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Andacht

Endlich einen Ort zu trauern

Sich der Geschichte stellen, ohne vergangenes Unrecht zu verdrängen

picture allianceWohl dem, der weiß, wo sein Angehöriger liegt: Gedenktafeln auf dem deutschen Kriegsgräberfeld in der polnischen Stadt Posen.

privatHarald Aschenbrenner ist Militärpfarrer in Fritzlar.

Am Ende des Kirchenjahres gedenken wir seit den verheerenden Weltkriegen der Opfer jedweder Diktatur und menschenverachtender Systeme. Kriege haben zur Folge, dass Unschuldige sterben und Menschen millionenfach zu Flüchtlingen werden. Dennoch ist für manchen der Volkstrauertag Schnee von gestern. Anschläge wie der in Halle zeigen aber, wie wichtig eine Erinnerungskultur ist, die vergangenes Unrecht weder beschönigt noch verdrängt! Sie bedeutet, sich der Geschichte zu stellen.

Vor einigen Jahren hatte ich das Glück, meine Familiengeschichte aufarbeiten zu können. Während einer Reise zu Partnergemeinden in Estland machten wir Halt in Warschau-Modlin. Mein Opa fiel dort im Januar 1945. Ein halbes Jahr zuvor ist er noch einberufen worden, mit 47 Jahren. Der Grund: Er und seine Familie hatten Kriegsgefangene mit Nahrung und Kleidung versorgt. Es war eine Strafexpedition für ihn. Im Januar 1945 kam das letzte Lebenszeichen in Form eines Briefes. Danach hörten seine Frau und die fünf Kinder nichts mehr von ihm. Ein Kamerad klärte sie in einem Brief über sein Schicksal auf: Er habe einen Volltreffer abbekommen, als er mit einem Gespann unterwegs war.

Für mich war es berührend, diesen Soldatenfriedhof betreten zu können. Mehr als 2500 deutsche Soldaten, die in den Jahren 1939 bis 1945 fielen, sind dort in Massengräbern beerdigt. Auf den Erinnerungsstelen fand ich weder seinen Namen noch ein Grab von ihm. Aber ich spürte die Nähe zu ihm. Endlich hatte ich einen Ort, an dem ich die Trauer der ganzen Großfamilie ablegen konnte.

Eine große Ruhe und Erleichterung, eine tiefe Erlösung ergriff mich. Ich weiß nun: Hier, in diesem wunderschönen Stück Polen, hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Ein Satz aus dem Hebräerbrief fiel mir ein: »Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir« (Hebräer 13,14). Mein Opa kam nicht zurück. Seine Kinder wuchsen ohne ihn heran. Ein Schicksal wie Millionen andere es tragen müssen – leider bis heute.

Auch unser Parlament schickt deutsche Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten zu Friedensmissionen in die Welt, um Menschen in Ländern wie Mali oder Afghanistan ein normales Leben zu ermöglichen. Angehörige der Bundeswehr und der Polizei haben dort ihr Leben lassen müssen. Wenn dieser Tag des Mahnens einen Sinn hat, dann den, Frieden zu schließen.

Frieden kann aber nur der schließen, der mit Gott und in sich Frieden gefunden hat. Dazu gehört es, sich der Geschichte zu stellen, denn erinnern heißt lernen. Und alle Hoffnung auf Gott zu werfen, dass unsere Vergänglichkeit nicht im Nichts endet, sondern in Gottes Heimat, die er uns jenseits dieser Welt bereitet. Das ist keine Jenseitsvertröstung, sondern der stete Ansporn, unsere Welt lebenswert zu machen: für uns und unsere Nachkommen ebensowie für jene, die anders denken, glauben oder aussehen. Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein! Von Harald Aschenbrenner

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Andacht
Bibelwort des Tages
Losung und Lehrtext für Mittwoch, 13. November 2019
Er wird herrlich werden bis an die Enden der Erde. Micha 5,3
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