Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Macht hoch die Tür ...

ist das erste Adventslied und die Nummer Eins überhaupt im Evangelischen Gesangbuch. Sein Dichter Georg Weissel greift den Psalm 24 auf. Wir befinden uns in Jerusalem irgendwann vor dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Eine Gruppe steht vor dem Stadttor. Sie hat die Bundeslade bei sich, das alte Zeichen für die Nähe Gottes. Sie ruft zu den Zinnen hinauf: »Macht das Tor auf, damit der König der Ehren einziehe!« Die oben rufen zurück: »Wer ist der König der Ehren?« Von unten schallt die Antwort: »Es ist der Herr der Heerscharen.« Gott, mächtiger als jede Gewalt der Welt. Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Zepter ist Barmherzigkeit. Da geht das Tor auf.

Mann

»Wann ist ein Mann ein Mann?«, fragt Herbert Grönemeyer im Lied »Männer« von 1983. Die Bibel antwortet: Wenn er ein Gegenüber hat. Am Anfang der Schöpfung gibt es weder Mann noch Frau. Nur den Menschen, Erdling genannt. Dann aber stellt Gott fest: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.« (1. Mose 2,18) Er braucht ein Gegenüber. Zu zweit können sie sich von der Einsamkeit erlösen und einander eine Hilfe sein. So schöpft Gott Eva, anders als Adam und doch ebenbürtig. Mann, Frau – der Unterschied ist nicht wichtig, meint Paulus. »Denn ihr seid allesamt eins in Christus Jesus.« (Galater 3,28)

Manna

»Ja, wann kriagt ma was z'trink'n?«, fragte Alois Hingerl, Münchner Dienstmann No. 172, nachdem ihn der Schlag getroffen hatte und er in den Himmel kam. »Sie werden Ihr Manna bekommen«, sprach Petrus. »Auweh!«, dachte der neue Engel Aloisius, »des werd schee fad!« Das biblische Manna freilich schmeckte den Israeliten nicht fad, sondern himmlisch. Sie hatten Angst, in der Wüste zu verhungern. Da lag es am Morgen um ihr Lager herum: rund, klein, essbar. Sie fragten erstaunt: »Man hu?« – zu Deutsch: »Was ist das?« Mose erklärte ihnen: »Es ist das Brot, das Gott euch gibt.« (2. Mose 16) Manna steht in der Bibel für die Erfahrung, dass der Himmel für einen sorgt.

Männersonntag

Mütterkuren und Frauenkreise sind selbstverständlich. Doch angesprochen auf den Männersonntag, jährlich am dritten Sonntag im Oktober, reagieren die meisten verwundert: »So etwas gibt es?« Ja, so etwas gibt es. Und zwar schon lange. Als die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) 1948 gegründet wurde, entstand auch der Männersonntag. Damals bekamen verschiedene Gruppen Sonntage zugeordnet – darunter eben jener im Oktober für die Männer. In diesem Jahr lautet das Thema »Gnade! ... Womit habe ich das verdient?« Die Wiege der Männerarbeit steht in Hessen. Hier wurden 1946 die Echzeller Richtlinien entwickelt, Grundstein für die Männerarbeit der gerade gegründeten EKD. Es war eine Reaktion auf die emotionale Orientierungslosigkeit von Männern nach dem Zweiten Weltkrieg. Die seelsorgerliche Begleitung rückte in den Blick. 1995 wurden die Richtlinien überarbeitet. Bundesweit gibt es Angebote zu Themen wie Glaube und Spiritualität, Bibel und männliche Lebenswelten, christliche aktive Vaterschaft, Mann und Familie

Mariä Himmelfahrt ...

heißt der katholische und orthodoxe Feiertag am 15. August. Dieses Marienfest hat keinen biblischen Grund. Es gibt jedoch Vorläufer bereits im 5. Jahrhundert nach Christus. Die Vorstellung, die Mutter Jesu sei am Ende ihres Erdenlebens direkt in den Himmel aufgenommen worden, erhob 1950 Papst Pius XII zum Dogma für die römisch-katholische Kirche. Das Neue Testament erzählt von Maria, der Jungfrau, die ein Kind bekommt. Es will damit zeigen: Jesus war nicht irgendein Mensch, sondern der Sohn Gottes. Auf dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 nach Christus erhielt Maria den Ehrennamen theotókos« (Gottesgebärerin). Mehr und mehr wurde sie ähnlich verehrt wie Christus. Sie wird zur Fürsprecherin bei Gott, zur Himmelskönigin, zur Erlöserin. Solche Marienverehrung haben die Reformatoren scharf kritisiert. Für Evangelische ist Maria ein Vorbild im Glauben. Sie hat Gott vertraut. Durch sie kommt Gott in die Welt und schließt Menschen den Himmel auf. 

