Evangelische Sonntags-Zeitung

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ABC des Glaubens

Waffen

Ein guter Christ fasst sie tunlichst nicht an. Aber was ist mit dem lieben Gott? Viele Stellen in der Bibel beschreiben ihn als ausgesprochen böse. Das Alte Testament zeichnet mitunter – wie im unten stehenden Psalm – gar ein Bild von einem waffenstarrenden Despoten, der straft, mordet und vernichtet. Bis in die frühe Neuzeit hinein preisen Gesangbuchlieder die Allmacht und den Zorn des Herrn, der alle Feinde ausradieren möge. Die moderne Theologie will von diesem Grobian nichts mehr wissen, sondern setzt auf den liebenden, vergebenden und versöhnlichen Gott, auf seine Gnade und Barmherzigkeit. Auf Frieden.

Wahl

In der Bibel hat an erster Stelle Gott die Wahl. Gott wählt nach anderen Kriterien als den sonst geltenden. Unter den Söhnen Isais bestimmt Gott ausgerechnet den Kleinsten, David, zum König (1. Samuel 16). Eigenwillig wählerisch zeigt er sich auch im Neuen Testament: »Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt.« (1. Korinther 1, 27) Statt der mächtigen Reiche sucht Gott sich die kleine Schar der Israeliten zu seinem erwählten Volk aus. Warum? »Weil er euch geliebt hat« (5. Mose 7, 8). Erwählung ist Ausdruck der Freiheit und Liebe Gottes. Erwählung verpflichtet. Am Berg Sinai schwört Gott sein erwähltes Volk auf die Zehn Gebote ein. Zu dessen Stammvater Abraham sprach Gott exklusiv-inklusiv: »Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.« (1. Mose 12, 2) Er- und gewählt zu sein, soll zum Segen für andere werden.

Wahrheit

»In meiner Jugend in den 1970er Jahren«, schreibt der Schriftsteller Georg Heinzen, »konnte ich den Wahrheitsgehalt eines Gedankens daran erkennen, wer aus der Verwandtschaft sich gegen ihn aussprach.« Nun kommt Religion nicht ohne einen Wahrheitsanspruch aus, da sie von ihrem Gott als einem dem menschlichen Handeln vorausgehenden verbindlichen Grund spricht. Doch zeigt sich der Wahrheitsanspruch einer Religion daran, wie einfühlsam und respektvoll sie in Perioden ihrer äußeren Macht mit jenen umgeht, die ihr nicht angehören, die anders leben, die eine andere Parole sprechen.

Wahrheit

»Was ist Wahrheit?«, fragt Pilatus, ein Machtmensch, Politiker. Doch in seiner zynischen Frage liegt selbst noch ein Wahrheitselement verborgen: Denn Wahrheit »ist nicht bloß das vernünftige Bewusstsein, sondern ebenso sehr dessen Gestalt in der Wirklichkeit«. Sie aber erscheint in der heutigen Zeit so dürftig wie vor 2000 Jahren.

Wasser

Warum taufen mit Wasser? Wasser bedeutet Leben. Jede Pflanze, jedes Tier, jeder Mensch braucht Wasser zum Leben. Wasser kann tödlich sein. In der biblischen Sintflut ertrinkt alles Leben. Der Apostel Paulus verbindet das Wasser der Taufe mit Sterben und neuem Leben: hineingetauft in den Tod von Jesus Christus. Hineingetauft in seine Auferstehung. (Römer 6)

Weg ...

ist in vielen Religionen ein starkes Symbol. Im Alten Testament ist es eines der wichtigsten Wörter. Die Menschen der Bibel haben zunächst ihre konkreten Wege vor Augen. Schon kurze Strecken waren mühsam und gefährlich. »Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen«, diesen Zuspruch aus Psalm 91 kann man gebrauchen, wenn man stets mit Räubern oder wilden Tieren rechnen muss. Weg in der Bibel bedeutet im übertragenen Sinn Lebenswandel: Welchen Weg schlage ich ein? Jesus warnt vor dem schönen Schein: Der breite, bequeme Weg kann der falsche sein, der enge, beschwerliche zum Leben führen (Matthäus 7,13+14). Gott den Weg zu bereiten, ist der Aufruf, sich nach ihm zu richten (Jesaja 40,3). Gottes Wege übersteigen menschliche Kategorien (»Eure Wege sind nicht meine Wege, spricht Gott«, Jesaja 55,8). Dietrich Bonhoeffer hat diesen Gedanken weitergeschrieben: »Gott, ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.«

