Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Gebet

Jesus spricht vom Gebet in der stillen Kammer, jenseits von einer Kalkulation aufs richtige Bekenntnis. Da mag einer stammeln, brummen, seufzen oder auch weinen, wenn er nur unverwechselbar er selbst ist. Das aber geht nur alleine. »So ist das gemeinschaftliche Gebet oftmals zu einem Medium verkommen, wo man sich mit ›strategischer Demut‹ (Max Goldt) samt seiner Correctness produziert, ungehindert nach links und rechts austeilt und fröhlich unterjubelt, was man immer schon mal anbringen wollte, um den dann noch verbliebenen Rest summarisch im Vaterunser zu entsorgen.« (Bernd Beuscher, Professor für Evangelische Theologie.)

Gebetshaltung

Beten hat in der Bibel sehr unterschiedliche Formen. Im Alten Testament betet Hanna im Stehen, Gott möge ihr ein Kind schenken. Jesus in Gethsemane kniet nieder und fleht zu Gott: »Nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.« Als Zeichen der Buße zerreißt Josua seine Kleider und wirft sich vor Gott zu Boden, das Gesicht zur Erde. »Kultische Proskynese« ist der Fachausdruck dafür. Jahrhunderte lang war die »Orantenhaltung« vom lateinischen »orare = beten« die übliche Gebetshaltung: aufrecht vor Gott stehen, Augen und Arme zum Himmel erhoben, die Hände weisen schalenförmig nach oben. Die gefalteten Hände entsprechen der Haltung gegenüber dem Lehnsherrn im mittelalterlichen Feudalsystem. Übertragen bedeuten sie: Ich verschränke meinen Willen mit Gottes Willen. Beide Handflächen flach aneinander gelegt, so wie Dürer sie gezeichnet hat, weisen vom betenden Menschen weg hin auf Gott. Verneigung, Knien oder sich Gott zu Füßen werfen sind Zeichen von Ehrfurcht und Hingabe. Beim Beten gibt es kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist, es nicht zur Schau zu tun, sondern für Gott.

Gebot

Sie sagen
Idealismus ist ein Intelligenzdefekt.
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
die Bergpredigt wäre nicht so gemeint.
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
Du sollst nicht töten ist so zu verstehen, dass...
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
bei etwas gesundem Menschenverstand müsste doch jeder...
Ich glaube es nicht.

Sie sagen
selbst Christus würde, wenn er heute...
Ich glaube es nicht.

Und wenn man mir Berge schwarzen und roten Goldes verspricht
Ich glaube es nicht.

Hanns Dieter Hüsch

Gebot ...

lässt meist an die Zehn Gebote denken. Darüber hinaus gibt es in der Bibel zahlreiche Gebote, Vorschriften für Speise oder Kleidung, Regelungen für Gottesdienste. Die Begründung der Gebote im Alten Testament ist: Gott hat seinen Bund mit dem Volk Israel geschlossen. Seine Gebote zu halten, ist der Part der Menschen. Das Alte Testament durchzieht die Klage: Das Volk vergisst Gottes Bund und bricht seine Gebote. Im Neuen Testament sagt Jesus: »Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen.« (Matthäus 5, 17) Paulus erkennt: Kein Mensch kann das Gesetz Gottes erfüllen. Christus hat es stellvertretend getan. Gottes Gebot zeigt, wie weit der Mensch von Gott entfernt ist und wie sehr er Gottes Gnade braucht.

Gefängnis

Es besteht nur im äußersten Fall aus Mauern und vergitterten Fenstern. Noch häufiger kommt er in der Religion als geistiges Gefängnis daher: aufgespreizte Eitelkeit und wahnhafter Glaube, der seine eigene prekäre Existenz nicht durchschaut. Das Evangelium Christi zielte exakt aufs Gegenteil. »Intelligenz kann sich dumm stellen. Umgekehrt ist das weit schwieriger«, erzählt ein Graffito am Frankfurter Hauptbahnhof. Es steht auf einer Mauer.

Geist

Gottes Gabe, der nach reformatorischem Bekenntnis den Glauben erst möglich macht. Glaube ist also keine Leistung, sondern göttliche Gabe.

