott verboten hatte. Ihr Motiv: Sie wollen sein wie Gott. Sie spielen die »masters of the universe« und verletzen Gottes Ehre. Das Urmoment der Sünde. Der Mensch kann von Geburt an nicht anders: Er vergreift sich an dem, was nicht für ihn bestimmt ist. Darum prägte Augustinus den Begriff Erbsünde. Aus eigener Kraft kommen wir über den alten Adam und die alte Eva in uns nicht hinaus. Gott überwindet den Abgrund und vergibt die Sünde. Allein aus Gnade.

T

Talent

Das Evangelium des Sonntags ist Jesu Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäus 25, 14-30). Talent kommt vom griechischen tálanton und war die größte Gewichtseinheit in der Antike. Es steht für die oberste Grenze an Last, die ein Mensch noch einigermaßen bequem bewältigen kann. Im Israel zur Zeit Jesu waren das circa 36 Kilogramm. In dieser Gewichtseinheit wurden Gold und Silber gemessen. Das übliche Zahlungsmittel zur Zeit Jesu war Silber. Ein einfacher Arbeiter verdiente pro Tag einen Silbergroschen oder Denar mit einem Gewicht von 4,5 Gramm Silber. 8000 Denare wogen also ein Talent Silber auf – der Verdienst von gut 25 Jahren eines Arbeiters. In Jesu Gleichnis vertraut ein Mensch seinen drei Knechten insgesamt acht Talente an. Ein Vermögen an Kaufkraft und Lebenszeit. Schon ein Talent zu haben, macht reich. »Mach was aus dem Talent, das Gott dir anvertraut hat!«, ist eine Deutung für das Gleichnis Jesu.

Taufe ...

kommt ursprünglich von »eintauchen«. Der erste Täufer in der Bibel ist der Wüstenprediger Johannes. Wer seine Sünden bekannt hatte, den tauchte Johannes in den Jordan, um ihn vor vor dem Gericht Gottes zu retten. Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen. Das Neue Testament betont: Jesus war ohne Sünde. Mit der Taufe nahm er die Sünde der Welt auf sich. Als Jesus aus dem Jordan stieg, kam der Geist Gottes wie eine Taube auf ihn herab. Eine Stimme vom Himmel sprach: »Dies ist mein lieber Sohn.« Der auferstandene Christus gab seinen Jüngern den Auftrag zu taufen. Nach christlichem Glauben ist Taufe der Bund, den Gott mit dem Täufling ein für alle Mal schließt. Sie befreit von Sünde. Sie verleiht den Heiligen Geist. Sie verbindet mit Christus. Gottes Wort gilt dem Täufling: »Du bist mein lieber Sohn. Du bist meine liebe Tochter.«

Taufe

Die biblischen Deutungen der Taufe sind vielfältig. Das »Abwaschen« der Sünde ist ebenso theologisches Konstrukt wie die Aufnahme in eine bestimmte religiöse Institution. Auch die sogenannte »Bekehrung« konservativ-pietistischer Lesart ist keine notwendig zu vollbringende Leistung im Anschluss an die Taufe, weil die »Bekehrung« nicht heilsnotwendig ist. In theologisch verständlicher Lesart ist die Taufe die Anerkennung des Menschen als eines freien Subjekts – ohne jegliche Vorleistungen. Der Verweis auf Gott belegt, dass diese Anerkennung unbedingt gilt; die Gemeinde muss in diesem Sinne ein Ort der Freiheit sein.

Taufe

Das deutsche Wort Taufe kommt ursprünglich von »eintauchen«. Wasser hat in allen Religionen eine starke Symbolkraft. Ohne Wasser kein Leben. Wasser kann aber auch Leben vernichten. Die christliche Taufe verbindet diese Extreme. Was von Gott trennt, soll im Wasser der Taufe untergehen. Der Getaufte taucht als neuer Mensch auf, als Kind Gottes.

Taufe

Die Taufe ist ein typisch christliches Zeichen. In den evangelischen Landeskirchen ist sie das erste Sakrament, das ein Mensch empfängt. Das andere Sakrament ist das Abendmahl. Die Taufe geschieht auf den Namen des dreieinigen Gottes. Sie verleiht die Gabe des Heiligen Geistes. Im Unterschied dazu hat Johannes der Täufer zur Buße gerufen und eine Taufe der inneren Reinigung vollzogen. Er selbst hat Jesus getauft. Taufrituale zur äußeren und inneren Reinigung waren damals in verschiedenen jüdischen Glaubensgemeinschaften verbreitet. Taufe war also nichts Neues. Jesus selbst hat nicht getauft. Doch schon die Apostelgeschichte berichtet aus der Zeit der ersten Gemeinden um das Jahr 50, dass sich viele taufen ließen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Martin Luther unterschied zwischen dem einfachen Wasser und dem Wasser der Taufe, das durch Gottes Wort mit Christi Tod und seiner Auferstehung verbindet.

