Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Eckstein

Im Gleichnis von den undankbaren Weinbergpächtern (Markus, 12,1-12) zeichnet der Verfasser am Ende ein altes biblisches Bild: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.« Was aber ist ein Eckstein? Dabei handelt es sich um einen Schlussstein beim Bau. Er hat die wichtigste Funktion. Beim Bau eines Portals oder einer Kathedrale setzen die Handwerker ihn als letztes obendrauf. Es ist der Stein, der alles zusammenhält, der gleichzeitig auch alle Spannungen ausgleicht. Das Gleichnis sagt: Ein solcher Eckstein ist Jesus für die Welt. Wenn dieser Eckstein nicht mehr da wäre, bräche alle Menschlichkeit zusamm

Ehebruch

»It takes two to tango« – es gehören immer zwei dazu. Bei der Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin fragt man sich: Wo ist eigentlich der Liebhaber, mit dem sie im Bett erwischt wurde? Die Menge beschuldigt allein die Frau. Dabei sagt das Gebot in der Bibel: »Beide sollen des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin.« (3. Mose 20,10) Jesus spricht trotzdem kein Todesurteil über die Ehebrecherin. Er sagt zu ihr: Geh heim und ändere dein Leben. (Johannes 8,11) Generell verschärft Jesus die Ehemoral. Wer eine andere Frau ansieht und begehrt, hat schon im Herzen die Ehe mit ihr gebrochen, sagt er in der Bergpredigt (Matthäus 5,28). Die Ehe ist für Jesus unauflöslich. »Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.« (Markus 10,9) Der Apostel Paulus sieht das nicht ganz so streng. Für ihn kann eine Ehe brechen und geschieden werden, wenn die beiden nicht im Glauben übereinstimmen. Denn »zum Frieden hat euch Gott berufen« (1. Korinther 7,15).

Ehescheidung

Der Schutz der Ehe ist das sechste der Zehn Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen«. Trotzdem gibt es im Alten Testament die Möglichkeit der Scheidung, allerdings nur für den Mann. Er kann seiner Frau den Scheidebrief geben, wenn er »etwas Schändliches an ihr gefunden hat« oder »ihrer überdrüssig« ist (5. Mose 24, 1). Jesus lehnt diese Praxis vehement ab (Matthäus 5, 31). Er bekräftigt: »Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden« (Markus 10, 9; Matthäus 19, 6). Bei der Trauung versprechen sich zwei die Treue, »bis dass der Tod uns scheidet«. Anders als in der katholischen Kirche ist die Ehe in der evangelischen Kirche kein Sakrament. Auch in der Liebe können Menschen scheitern und sind auf Vergebung angewiesen. Nach evangelischem Verständnis ist darum eine kirchliche Trauung Geschiedener möglich.

einsam

Viele Menschen in westlichen Gesellschaften leben allein. Sie haben keine Gemeinschaft, die sie auffängt – nicht im beruflichen Umfeld, auch nicht im privaten. Das ist die traurige Kehrseite von Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Einsamkeit schmerzt. Sie macht krank. Sie mindert die Lebensfreude. Was lässt sich dagegen tun? Gemeinschaft herstellen, sich für andere einsetzen, sich engagieren für eine Sache, die einem am Herzen liegt. Wer sich geliebt weiß, ist nicht einsam.

Eltern-Kind-Beziehung

Jesus war ein schwieriges Kind. Noch vor seiner Geburt erfährt Maria: Ihr Junge wird »Sohn des Höchsten« genannt werden. Wie erzieht man einen Höchstbegabten? Maria und Josef geben ihr Bestes. Josef, der Ziehvater, ist seiner Zeit weit voraus. Er wird oft dargestellt, wie er für Maria im Kindbett das Feuer schürt, das Baby wiegen hilft und Windeln wäscht. Mit zwölf ist Jesus altklug – typisch präpubertär. Er büxt seinen Eltern im Tempel aus. Die suchen ihn verzweifelt und finden ihn unter den Gelehrten sitzen. Die Reaktion des Halbwüchsigen ist für seine Eltern wie ein Schlag ins Gesicht: »Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?« Seine Beziehung zu Gott setzt auch der erwachsene Jesus über die Familie. Seine Mutter macht das alles mit. Sie hält zu ihrem Sohn bis unters Kreuz.

