Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Samariter ...

sind eine Sondergemeinschaft in Israel. Der Grund für die Trennung vom übrigen Judentum liegt im 8. Jahrhundert vor Christus. Das Nordreich Israels war von den Assyrern erobert, ein Großteil der Bevölkerung verschleppt. Ein Rest blieb im Land und vermischte sich mit anderen Völkern. Auch religiös ging man in Samarien eigene Wege. Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus gründeten die Samariter ein eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim. Sie akzeptieren nur die fünf Bücher Mose, nicht die übrigen Schriften der hebräischen Bibel. Samariter galten als häretisch. Ausgerechnet einen Samariter beschreibt Jesus als Beispiel für Barmherzigkeit.

Samariter

Was sich umgangssprachlich als »selbstlos« und »hilfsbereit« eingebürgert hat, war zu Jesu Zeiten eher ein Schimpfwort. Denn die Samariter galten als ungläubig, weil sie nur die fünf Mosebücher als heilige Schriften anerkannten und andere Kultorte verehrten als das übrige Judentum. Im Predigttext zeigt Lukas, dass solche menschlichen Unterscheidungen vor Gott nichts gelten.

Schaf

Ein triebstarkes Tier, dessen Herdentrieb ihm mitunter zum Verhängnis wird. Dann nämlich, wenn die Schafe blind vor Gehorsam einem Führer nachlaufen, der sie ins Verderben führt. Der Mensch wird gern mit einem Schaf verglichen, von seinem Herrgott gütig geleitet. Zum Bild des aufrechten, freien Protestanten passt das aber nur begrenzt.

Schaf

Gleich D wie Doof? Manchmal wird dieser böse Vergleich mitgedacht. Doch das Bild des Schafs, das die Stimme seines Hirten hört, meint etwas ganz anderes: Das Schaf im Lukasevangelium geht verloren und wird vermisst, vom Hirten selbst. Die Erfahrung, von anderen vermisst zu werden, ist in der modernen Welt kostbar geworden. Insofern steht das Bild des Schafs für eine Lebenserfahrung, an die sich die christliche Gemeinde deswegen erinnert, weil die Erfahrung selbst verloren geht. Das »doofe« Schaf klärt auf: Über eine Gesellschaft, in der sich alle ausreden lassen, wie austauschbar sie sind.

Schawuot

Das hebräische Wort heißt übersetzt Wochen. Seinen Namen verdankt das jüdische Wochenfest Schawuot seinem Termin sieben Wochen nach Pessach. Es erinnert an den Empfang der Thora mit den zehn Geboten und an den Bundesschluss Gottes mit seinem Volk Israel am Berg Sinai. Zum Beginn der Getreideernte danken Juden Gott damit aber auch für die Schöpfung und für die Natur. Das Fest bildet den Hintergrund für das Pfingstwunder im Neuen Testament. Zu Schawuot waren Jüdinnen und Juden aus allen Himmelsrichtungen nach Jerusalem gekommen. Sie wurden laut der Apostelgeschichte Zeugen, wie der Heilige Geist vom Himmel brauste und die Jünger von Jesus erfasst hat. Sie trauten sich heraus und erzählten aller Welt von Kreuz und Auferstehung Jesu. Damit geht die Geschichte des Christentums los.

Schönheit...

wird in der Sprache des Alten Testaments nicht mit einem Wort, sondern in vielen Facetten beschrieben: angenehm, gut, herrlich, mächtig, wohlgefällig. Schönheit ist keine isolierte Eigenschaft, sondern geht mit vielen äußeren und inneren Merkmalen einher. Eine Frau, ein Mann kann schön sein genauso wie Musik, Worte, Weisheit oder ein Gebet. Schönheit hat ihre Abgründe. Die verbotene Frucht im Garten Eden sieht zum Reinbeißen schön aus. Schönheit kann vergehen, wie Motten ein Kleid zerfressen. Inbegriff für Schönheit ist das Staunen, wie schön ein Mensch oder die Natur geschaffen ist. Staunen über die Herrlichkeit Gottes, die sich darin spiegelt.