Teufel

Gibt es den überhaupt? Satan, Luzifer, Beelzebub oder wie er sich auch nennen mag, mit Bocksbein oder Pferdehuf, mit Schwanz und Dreizack, schwarz oder rot und wutschnaubend, in eine Wolke aus Rauch und Schwefel gehüllt? Diese Vorstellung hat Generationen von Menschen in Angst und Schrecken versetzt, heute gelingt das meist nur noch bei kleinen Kindern. Wenn es im Vaterunser heißt »... und erlöse uns von dem Bösen ...«, dann meinen Katholiken den Bösen, Protestanten das Böse. Ob es aber den Bösen nun gibt oder nicht: Das Böse steckt in jedem Menschen. Die einen können es in Schach halten, andere eher nicht.

Teufel

»Der einzige Beweis für die Existenz des Teufels ist jedermanns Begierde, ihn am Werk zu sehen.« So lässt der Schriftsteller Umberto Eco seine Romanfigur William von Baskerville, einen kritischen Theologen, sprechen. Den Schock der Neuzeit, dass dieser Satz umgekehrt auch für Gott gelten könne, hat William uns wohlwissend erspart. Die Theologie arbeitet seither auf glattem Terrain. Das ist waghalsig, manchmal auch belustigend, dann nämlich, wenn auch der Teufel ins Rutschen kommt und das unerwartet Gute doch noch eintrifft.

Teufel...

kommt vom griechischen diabolos und bedeutet »der Durcheinander-Werfer, der Auseinander-Bringer«. Wo spalterische Kräfte das Leben ins Chaos stürzen, sahen die Menschen der Bibel den Teufel leibhaftig am Werk. Er ist eine Symbolfigur für das Böse, dem Menschen wie einer fremden Macht begegnen. Er personifiziert das Böse, zu dem Menschen selber fähig sind. Der hebräische Name Satan wird mit »Widersacher« übersetzt. Damit können auch menschliche Feinde gemeint sein. Jesus fährt einmal Petrus an: »Geh weg von mir, Satan!« (Matthäus 16, 23) Im Buch Hiob und beim Propheten Sacharja gehört der Satan zum himmlischen Hofstaat. Er ist Gottes Gegenspieler, der die Menschen anklagt oder Gott selbst dazu verleitet, den frommen Hiob zu versuchen. Im Neuen Testament erscheint der Teufel als Oberster der Dämonen. Er kann Menschen besessen machen. Er verführt Judas zum Verrat. Durch Jesus hat der Teufel ausgespielt. Der Gottessohn ist mächtiger als der Versucher. Jesus sieht »den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz« (Lukas 10, 17).

Tisch

Ort der Gastfreundschaft. Doch auch religiöse Differenzen, die »unter den Tisch fallen«, weil sie gar nicht angesprochen werden, gehören hierher. Die Frage nach den Menschenrechten oder der Gleichberechtigung
der Geschlechter in den Religionen muss auch an diesem Tisch besprochen werden.

Tod ...

hat in der Bibel viele Gesichter. Geradezu biblisch ist, wenn jemand »alt und lebenssatt« stirbt wie Abraham (1. Mose 25, 8). In dieser Gestalt hat der Tod nichts Bedrohliches. Ganz anders, als wenn ein Mensch »im Mittag seines Lebens« (Jesaja 38, 10) stirbt. Dann ist der Tod ein Abbruch. Am meisten graut den Menschen der Bibel vor dem Tod als völliger Einsamkeit. Der Tote ist allein, herausgerissen aus jeglicher Gemeinschaft. Es gibt zwar die Redewendung »zu seinen Vätern versammelt werden« (2. Könige 22, 20). Aber es bleibt die bange Frage: Denkt Gott an die Toten? Die in die Grube fahren, warten nicht auf Gottes Treue, fürchtet der kranke König Hiskia (Jesaja 38, 18). Der Glaube, dass Gottes Lebensmacht bis ins Totenreich dringt, ist schon im Alten Testament präsent. »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt«, bekennt der sterbenskranke Hiob (19, 25). »Ich bin der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs«, stellt sich Gott selbst vor. Er identifiziert sich mit Menschen, die lange tot, für Gott aber offenbar sehr lebendig sind. Jesus folgert: »Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden« (Markus 12, 27).