Engel

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein, oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel. Dem Kranken hat er das Bett gemacht, und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel. Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein. Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Otto Wiemer

Engel

Das Wort für Engel in der Bibel bedeutet »Bote«. Engel überbringen den Menschen Gottes Willen. Sie zeigen die Nähe Gottes an und seinen Schutz, so wie in dem Psalmvers »Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten« (Psalm 91, 11). Der Prophet Jesaja tut in einer Vision einen Blick in Gottes Thronsaal. Serafim, eine Art von Engeln, fliegen mit je sechs Flügeln und loben Gott: »Heilig, heilig, heilig!« Darum werden Engel als Wesen mit Flügeln dargestellt. Im Neuen Testament überbringen die Engel vor allem eine Botschaft: »Fürchtet euch nicht!« So spricht der Engel in der heiligen Nacht zu den Hirten. So redet der Engel an Ostern zu den Frauen am leeren Grab.

Epiphaniaszeit

Epiphanias ist das ältere Geburtsfest Christi als Weihnachten. Es entstand im 2./3. Jahrhundert im Christentum Ägyptens. Epiphanias bedeutet Erscheinung und erinnert daran, dass Gott durch seinen Sohn in der Welt erschienen ist. Für viele orthodoxe Christen, die sich am julianischen Kalender orientieren, wie etwa die russisch-orthodoxe Kirche, beginnt Weihnachten nach wie vor mit dem 6. Januar. Anfangs hatte Epiphanias sowohl Geburt als auch Taufe Jesu zum Inhalt. Auch das erste Wunderzeichen Jesu, die Verwandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana, gehörte dazu. Das westliche Christentum machte den 25. Dezember zum Geburtstag Jesu. Dem Epiphaniasfest blieben die Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern nach Bethlehem folgen, die Taufe Jesu und das Weinwunder. Epiphanias ist ein Licht-Fest. Viele seiner Lieder besingen Christus als Morgenstern und als das wahre Licht.

Epiphaniaszeit ...

beginnt am 6. Januar, dem Epiphanias- oder Dreikönigstag. Wie viele Sonntage es nach Epiphanias gibt, richtet sich nach dem Ostertermin. Je früher im Jahr Ostern liegt, desto weniger Epiphanias-Sonntage gibt es. Der letzte liegt zehn Wochen vor Ostern. Ob die Weihnachtszeit erst jetzt endet oder bereits am 6. Januar, ist liturgisch eine umstrittene Frage. Denn der Epiphanias-Festkreis ist ursprünglich kein Weihnachts-Anhängsel, sondern steht für sich. Er ist älter als das Weihnachtsfest. Im heidnischen Ägypten feierte man am 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore. Die Kirche christianisierte dieses Fest und bezog es auf Jesus. Das spätere Weihnachten betont den herabgestiegenen Gottessohn, der in einer Krippe liegt. Der Epiphanias-Festkreis hingegen feiert das Erscheinen Gottes in Christus glanzvoll. Er ist das Licht in der Finsternis.

Erhöhen

Die Theologie des Evangelisten Johannes sieht in der Kreuzigung Jesu Christi einen Sieg Gottes über die Mächte der Welt: Der johanneische Christus spricht: »Es ist vollbracht.« Kreuz und Auferstehung begründen nach Johannes jenen Geist, der die christliche Gemeinde als Gegenwart Christi erst möglich macht. Zugleich wurden die johanneisch geprägten Gemeinden, die unter Verfolgung zu leiden hatten, durch die Vorstellung des erhöhten Christus getröstet: In der Welt habt ihr Angst –Ich habe die Welt überwunden (Johannes 16,33).