Mariä Himmelfahrt...

ist das bedeutendste Marienfest der römisch-katholischen Kirche. Als Sinnbild des erlösten Menschen steht die Mutter Jesu im Zentrum des Hochfestes am 15. August. Mit ihrer Himmelfahrt ist Maria in einen Zustand gelangt, den die übrigen Gläubigen erst nach der Auferstehung am Jüngsten Tag erreichen werden. In überwiegend katholisch geprägten Gebieten des Landes ist es ein gesetzlicher Feiertag. Vor allem in Süddeutschland sind die Feierlichkeiten mit einer Kräuterweihe verbunden, Kräutersträuße sollen Menschen und Tiere vor Gefahren beschützen. Auch in orthodoxen Kirchen ist der 15. August der Maria gewidmet, dort als Tag der »Entschlafung der Gottesgebärerin«.

Maria Magdalena

Gedenktag ist der 22. Juli. Ihr Beiname verweist auf den Ort Magdala am See Genezareth im Heiligen Land. Sie gehört zu den Frauen, die Christus nachfolgen (Lukas 8,3). Frauen sehen bei der Kreuzigung in Jerusalem zu, helfen beim Begräbnis und entdecken am Ostermorgen das leere Grab. Der Auferstandene trifft zuerst Maria Magdalena (Johannes 20). Er trägt ihr auf, die Auferstehungsbotschaft an die Jünger weiterzugeben. Die Heilige ist Schutzpatronin der Frauen, der Verführten, der reuigen Sünderinnen, der Schüler, Studenten und Gefangenen sowie der Winzer, Weinhändler, Handschuhmacher und Friseure. Gegen Gewitter, Ungeziefer und Augenleiden soll sie helfen. Bauernregeln gibt es auch. »Regnet’s am St.-Magdalen-Tag, folgt gewiss mehr Regen nach« und »An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn.«

Mariä Verkündigung

Ein Engel überbringt die Botschaft, Maria werde den Sohn Gottes zur Welt bringen. Am 25. März feiern orthodoxe Christen Mariä Verkündigung. Die katholische sowie evangelische Kirche kennt das Fest als Verkündigung des Herrn. Nach christlichem Glauben wird Gott durch Jesu Geburt zum Menschen, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen. Maria stimmt Gottes Plan zu. So sind auch alle Menschen aufgerufen, das Handeln Gottes zu bejahen und die Erlösung geschehen zu lassen. Orthodoxe Kirchen, die sich am julianischen Kalender orientieren, feiern das Fest 13 Tage später.

Maschine

Theologisch gesprochen ist jede Maschine ein Versuch zur nachträglichen Bearbeitung des Sündenfalls. Die Strafe der Arbeit sollte die Maschine ein Stückchen erleichtern. Nur dass sich in Folge die Menschen zu Anhängseln der Maschine zurückentwickelten.

Meditieren...

ist eine Form des Gebets. Meditation gibt es in vielen Religionen. Das Wort aus dem Latein bedeutet »nachdenken, nachsinnen«. Im Christentum des Mittelalters meinte es die gegenstandslose Anschauung. Es geht darum, die Bilder und Gedanken loszulassen, die einem sonst durch den Kopf gehen. Wenn man still und leer wird, öffnet sich innerlich der Raum, in den Gottes Geist einströmen kann, so eine Vorstellung von Meditation. Nichts tun müssen, einfach da sein, zur eigenen Mitte finden, sich im Einklang mit der Welt fühlen, so beschreiben viele die Erfahrung von Meditation. Das kann man üben. Zum Beispiel sich hinsetzen, die Augen schließen, auf den eigenen Atem achten. Man kann auch einzelne Worte meditieren wie im Herzensgebet: »Jesus« beim Einatmen, »Christus« beim Ausatmen.