Weihnachten ...

ist der deutsche Name für das Fest der Geburt Christi. Das Wort aus dem Mittelniederdeutschen ist wahrscheinlich heidnischen Ursprungs und bezeichnet die geweihten Nächte um die Wintersonnenwende. Weihnachten ist nicht der ursprüngliche Termin für den Geburtstag Jesu. Die Frage, wann Jesus geboren ist, tauchte im 3. Jahrhundert auf. Erst feierte die Kirche, vor allem im Osten des Römischen Reichs, Jesu Geburtstag an Epiphanias, dem 6. Januar. Christen in Rom legten um das Jahr 350 den Geburtstag Jesu auf den 25. Dezember.

Weihnachten

Wie lange dauert das Fest? Bis 6. Januar, dem Epiphaniasfest oder auch Tag der Heiligen drei Könige genannt, ist die liturgische Farbe Weiß und steht für das hohe Christusfest. Dann folgt Grün. Bis dahin dauert für viele Protestanten Weihnachten. Dann ist Schluss mit dem Baum und den Kerzen. Wer es alt und katholisch mag, darf sich am Schmuck erfreuen bis 2. Februar. Vor nicht allzu langer Zeit bauten die Katholiken erst an diesem Tag, Mariae Lichtmess, Krippen und Weihnachtsbäume ab. Doch selbst in der katholischen Kirche endet die Weihnachtszeit seit dem Jahr 1970 am 6. Januar. Manche Familien, aber auch Städte und Gemeinden, halten am Februar-Termin fest – zum Beispiel im Erzgebirge. Weihnachtliche Stimmung macht sich eben gut bei Touristen.

Weihnachten

»Macht’s wie Gott, werdet Mensch.« Der Satz, der den Sinn des Festes auf den Punkt bringt. Denn wir sind’s noch nicht.

Wein

Früher Frühling, Regen und Hagel im August – darum hat die Weinlese in diesem Jahr bereits im September begonnen. Wein ist ein uraltes Kulturprodukt. In der Bibel ist Noah der erste Winzer und der erste, der nach einem Rausch ein böses Erwachen erlebt. In den Psalmen dient der Wein der Lebensfreude. Wein macht müde Männer munter, weiß der Priester Ziba und rüstet König David auf der Flucht mit Brot und Weinschlauch aus. Zu viel Wein ist fatal. Gottes Zorn kommt laut Jeremia in Gestalt eines Bechers mit Wein, der alle Völker taumeln lässt. Jesus beschreibt seine Beziehung zu den Menschen im Bild vom Weinstock und seinen Reben. Er widmet Brot und Wein bei seinem letzten Mahl mit den Jüngern seinem Gedenken. Daraus entwickelt sich bei den Urchristen die gottesdienstliche Feier des Abendmahls.

Weisheit ...

ist im Alten Testament eine Person. Sie spielt im Buch der Sprüche Salomos zu Füßen Gottes, während er die Welt erschafft. Sie wird Liebling Gottes genannt. Es heißt, sie habe Lust an den Menschenkindern. Weisheit biblisch verstanden ist also keine rein intellektuelle Angelegenheit, sondern eine Lebenshaltung mit Herz und Verstand. Die Weisen im Alten Orient und biblischen Israel haben in langen Listen aufgeschrieben, was es in der Welt zu bestaunen gibt. Sie wussten: Eine Sache ist niemals nur einseitig. Man muss sie von verschiedenen Seiten betrachten, um sie zu begreifen. Man muss sich in einen anderen hineinversetzen, um ihn besser zu verstehen. Das Neue Testament hat Weisheit mit Christus identifiziert: In ihm »liegen verborgen alle Schätze der Weisheit« (Kolosser 2,3).