Geist

Der Philosoph Theodor W. Adorno hielt die vermeintlich aufgeklärte moderne Welt für einen Hort des Ungeistes, »im Zeichen triumphalen Unheils«. Die rasant wachsenden technischen Möglichkeiten des Menschen werden in ihren Auswirkungen nur noch von einer kleinen Minderheit begriffen. Gleichzeitig bildet sich eine neue Form von religiösem Eifer, welcher der vieldeutigen Moderne eindeutige Parolen entgegensetzt: Die Geistlosigkeit der Technik erfasst so auch die Religion.

gering

»Schaffe mir Recht«, bittet eine Witwe im Lukasevangelium. Gering sind jene, die Hilfe benötigen, weil sie nicht zu ihrem Recht kommen.

Gesetz

Das jüdische Gesetz umfasst das soziale und kultische Leben. Die alttestamentliche Forschung betont inzwischen den pragmatischen Umgang mit sogenannten »strafrechtlichen« Vorschriften. Die Rechtsprechung »Auge um Auge, Zahn um Zahn« dürfte eher an die eigene Einsicht appelliert als auf Strafe gesetzt haben.

Gesetz

Das jüdische Gesetz, das fälschlich dem »Evangelium« untergeordnet wird, regelt nicht nur die kultische Dimension der jüdischen Religion, sondern versteht Gott als Inbegriff vollendeter Gerechtigkeit. Das Straf- und Sozialgesetzbuch des Judentums, ohne das die Zehn Gebote unverständlich bleiben, bewahrt versteckt den jüdischen Traum von der erlösten Rückkehr ins Paradies.

Gesetz

Die Theologie des Johannes basiert auf einem klaren Gegensatz von Gesetz und Evangelium. Beide sind jedoch Teil desselben religiösen Bewusstseins eines Menschen und können daher nur im Bezug aufeinander angemessen verstanden werden: Die Freiheit des Evangeliums besteht nicht in bloßen Wertappellen, sondern bedarf des Rechtes als deren Konkretion.

Gesundheit ...

ist nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) »ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen«. Das ist ein weit gefasstes Verständnis von Gesundheit. Demnach kann ein Mensch krank sein, auch wenn ihm medizinisch nichts fehlt. Umgekehrt kann jemand mit Gebrechen gesund sein, weil es ihm körperlich, geistig und sozial gut geht. Für die Menschen der Bibel ist für ihr vollständiges Wohlergehen Gottes Nähe entscheidend. Wer Gott als fern oder verborgen erlebt, sieht sich Krankheiten schutzlos ausgeliefert. Ist Gott nahe, kann kein Unheil schaden. 

Gewalt ...

ausüben darf man nicht. Das galt in der christlichen Urgemeinde. Auch in der säkularen Gesellschaft gilt: Nur der Staat selbst hat das Recht, Zwang auszuüben. Polizei und Militär schützen die öffentliche Ordnung. Auch Jesus formuliert ein Gewaltmonopol. »Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und der Erde«, sagt er zum Abschied zu seinen Jüngern. Gewalt bedeutet hier eine Vollmacht, die von Gott kommt. In seinem Namen liegt die Kraft und das Selbstbewusstsein, in dem bis heute Christen losziehen und – friedlich – für das Gute in der Welt arbeiten. 

Glaube

Wer glaubt, hat es leichter. Das bezeugen Statistiken. Und es ist ja auch kein Wunder. Denn wer glaubt, hat immer noch einen, auf den er sich verlassen kann. Auch, wenn die See mal ganz stürmisch wird und einem das eigene Boot wie eine Nussschale erscheinen mag. »Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand« lautet der Anfang eines Liedes (EG 533). Das ist eine tröstliche Botschaft.

Glaube

Geglaubt wird vieles. Dass der Euro kaputt geht und der Goldpreis abstürzt. Dass menschliches Heil vom Handeln Gottes, des Messias oder eines Propheten abhängig sei. Kritischer Glaube ist zunächst Anlass zur Selbstkritik: Bin ich bereit, das Zustandekommen meiner eigenen Weltbilder zu überprüfen? Oder muss ich religiös dauernd aufrüsten?

