Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Valentinstag

Der Tag für Liebende scheint vor allem für Blumenläden und Restaurants gemacht. Doch sein Namensgeber war nicht Geschäfts-, sondern Kirchenmann: Valentin, Bischof von Terni in Italien. Er fand am 14. Februar um das Jahr 268 nach Christus den Märtyrertod. Valentin soll heimlich Paare getraut haben, die sonst nicht hätten heiraten können, weil sie unterschiedlichen Standes oder ihre Familien verfeindet waren. Den frisch Vermählten soll Valentin Blumen aus seinem Garten geschenkt haben.

Vaterunser ...

ist das christliche Gebet schlechthin. Im Neuen Testament ist es an zwei Stellen überliefert: als Herzstück der Bergpredigt in Matthäus 6, 9-13 sowie in etwas anderer Form in Lukas 11, 2-4. Der Kontext in der Bergpredigt: Jesus sagt, man solle beim Beten nicht »plappern wie die Heiden«. Das Vaterunser ist Jesu Beispiel für kurzes Beten. Jesu Wort für Gott, das aramäische »Abba«, entspricht ungefähr unserem »Papi«, der Anrede eines kleinen Kindes an den Vater. Das ist typisch Jesus. Niemand würde es gewagt haben, Gott so anzureden. Jesus tut es und fordert seine Jünger auf, auch so zu beten. Klassisch spricht man von sieben Bitten im Vaterunser: drei »Du-Bitten« (dein Name, dein Reich, dein Wille) und vier »Wir-Bitten« (unser Brot, unsere Schuld, führe uns nicht, erlöse uns). Das Vaterunser schließt mit einer so genannten Doxologie, einem Lob auf Gott: »Denn dein ist das Reich ...«

Vergebung

Niemand kann leben, ohne zugleich anderes Leben einzuschränken oder zu verbrauchen. Wer dieser Einsicht auch nur kurz nachspürt, erschreckt bis ins Mark. Am Anfang jedes Lebens also steht eine Schuld, an der keiner »Schuld hat«. Diese Schuld braucht Vergebung, die sich niemand verdienen kann. Für manchen eine lebenslange Kränkung. Fürs Christentum göttliche Gnade.

Verkleidung

Keine Kirche, neben die der Teufel nicht seine Kapelle baut, so heißt es. Hiob, dem frommen Mann, erging es ähnlich. Vom Schicksal geschlagen, wusste er nicht mehr, wie sich ein willkürlicher Gott vom Satan unterscheiden lässt. Und Beckmann, der zerstörte Held in Wolfgang Borcherts »Draußen vor der Tür«, fragt, warum uns Menschen noch immer keine Klaue, kein Raubtiergebiss wachse, angesichts der Gräuel des 20. Jahrhunderts, warum wir also noch immer in der Verkleidung der Zivilisation herumstolzierten. In Jesus Christus ist das Ende aller Verkleidungen erschienen, ihm, dem am Ende nicht einmal das Gewand blieb, den leidenden Körper zu verhüllen.

Verloren und gefunden

»Wo ist mein Schlüssel? Wo habe ich den Geldbeutel?« Wühlen in allen Taschen, fieberhaftes Überlegen, wo man zuletzt gewesen ist. Erleichterung, wenn das verlorene Stück wieder auftaucht. Bleibt es verschollen, wird klar, wie viel Zugang zum eigenen Leben am Schlüssel oder Geldbeutel hängt. Verlieren und suchen sind häufig ein Thema in den Gleichnissen, die Jesus erzählt – besonders im 15. Kapitel des Lukas-Evangeliums. Ein Hirte sucht nach dem einen verlorenen Schaf und lässt den Rest der Herde dafür stehen. Eine Frau kehrt das ganze Haus von oben nach unten auf der Suche nach einem verlorenen Groschen. Ein Vater ist außer sich vor Freude über seinen Sohn, den er schon verloren glaubte. Jesus spricht in den Gleichnissen eine Ur-Angst an: Ich kann verloren gehen. Mir selbst, der Welt und Gott abhanden kommen. Jesu Botschaft: Ganz gleich wie weit ein Mensch verschollen ist, Gott sucht und findet ihn.