Tod

»Hätte der Tod nur negative Seiten, so wäre Sterben eine undurchführbare Leistung.«

E. M. Cioran

Toleranz

Darin steckt die lateinische Vokal »tolerare« – erdulden, ertragen, hinnehmen. Toleranz bedeutet hinzunehmen, zu ertragen und zu respektieren, dass ein Anderer anders ist, andere Wertvorstellungen hat. Dies ist die Grundvoraussetzung auch für den Dialog der Religionen. Um andere Wertvorstellungen zu respektieren, muss man sich auch über die eigenen im Klaren sein. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat das Jahr 2013, das sechste Jahr der Luther-Dekade vor dem 500-Jahr-Jubiläum der Reformation 2017, zum Jahr der Toleranz ausgerufen.

Trauer

Eine der zentralen Emotionen – Gefühlsregungen – des Menschen, auch vieler Tiere. Wer trauert, fühlt sich einsam, allein, verlassen. Wer trauert, bedarf des Trostes. Die Religion ist dafür wie geschaffen – doch auch Scharlatane finden ein reiches Betätigungsfeld, wenn Menschen festen Halt suchen.

Trinität

Ein Gott in drei Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist. Zu diesem Bekenntnis hat die Christenheit in den ersten vier Jahrhunderten gefunden, formuliert auf dem Konzil in Nizäa und Konstantinopel (325 / 381 n. Chr.). Die Ausgangsfrage: Wer ist Jesus? Die Antwort: »Des lebendigen Gottes Sohn« (Matthäus 16, 16). Sohn und Vater sind eins (Johannes 10, 30). Und der Heilige Geist? Er kommt bei der Taufe auf Jesus herab. Eine Stimme vom Himmel sagt: »Dies ist mein lieber Sohn« (Matthäus 3, 17). Vater, Sohn und Heiliger Geist sind wesenseins. Das war umstritten. Arius aus Alexandrien nannte Jesus das erste Geschöpf, aber eben nicht Gott. Der Reformator Calvin trug zum Todesurteil gegen Servet bei, weil der die Trinitätslehre bestritt. Für Schleiermacher, Theologe des 19. Jahrhunderts, hat sie »mehr die Form eines noch schwebenden Problems«. Auf Seiten des Islam wird sie als Vielgötterei verstanden. Für den christlichen Glauben drückt sie aus: Der eine Gott ist kein abstraktes Prinzip. Er offenbart sich als Du, als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Trinitatis

Das Fest der Dreieinigkeit Gottes erinnert an das trinitarische christliche Gottesverständnis. Der christliche Gott begrenzt seine Allmacht in Jesus Christus: Mensch und Welt werden nicht von Gott dominiert, sondern als freies und eigenverantwortliches Gegenüber Gottes anerkannt. Wie aber diese Freiheit gestaltet wird, erkennt der Mensch im Heiligen Geist: Handelt der Mensch als »Titan«, niemandem verantwortlich als dem eigenen Machtstreben, oder begrenzt er seine Macht nach dem Vorbild Gottes?

Tröster

Mit diesem wunderschönen Wort für den Heiligen Geist hat Martin Luther eine griechische Vokabel verdeutscht, die vor allem im Johannes-Evangelium vorkommt. (Johannes 14,16; 15,26; 16,7) Andere fanden andere Übersetzungen für das griechische Wort Paraklet. So entschied sich Ulrich Zwingli für den Begriff »Beistand«, der auch von der katholischen Einheitsübersetzung verwendet wird. Dies kommt der antiken Bedeutung nahe, nach der ein Paraklet der Anwalt eines Beklagten ist. So klingt es auch im Buch Hiob an. (Hiob 19,25) Das Wort Tröster, das Luther verwendet, macht deutlich, dass es um Ermutigung in aussichtslosen Situationen und in der Trauer geht. Jesus setzt den Tröster mit dem Heiligen Geist in eins, der für Wahrheit und Gerechtigkeit eintritt. (Johannes 16,13)

Tugend

Eine gute Eigenschaft, eine anständige Haltung – das ist Tugend. Ehrlichkeit, Friedfertigkeit und Güte zählen dazu. Sie setzen meist irgendeine Art von Verzicht voraus: auf den eigenen Vorteil, auf Rache, auf ein materielles Gut (wenn man gütig schenkt). Auch die Freundlichkeit ist ein Tugend. Sie ist die wohlfeilste Tugend, denn sie kostet nichts, nur ein Lächeln. Und dennoch wird sie am häufigsten vermisst.