Erinnerung

Religionen sind Erinnerungsgemeinschaften. Juden erinnern sich am Passahfest an den Auszug aus Ägypten. Christen feiern das Abendmahl zum Gedächtnis an Jesus Christus. Muslime vergegenwärtigen in der »Nacht der Bestimmung«, wie der Prophet Mohammed den Koran empfangen hat. Erinnerung stiftet Identität. Sie vergewissert uns dessen, wie wir wurden, wer wir sind. Sie verbindet Vergangenheit mit Gegenwart und eröffnet Zukunft. Erinnerungen können zu Erinnyen werden, zu Rachegöttinnen, die auf ewig verfolgen, was man getan hat. Darum betet ein Mensch im Psalm 25: »Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen. Gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit.« Gottes Gedenken rückt an den rechten Platz, was ein Mensch getan hat.

Erlösung

Erlösung verband sich zur Zeit Jesu mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen. Die Zeloten, wörtlich übersetzt die »Eiferer«, hofften auf die Erlösung von der Herrschaft Roms und waren zum gewaltsamen Aufstand bereit. Andere wie Pharisäer und Essener versuchten, ganz nach den Geboten Gottes zu leben. Ihre Vorstellung von Erlösung war, dass am Ende aller Zeit die Gottesherrschaft anbricht. Es gab himmelschreiende Missstände in der Gesellschaft: Großgrundbesitzer, die das Land ausbeuteten, gegenüber Kleinbauern, die ein karges Leben fristeten. Die Lage entsprach so gar nicht den Hoffnungsbildern, wie sie die Propheten im Alten Testament beschrieben hatten. Dort wird der Messias verheißen, der Israel erlöst. Der Frieden ohne Ende bringt, Recht und Gerechtigkeit aufrichtet (Jesaja 9, 1-6). Das Wort für Erlösung aus dem Griechischen übersetzt bedeutet Befreiung. Die Evangelien berichten, dass Jesus so gewirkt hat: Er machte Menschen von Krankheiten und Gebrechen frei. Er befreite von Schuld. Am Ende machte er frei von der Angst vor dem Tod. So beschreibt das Neue Testament Erlösung.

Erntedank

Das Erntedankfest ist kein christliches Fest im engeren Sinne, »von seinem Kern her naturreligiös geprägt und das einzige auf das Naturjahr bezogene Fest des Kirchenjahres«, heißt es in »Religion in Geschichte und Gegenwart«. Der Göttinger Theologe Manfred Josuttis spricht gar von Erntedank als einem »unmöglichen Fest. Die Ernte in unserer Gesellschaft vollzieht sich ohne Bezug zur Religion«. Wenn diese These zutrifft, könnte sich das Erntedankfest stärker auf die säkulare Welt beziehen: Die Bedeutung menschlicher Arbeit und Fragen des Umgangs mit Tieren und Nutzflächen sollten dann bedacht werden.

Erntedank

Gott für die Ernte zu danken, gehört zu allen Zeiten und in den verschiedenen Kulturen zu den religiösen Grundbedürfnissen des Menschen. Im Judentum gibt es zwei Erntedankfeste: das Fest für die ersten Früchte, die geerntet wurden (Schawuot). Am Ende der Lese wird nochmals gefeiert beim Laubhüttenfest (Sukkot). Im Christentum ist ein Erntedankfest seit dem dritten Jahrhundert nach Christus belegt. Lange gab es keinen einheitlichen Termin, da sich die Ernte nach der Klimazone richtet. In Deutschland bürgerte sich seit dem 18. Jahrhundert der erste Sonntag nach Michaelis (29. September) für Erntedank ein. Das amerikanische Thanksgiving hingegen wird am Donnerstag vor dem ersten Advent gefeiert. 