Menschenfischer

»Der ist ein echter Menschenfischer«, sagt man von jemandem, der viele Leute anzieht. Er versteht es, Menschen zu sammeln. Er oder sie hat die Gabe, andere zu begeistern. Jesus sagt zu dem Fischermann Simon Petrus: »Von nun an wirst du Menschen fangen.« (Lukas 5,10) Das klingt nicht nur positiv. Wer lässt sich schon gerne wie ein Fisch fangen und will im Netz zappeln? Für die Fische endet das fatal. Es kommt auf den Vergleichspunkt an. Der liegt nicht darin, abzufischen und auszunehmen. Ein Menschenfischer ist kein Rattenfänger, der andere ins Unglück stürzt. Es geht darum, viele Einzelne zusammenzubringen. Alleine treibt jeder im See vor sich hin. Gemeinsam erleben sie Schwarmintelligenz und Zusammenhalt.

Menschensohn

Die einzige Bezeichnung, die Jesus selbst für sich wählte. Hier kommt keiner mit religiösem Machtanspruch. Eher einer, der die Menschen kennt und in den Bildern der Welt von Gott spricht.

Menschensohn

Der Begriff taucht schon im Alten Testament besonders im Buch Daniel auf. Dort ist der Menschensohn eine Gestalt am Ende der Welt, die Gottes Strafgericht vermittelt. In den Evangelien nennt Jesus sich selbst »Menschensohn«. Die Pointe: Der Menschensohn Jesus steht nicht richtend über den Menschen. Er dient ihnen und nimmt selbst das Strafgericht auf sich.

Meer ...

steht in der Bibel für Chaos und lebensfeindliche Mächte. Am Anfang der Schöpfung schwebt Gottes Geist über den Wassern. Gott drängt die Fluten zurück, der Gottessohn Jesus stillt den Seesturm. Aus dem Chaos wird Kosmos, eine Erde, auf der Leben möglich ist. Das Israel des Alten Testaments war kein Seefahrervolk. Es wusste wenig über die Tiefe und Weite des Mittelmeeres und ahnte dunkel, welche Tiere und Ungeheuer darin leben. »Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer« – der Beter von Psalm 139 sieht sich in der Nähe des Totenreichs. Am Ende der Welt, in Gottes neuer Schöpfung, gibt es kein Meer, keine Bedrohung mehr (Offenbarung 21,1). Der Schiffbruch-Profi Paulus kannte die Gefahren des Meeres, wusste aber auch: ohne Meer keine Mission. Und solange die Fluten in ihren Grenzen bleiben, kann die Bibel sogar schwärmen: »Da ist das Meer, das so groß und weit ist.« (Psalm 104,25).

Michaelis

Der 29. September ist in der evangelischen wie in der katholischen Kirche der Tag des Erzengels Michael und aller Engel. Der Name Michael ist, im Hebräischen eine Frage: »Wer ist wie Gott?« Die Frage stellen heißt die Antwort wissen: Niemand. Der Name Michael drückt das Staunen darüber aus, dass Gottes Wesen alles überbietet. Es ist die vornehmste Aufgabe der Engel, Gottes Größe zu loben. Bei jedem Abendmahl erklingt der Engelsgesang »Heilig, heilig, heilig ist der Herre Zebaoth«. Der Name Michael für Menschen kommt im Alten Testament mehrfach vor. Als einer der Engelfürsten wird Michael im Prophetenbuch Daniel bezeichnet. Er kämpft für die Israeliten. Dahinter steht die Vorstellung, dass Gott jedem Volk einen eigenen Engel zugeteilt hat. Der Judasbrief im Neuen Testament nennt Michael »Erzengel«. Das ist die einzige Stelle in der ganzen Bibel, an der das Wort Erzengel vorkommt. Michael streitet und rechtet mit dem Teufel um den Leichnam des Mose. Im Buch der Offenbarung führt Michael das Engelheer im apokalyptischen Endkampf gegen den Drachen. 