U

Überwinden

»Was konnte ich, bevor ich musste? Was wollte ich, bevor ich sollte?« Der Blick in die eigene Kindheit ist bisweilen schmerzlich, weswegen man’s so selten macht. Dabei ist die eigene Vergangenheit die eigentliche Überwindungsleistung.

Unterwelt

Pluto heißt der Planet, von dem die Nasa-Sonde »New Horizons« sensationelle Bilder zur Erde sendet. Pluto ist in der klassischen Mythologie der Gott der Unterwelt. Passend für einen Planeten, der am äußersten Ende unseres Sonnensystems liegt und minus 230 Grad kalt ist. So ungemütlich kann man sich die Unterwelt vorstellen. Für die Menschen der Bibel war das Totenreich unerreichbar weit entfernt, abgeschnitten vom Leben. Im Tod ist der Mensch einsam, so fürchteten sie, von Gott und den Menschen verlassen und vergessen. Zugleich formuliert der Psalm 139 die Hoffnung: Sogar bei den Toten ist Gott da und hält mich. Der Planet Pluto löst Begeisterung aus, weil seine Oberfläche ein großes weißes Herz zeigt. Selbst am äußersten Ende findet der Mensch noch ein Herz.

Unterwegs

Der Predigttext schildert Jesus als einen Menschen, der wandernd umherzieht. In der modernen Gesellschaft leben viele Menschen als »Pendler«, Nomaden der Ballungsräume, weil es dem Beruf geschuldet ist. So ist es auch für die Kirchen sinnvoll, für Menschen in ihrem mobilen Lebensumfeld da zu sein. Die Ortsgemeinde ist dabei nur eine Möglichkeit von vielen.

V

Valentinstag

Der Tag für Liebende scheint vor allem für Blumenläden und Restaurants gemacht. Doch sein Namensgeber war nicht Geschäfts-, sondern Kirchenmann: Valentin, Bischof von Terni in Italien. Er fand am 14. Februar um das Jahr 268 nach Christus den Märtyrertod. Valentin soll heimlich Paare getraut haben, die sonst nicht hätten heiraten können, weil sie unterschiedlichen Standes oder ihre Familien verfeindet waren. Den frisch Vermählten soll Valentin Blumen aus seinem Garten geschenkt haben.

Vaterunser ...

ist das christliche Gebet schlechthin. Im Neuen Testament ist es an zwei Stellen überliefert: als Herzstück der Bergpredigt in Matthäus 6, 9-13 sowie in etwas anderer Form in Lukas 11, 2-4. Der Kontext in der Bergpredigt: Jesus sagt, man solle beim Beten nicht »plappern wie die Heiden«. Das Vaterunser ist Jesu Beispiel für kurzes Beten. Jesu Wort für Gott, das aramäische »Abba«, entspricht ungefähr unserem »Papi«, der Anrede eines kleinen Kindes an den Vater. Das ist typisch Jesus. Niemand würde es gewagt haben, Gott so anzureden. Jesus tut es und fordert seine Jünger auf, auch so zu beten. Klassisch spricht man von sieben Bitten im Vaterunser: drei »Du-Bitten« (dein Name, dein Reich, dein Wille) und vier »Wir-Bitten« (unser Brot, unsere Schuld, führe uns nicht, erlöse uns). Das Vaterunser schließt mit einer so genannten Doxologie, einem Lob auf Gott: »Denn dein ist das Reich ...«

Vergebung

Niemand kann leben, ohne zugleich anderes Leben einzuschränken oder zu verbrauchen. Wer dieser Einsicht auch nur kurz nachspürt, erschreckt bis ins Mark. Am Anfang jedes Lebens also steht eine Schuld, an der keiner »Schuld hat«. Diese Schuld braucht Vergebung, die sich niemand verdienen kann. Für manchen eine lebenslange Kränkung. Fürs Christentum göttliche Gnade.

Verkleidung

Keine Kirche, neben die der Teufel nicht seine Kapelle baut, so heißt es. Hiob, dem frommen Mann, erging es ähnlich. Vom Schicksal geschlagen, wusste er nicht mehr, wie sich ein willkürlicher Gott vom Satan unterscheiden lässt. Und Beckmann, der zerstörte Held in Wolfgang Borcherts »Draußen vor der Tür«, fragt, warum uns Menschen noch immer keine Klaue, kein Raubtiergebiss wachse, angesichts der Gräuel des 20. Jahrhunderts, warum wir also noch immer in der Verkleidung der Zivilisation herumstolzierten. In Jesus Christus ist das Ende aller Verkleidungen erschienen, ihm, dem am Ende nicht einmal das Gewand blieb, den leidenden Körper zu verhüllen.

