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Andacht

Gott sieht dich anders

Auf der Seite des Siegers – auch wenn alles dagegen spricht

francescoch/iStockWelches Bild habe ich von mir? Wie sehen mich die anderen? Wer bin ich in Gottes Augen?

privatReiner Braun ist Pfarrer in Dautphe und Lehrbeauftragter für Hessische Kirchengeschichte an der Universität Mainz.

Martin aß gerne und viel. Das war seine große Lust. Aber auch mit den Jahren eine immer größere Last. Bis zu 280 Kilo brachte er auf die Waage. Wenn er jemanden besuchen wollte, musste er gefahren werden. Und er musste sich einen sehr stabilen Hocker mitbringen, denn jede normale Sitzgelegenheit wäre unter seinem Gewicht zusammengebrochen. Martin war zutiefst unglücklich mit seinem Körper. Darum ließ er alles über sich ergehen, was medizinisch möglich war. Ohne Erfolg.

Martin war evangelischer Christ, hatte sich nach einer Banklehre für einen hauptamtlichen Dienst in der Kirche entschieden. Er sang in einem Gospelchor. Und er suchte Seelsorge in seiner körperlichen Not. Er betete und ließ für sich beten. Doch an seinem Gewicht änderte sich nichts Entscheidendes. Martin bekam es einfach nicht hin, auch nicht mit dem Glauben. Wie oft wird sich Martin gefragt haben – oder gefragt worden sein: Wenn du deine Essgewohnheiten nicht in den Griff bekommst, glaubst du wohl nicht richtig oder nicht fest genug. Die Bibel und gläubige Menschen erzählen immer wieder davon, dass der Glaube das Leben heilsam verändert. Aber du bleibst dahinter zurück.

Nach einigen Jahren des Scheiterns suchte Martin wieder seinen Seelsorger auf. Dieser merkte, dass Martin am Ende war mit allen seinen medizinischen und geistlichen Möglichkeiten. Nun versuchte er, Martin zu helfen, mit seinem Essverhalten und dem Scheitern hinsichtlich aller Veränderungen im Glauben zu leben. Am Ende des Gesprächs gab er Martin einen Bibelvers mit, den er mit der Hand auf ein Kärtchen geschrieben hatte: »Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.« (1. Samuel 16,7) Zu Hause stellte sich Martin das Kärtchen auf und begann, im Blick auf diesen Zuspruch zu leben. Wie die Menschen ihn sahen, konnte er sich denken. Wie sein Spiegelbild auf ihn wirkte, wusste er. Nun aber hatte er schwarz auf weiß: In Gottes Augen zählt das nicht. Gott sieht mich in einem anderen Licht. Das Kärtchen stand noch in seiner Wohnung, als Martin kurz darauf starb.

Beim christlichen Glauben geht es um den, der als Gescheiterter und Besiegter stirbt. Auch Jesus hat versucht, durch geistliche Übungen dem Scheitern entgegenzu- wirken. Er hat mit Gott gerungen. Er hat gebetet. Er hat Psalmen aufgesagt. Und doch ist er in den Augen der anderen gescheitert, hat gelitten, ist gestorben.

Der Kirchenvater Augustinus hat das Zentrum des Glaubens in den Satz gefasst: Jesus ist Sieger, weil er Gescheiterter ist. Davon wird Martin etwas gemerkt haben, wenn er Gospels mitgesungen hat – und dabei für seine besondere Stimme Wertschätzung erfuhr. Davon wird er etwas gemerkt haben, wenn seine Freunde ihn nicht im Stich ließen. Davon wird er etwas gemerkt haben, wenn Bibelworte ihm Geborgenheit gaben – über das Sterben hinaus.

Der Glaube hat ihn über weite Strecken getragen. Als er meinte, mit seinem Glauben am Ende zu sein, hat ihn die Botschaft erreicht: Gott sieht dich anders als die Menschen – und als du dich selbst siehst. Gott stellt dich in ein anderes Licht, in das Licht des Siegers. Auch wenn alles nach Scheitern aussieht, du stehst doch auf der Seite des Siegers. Glaube, auch gegen den Augenschein.

Von Reiner Braun

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Andacht
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Losung und Lehrtext für Samstag, 22. September 2018
Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er. 5.Mose 32,4
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