Versöhnung und O wie Opfer

Im Jahr 2015 fallen am 23. September das jüdische Versöhnungsfest Jom Kippur und das muslimische Opferfest zusammen. Am Jom Kippur bitten die Gläubigen Gott für ihre Fehler um Vergebung. Sie bemühen sich auch um Versöhnung mit allen, mit denen sie Streit haben. Zum Jom Kippur gehört das Gebet für die Verstorbenen. Er ist ein strenger Fastentag und endet mit dem Klang eines Widderhorns und einem festlichen Mahl. Widder und Festessen gibt es auch beim Opferfest, arabisch Id al-Fitr, türkisch Kurban Bayramı. Laut Koran war Abraham bereit, seinen Sohn Ismail für Gott zu opfern. Im letzten Moment schickte Gott einen Widder, den Abraham statt seines Sohnes opferte. Muslime sind dazu aufgerufen, sich an Abrahams Opferbereitschaft ein Beispiel zu nehmen. Zugleich gedenken sie der Barmherzigkeit Gottes. Viele Familien schlachten ein Tier. Einen Teil des Fleisches essen sie selbst, den Rest verteilen sie an Nachbarn und Bedürftige. Das Fest ist auch der Höhepunkt der Pilgerfahrt nach Mekka.

Verstocken

Lässt sich Eigensinn in keiner Weise mehr für andere Argumente aufschließen, wird der Eigensinn zur Dummheit. Im Alten Testament ist es Gott selbst, der die »Verstockung« des Pharao bewirkt: Gott verhängt sie nicht über einen ahnungslosen oder gutwilligen Menschen, sondern bestärkt einen, der das Verkehrte will und tut, in seiner Haltung. Der freie Wille ist gerade hier eine Illusion.

Versuchung

Papst Franziskus hat 2018 die Diskussion angestoßen, ob das Vaterunser nicht geändert werden müsse. Die Bitte in ihrer deutschen Übersetzung »und führe uns nicht in Versuchung« klingt für ihn so, als würde Gott die Menschen absichtlich hinters Licht führen. Welcher guter Vater macht das? Für den Papst ist klar: »Wer dich in Versuchung führt, ist Satan.« Martin Luther sah das ähnlich. »Gott versucht zwar niemand«, schreibt er im Kleinen Katechismus. Aber er behüte, dass »uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge«. Das wirft neue Probleme auf. Satan ist dann wie ein zweiter, wenn auch böser Gott. Warum lässt der eine, allmächtige, gütige Gott zu, dass der Teufel sein Unwesen treibt? Vielleicht macht die Bitte aus dem Vaterunser weniger eine Aussage über Gott, sondern beschreibt eine menschliche Erfahrung: Man gerät immer wieder in die Versuchung, den falschen Weg zu wählen, obwohl man den richtigen kennt.

Versuchung

Adam und Eva lassen sich verführen. Die listige Schlange hat keine große Mühe, sie zu Verbotenem zu überreden (1. Mose 3,1-19). Jesus hingegen widersteht in der Wüste 40 Tage lang den Angeboten des Teufels (Matthäus 4,1-11). Die Texte aus dem Alten und dem Neuen Testament für diesen Sonntag könnten widersprüchlicher nicht sein. Aber das sind genau die Pole, zwischen denen sich Menschen bewegen, tagtäglich. Es ist verlockend, bei der Steuer nicht alles anzugeben. Die Zeit drängt, was bedeutet schon eine Geschwindigkeitsbegrenzung? Wer den Versuchungen widerstehen möchte, braucht eine Haltung. Dabei hilft es, auf Gott zu vertrauen.