Versöhnung und O wie Opfer

Im Jahr 2015 fallen am 23. September das jüdische Versöhnungsfest Jom Kippur und das muslimische Opferfest zusammen. Am Jom Kippur bitten die Gläubigen Gott für ihre Fehler um Vergebung. Sie bemühen sich auch um Versöhnung mit allen, mit denen sie Streit haben. Zum Jom Kippur gehört das Gebet für die Verstorbenen. Er ist ein strenger Fastentag und endet mit dem Klang eines Widderhorns und einem festlichen Mahl. Widder und Festessen gibt es auch beim Opferfest, arabisch Id al-Fitr, türkisch Kurban Bayramı. Laut Koran war Abraham bereit, seinen Sohn Ismail für Gott zu opfern. Im letzten Moment schickte Gott einen Widder, den Abraham statt seines Sohnes opferte. Muslime sind dazu aufgerufen, sich an Abrahams Opferbereitschaft ein Beispiel zu nehmen. Zugleich gedenken sie der Barmherzigkeit Gottes. Viele Familien schlachten ein Tier. Einen Teil des Fleisches essen sie selbst, den Rest verteilen sie an Nachbarn und Bedürftige. Das Fest ist auch der Höhepunkt der Pilgerfahrt nach Mekka.

Verstocken

Lässt sich Eigensinn in keiner Weise mehr für andere Argumente aufschließen, wird der Eigensinn zur Dummheit. Im Alten Testament ist es Gott selbst, der die »Verstockung« des Pharao bewirkt: Gott verhängt sie nicht über einen ahnungslosen oder gutwilligen Menschen, sondern bestärkt einen, der das Verkehrte will und tut, in seiner Haltung. Der freie Wille ist gerade hier eine Illusion.

Versuchung

Papst Franziskus hat 2018 die Diskussion angestoßen, ob das Vaterunser nicht geändert werden müsse. Die Bitte in ihrer deutschen Übersetzung »und führe uns nicht in Versuchung« klingt für ihn so, als würde Gott die Menschen absichtlich hinters Licht führen. Welcher guter Vater macht das? Für den Papst ist klar: »Wer dich in Versuchung führt, ist Satan.« Martin Luther sah das ähnlich. »Gott versucht zwar niemand«, schreibt er im Kleinen Katechismus. Aber er behüte, dass »uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge«. Das wirft neue Probleme auf. Satan ist dann wie ein zweiter, wenn auch böser Gott. Warum lässt der eine, allmächtige, gütige Gott zu, dass der Teufel sein Unwesen treibt? Vielleicht macht die Bitte aus dem Vaterunser weniger eine Aussage über Gott, sondern beschreibt eine menschliche Erfahrung: Man gerät immer wieder in die Versuchung, den falschen Weg zu wählen, obwohl man den richtigen kennt.

Versuchung

Light Monyeki, Pfarrer der Gemeinde »Grace Living Hope Ministries« in Südafrika, hat vor seiner Gemeinde mit Wasser vermischtes Rattengift getrunken. Danach forderte er die Gläubigen auf, ebenfalls einen kräftigen Schluck aus der Flasche zu nehmen. Sie sollten unter Beweis stellen, dass sie wirklich an Christus glauben. Denn dann habe der Tod keine Macht über sie. Was würde Jesus dazu sagen? »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« (Matthäus 4,7) Das antwortet er dem Teufel, als der ihn auf die Probe stellen will: Bist du Gottes Sohn, dann wirf dich vom Dach. Gottes Engel werden dich auffangen. Beim Glauben verhält es sich wie in der Liebe. Es ist verführerisch, Liebesbeweise zu fordern. »Wenn du mich liebst, dann tust du dies oder jenes für mich.« Das vergiftet die Beziehung. Jesus trotzt der Versuchung mit seinem Gottvertrauen, das keine Beweise oder spektakuläre Aktionen braucht. Den anderen nicht auf die Probe stellen, gilt umgekehrt auch für Gott. Jesus betet im Vaterunser: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.«

Vertrauen

Vertrauen gehört zu der Wortgruppe um »treu, stark, fest«. Wer sich einer Sache sicher sein kann, muss nicht vertrauen. Darum hat das Vertrauen viel zu tun mit »jemandem glauben (können)«. Für Thomas von Aquin (1225-1274) ist Vertrauen darum mehr als nur Glaube oder Hoffnung. Es benötigt auch spürbare Anknüpfungspunkte im eigenen Leben. Seit Beginn der Neuzeit wird Vertrauen immer stärker mit dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten verknüpft, dem Selbstvertrauen. Das Gegenteil entsteht meist, wenn man enttäuscht wird. Dann entwickelt sich Misstrauen.