erwählt oder verdammt

wie die Kehrseite. Gott ist wählerisch. Das Opfer von Abel nimmt er an, das von Kain verwirft er. Ohne Begründung. Einfach, weil er offenbar Abel lieber hat. Liebe kann verdammt ungerecht sein. Aus allen Völkern macht Gott Israel zu seinem erwählten Volk – aus Liebe. Die hat eine grausame Kehrseite. Wer Gott hasst, den bringt er um, so droht zumindest der Verfasser von 5. Mose 7,10. In den Gleichnissen Jesu lädt Gott zunächst alle ein. Wer das nicht zu schätzen weiß, wird »in die äußerste Finsternis« geworfen (Matthäus 22,13). Der Grat zwischen Erwählung und Verdammnis ist schmal. Aber es gibt im Alten wie im Neuen Testament auch die Hoffnung, dass Gott am Ende alle erlöst. Im Prophetenbuch Jesaja steht die Vision, dass eines Tages alle Völker zum Berg Gottes kommen und dort Frieden finden (Jesaja 2). Und die Botschaft Jesu: Gott sucht und bringt wieder, was verloren ist (Lukas 15; Apostelgeschichte 3,21).

Esel

Equus asinus asinus, so sein wissenschaftlicher Name (Latein, wörtlich: Pferd Esel Esel) ist ein weltweit verbreitetes Haustier, das vom wilden Afrikanischen Esel abstammt und in der Bibel an vielen Stellen vorkommt. Kein Wunder: Rund ums Mittelmeer war der Esel schon in der Antike als Last- und Reittier beliebt, und ist es heute immer noch. Und wenn das Grautier zu störrisch ist, wird er geschlachtet. Kenner schwören auf Eselssalami.

Esel

Jesus reitet nicht auf einem stolzen Ross in Jerusalem ein, sondern auf einem wenig prächtigen Esel. Und das ist auch gut so! Denn erstens erfüllt er damit die Prophezeiung aus dem Alten Testament (Sacharja 9,9). Zweitens ist der Esel ein unterschätztes Multitalent. Er ist klug, feinsinnig und vor allem furchtlos. Dabei riskiert er seine Haut auch mal für andere. Er liebt geselliges Beisammensein, teilt gern mit anderen. Außerdem ist er keineswegs störrisch, auch wenn es so wirken mag. Ein Esel bleibt stehen und schätzt die Lage ein, statt wie ein Pferd sofort zu flüchten.

Eucharistie

nennt die katholische Kirche das Sakrament, das bei Evangelischen Abendmahl heißt. Eucharistie kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Danke sagen«. Jesus sprach beim letzten Abendmahl über Brot und Kelch ein Dankgebet, bevor er beides an die Seinen weitergab. Nach katholischem Verständnis meint Eucharistie zudem das »Lobopfer«, das die Kirche Gott dar-bringt. Für Protestanten hingegen ist das Abendmahl reine Gabe Gottes. Es gibt nichts, was der Mensch Gott als Gegenleistung oder Opfer geben könnte. Muss er auch nicht, denn Gott will ihn erlösen allein aus Gnade. Gott ist gegenwärtig beim Abendmahl. Darüber sind sich die christlichen Kirchen einig. Wie, darüber streiten sie. Die katholische Kirche macht Gottes Präsenz an Brot und Wein dingfest, weshalb für sie beides nach der Wandlung Leib und Blut Christi bleibt. Nach evangelischem Verständnis ist das Abendmahl ein Geschehen, das sich nicht auf Brot und Wein fixieren lässt. Abendmahl heißt auch »Communio« – Gemeinschaft untereinander und mit Gott. Daran glauben alle Christen. 

