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Andacht

Dem schwierigen Erbe stellen

Mit Stolpersteinen an das Schicksal ermordeter Menschen erinnern

epd-bild/Norbert NeetzStolpersteine erinnern an vertriebene und deportierte Juden während der NS-Zeit, hier in Seligenstadt. In vielen deutschen und europäischen Städten hat der Kölner Bildhauer Gunter Demnig mittlerweile viele Tausende kleine Betonquader mit beschrifteten Messingplatten verlegt. In einigen Kirchengemeinden ziehen Konfirmandengruppen los, um diese Platten zu polieren.

privatDaniel Kempin ist Kantor des Egalitären Minjan in Frankfurt. Seit Jahrzehnten engagiert er sich für den interreligiösen Dialog, ist Mitglied im Rat der Religionen sowie Co-Leiter des Interreligiösen Chores Frankfurt.

Die Erinnerung spielt in meinen Berufen als jüdischer Kantor, interreligiöser Chorleiter und Konzertmusiker – wie für das Judentum überhaupt – eine zentrale Rolle. Der Schabbat ist verknüpft mit der Doppel-Erinnerung an das Ruhen des Ewigen am siebten Tag und an den Anfang des jüdischen Volkes: die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens. Überhaupt erinnern viele jüdische Feste an historische Ereignisse. Darunter die Erfahrungen zahlreicher Formen der Judenfeindschaft, das Ringen um einen angemessenen, in die Zukunft blickenden Umgang sowie auf das Vertrauen in Gottes für uns unbegreifliches Handeln.

In der Liturgie gibt es viele Momente des Innehaltens. Zur »Jorzajt«, am Jahrestag von Verstorbenen etwa sprechen die Teilnehmer im Gottesdienst das Kaddisch. An bestimmten Feiertagen kann jemand zudem für enge Familienangehörige das »El male rachamim«-Gebet sprechen. Gegen Ende heißt es: »Im Garten Eden mögen sie ihre Ruhe finden. Der Herr des Erbarmens möge sie auf ewig unter Seinen Fittichen beschützen und ihre Seelen in den Bund der ewig Lebenden einschließen.«

Dieses Gebet singe ich in Gottesdiensten, bei Beerdigungen und auch zum 27. Januar. So sang ich es auch in Berlin bei der Verlegung von acht Stolpersteinen für Angehörige unserer Familie. Die Zeremonie, die wir gestalteten, hat mich zutiefst bewegt. Zu jeder Person in der Eltern- bis Urgroßeltern-Generation gab es detaillierte biografische Hintergründe und Fotos. So standen wir, angereist aus allen Teilen Deutschlands, aus Frankreich, Großbritannien, Israel und Australien, um der Ermordeten und unserer gemeinsamen Herkunft zu gedenken.

Anschließend saßen wir in einem koscheren Restaurant und tauschten uns ausführlich aus. Das prägende Erlebnis: Wir waren zusammengekommen, um uns des Verlustes gewahr zu werden. Dabei hatten wir uns – die wir uns zum Teil nicht kannten – zugleich gefunden und neu entdeckt. Seither gibt es einen Austausch.

Meine Generation von Jüdinnen und Juden ist eine, die den Schmerz der Eltern und Großeltern aufgesogen hat und gleichzeitig neue Visionen entwickelt. Dafür steht in Frankfurt die Gründung des Egalitären Minjan vor gut 25 Jahren (Anm. der Redaktion: eine Synagogengemeinschaft der liberalen Juden. Minjan bedeutet zehn Personen, die Mindestzahl für einen Gottesdienst. Egalitär steht für Gleichberechtigung). Wir wollten nicht nur eine zweite Generation sein, sondern die erste Generation nach der Schoah. Wir wollten nicht mehr auf gepackten Koffern sitzen, nicht wie Lots Frau zurückschauen und erstarren, sondern aufbrechen, die jüdische Religion neu beleben, religiöse Strukturen schaffen. Wie schön, dass unsere Kinder mit einer Selbstverständlichkeit in einer Tradition aufwuchsen, die wir uns noch hart erarbeiten mussten!

Wie gehen wir in der deutschen Gesellschaft mit dem 27. Januar um, dem Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz? Es ist schön zu wissen, dass es Christinnen und Christen, aber auch Andere gibt, die sich angesichts solcher Gedenktage immer wieder dem eigenen, schwierigen Erbe stellen. Neue Formen der Erinnerung zu entwickeln und einen ganz eigenen Zugang zu gewinnen ist notwendiger denn je! Möge sich auch der Ewige unser erinnern! Wenn dieses Bild in der Bibel auftaucht, wendet sich etwas zum Guten. Von Daniel Kempin

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Bibelwort des Tages
Losung und Lehrtext für Samstag, 25. January 2020
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Jesaja 40,28
Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. Römer 15,13
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