Verzicht

Auch der Verzicht ist ein Geschäft geworden. Noch wo er sich kollektiv als »Aktion« organisiert, tauscht er für eine ethische Avantgarde das gute Gewissen ein. Verzicht tauscht nicht: »Danke. Brauch’ ich nicht. Ist für mich nicht nötig.« Wer’s leise einmal täglich umsetzt, verändert die Welt.

Vikar(in)

Unter diesem Titel finden sich in den christlichen Kirchen alle möglichen Ämter. Er kommt vom lateinischen »Vicarius« für Statthalter, Stellvertreter. Katholiken kennen den Pfarrvikar als Hilfspriester, den Bischofsvikar als geistlichen Vertreter des Bischofs oder den Generalvikar als dessen Stellvertreter bei der Verwaltung. In der evangelischen Kirche sind Vikare und Vikarinnen wie Autoren der nebenstehenden Andacht hingegen Azubis. Sie tragen diesen Titel nach dem ersten theologischen Examen während ihrer praktischen Ausbildung. Diese entspricht dem Referendariat bei angehenden Juristen und Pädagogen.

Volk

Im Neuen Testament öffnet vor allem die Theologie des Matthäus die heidnische Welt für die christliche Verkündigung. Gottes Heilszusage gilt nicht länger nur einem einzelnen Volk, sondern der gesamten Welt. Die wiederum band das Heil nur allzu oft an die Identifikation mit heilsvermittelnden Institutionen, was seine reale Abwesenheit nur umso stärker unterstreicht.

Volkstrauertag

Der Volkstrauertag ist der Sonntag, der im Evangelischen Gottesdienstbuch einfach »Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr« heißt. Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schlug ihn 1919 als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vor. Seit 1926 wurde er am 2. Sonntag in der Passionszeit (Sonntag Reminiszere) begangen. Die Nationalsozialisten machten ihn zum Staatsfeiertag und »Heldengedenktag«, passend zu ihrer Propaganda von Kriegsverherrlichung und Herrenmenschentum. In der Bundesrepublik wurde der Volkstrauertag 1952 auf den Sonntag zwei Wochen vor dem 1. Advent gelegt. Damit rückte er ans Ende des Kirchenjahrs, das theologisch von Tod, Zeit und Ewigkeit bestimmt ist. Der Volkstrauertag ist kein kirchlicher Feiertag, wird aber vielerorts kirchlich begleitet. Die Kirchen erinnern im Rahmen einer Friedensdekade an diesem Tag in besonderer Weise an die christliche Verantwortung für Frieden und Versöhnung.

Vorlesen

Ein guter Brauch, der im Advent belebt werden kann. Einmal in der Woche im Familien- oder Freundeskreis eine Geschichte lesen. Warum nicht aus der Bibel? Mit einem guten Gespräch hinterher. Christen sind kritische Geister. Und der Adventstrubel ermutigt vielleicht zum Gegensteuern.

W

Waffen

Ein guter Christ fasst sie tunlichst nicht an. Aber was ist mit dem lieben Gott? Viele Stellen in der Bibel beschreiben ihn als ausgesprochen böse. Das Alte Testament zeichnet mitunter – wie im unten stehenden Psalm – gar ein Bild von einem waffenstarrenden Despoten, der straft, mordet und vernichtet. Bis in die frühe Neuzeit hinein preisen Gesangbuchlieder die Allmacht und den Zorn des Herrn, der alle Feinde ausradieren möge. Die moderne Theologie will von diesem Grobian nichts mehr wissen, sondern setzt auf den liebenden, vergebenden und versöhnlichen Gott, auf seine Gnade und Barmherzigkeit. Auf Frieden.

Wahl

In der Bibel hat an erster Stelle Gott die Wahl. Gott wählt nach anderen Kriterien als den sonst geltenden. Unter den Söhnen Isais bestimmt Gott ausgerechnet den Kleinsten, David, zum König (1. Samuel 16). Eigenwillig wählerisch zeigt er sich auch im Neuen Testament: »Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt.« (1. Korinther 1, 27) Statt der mächtigen Reiche sucht Gott sich die kleine Schar der Israeliten zu seinem erwählten Volk aus. Warum? »Weil er euch geliebt hat« (5. Mose 7, 8). Erwählung ist Ausdruck der Freiheit und Liebe Gottes. Erwählung verpflichtet. Am Berg Sinai schwört Gott sein erwähltes Volk auf die Zehn Gebote ein. Zu dessen Stammvater Abraham sprach Gott exklusiv-inklusiv: »Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.« (1. Mose 12, 2) Er- und gewählt zu sein, soll zum Segen für andere werden.

