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Andacht

Gott traut den Menschen etwas zu

Auf sein Wort hin

Foto: picture alliance/akg-imagesDie Berufung der Apostel Petrus und Andreas, ein Bild des Künstlers Duccio di Buoninsegna (1255 bis1318). Es ist zu sehen in der National Gallery of Art in Washington.

Foto: eöa/Silke RummelDer frühere Opernsänger Mark Adler ist Pfarrvikar in Georgenhausen im Vorderen Odenwald.

Haben Sie schon mal daran gedacht, noch einmal etwas ganz Neues anzufangen, alles hinter sich zu lassen und ganz von vorne zu beginnen? Viele Menschen denken daran. Wenn es aber einer wirklich macht, dann bekommt er häufig zu hören: Das ist aber mutig! Klar: In dem, was sich bewährt hat, fühlen wir uns sicher. Deshalb heißt es ja auch: Ändere nicht ein funktionierendes System! Und doch bewundern wir die Menschen, die etwas ganz Neues wagen.

Simon Petrus war kein Anfänger, er war ein erfahrener Fischer. Er hat die ganze Nacht gearbeitet, seine Netze ausgeworfen – und nichts gefangen. Müde und frustriert reinigt er seine Netze, als dieser Wanderprediger Jesus einfach sein Boot besteigt und kurzerhand zum Podium für seine Rede umfunktioniert. Wir wissen nicht, was Jesus an diesem Tag zu den Menschen gesagt hat. Aber Simon hat genug gehört. Als Jesus ihn auffordert, noch einmal hinauszufahren und die Netze auszuwerfen, sagt er: »Auf dein Wort hin will ich es tun.« Jesu Wort genügt ihm. Und er fängt so viele Fische, dass sein Boot zu sinken droht. Doch statt sich zu freuen, bekommt er es mit der Angst zu tun. Er spürt, dass etwas ganz Neues auf ihn wartet. Die Fische spielen gar keine Rolle mehr. Er bringt mit seinen Kollegen gerade noch das Boot an Land. Dann verlassen sie alles Vertraute und folgen Jesus nach.

Auf dein Wort hin. In der Bibel gibt es viele Berufungsgeschichten. Menschen, die alles stehen und liegen lassen, einen ganz neuen Weg einschlagen. Mutige Leute, sicher, berufen von Engeln oder durch Stimmen vom Himmel. Aber geht so etwas heute auch noch? Wenn Menschen sagen, sie wären von Gott berufen worden, sind wir doch eher skeptisch. Kann man da sicher sein?

Als ich vor vier Jahren im Alter von 48 Jahren anfing, Theologie zu studieren, um einen kompletten Neuanfang zu versuchen und den Quereinstieg ins Pfarramt zu wagen, da hieß es auch von vielen Seiten: Das ist aber mutig! Ein Engel war mir nicht erschienen und eine Stimme von oben hatte ich auch nicht gehört. Dennoch spürte ich immer deutlicher, dass das der richtige Weg für mich ist. Und dass es Gottes Hand ist, die mich führt. Das hat weniger mit Mut zu tun als vielmehr mit Vertrauen. Und dieses Vertrauen steht auf festem Grund. Auf Gottes Wort: Ich bin bei dir! Vielleicht kann man es den »Mut zu vertrauen« nennen. Und dieses Vertrauen bleibt nicht unbeantwortet. Auf dein Wort hin. Das genügt Simon Petrus. Er weiß nicht, wohin die Reise geht. Er ist voller Selbstzweifel. Nach Jesu Gefangennahme wird ihn der Mut verlassen, er wird ihn sogar verleugnen. Jesus weiß das von Anfang an. Und dennoch nennt er ihn Petrus, den Fels.

Das Vertrauen zu Gott beruht auf Gegenseitigkeit. Gott vertraut auch uns, er traut uns etwas zu. Das muss nicht immer eine radikale Veränderung sein, kein Alles-Zurücklassen. Und Scheitern ist ausdrücklich erlaubt! Wenn wir unser Leben Gott anvertrauen, dann verändert sich etwas, dann entsteht Neues. Und dieses Neue entsteht aus Gottes Wort, sobald unsere Ohren und Herzen offen sind. Vertrauen wir darauf. Auf sein Wort hin.

Mark Adler

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Bibelwort des Tages
Losung und Lehrtext für Freitag, 10. Juli 2020
Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie. Psalm 145,4
Die Gnade mehre sich durch die wachsende Zahl der Glaubenden, und so ströme der Dank reichlich zur Verherrlichung Gottes. 2. Korinther 4,15
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