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Andacht

Augen auf und durch

Gott ist auch dort, wo wir ihn am wenigsten erwarten

Mensi/pixelio.deEine Leiter in den Himmel.

privatSara Kunzi studiert evangelische Theologie in Frankfurt und hat bei der Evangelischen Sonntags-Zeitung ein Praktikum gemacht.

Vor einiger Zeit hat meine Mutter immer die Augen zusammengekniffen, wenn sie etwas lesen wollte. »Ich muss mir dringend neue Kontaktlinsen besorgen, meine jetzigen sind total zerkratzt«, sagte sie. Sie ging zum Augenarzt und kam erstaunt zurück: Die Kontaktlinsen sind in Ordnung. Sie hat Grauen Star. Sie ließ sich operieren, danach konnte sie wieder klar sehen. Das war wie eine Offenbarung für sie. Ständig sagte sie zu mir: »Schau mal da, wie saftig grün die Wiese ist. Und der Himmel – so ein tiefes Blau! Und da, die Ampel, die ist ja wirklich richtig rot!« Sie hatte vorher gar nicht gemerkt, dass sie alle Farben nur noch mit einem grauen Schleier sah. Jetzt staunte sie: »Ich bin dankbar, dass ich alles wieder so intensiv sehen kann.«

Manchmal braucht man solche Augenöffner, die einen wieder wahrnehmen lassen, was eigentlich die ganze Zeit schon da war. Bei meiner Mutter war es die Operation. Bei Jakob in der Bibel ist es ein Traum, der ihm die Augen öffnet. Jakob ist an einem Tiefpunkt seines Lebens und das auch noch selbstverschuldet. Er hat seinem Bruder das Erstgeburtsrecht abgeluchst und von seinem Vater dessen Segen ergaunert. Er muss weg von zu Hause und ist zu Fuß unterwegs zu seinem Onkel. Es wird Nacht. Jakob hat kein Quartier und schläft unter freiem Himmel.

Da träumt er: Eine Leiter ragt vom Boden bis in den Himmel, und Engel steigen daran auf und ab. Ein schöner Traum. Ich kann nicht anders, als mir die Leiter in einem hellen, goldenen Licht vorzustellen und die Engel in weißen Gewändern. Alles wirkt rein und weckt ein Gefühl von Wärme. So ein Traum gerade in dieser Situation. Jakob hat sich selbst aus seinem Leben katapultiert und kampiert in der Einöde. Einsam, weg von seiner Familie, fern von Zuhause, aber plötzlich zeigt ihm der Traum eine Verbindung nach oben. Ich würde mir auch eine Leiter in den Himmel wünschen, wenn es mir schlecht geht. Dann würde ich hinaufsteigen, direkt zu Gott und hätte das Gefühl, die Sorgen bleiben unten.

In Jakobs Traum steht Gott oben und sagt zu ihm: »Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.« Und Gott bekräftigt: »Ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.« (1. Mose 28,15)

Ich muss also nicht in den Himmel klettern, um bei Gott zu sein. Gott ist bereits bei mir. Die Leiter ist da, die Verbindung nach oben steht. Der Traum öffnet Jakob die Augen: Gott ist mit ihm – sogar in dieser Einöde, selbst am Tiefpunkt seines Lebens. Am nächsten Morgen sagt Jakob: »Gott ist an dieser Stätte und ich wusste es nicht!« Er nennt den Ort »Bethel«, das bedeutet übersetzt Haus Gottes.

Gelegentlich schleichen sich Zweifel und Sorgen ins Leben und trüben den Blick. Alles erscheint trist und eintönig. Aber Gottes Zuspruch gilt. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht, Gott ist da. Die biblische Geschichte von Jakobs Traum ist für mich ein Augenöffner. Sie erinnert mich daran: Die Leiter, die Himmel und Erde verbindet, steht – gerade da, wo ich sie am wenigsten erwarte. Kann sein, dass ich es wie Jakob erst im Nachhinein merke, aber Gott ist an meiner Seite und meint es gut mit mir. Von Sara Kunzi

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