Weltweit

Bereits in der Frühzeit der Christenheit dachten die Verfasser der biblischen Texte über den Horizont ihrer Gemeinde hinaus. Sie nahmen den ganzen damals bekannten Erdkreis in den Blick. Die gute Nachricht von Jesus Christus sollte für alle Menschen gelten. In der Antike beschrieb das griechische Wort Ökumene den gesamten bewohnten Erdkreis. Die seefahrenden Völker bereisten das Mittelmeer und Teile des Atlantiks. Alexander der Große ist bis zum Himalaya und nach Indien vorgedrungen. Der äthiopische Finanzminister aus der Apostelgeschichte reiste vom Herzen Afrikas durch das römische Reich. Heute meinen wir mit dem Wort Ökumene die weltweite Christenheit, oft nur die Gemeinschaft mit den Katholiken. In der katholischen Theologie ist der ursprüngliche Begriff erhalten geblieben. Wenn der Papst die Stadt und den Erdkreis segnet (»urbi et orbi«), denkt er global.

Wiedergeburt

Wiedergeburt bezeichnet meist Seelenwanderung oder Reinkarnation: die Vorstellung, dass die Seele nach dem Tod in einen anderen Körper schlüpft. Ziel im Hinduismus und Buddhismus ist es, aus diesem Kreislauf erlöst und mit dem göttlichen Ursprung vereint zu werden. Anders im christlichen Glauben: Das Leben ist einmalig von Gott geschenkt. Wiedergeburt beschreibt die Erfahrung, dass ein Mensch durch den Glauben an Christus wie neugeboren ist. Im Wasser der Taufe sterben der alte sündige Adam und die alte sündige Eva. Ein neuer Mensch taucht auf, über den Tod und Sünde nicht mehr herrschen. Daher kommt der Name Renate, aus dem Lateinischen übersetzt: die Wiedergeborene.

Witwe

In den antiken Mittelmeerkulturen waren Witwen in juristischen Auseinandersetzungen chancenlos, weil die Rechtspflege in den Händen der Männer lag. Allerdings waren hier ebenso Frauen gemeint, die aus freien Stücken unverheiratet blieben, bisweilen auch finanziell unabhängig waren und das Gemeindeleben mitgestalteten (1. Tim 5,5).

Würde

Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Dieser Satz geht heute Kirchenleuten leicht von den Lippen, und, ja, das Evangelium und die Lehren des Christentums legen ihn auch nahe. Die Würde des Menschen ist nicht in seinem Tun, sondern allein in der Liebe Gottes begründet. Es bedurfte allerdings 1800 Jahre Geschichte des Christentums und der Epoche der Aufklärung, bis auch die Kirche die Würde des Menschen als universell anzuerkennen vermochte.

Wüste

Ödnis und Leere. Doch trotz aller Trostlosigkeit auch der Ort, an dem der Teufel einsehen musste, dass der Mann aus Nazareth der bessere Theologe war (Lk 4,1-13).

Wunder

Wer Wunder als Ereignis versteht, das Naturgesetze durchbricht, den könnte das Evangelium für den 5. Sonntag nach Trinitatis enttäuschen: ein Rekord-Fischfang. Zwar wider jedes Fischermanns Fachwissen, weil bei Tageslicht gemacht, wenn die Fische in eigentlich unerreichbarer Tiefe schwimmen. Aber doch innerhalb der Grenzen des Möglichen. Auch andere Wunder in der Bibel kann man versuchen, rational zu erklären: Das »Himmelsbrot« Manna, das die Israeliten vor dem Hungertod in der Wüste rettete, könnte Honigtau von Insekten gewesen sein. 5000 Menschen werden satt von fünf Broten und zwei Fischen. Weil sie durch Jesus gelernt haben zu teilen? Das wäre ein Wunder für sich. Für die Menschen der Bibel waren die Naturgesetze nicht der Maßstab für Wunder. Wunder in der Bibel sind Ereignisse, bei denen Menschen Gottes Wirken spüren. Wunder haben Hinweischarakter: Sie deuten über sich selbst hinaus auf Gott. Im Griechischen, der Sprache des Neuen Testaments, werden Wunder »dynameis« genannt: Die Dynamik Gottes offenbart sich in Jesu Taten. Sie heißen auch »Zeichen«, die zeigen: Durch Jesus handelt Gott selbst.

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