Wahrheit

»In meiner Jugend in den 1970er Jahren«, schreibt der Schriftsteller Georg Heinzen, »konnte ich den Wahrheitsgehalt eines Gedankens daran erkennen, wer aus der Verwandtschaft sich gegen ihn aussprach.« Nun kommt Religion nicht ohne einen Wahrheitsanspruch aus, da sie von ihrem Gott als einem dem menschlichen Handeln vorausgehenden verbindlichen Grund spricht. Doch zeigt sich der Wahrheitsanspruch einer Religion daran, wie einfühlsam und respektvoll sie in Perioden ihrer äußeren Macht mit jenen umgeht, die ihr nicht angehören, die anders leben, die eine andere Parole sprechen.

Wahrheit

»Was ist Wahrheit?«, fragt Pilatus, ein Machtmensch, Politiker. Doch in seiner zynischen Frage liegt selbst noch ein Wahrheitselement verborgen: Denn Wahrheit »ist nicht bloß das vernünftige Bewusstsein, sondern ebenso sehr dessen Gestalt in der Wirklichkeit«. Sie aber erscheint in der heutigen Zeit so dürftig wie vor 2000 Jahren.

Wasser

Warum taufen mit Wasser? Wasser bedeutet Leben. Jede Pflanze, jedes Tier, jeder Mensch braucht Wasser zum Leben. Wasser kann tödlich sein. In der biblischen Sintflut ertrinkt alles Leben. Der Apostel Paulus verbindet das Wasser der Taufe mit Sterben und neuem Leben: hineingetauft in den Tod von Jesus Christus. Hineingetauft in seine Auferstehung. (Römer 6)

Weihnachten ...

ist der deutsche Name für das Fest der Geburt Christi. Das Wort aus dem Mittelniederdeutschen ist wahrscheinlich heidnischen Ursprungs und bezeichnet die geweihten Nächte um die Wintersonnenwende. Weihnachten ist nicht der ursprüngliche Termin für den Geburtstag Jesu. Die Frage, wann Jesus geboren ist, tauchte im 3. Jahrhundert auf. Erst feierte die Kirche, vor allem im Osten des Römischen Reichs, Jesu Geburtstag an Epiphanias, dem 6. Januar. Christen in Rom legten um das Jahr 350 den Geburtstag Jesu auf den 25. Dezember.

Weihnachten

»Macht’s wie Gott, werdet Mensch.« Der Satz, der den Sinn des Festes auf den Punkt bringt. Denn wir sind’s noch nicht.

Weisheit...

ist im Alten Testament eine Person. Sie spielt im Buch der Sprüche Salomos zu Füßen Gottes, während er die Welt erschafft. Sie wird Liebling Gottes genannt. Es heißt, sie habe Lust an den Menschenkindern. Weisheit biblisch verstanden ist also keine rein intellektuelle Angelegenheit, sondern eine Lebenshaltung mit Herz und Verstand. Die Weisen im Alten Orient und biblischen Israel haben in langen Listen aufgeschrieben, was es in der Welt zu bestaunen gibt. Sie wussten: Eine Sache ist niemals nur einseitig. Man muss sie von verschiedenen Seiten betrachten, um sie zu begreifen. Man muss sich in einen anderen hineinversetzen, um ihn besser zu verstehen. Das Neue Testament hat Weisheit mit Christus identifiziert: In ihm »liegen verborgen alle Schätze der Weisheit« (Kolosser 2,3).

Weltweit

Bereits in der Frühzeit der Christenheit dachten die Verfasser der biblischen Texte über den Horizont ihrer Gemeinde hinaus. Sie nahmen den ganzen damals bekannten Erdkreis in den Blick. Die gute Nachricht von Jesus Christus sollte für alle Menschen gelten. In der Antike beschrieb das griechische Wort Ökumene den gesamten bewohnten Erdkreis. Die seefahrenden Völker bereisten das Mittelmeer und Teile des Atlantiks. Alexander der Große ist bis zum Himalaya und nach Indien vorgedrungen. Der äthiopische Finanzminister aus der Apostelgeschichte reiste vom Herzen Afrikas durch das römische Reich. Heute meinen wir mit dem Wort Ökumene die weltweite Christenheit, oft nur die Gemeinschaft mit den Katholiken. In der katholischen Theologie ist der ursprüngliche Begriff erhalten geblieben. Wenn der Papst die Stadt und den Erdkreis segnet (»urbi et orbi«), denkt er global.

