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Andacht

Im Widerspruch neue Wege finden

Einigkeit ist nicht automatisch als Ausdruck von Gottes Segen zu interpretieren

picture alliance / dpaDie Klimabewegung »Fridays for Future« ruft auf dem Berliner Invalidenplatz zum Protest gegen das Kohleausstiegsgesetz auf. Alle Aktivisten tragen vorschriftsmäßig eine Mund-Nasen-Bedeckung und halten Abstand.

Annette RiedlMatthias Braun ist Stadtjugendpfarrer in Mainz.

Manche Sätze wirken lange nach. Zum Beispiel diese: »Als ich in die Jungschar ging, waren wir alle einig miteinander. Es lag so ein Segen darauf. Da war Gott uns nah.« Mich beschäftigen diese Aussagen. Vor allem wohl deshalb, weil ich Einigkeit nicht automatisch als Zeichen für Gottes Segen erlebe.
Bitte nicht falsch verstehen! Wo sich Menschen untereinander einigen, rede auch ich von Segen. Weil ich es als Gottesgeschenk betrachte, wenn sich zwei oder mehr unterschiedliche Menschen oder soziale Gruppen friedlich die Hand reichen. Aber bedeutet Einigkeit immer Segen oder Gottes Nähe? Ich glaube das nicht.

Gott braucht Jeremia und seinen Widerspruch

Widerspruch gegen eine einheitliche Meinung gehört zu den Arten und Weisen, wie sich Gott artikuliert. Zumindest in der biblischen Überlieferung. Der Prophet Jeremia zum Beispiel bekommt von Gott einen sehr unbequemen Auftrag. Er soll nämlich den Völkern ihre Fehler und Fehltritte vorhalten, um die Menschen wachzurütteln, damit sie ihr Leben ändern. Oder, um es biblisch zu sagen: Jeremia soll ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, bauen und pflanzen.
Gott braucht Jeremia und seinen Widerspruch, damit Neues anfangen, Gutes entstehen kann. Jeremia wiegelt zunächst ab. Er sei zu jung und habe nicht genug sozialen Status, um solch eine Aufgabe erfüllen zu können. Schließlich willigt er aber ein. Seine Mittel sind nicht Gewalt oder Sachbeschädigung, sondern die offene und ehrliche Rede.
Jeremia prangert besonders soziale Ungerechtigkeit an: Habgier, Rechtsbruch, Betrug und Ausbeutung. Er kritisiert die korrupte Führungsschicht Israels. Er widerspricht denen, die sagen: Mit Gott an unserer Seite wird alles gut. Jeremia hält dagegen: Ändert euer Leben und kümmert euch um die Bedürftigen. Sonst verspielt ihr Gottes Beistand.

Gottes Nähe begegnet im Widerspruch

Später, nachdem der Tempel in Jerusalem zerstört ist, werden genau diese Leute, gegen die sich Jeremia wendet, sagen: Unser Gott ist verloren. Erneut widerspricht Jeremia. »Gott hat Gedanken des Friedens über euch. Gebt ihn nicht auf!« (Jeremia 29,11) Gott zeigt sich bei Jeremia im Widerspruch. Gottes Nähe, seine Anrede, begegnet im Widerspruch. Nicht in Einigkeit.
Diese Struktur lässt sich bei Greta Thunberg und »Fridays for Future« gut erkennen. Junge Menschen widersprechen wie Jeremia den geltenden Regeln. Sicher: Es mag Erwachsene verletzen, was junge Menschen auf den Straßen skandieren, welche Sprüche sie auf Schildern hochhalten.
Aber es ist doch geprägt von Hoffnung, dass Neues entstehen kann. Dass Alt und Jung einen Weg finden, diese Welt zu erhalten. Das ist ganz auf der Linie, die Gott für Jeremia vorgesehen hat.
Als Jugendpfarrer halte ich es für wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass der gewaltfreie Widerspruch – ein Vorrecht der Jugend – Zeichen für Gottes Segen und seine Nähe sein kann. Denn im Widerspruch finden alle miteinander neue Wege und gute Ziele. Von Matthias Braun

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Bibelwort des Tages
Losung und Lehrtext für Dienstag, 11. August 2020
Die Gerechten freuen sich und sind fröhlich vor Gott und freuen sich von Herzen. Psalm 68,4
Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Philipper 4,4
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