Evangelium ...

bedeutet aus dem Griechischen übersetzt »gute Nachricht«. Das Wort stammt wahrscheinlich aus dem Herrscherkult. Ein neuer Kaiser hat den Thron bestiegen. Das galt als gute Nachricht. Im Neuen Testament hat Evangelium doppelte Bedeutung: das, was Jesus von Gott verkündet hat. Und die Botschaft über Jesus Christus selbst: dass in ihm Gottes Heil angebrochen ist. Im Neuen Testament gibt es vier Evangelien, geschrieben von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die ersten drei werden »Synoptiker« genannt. »Synopse« heißt Zusammenschau. Man kann die drei nebeneinander legen und sieht zahlreiche Übereinstimmungen. Johannes dagegen bietet viel eigenen Stoff. Die vier Evangelisten wurden in der Tradition mit Symbolfiguren verbunden, die sich nach dem Anfang ihres Evangeliums richten: Für Matthäus steht der Mensch oder Engel, für Markus der Löwe, der Stier für Lukas, der Adler für Johannes. Nach dem Stand der Forschung überliefert Markus das älteste erhaltene Evangelium. Er hat es als eine Gattung von Literatur geschaffen. Ein Evangelium ist weder Biografie noch Roman. Die Evangelien zeichnen den Weg von Jesus nach und wollen zeigen: Jesus ist Gottes Sohn.

Evangelium

Die gute Nachricht gibt es nicht »pur«. Evangelium ist ein Anlass zum Lebensmut in konkreten sozialen und politischen Situationen, bisweilen mit prekären Lebensumständen einhergehend. Die Erfahrung von »Befreiung«, wie sie der Predigttext schildert, ist solch eine Konkretion.

Ewigkeit

Das dauert ja wieder eine Ewigkeit! Wer so schimpft, beklagt sich, dass er warten muss. Hingehalten wird. Ewigkeit wird zur ins Unerträgliche gedehnten Zeit des Leerlaufs. Gottes Ewigkeit meint anderes. Gewiss, sie ist ein menschlicher Gedanke, den manche für naiv halten. Und doch ist er zutiefst vernünftig. Denn er handelt von einem Sein, das keine Partikularität mehr kennt, weil die Vereinzelten jetzt Anteil am Leben Gottes haben. Ohne den Gedanken der Ewigkeit werden Wahrheit und Gerechtigkeit entwürdigt.

Ewigkeitssonntag

Heißt der letzte Sonntag im Kirchenjahr nun Ewigkeits- oder Totensonntag? Im evangelischen Gottesdienstbuch stehen die beiden unabhängig voneinander, jeweils mit eigenen Lesungen aus der Bibel und Gebeten. Die Tradition des Totensonntags ist die ältere. Sie hat sich seit 1815 in Deutschland verbreitet. Am Ende des 19. Jahrhunderts wollten einige die Liturgie beleben und meinten: Christen können das Kirchenjahr doch nicht mit Tod und Trauer beenden. Die Hoffnung auf die Ewigkeit bei Gott muss das letzte Wort behalten. Viele Kirchengemeinden verbinden am letzten Sonntag im Kirchenjahr die beiden Bedeutungen. Sie gedenken der Verstorbenen und erinnern an die Hoffnung darauf, dass Gott Himmel und Erde neu machen wird.

Exaudi

So heißt der sechste Sonntag nach Ostern. Er gehört noch zur Osterzeit, die theologisch betrachtet erst mit dem Pfingstfest endet. Exaudi ist Latein und bedeutet »Höre, vernimm (o Herr!)«. Das stammt aus Psalm 7: »Exaudi, Domine, vocem meam, qua clamavi ad te« (Vernimm, o Herr, meine Stimme, wenn ich Dich anrufe). Der Vers soll die Spannung widerspiegeln, in der sich die Jünger befanden, nachdem ihr Herr in den Himmel aufgefahren war. Die Vergangenheit seines Wirkens ist endgültig vorbei, und die Zukunft, die mit Pfingsten beginnt, hat noch keine Kraft. Man erwartet den Beistand Gottes.

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