Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Fasten

Demonstratives Wurstessen in der Fastenzeit – so hielt die Reformation unter Zwingli Einzug in Zürich. Fasten macht nicht frömmer. Essen und trinken was und wann man will, gehört zur christlichen Freiheit, so die Überzeugung der Reformatoren. Darum fristete das Fasten lange ein mageres Dasein in der evangelischen Kirche. Inzwischen haben Protestanten die Fastenzeit neu entdeckt. Dazu beigetragen haben Aktionen wie »7 Wochen ohne« und »Andere Zeiten«. Ein Motiv beim Fasten aus religiösen Gründen: Der zeitweilige Verzicht führt an die eigenen Grenzen und eröffnet neue Möglichkeiten. Wer fastet, spürt, an welchen sonst unbemerkten Fäden das Leben hängt und wie sehr man es Gott verdankt. Die Fastenzeit vor Ostern erinnert an Jesus, der 40 Tage in der Wüste fastete, bevor er als Wanderprediger und Wundertäter in Erscheinung trat.

Feindesliebe ...

gilt als ein Merkmal des Christentums. Den Gedanken gibt es auch in anderen Weltanschauungen und Religionen. Jesus sagt in der Bergpredigt: »Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.« Er begründet das Gebot: »Damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.« (Matthäus 6, 44) Am Kreuz bittet er für seine Peiniger: »Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!« (Lukas 23, 34) Die Feindesliebe Jesu ist Vorbild für christliche Ethik. Friedrich Nietzsche sah Feindesliebe als Schwäche. Sie diene nur dem Eigennutz, als Schwacher geschont zu werden. Der französische Philosoph Paul Ricoeur hielt dagegen. Feindesliebe sei frei vom Kalkül auf Gegenleistung: »Ich gebe, um zu geben. Ich ver-gebe.« Wie kann man seinen Feind lieben? Lieben ist mehr als Liebhaben. Lieben, wie Jesus es meint, ist der »schöpferische, vergebende gute Willen für alle Menschen«. So deutete es Martin Luther King: »Nur mit dieser Liebe können wir Kinder unseres himmlischen Vaters sein.«

Ferien

Sie erinnern an die Krone der Schöpfung, den Sabbat. Am Ziel der Welt steht die Zeit der Ruhe, die nicht mehr zweckgebunden ist.

Feuer

In der christlichen Religion steht das Bild des Feuers für Aufbruch und Neuanfang durch den göttlichen Geist. Pfingsten und Reformation erinnern daran, dass Glaube und Religion keine unveränderlichen Gaben Gottes sind, sondern mit Erfahrung und Begriffen, das heißt kritisch, erfasst werden wollen. Der Blick ins göttliche Feuer setzt eigene Potenziale frei, um sich nicht bloß als geschoben und verwaltet zu erfahren. Der Philosoph Georges Bataille nennt drei Felder, um menschliche Überschussenergien abzufackeln: Parasitäre Größen, also der fatale Impuls, von göttlicher Macht her eigene Machtansprüche zu legitimieren, den Krieg und das Spiel. Der christlichen Religion wäre zu wünschen, dass sie das zwanglose Spiel, die gemeinsam erfahrene zwecklose Zeit, neu entdeckt.

Fisch ...

und nicht das Kreuz war in den ersten vier Jahrhunderten das Symbol der Christenheit. Sein Element ist das Wasser. Das steht für Leben und Fruchtbarkeit und macht den Fisch zum Talisman in vielen Religionen und Kulturen. Das Christentum kam zum Fisch wie die Jünger zu Jesus. Der Wanderprediger aus Nazareth hat Simon Petrus und seine Fischermanns-Freunde mit einem wundersamen Fischfang geködert, seine Menschenfischer zu werden. Als die Christen im römischen Reich verfolgt wurden, soll der Fisch ihr geheimes Erkennungszeichen gewesen sein. Einer zeichnet eine gebogene Linie auf den Boden. Die andere Person malt den Gegenbogen, so dass die Zeichnung wie ein Fisch aussieht. Damit gab man sich als Mitchrist zu erkennen. Der Fisch ist ein Glaubensbekenntnis. Die Buchstaben im griechischen Wort für Fisch, Ichthys, haben Christen so gedeutet: I für Jesus. X wie Christus. Th für Theos, also Gott. Y für Hyios, Sohn. S wie Soter, der Retter, Erlöser. Zusammengesetzt ergibt das: Jesus ist der Christus (hebräisch der Messias). Jesus ist der Sohn Gottes. Jesus ist der Retter. Jahrhundertelang war der Fisch als christliches Symbol in der Versenkung verschwunden. Seit den 1970er Jahren taucht er wieder auf. Neben »Lisa on Tour« und »Max an Bord« zählt er zu den beliebten Autoaufklebern.

