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Andacht

Schöpfung sucht: liebende Menschen

Luft, Ozeane, Tiere, Pflanzen – sie haben nichts zu sagen, dafür umso mehr zu ertragen

gettyimagesDie Konferenz der Tiere – schön wäre es! Sie haben aber nichts zu melden, müssen erdulden, was Menschen anrichten.

privat/Pietro SuteraMiriam Küllmer-Vogt ist Pfarrerin und Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt.

Jede und jeder braucht einen Fürsprecher, eine Fürsprecherin. Nicht immer, aber an einigen entscheidenden Punkten im Leben. Besonders die, die zu leise sind, um sich selbst Gehör zu verschaffen. Besonders die, die keine Stimme haben. Die Schöpfung ist so eine. Sie hat kein Mitspracherecht, wenn zum Beispiel über die Frage der artgerechten Haltung und des Fleischkonsums gestritten wird. Wilde Tiere sitzen nicht mit in den Planungsrunden, wenn Wälder für neues Bauland gerodet werden sollen. Die Ozeane können nicht mitreden, wenn Öl-Bohrtürme zur Offshore-Förderung gebaut oder giftige Abfälle ins Meer abgelassen werden. Die Luft kann keinen Einspruch erheben, wenn Kosten für Waren berechnet werden und das Kohlendioxid, das beim Transport dieser Waren in die Atmosphäre geschleudert wird, nicht eingepreist wird. Die Blumen auf dem Feld haben nichts zu sagen, dafür umso mehr zu leiden, wenn Glyphosat versprengt wird, ebenso wie die Kolibris, deren Nester zusammen mit den Bäumen im Regenwald verbrennen.

Sie alle haben kein Mitspracherecht, weil die Menschen ihnen keines geben. In der Bibel erteilt Gott den ersten Menschen den Auftrag, über die Schöpfung zu herrschen – und sie zu bewahren. Im Herrschen sind wir ziemlich gut, im Bewahren schlecht.

Mir geht in den vergangenen Monaten immer wieder ein Vers aus der Bibel durch den Kopf: »Die ganze Schöpfung seufzt und sehnt sich danach, dass die Kinder Gottes offenbar werden.« (Römer 8,19) Genau so ist es, denke ich. Die Schöpfung leidet. Sie nimmt hin. Sie duldet. Sie lässt geschehen. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Sie ist dem Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Gelegentlich höre ich sie seufzen. Manchmal ist es ein leises Ächzen, das irgendwann verstummt. Wie das Summen der Insekten. Manchmal ist es ein lautes Stöhnen, wenn die Riesen des Regenwaldes stürzen. Und noch lauter, wenn sich die Stürme über dem Meer erheben und übers Land toben. Wie ein Verzweiflungsschrei: »Hört doch endlich zu! Erkennt doch endlich, dass ihr nicht über der Schöpfung steht, sondern ein Teil von ihr seid!«

Nehmen wir mal an, Gott liebt die Welt, die er geschaffen hat. Und nehmen wir an, Gott sucht und braucht dringend Menschen, durch die er diese Liebe zeigen kann. Menschen, die sich darin als Kinder Gottes erweisen, dass sie lieben.

Kinder Gottes erkennt man nämlich nicht an ihrer Konfessions- oder Religionszugehörigkeit. Nicht daran, welchen Namen sie beim Beten nennen. Man erkennt sie nicht am Parteibuch und nicht an der Gehaltsabrechnung. Auch nicht an ihrer sozialen, nationalen oder kulturellen Herkunft. Kinder Gottes erkennt man daran, dass sie lieben. Dass sie Gott lieben. Das heißt: lieben, was Gott liebt und was Gott ihnen anvertraut hat. Und den Nächsten lieben wie sich selbst. Das bedeutet, sich als Teil einer Gemeinschaft zu begreifen, die in Liebe verbunden ist. Gemeinschaft mit Gott. Gemeinschaft der Menschheit. Gemeinschaft der ganzen Schöpfung.

Nun könnte man sagen: »Dann ist ja letztlich alles das Gleiche.« Stimmt. Letztlich ist es dreimal das Gleiche: Liebe! Im Kleinen wie im Großen. Kinder Gottes werden erkennbar in einer Liebe, die sich in die Umarmung der ganzen Schöpfung hineingibt.Von Miriam Küllmer-Vogt

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Bibelwort des Tages
Losung und Lehrtext für Mittwoch, 23. Oktober 2019
Du wirst mit deinem Gott zurückkehren. Halte fest an Liebe und Recht und hoffe stets auf deinen Gott! Hosea 12,7
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