Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Abendmahl...

nennen es Protestanten, wenn sie Brot und Wein teilen, so wie Jesus es mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gehalten hat. Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas erzählen, dass Jesus mit seinen Freunden gegessen hat und über Brot und Wein sagte: »Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.« Das war am Abend, bevor er verhaftet wurde. Darum Abendmahl. Der Apostel Paulus spricht vom »Herrenmahl«. In der katholischen Kirche heißt es Eucharistie oder Kommunion. Eucharistie kommt aus dem Griechischen für Danksagen. Jesus sprach jeweils ein Dankgebet, bevor er Brot und Wein weitergab. Kommunion vom lateinischen »communio« bedeutet Gemeinschaft, die beim Abendmahl entsteht – Gemeinschaft mit Christus sowie untereinand

Advent...

kommt vom lateinischen »adventus« für Ankunft. Gemeint war damit die Ankunft des Kaisers in Rom. Christen verwendeten das Wort für die Ankunft Christi unter den Menschen als Kind in der Krippe. Sie bezogen es auch auf seine erhoffte Wiederkunft. So verbindet der Advent das Warten auf Weihnachten und die Hoffnung für die Endzeit. Erstmals sicher belegt ist die Adventszeit ab dem 5. Jahrhundert nach Christus. Bischof Perpetuus von Tours forderte für die Zeit vom 11. November bis Weihnachten ein dreimaliges Fasten pro Woche. Die Adventszeit dauerte also ursprünglich sechs Wochen und war eine Fasten- und Bußzeit. Wer an Epiphanias, also am 6. Januar, getauft werden wollte, sollte sich durch Fasten darauf vorbereiten. 

Advent

Zeit des Wartens. Der Begriff leitet sich ab vom lateinischen Verb advenire. Das heißt ankommen oder eintreffen. Gott hat seinen Sohn geschickt. Er ist Vorbild in Sachen Frieden und Gerechtigkeit. Christen wollen ihm nachfolgen und merken, wie schwer das ist. Tröstlich zu wissen, dass Christus so viel mehr verzeiht, als man glauben (kann). Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Früher haben Buße und Fasten diese vier Wochen bis Weihnachten geprägt. Aus diesem Grund ist die liturgische Farbe violett, Farbe der Buße. Auch heute bereiten sich Menschen vor auf den Geburtstag Jesu. Allerdings fasten sie in der Regel nicht und tun auch keine Buße.

Advent

Warten. Du wartest vergeblich, sagen ihm welche. Du wartest auf Godot. Schon möglich, denkt er. Doch wenn niemand kommt, woher dann die Unruhe in mir, und woher die Ruhe inmitten des Getümmels, jedes Mal neu, in jedem Advent?

Advent

Angefangen haben wir alle klein. Sind selig auf dem Boden gekrabbelt, bevor man uns lehrte, die hohen Stühle zu erobern. Damals haben wir den Kurs selbst bestimmt: Vom Puppenhaus auf allen Vieren zum Kaufladen, dann zur Autorennbahn des großen Bruders, zurück zu Mutters Nähkasten oder gleich ins Blumenbeet, auch wenn Vater erzieherisch eingriff. Wir konnten etwas, bevor wir’s mussten. Wo wir als Große angekommen sind, zwischen Lohnzettel, Waage, Konto, Dax, Tacho und CO2-Werten, scheint normal. »Advent ist, wenn der Euro hält«, raunt einer. Soviel Normalität ruft nach Revolution. Die steckt im Advent: Verwandelte Welt, endlich erwartungs- und spannungsgeladen. Allmacht im Winzling, Heiliges im Schäbigsten, im Kaputten das Heile. Endlich Zeit zu spielen, zu schenken, für irdisches Vergnügen in hochheiliger Zeit. Normal ist, was alle aus Angst tun: Advent erhebt Einspruch dagegen, hilft, vom hohen Ross hinunter auf die Erde zu kommen. Wo später die Krippe steht.