Mission ...

kommt aus dem Lateinischen und bedeutet »Sendung«. Der Missionsauftrag wird auf Christus zurückgeführt: »Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker« (Matthäus 28,19). Der Missionar mit dem größten Sendungsbewusstsein im Neuen Testament war Paulus. Er brachte das Christentum von Kleinasien nach Europa. Der Jüngste Tag steht unmittelbar bevor, meinte Paulus. Vorher wollte er möglichst viele für Christus gewinnen. Mission gerät in Misskredit, wenn sie durch Zwang und Gewalt erfolgt. »Tod oder Taufe«, gab Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert als Parole gegenüber Nicht-Christen aus. Seit dem 16. Jahrhundert ging Mission oft mit der Kolonialbewegung Hand in Hand. Das Verständnis von Mission heute: Im Auftrag des Herrn gemeinsam mit Christen in aller Welt das Evangelium mit Wort und Tat bezeugen und im Dialog mit anderen sein.

Mose

Eine der großen Heldenfiguren des Alten Testaments, eine Gestalt des Mythos und der Tragik. Der Mythos beginnt mit der Aussetzung des Neugeborenen in einem Körbchen, die ihm das Leben rettet. Die Tragik endet mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten ins gelobte Land, wo Milch und Honig fließen. Der arme Mose führt ein Volk dorthin, darf vor seinem Tod noch einen sehnsüchtigen Blick darauf werfen, doch betreten wird er es nicht mehr. Ein klassischer Erzählstoff für Bibelfilme und Kindergottesdienste, und schon in der Antike ein unterhaltsames Thema für lange Abende. In vielerlei Abwandlungen wurde die Geschichte des Mose in den alten Kulturen weitergegeben – und aufgeschrieben.

Musik

Die Liturgie des evangelischen Gottesdienstes zeigt, welch hoher Stellenwert der Musik zukommt. Der Gottesdienst beginnt mit einer Stille, die in der Gottesdienstpraxis oft im Geräusch von Reden, Husten und Platzieren untergeht. Der erste liturgische Ton gehört jedoch der Orgel. Es ist eine Musik, die aus der Stille zu den Menschen kommt. Und so auf den Ewigen verweist.

Musik

Sie kann Schmerzen lindern, Erinnerungen wachrufen, psychische Barrieren überwinden und Kommunikation ermöglichen. Menschen zum Beispiel, die an Demenz leiden, haben vieles vergessen, Sprachbilder sind verloren gegangen. Kinderlieder mit zehn Strophen können sie dagegen mühelos rezitieren, sie zaubern ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Musik wirkt auf allen Ebenen des Gehirns, hat einen direkten Zugang zu Emotionen, ist tief verankert in der Menschheitsgeschichte. Musik hilft in einer vornehmlich von Sprache und Verstand geprägten Welt, Menschen mit uralten emotionalen Bedürfnissen zu versöhnen. Sie geht im wahrsten Sinne des Wortes ans Herz.

Mut

»Hab Mut! Jedoch nicht um ihn zu beweisen«, rät Joachim Ringelnatz. Mutig ist, wer vorgefertigte Lebensdeutungen in Zweifel zieht. Manch religiöse Praxis als den Unfug verspottet, der sie ist. Verachtung aus religiösen Gründen auf sich nimmt. So wie Jesus von Nazareth.

Muttertag

»Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren«, heißt das vierte der Zehn Gebote. Es begründet weder Blumen zum Muttertag noch bierselige Ausflüge von Vätern an Himmelfahrt. Das Gebot mahnt erwachsene Kinder, ihre gebrechlich gewordenen Eltern zu versorgen. Frauen aus Friedensgruppen in den USA versuchten Ende des 19. Jahrhunderts, einen Muttertag zu etablieren. Sie dachten an die Mütter von Soldaten, die im amerikanischen Bürgerkrieg gefallen waren. Am 12. Mai 1907 fand der erste Muttertags-Gottesdienst statt, initiiert von der methodistischen Christin Anna Marie Jarvis. Der Muttertag wurde zum Exportschlager. »Ehret die Mutter!« Den Werbespruch von Blumenläden griffen die Nationalsozialisten auf. Er passte zu ihrem Wahn von der Vermehrung ihres Herrenmenschen. Sie machten den Muttertag zum Feiertag in Deutschland. Er hat NS-Regime und Zweiten Weltkrieg überdauert und lässt bis heute das Blumengeschäft florieren.

 

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