Glaubensbekenntnis

Am Sonntag Trinitatis steht auch das Apostolische Glaubensbekenntnis im Zentrum. Hier bekennen Christen ihren Glauben an Gott, den Vater, an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn sowie an den Heiligen Geist. Es gibt nicht wenige, denen das Bekenntnis zu Gott und Jesus leicht über die Lippen kommt, beim Heiligen Geist aber stocken sie. Es ist ja auch nicht so einfach, sich diese Einheit vorzustellen (siehe Andacht rechts). Vielleicht ist es eine gute Gelegenheit, über das Glaubensbekenntnis nachzudenken. Welche Teile sind mir am wichtigsten? An welcher Stelle stocke ich? Was bedeutet der Heilige Geist für mich?

Glück

»Glücklich sein heißt, ohne Schrecken seiner selbst innewerden können.« Der Philosoph Walter Benjamin legt die äußere Dimension des Glücks ins Innere eines Menschen. Zum Glück gehört für den Philosophen folglich auch der potenzielle Schrecken über dessen Abwesenheit, weil sich der Glückssucher als innerlich arm oder roh erkennen könnte.

Gleichnisse

Jesus war ein Dichter. Er sprach vom Reich Gottes in Bildern und Gleichnissen. Er erfand kleine Geschichten von Gott und Mensch. Den Stoff dafür nahm Jesus aus dem Alltag damals: Hirten und Schafe, Säen und Ernten, ein Fest feiern, nach einer verlorenen Münze suchen. Jesus zeigte seinen Zuhörern damit: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Ihr müsst nur die Augen öffnen, um Gottes Gegenwart in den Bildern der Welt zu sehen. Von Jesus sind Gleichnisse in großer Dichte überliefert. Aber er war nicht der einzige, der diese Form verwendet hat. Rabbinische Schriften enthalten ebenfalls viele Gleichnisse. Jesu Gleichnisse heute zu verstehen, birgt Herausforderungen: Meist erfahren wir nicht, wer die ursprünglichen Hörer und ihre Fragen an Jesus waren. Nachösterlich wurden manche Gleichnisse in einen anderen Zusammenhang gesetzt. Spricht das Gleichnis für sich, kann man jedes Detail deuten oder kommt es nur auf den einen wichtigen Vergleichspunkt an?

Gnade

»Was auf der Welt geschieht, das verstehen wir noch nicht. Nur eines sollen wir wissen, dass es von Gott geschieht und dass er unser Bestes will und dass er, mag es gehen so oder so, mit seiner Gnade bei uns ist. Wir werden die Gedanken Gottes über uns nicht verstehen. Wir werden auch seine Gnade nicht fühlen, nicht tasten, nicht sehen, sondern gerade nur seinen Zorn – weil Gott Gott ist. Und weil er es sagt, darum können wir auch dort, wo uns alles versagt wird, an Gottes Gnade glauben. An Gottes Gnade glauben – das heißt aber, plötzlich sich den Boden unter den Füßen weggezogen fühlen, heißt, dort stehen, wo eigentlich kein Mensch stehen kann, heißt, etwas grenzenlos Widersinniges und grenzenlos Mutiges unternehmen.« Dietrich Bonhoeffe

gut

Die biblischen Texte für diesen Sonntag beschäftigen sich mit dem richtigen Verhalten. Ein Impuls ist, den Mitmenschen Gutes zu tun, aber auch sich selbst. Der andere, die Wahrheit zu erkennen und zu sagen. Eines ist so schwer wie das andere.

Güte ...

bezeichnet eine freundliche, wohlwollende und nachsichtige Einstellung gegenüber anderen. Dies wird an vielen Stellen in der Bibel Gott zugesprochen wird. Gott ist gütig. Seine Güte zeigt er in seinem Handeln gegenüber Menschen. So kündigt Gott am Berg Sinai Mose an, ihm seine Güte zu erweisen, und verbindet es damit, gnädig und barmherzig sein zu wollen. (2. Mose 33,19) Der Mensch, der diese Güte erfährt, kann dankbar sein und dies auch Gott zeigen. König David ruft zum Beispiel in einem Danklied dazu auf. (1. Chronik 16,34) Im Neuen Testament gilt die Güte als Frucht des Heiligen Geistes. (Galater 5,22) Der Heilige Geist gießt sozusagen Gottes Güte in uns. Wer gütig mit seinen Mitmenschen umgeht, lässt darum etwas von der Güte Gottes spürbar werden.

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