Schöpfung

»Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit.«

Martin Luther, Kleiner Katechismus

 

Schwäche

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im zweiten Brief des Paulus an die Korinther 12,1–10. Im Vers 9 sagt Gott, der Herr, zu Paulus: »Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.« Und der große Prediger Paulus gesteht ein, schwach zu sein. Wer kann das schon? Wenn ein potenzieller Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch fragt: »Was ist Ihre größte Schwäche?«, lautet eine Standardantwort: »Meine Ungeduld«. Die aber ist nur vorgeschoben. Denn es geht nicht um eine schwache Seite. Die eingeräumte Ungeduld soll darauf hinweisen, dass der Bewerber ein Macher ist, einer, der ein rasantes Tempo geht. Und das ist wirklich schwach. Stark wäre es, eine tatsächliche Schwäche zuzugeben, zum Beispiel unorganisiert zu sein oder aufgeregt, wenn man vor einem größeren Publikum etwas präsentieren muss.

Schwarz

Die liturgische Farbe des Karfreitags, einmalig im Kirchenjahr, Zeichen der Trauer und der Stille, Erinnerung an das, »was nicht gelang«, Farbe des Todes und dessen Opposition.

See

Manche verbinden das Christentum vielleicht mit dem Bild eines ruhigen Sees: Sein Anblick erbaut, stärkt wohl auch, und das ist ohne Zweifel gut und lebensdienlich. Den Blick in seine Tiefen und Abgründe muss aber riskieren, wem Religion wichtiger ist als bloße Überlebensstrategie. Die Geschichte von Kain und Abel blickt in eben diesen Abgrund unter der ruhigen Oberfläche. Anteile von Kain und Abel tragen wir alle in uns, leben zwischen blinder Wut aufs Fremde und Andere und der Sehnsucht nach gutem Leben. Im Kreuz scheint beides noch einmal auf: Die Wut der Zwanghaften auf einen freien Menschen verbindet sich mit dem geheimen Wissen, dass die versöhnende Botschaft des Gekreuzigten auch seinen Gegnern gilt.

Sehen

Keiner wird Mensch aus eigener Kraft. Die hebräische Bibel spricht vom Menschen als Gottes Abbild. Sein Gesicht bekommt der Mensch nicht durch eitle Selbstbespiegelung, sondern weil er von Gott gesehen und angesehen wird.

Serafim

Der Prophet Jesaja findet sich in einer Vision im Thronsaal Gottes wieder. Über dem Thron stehen Serafim und rufen einander zu: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr.« Wegen des dreimaligen Heilig wurde dieser Bibelvers zum Wochenspruch für Trinitatis. Schon die Serafim im Alten Testament huldigen dem dreieinigen Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das steht zwar nicht in der hebräischen Bibel. Aber so haben Christen das »Heilig, heilig, heilig« im Nachhinein verstanden. Was sind Serafim? Das Wort bedeutet »feurig« und »erhaben«. Bei Jesaja sind sie erhabene Wesen mit drei Paar Flügeln: ein Paar zum Fliegen. Ein Paar, um sich die Augen zu bedecken, denn die Herrlichkeit Gottes kann niemand sehen, ohne zu vergehen. Ein Paar, um sich die Füße zu verhüllen. Die Füße können für den ganzen Unterleib stehen. Das wurde mitunter als Zeichen der Keuschheit gedeutet. Diese Engelswesen haben sich bis in die Herzen werdender Eltern gespielt, die ihre Tochter nach ihnen benennen: Serafina.