Advent

Erst seit dem 16. Jahrhundert beginnt der Advent im Dezember oder ein paar Tage zuvor. Weihnachten und Advent gibt es erst seit dem vierten und fünften Jahrhundert. Nach dem ältesten Beleg begann die Adventszeit am Martinstag, also am 11. November. Dann folgte eine 40-tägige Fastenzeit bis zum Epiphaniastag am 6. Januar. Das waren acht Wochen abzüglich der fastenfreien Sonn- und Feiertage und damit insgesamt 40 Tage. Der biblische Bezug: Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, das biblische Volk Israel war 40 Jahre in der Wüste unterwegs, ehe es ins Gelobte Land ziehen durfte. In der orthodoxen Kirche in Ländern wie Russland und Griechenland gibt es keinen Advent, sondern eine Fastenzeit. In Griechenland etwa beginnt sie am 15. November und endet am 24. Dezember. Manche Kirchen wie die russisch-orthodoxe feiern Weihnachten erst am 6. oder 7. Januar.

Altar

Das Wort kommt vom Lateinischen »ara« für Aufsatz auf dem Opfertisch, der Platz für Brand- und Schlachtopfer. Altäre entstanden zunächst unter freiem Himmel. Menschen schichteten Steine auf und schufen eine erhöhte Feuerstelle. Jakob zum Beispiel nach seinem Traum von der Leiter, die Himmel und Erde verbindet. Er machte den Stein, der ihm als Kopfkissen diente, zum Altar. Er erinnert an die Begegnung mit Gott. Bei Jesus kommen Altar und Kult wenig und wenn, dann kritisch vor. Die Urchristen feierten in ihren Häusern Abendmahl. Als sie Kirchen bauten, wurde der Altar zum Abendmahlstisch. Zur Unterscheidung vom Opferkult nannten sie ihn »mensa Domini«, Tisch des Herrn. So heißt er in reformierten Gemeinden. Altar oder Tisch des Herrn erinnert an das Abendmahl Jesu. An die Gemeinschaft mit Gott, die Christus stiftet.

Altar oder Tisch des Herrn

Das ist ein kleiner, feiner Unterschied und Streitpunkt zwischen Lutheranern und Reformierten. Evangelisch-lutherische Christen sprechen recht unbefangen vom Altar, um den herum die Gemeinde Abendmahl feiert. Altar war in der Antike der Tisch, auf dem der Priester die Opfertiere geschlachtet und verbrannt hat. Im Christentum gibt es keinen Opferkult. Die ersten Christen feierten das Abendmahl an ganz normalen Tischen. Ab dem 6. Jahrhundert verwendete die Kirche im Westen wieder Altäre, um Reliquien darin aufzubewahren. Seit dem Zürcher Reformator Zwingli vermeiden Reformierte den steinernen Altar zugunsten eines beweglichen Tisches. Bei Lutheranern geht es ebenfalls nicht um eine blutige Opfertheologie. Der Altarstein erinnert: Beim Abendmahl begegnen sich Gott und Mensch, berühren sich Himmel und Erde.

Antependium

Seit dem vierten Jahrhundert zeigen die Antependien mit ihren Farben die Kirchenjahreszeit an. Bestickte Behänge aus Stoff hängen am Altar, an der Kanzel und, wenn vorhanden, am Lesepult. Vier Farben stehen für das Kirchenjahr: Weiß für Christus, Violett für die Erwartung, Rot für den Heiligen Geist und Grün für die Hoffnung. Weiße Antependien hängen an Ostern und Weihnachten. Weiß steht für das Licht des Weihnachtssterns und der Auferstehung. Vor diesen Christusfesten gibt es jeweils eine Vorbereitungszeit, die Advents- und Passionszeit. Dann sind die Antependien violett. Früher waren das die Fastenzeiten. Rot steht für das Feuer des Heiligen Geistes, das ist die liturgische Farbe für Pfingsten, Gedenktage und die Konfirmation. In den Zeiten ohne besondere Prägung sind die Antependien grün. Grün ist die Farbe der Hoffnung und des Wachstums. So hängen die grünen Antependien in der langen Sommerzeit, aber auch zwischen Weihnachten und der Passionszeit.