Wiedergeburt

Wiedergeburt bezeichnet meist Seelenwanderung oder Reinkarnation: die Vorstellung, dass die Seele nach dem Tod in einen anderen Körper schlüpft. Ziel im Hinduismus und Buddhismus ist es, aus diesem Kreislauf erlöst und mit dem göttlichen Ursprung vereint zu werden. Anders im christlichen Glauben: Das Leben ist einmalig von Gott geschenkt. Wiedergeburt beschreibt die Erfahrung, dass ein Mensch durch den Glauben an Christus wie neugeboren ist. Im Wasser der Taufe sterben der alte sündige Adam und die alte sündige Eva. Ein neuer Mensch taucht auf, über den Tod und Sünde nicht mehr herrschen. Daher kommt der Name Renate, aus dem Lateinischen übersetzt: die Wiedergeborene.

Witwe

In den antiken Mittelmeerkulturen waren Witwen in juristischen Auseinandersetzungen chancenlos, weil die Rechtspflege in den Händen der Männer lag. Allerdings waren hier ebenso Frauen gemeint, die aus freien Stücken unverheiratet blieben, bisweilen auch finanziell unabhängig waren und das Gemeindeleben mitgestalteten (1. Tim 5,5).

Würde

Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Dieser Satz geht heute Kirchenleuten leicht von den Lippen, und, ja, das Evangelium und die Lehren des Christentums legen ihn auch nahe. Die Würde des Menschen ist nicht in seinem Tun, sondern allein in der Liebe Gottes begründet. Es bedurfte allerdings 1800 Jahre Geschichte des Christentums und der Epoche der Aufklärung, bis auch die Kirche die Würde des Menschen als universell anzuerkennen vermochte.

Wüste

Ödnis und Leere. Doch trotz aller Trostlosigkeit auch der Ort, an dem der Teufel einsehen musste, dass der Mann aus Nazareth der bessere Theologe war (Lk 4,1-13).

Wunder

Wer Wunder als Ereignis versteht, das Naturgesetze durchbricht, den könnte das Evangelium für den 5. Sonntag nach Trinitatis enttäuschen: ein Rekord-Fischfang. Zwar wider jedes Fischermanns Fachwissen, weil bei Tageslicht gemacht, wenn die Fische in eigentlich unerreichbarer Tiefe schwimmen. Aber doch innerhalb der Grenzen des Möglichen. Auch andere Wunder in der Bibel kann man versuchen, rational zu erklären: Das »Himmelsbrot« Manna, das die Israeliten vor dem Hungertod in der Wüste rettete, könnte Honigtau von Insekten gewesen sein. 5000 Menschen werden satt von fünf Broten und zwei Fischen. Weil sie durch Jesus gelernt haben zu teilen? Das wäre ein Wunder für sich. Für die Menschen der Bibel waren die Naturgesetze nicht der Maßstab für Wunder. Wunder in der Bibel sind Ereignisse, bei denen Menschen Gottes Wirken spüren. Wunder haben Hinweischarakter: Sie deuten über sich selbst hinaus auf Gott. Im Griechischen, der Sprache des Neuen Testaments, werden Wunder »dynameis« genannt: Die Dynamik Gottes offenbart sich in Jesu Taten. Sie heißen auch »Zeichen«, die zeigen: Durch Jesus handelt Gott selbst.

X

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Zeichen

Durch die Fähigkeit, der Natur in Schrift und Bild Sprache zu verleihen und sie so gleichzeitig zu deuten, unterscheidet sich der Mensch vom Tier. Das Bedürfnis nach religiöser Eindeutigkeit prägt dabei vor allem die heiligen Schriften der monotheistischen Weltreligionen. Trifft Religion auf konkurrierende Deutungsmodelle, wird sie diese im besten Fall aufnehmen und Differenzen argumentativ benennen. Oder sie wählt das »Modell Kain«: Den mörderischen Rückfall ins Unmenschliche.

Zweifel

Von allen evangelischen Eigenschaften ist dies wohl die evangelischste. Zweifel ist nicht das Gegenteil von Glauben, sondern auch im Glauben die ständige Bereitschaft, die eigene Position, das Geglaubte, in Frage zu stellen und stellen zu lassen.

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