Siebenschläfer

Der Siebenschläfertag am 27. Juni. Der Name des Tages geht auf eine christliche Legende zurück. Sieben junge Männer hatten sich vor der Christenverfolgung des Kaisers Decius (249-251 nach Christus) in einer Höhle bei Ephesus versteckt. Doch die Verfolger spürten sie auf und mauerten sie ein. Statt zu sterben, schliefen die sieben fast 200 Jahre lang. Der Legende nach wurden sie am 27. Juni 446 zufällig entdeckt, wachten auf und bezeugten ihren christlichen Glauben an die Auferstehung. Wenig später starben sie. Mit dem gleichnamigen Nagetier hat die Legende von den Siebenschläfern nichts zu tun. Ihr Tag, der 27. Juni, gilt auch als Indiz für das Wetter. »Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt«, heißt eine Bauernregel. Tatsächlich sagt die Statistik, dass sich die Großwetterlage in Europa Ende Juni, Anfang Juli für einige Zeit stabilisiert – regnerisch oder sonnig.

Silvester ...

der letzte Tag des Jahres, verdankt seinen Namen einem Papst aus dem vierten Jahrhundert. Silvester I., seit 314 Bischof von Rom, starb am 31. Dezember 335. Er wurde später heilig gesprochen und gab so dem Tag seinen Namen. Der Jahreswechsel wurde in der Geschichte schon früh von rituellen Festen und Volksbräuchen begleitet. Die bösen Geister des vergangenen Jahres sollten durch Lärm vertrieben werden. Im Blick auf das kommende Jahr versuchte man sich an der Zukunftsdeutung. Beide Traditionen haben sich bis heute in Form von Feuerwerken und Horoskopen sowie des Bleigießens erhalten. In den christlichen Kirchen haben sich am Silvesterabend Andachten und Gottesdienste zum Jahreswechsel durchgesetzt, immer häufiger auch eine Stunde vor Mitternacht. Kurz vor 24 Uhr beginnen in den Städten die Glocken der großen Kirchen zu läuten.

Simchat Thora

Am Freitag tanzt der Rabbi. Und die ganze Gemeinde. Vom 12. auf den 13. Oktober ist das Fest der Thora-Freude. An diesem Tag tragen Jüdinnen und Juden alle Thorarollen durch die Synagoge, singen und tanzen dabei. Sie lesen den letzten Abschnitt der Thora, die Geschichte vom Tod Moses. Anschließend wird mit der Schöpfungsgeschichte die Lesung wieder von vorne begonnen. Möglichst viele Menschen sollen an diesem Tag im Gottesdienst ein kleines Stück der Thora laut vorlesen dürfen.

Simeon

Gemeinsam mit der Prophetin Hanna erkennt Simeon im kleinen Kind Jesus den Messias, als Jesus von seinen Eltern 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel gebracht wird. Weil eine Frau in dieser Zeit als unrein galt, ein Zeitraum, der sich nach der Geburt eines Mädchens verdoppelte, musste sie dem Priester ein Reinigungsopfer übergeben. Anschließend erfolgte die Übergabe des Erstgeborenen als Gottes Eigentum. In diesem ehrwürdigen liturgischen Geschehen bekennt Simeon das Unerhörte: Der verheißene Messias ist gekommen.

Singen

Weihnachten 1945. Pastor Heinrich Albertz, Kriegsflüchtling wie so viele, hört das Weihnachtsoratorium in einer Kirche in Celle. Auf einmal können die Menschen ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. »Da war keine Sentimentalität, da war Befreiung. Die Kirche war nass von Tränen«, schreibt Heinrich Albertz. »Kein Heil dem Hitler, sondern Heil dem Gott, der sich an Weihnachten einen Namen gab.« Die Kraft der Musik rührt ans Innerste des Menschen. Und wer nicht mehr singen kann, für den singen die Engel.

Sonne

Das Zentralgestirn, genießt kultische Verehrung, seit der Mensch denken kann. Göttliche Kraft wird dem Energiespender zugeschrieben, manche Religionen verehrten den Quell allen irdischen Lebens sogar selbst als Gott. Der Vergleich mit der Sonne ist immer ein Kompliment, auch viele Gesangbuchlieder handeln von ihr.

