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Andacht

Advent mitten im Sommer

Der Herold des Messias muss abnehmen wie auch die Sonne ab dem Johannistag

picture alliance/imageBROKEREin Johannisfeuer oder auch Sonnwendfeuer im oberbayerischen Wolfratshausen.

picture alliance/imageBROKERJohanna Haberer ist Theologin, Journalistin und Professorin für Christliche Publizistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Der 24. Juni ist Johannistag. Das ist Advent mitten im Sommer. Advent als Sommersonnenwende und Mittsommernacht. Wir feiern den Anfang des Kommens Christi und zugleich den biblischen Geburtstag des Predigers Johannes. Johannes ist der Prophet und Vorläufer Jesu, um dessen wundersame Geburt sich zauberhafte Legenden ranken: eine betagte Gebärende und ein stummer Vater, die ihr Kind als reines Geschenk Gottes empfangen.

Denn Johannes, der Herold des Messias, wird geboren – sechs Monate, bevor das Christkind auf die Welt kommt. Das ist genau ausgerechnet. Und dieser Johannes wird über Jesus sagen: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Die ersten Christen in Westeuropa etablierten das Kirchenjahr, indem sie auf dem jüdischen Festkalender aufbauten. Sie verheirateten sozusagen die heidnischen Bräuche um den längsten Tag und die hellen Nächte. Diese kurzen Nächte feierten die Menschen im vorchristlichen Europa mit einem großen Tanz ums Feuer, später dann mit der christlichen Legende von Jesus und Johannes.

Der Herold des Messias Johannes, er muss abnehmen wie die Sonne ab dem Johannistag. Und wenn dann sechs Monate später die Nacht am tiefsten und am längsten ist und der kosmische Wendepunkt am anderen Ende des Jahres erreicht, dann werden die Nächte kürzer und die Sonne beginnt zu erstarken. Das ist dann Weihnachten. Die Heilige Nacht ist die dunkelste Nacht des Jahres. In dieser Nacht wird Christus geboren.

Der Tag des Wüstenpredigers Johannes, des radikalen Propheten der Gerechtigkeit, des Antikorruptionsbeauftragten der Bibel, des kompromisslosen Alternativen, der von Honig lebt und Tierfelle trägt, der Tag des Asketen, der Tag des Märtyrers, dessen Kopf der Königin Herodias auf dem Silbertablett serviert wurde, ist ein hochaufgeladener Tag, bei dem sich heidnische und christliche Bräuche vermischen. Weltlich und heilig fallen hier in eins. Da mischen sich Kultur und Natur, Gott und die Welt. Auf der einen Seite der doch eher humorlose Ernst des Wüstenpredigers, der die geistlichen Eliten des Judentums als Schlangen bezeichnet, der Umkehr fordert und die Radikalität eines geistigen und politischen Neuanfangs. Er donnert für die Gerechtigkeit, für den Ausgleich von Unten und Oben, von Arm und Reich und für einen neuen Lebensstil.

Jesus hatte die andere Seite: die närrische und leichtsinnige, die fröhliche, großzügige und feierliche. Er saß gern zu Tisch und konnte das Leben in vollen Zügen genießen. Auch das hat seinen Spiegel in den Festen des Johannistages. Der Spaß, das sind die unzähligen Bräuche, die sich rund um den Tag der längsten Sonne angesiedelt haben. Dazu zählen Paare, die übers Feuer springen, weithin leuchtende Berggipfel, Johanniskraut, Johannisbeeren, Johanniskäfer, der Anfang einer leuchtenden Geschichte für die Welt. Auch Johanniskuchen gab es in manchen Gegenden. Den buk man im gemeinsamen Backofen in der Dorfmitte und trug ihn heiß, buttrig und dampfend nach Hause – so entstand die Redewendung vom »Hans Dampf in allen Gassen«. Der Johannes ist an diesem Tag überall präsent. Er markiert den einen Höhepunkt des Jahres. Die Nacht ist hell und das Dunkel kaum erkennbar. Und doch weiß man, das Dunkel wird jetzt wachsen. Bis es so tief ist, dass das Licht in der Finsternis erscheinen muss. Alle Jahre wieder.

Von Johanna Haberer

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Losung und Lehrtext für Mittwoch, 26. Juni 2019
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