Versuchung

Light Monyeki, Pfarrer der Gemeinde »Grace Living Hope Ministries« in Südafrika, hat vor seiner Gemeinde mit Wasser vermischtes Rattengift getrunken. Danach forderte er die Gläubigen auf, ebenfalls einen kräftigen Schluck aus der Flasche zu nehmen. Sie sollten unter Beweis stellen, dass sie wirklich an Christus glauben. Denn dann habe der Tod keine Macht über sie. Was würde Jesus dazu sagen? »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« (Matthäus 4,7) Das antwortet er dem Teufel, als der ihn auf die Probe stellen will: Bist du Gottes Sohn, dann wirf dich vom Dach. Gottes Engel werden dich auffangen. Beim Glauben verhält es sich wie in der Liebe. Es ist verführerisch, Liebesbeweise zu fordern. »Wenn du mich liebst, dann tust du dies oder jenes für mich.« Das vergiftet die Beziehung. Jesus trotzt der Versuchung mit seinem Gottvertrauen, das keine Beweise oder spektakuläre Aktionen braucht. Den anderen nicht auf die Probe stellen, gilt umgekehrt auch für Gott. Jesus betet im Vaterunser: »Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.«

Vertrauen

Vertrauen gehört zu der Wortgruppe um »treu, stark, fest«. Wer sich einer Sache sicher sein kann, muss nicht vertrauen. Darum hat das Vertrauen viel zu tun mit »jemandem glauben (können)«. Für Thomas von Aquin (1225-1274) ist Vertrauen darum mehr als nur Glaube oder Hoffnung. Es benötigt auch spürbare Anknüpfungspunkte im eigenen Leben. Seit Beginn der Neuzeit wird Vertrauen immer stärker mit dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten verknüpft, dem Selbstvertrauen. Das Gegenteil entsteht meist, wenn man enttäuscht wird. Dann entwickelt sich Misstrauen.

Verzicht

Auch der Verzicht ist ein Geschäft geworden. Noch wo er sich kollektiv als »Aktion« organisiert, tauscht er für eine ethische Avantgarde das gute Gewissen ein. Verzicht tauscht nicht: »Danke. Brauch’ ich nicht. Ist für mich nicht nötig.« Wer’s leise einmal täglich umsetzt, verändert die Welt.

Vikar(in)

Unter diesem Titel finden sich in den christlichen Kirchen alle möglichen Ämter. Er kommt vom lateinischen »Vicarius« für Statthalter, Stellvertreter. Katholiken kennen den Pfarrvikar als Hilfspriester, den Bischofsvikar als geistlichen Vertreter des Bischofs oder den Generalvikar als dessen Stellvertreter bei der Verwaltung. In der evangelischen Kirche sind Vikare und Vikarinnen wie Autoren der nebenstehenden Andacht hingegen Azubis. Sie tragen diesen Titel nach dem ersten theologischen Examen während ihrer praktischen Ausbildung. Diese entspricht dem Referendariat bei angehenden Juristen und Pädagogen.

Volk

Im Neuen Testament öffnet vor allem die Theologie des Matthäus die heidnische Welt für die christliche Verkündigung. Gottes Heilszusage gilt nicht länger nur einem einzelnen Volk, sondern der gesamten Welt. Die wiederum band das Heil nur allzu oft an die Identifikation mit heilsvermittelnden Institutionen, was seine reale Abwesenheit nur umso stärker unterstreicht.

Volkstrauertag

Der Volkstrauertag ist der Sonntag, der im Evangelischen Gottesdienstbuch einfach »Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr« heißt. Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schlug ihn 1919 als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vor. Seit 1926 wurde er am 2. Sonntag in der Passionszeit (Sonntag Reminiszere) begangen. Die Nationalsozialisten machten ihn zum Staatsfeiertag und »Heldengedenktag«, passend zu ihrer Propaganda von Kriegsverherrlichung und Herrenmenschentum. In der Bundesrepublik wurde der Volkstrauertag 1952 auf den Sonntag zwei Wochen vor dem 1. Advent gelegt. Damit rückte er ans Ende des Kirchenjahrs, das theologisch von Tod, Zeit und Ewigkeit bestimmt ist. Der Volkstrauertag ist kein kirchlicher Feiertag, wird aber vielerorts kirchlich begleitet. Die Kirchen erinnern im Rahmen einer Friedensdekade an diesem Tag in besonderer Weise an die christliche Verantwortung für Frieden und Versöhnung.

Vorlesen

Ein guter Brauch, der im Advent belebt werden kann. Einmal in der Woche im Familien- oder Freundeskreis eine Geschichte lesen. Warum nicht aus der Bibel? Mit einem guten Gespräch hinterher. Christen sind kritische Geister. Und der Adventstrubel ermutigt vielleicht zum Gegensteuern.

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