Sorge

In aktuellen Umfragen sorgen sich die meisten Deutschen um den Wert ihrer Ersparnisse. Volkswirtschaftler sind noch unentschieden: Für manche ist eine Inflation nur eine Frage der Zeit, andere sehen sorgloser in die Zukunft, weil drastisch steigende Löhne als möglicher Ausgangspunkt von Inflationen nicht in Sicht seien. Auch in der Volkswirtschaft geht es also um Glaubensfragen. Die christliche Religion verhindert keine Inflationen. Doch sie kann den Menschen helfen, Krisensituationen gelassener anzugehen. »Bei uns geht es um mehr oder weniger Wohlstand, andernorts geht es um Leben und Überleben«, sagte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Er setzt den richtigen Rahmen: Finanzkrisen sind menschlichen Ursprungs. Dann sollten sie auch mit menschlichen Mitteln repariert werden können.

Splitter und Balken

Jesus nervt. Was er verlangt, ist eine Zumutung. Immer soll man bei sich selbst anfangen und bei dem, was man selber besser machen kann. Dabei ist es doch viel einfacher und angenehmer, die Schuld bei anderen zu suchen. Das lässt Jesus nicht durchgehen: »Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?« (Lukas 6,41) Die Verbesserung der Welt beginnt beim Blick in den Spiegel. Anderen Menschen Gutes tun im Sinne von Jesus rechnet nicht mit Wechselseitigkeit. Nicht »ich gebe, damit du gibst«, sondern: So wie ich behandelt werden will, so gehe ich mit den anderen um. Einfach, weil es gut ist.

Stehlen

»Du sollst aber nicht meinen, dass nur das gestohlen heißt, was du deinem Nächsten wegnimmst. Sondern wenn du deinen Nächsten Not, Hunger und Durst leiden siehst oder kein Obdach, Schuhe und Kleider haben, und du hilfst ihm nicht, so stiehlst du genauso. Denn du bist ihm schuldig, zu helfen in seiner Not. Denn deine Güter sind nicht dein; du bist als ein Verwalter darüber gesetzt.«

Martin Luther

Stille

»Gott ist die Stille«, klagt der Pfarrer in Ingmar Bergmans Film »Licht im Winter«. Ihm wird die Ruhe zur Last, die im Pfarrhaus herrscht, seit er alleine lebt. Er leidet unter Gottes Schweigen, Gottes Antwortlosigkeit. Doch dieses Schweigen steht bei Bergman für mehr, für die Unfähigkeit der modernen Menschen, miteinander ihre Ängste zu teilen und zu tragen. Die Stille einer lärmenden Gesellschaft überträgt sich auf Gott.

Stimme

Zahllose Stellen in der Bibel berichten davon, wie Menschen plötzlich Stimmen hören. Die Stimme eines Engels, die Stimme Gottes – oder auch die des Teufels, der sie in Versuchung führen will. Wir alle kennen die Geschichte Abrahams, der auf göttliche Eingebung seinen Sohn Isaak opfern wollte. Es war aber nur ein Test. Heutzutage käme Abraham schon für die bloße Absicht in den Knast, und die Ausrede vom lieben Gott würde ihm keiner abnehmen. Wir wissen halt nicht, wenn er zu uns spricht.

Sünde ...

meint in erster Linie nicht einzelne Vergehen. Sünde ist der existenzielle Zustand des Menschen: die Trennung von Gott. Der Mensch wendet sich von Gott ab. Er entfernt sich himmelweit von dem, was Gottes Wille ist. Ursprünglich bedeutet das deutsche Wort Sünde »der es gewesen ist«. Die ersten, die es gewesen sind, waren Adam und Eva. Ihnen stand der ganze Garten Eden zur Verfügung. Doch sie vergreifen sich an den Früchten, die zu essen Gott verboten hatte. Ihr Motiv: Sie wollen sein wie Gott. Sie spielen die »masters of the universe« und verletzen Gottes Ehre. Das Urmoment der Sünde. Der Mensch kann von Geburt an nicht anders: Er vergreift sich an dem, was nicht für ihn bestimmt ist. Darum prägte Augustinus den Begriff Erbsünde. Aus eigener Kraft kommen wir über den alten Adam und die alte Eva in uns nicht hinaus. Gott überwindet den Abgrund und vergibt die Sünde. Allein aus Gnade.

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