Aschermittwoch

Eben noch Jubel, Trubel, Heiterkeit an Fastnacht. Einen Tag darauf ist Schluss mit Lustig. Selten im Jahr liegen Ausgelassenheit und aschgraue Ernüchterung so dicht beisammen. Mit Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Christliches Vorbild ist Jesus, der sich 40 Tage in die Wüste zurückzog und gefastet hat, bevor er öffentlich zu predigen begann. Von Aschermittwoch bis Ostern sind es 40 Tage – die Sonntage nicht mitgezählt, denn sie sind vom Fasten ausgenommen. Seinen Namen verdankt der Aschermittwoch einem alten Brauch der Buße. Reuige Sünder zogen an diesem Tag ein Bußgewand an. Der Priester streute ihnen Asche aufs Haupt. Asche reinigt. Noch heute lassen sich Katholiken an Aschermittwoch ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen. Evangelische Gemeinden können am Aschermittwoch einen Bußgottesdienst feiern.

Aschermittwoch

Wenn am Aschermittwoch das närrische Treiben vorbei ist, beginnt die christliche Bußzeit, die an die 40 Tage erinnern soll, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte (Matthäus 4,2). Seit der Frühzeit der Kirche mussten Menschen, denen eine Kirchenbuße auferlegt wurde, am Anfang der Fastenzeit ein Bußgewand anziehen, und sie wurden mit Asche bestreut. Daher kommen die Redensarten »In Sack und Asche gehen« oder »Asche auf mein Haupt streuen«. Daraus entwickelte sich der Brauch in der katholischen Kirche, Palmzweige aus dem Vorjahr zu verbrennen, die Asche zu segnen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen. Mit diesem Ritual soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Parteien begehen den politischen Aschermittwoch ohne einen erkennbaren Bezug zur Buße.

Auferstehung

Das Alte Testament kennt in seinen älteren Schichten keine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. »Die Toten loben dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue«, heißt es bei Jesaja (38,18). Doch schon im Alten Testament drängt die Frage: Endet die Treue Gottes mit dem Tod? Die Frauen, die am Ostermorgen den Leichnam Jesu salben wollen, rechnen mit allem. Nur nicht mit einem leerem Grab. Dann erscheint der Auferstandene seinen Jüngerinnen und Jüngern immer wieder, immer unerwartet. Er ist kein Geist. Man kann die Finger in seine Wunden legen. Das Neue Testament spricht vor allem von Auferweckung: Nicht der Mensch steht auf. Gott erweckt ihn zu neuem Leben.

Auferstehung

»Die Vorstellung, der ganze Scheiß geht wieder von vorne los, ist für mich unerträglich«, sagte der jüdische Schriftsteller Johannes Mario Simmel. Sein ehrlicher Seufzer ist sympathischer als ein geheucheltes Bekenntnis. Doch sei die Gegenfrage erlaubt: Ist die Vorstellung, »der ganze Scheiß« bleibe das Schlusswort in Ewigkeit, nicht noch unerträglicher? Auferstehung ist die Hoffnung auf himmlische Akteneinsicht für alle. Triftiges Gerücht, dass dem Tod wider Erwarten ein Fehler unterläuft.

Augen Gottes

»Pass auf, kleines Auge, was du siehst! Denn der Vater im Himmel schaut immer auf dich«, ist ein frommes Kinderlied, das oft wenig fromm und gar nicht harmlos eingesetzt wurde. Manche kennen es als Teil einer schwarzen Pädagogik. Erwachsene machten Kindern damit Angst vor einem Gott, der jeden Fehler sieht und ahndet. In der Bibel fürchten Menschen tatsächlich, dass ihr Leben vor den Augen Gottes keinen Bestand haben könnte. »Schau nicht auf meine Sünden«, ist darum eine Bitte. Noch größer ist aber die Sehnsucht, von Gott gesehen zu werden, bei ihm angesehen zu sein. »Du bist ein Gott, der mich sieht«, sagt die Magd Hagar, als Gott sie und ihren Sohn Ismael vor dem Verdursten in der Wüste gerettet hat (1. Mose 16,13). Gottes Auge, das auf einem Menschen ruht, bedeutet Segen.

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