Flucht

Die Bibel ist voll von Geschichten über Flucht und Vertreibung. Den Anfang machten Adam und Eva mit ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Erster biblischer Flüchtling war beider Sohn Kain, der nach der Ermordung seines Bruders Abel umherirrte. Als nächster musste Noah mit Familie und Getier vor der Sintflut fliehen. David flieht vor dem Hass König Sauls. Später flieht Absalom, auch er ein Mörder, vor der Rache Davids, der nun König ist. Immer nur Flucht, Flucht, Flucht. Menschen fliehen vor den Häschern, vor bösen Feinden, vor Gottes Zorn. Nur einer flieht nicht: Jesus. Er stellt sich der irdischen Gerichtsbarkeit und wird gekreuzigt.

Flut

Nicht nur die Sintflut, auch Fluten von Hass und Gewalt begleiten die Menschheitsgeschichte. Wenn Religion hier mäßigend statt anfeuernd einwirken kann, hat sie die Lehre aus der Sintflut verstanden.

Freude

Freude lässt sich weder planen noch religiös vereinnahmen. Offiziell verordnete Freude entlarvt sich, weil sie sich selbst nicht recht glaubt; verschlagene Freude amüsiert sich übers Unglück, das dem Mitmenschen widerfuhr. Christliche Freude? Sie lebt dort, wo das unerwartet Gute einzieht, wo ein Mächtiger über sich selbst lachen kann, wo mit menschlichem Maß gemessen wird. Der alte Zuspruch Karl Barths, niemals die Ohren hängen zu lassen, weil im Himmel regiert werde, illustriert liebenswürdig die Freude.

Freude

Worüber man sich freut und lachen kann, verrät viel über Charakter und Kultur. »Halleluja! Lobe den Herrn!« ist der Freudenruf in der Bibel. Beim Aussprechen des Wortes öffnet sich automatisch der Mund, Kehle und Seele werden weit. Freude kann anstößig sein. Michal findet nicht lustig, wie ihr königlicher Gemahl David vor Freude nackt um die Bundeslade tanzt. Jesus galt als feierfreudig, was nicht allen Zeitgenossen gefiel. Doch das war seine Mission: Trauer und Tod in Osterfreude verwandeln.

Frohlocken

Das ist der Kern des Sonntags Jubilate: Jubeln, jauchzen – eben frohlocken. Glaube und Religion werden zwar gern dazu missbraucht, Menschen einzuschüchtern, furchtsam und folgsam zu machen. Eigentlich aber geben Glaube und Gottvertrauen doch allen Grund zur Zuversicht. Wenn das keine Anlass zur Freude ist: Jubilate!

Fronleichnam ...

feiern Katholiken in der Woche nach Trinitatis. Das Wort geht auf das mittelhochdeutsche »vron« (Herr) und »lichnam« (lebendiger Leib) zurück. Mit der Feier der Heiligen Messe zelebrieren die Gemeinden das Geheimnis der Eucharistie: die leibliche Gegenwart Jesu in Brot und Wein. Bei den anschließenden Prozessionen tragen Geistliche eine Monstranz mit Hostie durch die Straßen. Die Reformatoren haben das Fest abgelehnt. Heute ist Fronleichnam in vielen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag.

Frosch

Im Verhalten von Tieren kann man eigene Erfahrungen wiederfinden. In der Geschichte über die Frösche in der Milch (Andacht rechts) verkörpern sie das Abstrampeln im Leben und das Erlebnis, wie aus Milch Butter wird. Man fühlt wieder Boden unter den Füßen, wo alles haltlos schien. In der Bibel gehören Frösche zu den sieben Plagen, mit denen Gott Ägypten heimsucht. Sie wimmeln überall. Sie kriechen bis ins Schlafzimmer (2. Mose 7,27). Wie man mit so einem glitschigen Wesen im Bett umgeht, weiß die Königstochter im Märchen. Sie wirft den Frosch an die Wand und hat Glück: Es wird ein Prinz draus.

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