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Andacht

»Tröstet, tröstet, redet freundlich ...«

Sprüche wie »Kopf hoch, wird schon wieder« oder »Das Leben geht weiter« helfen nicht

istock/rolloverKinder sind oft leicht zu trösten. Auf dem Arm von Mutter oder Vater funktioniert das meistens ganz gut. Bei Erwachsenen gestaltet sich die Sache schon schwieriger.

privatElisabeth Knecht ist Krankenhausseelsorgerin im Uniklinikum Frankfurt.

Gehen Sie mal zu Herrn K. und trösten Sie ihn ein bisschen! Er hat heute erfahren, dass die Therapie nicht angeschlagen hat.« Ich erinnere mich noch gut, wie mich die Krankenschwester mit diesem Auftrag zu dem Patienten schickte. Ich war noch nicht lange als Klinikseelsorgerin im Dienst. Nur ein bisschen trösten? Ich wollte doch richtig trösten.

»Können Sie heute noch zu Frau Z. kommen? Sie wird morgen operiert und ist voller Angst.« Als ich an ihrem Bett sitze und sie mir von ihrer Angst, von den vielen Enttäuschungen in ihrem Leben erzählt, fragt sie mich auf einmal: »Und wie können Sie mir helfen?« Sie sieht das kleine Büchlein in meiner Hand. Es sind Gebete der Schweizer Theologin und Therapeutin Antje Sabine Naegeli. Danach hatte ich gegriffen, als ich mich auf den Weg zu ihr machte. Ich weiß nicht, warum. »Wollen Sie mir eines vorlesen, bitte?«

Ich lese. »Das ist schön. Kann ich es noch einmal hören«, fragt sie. Aus dieser ersten Begegnung wurde eine lange Begleitung – bis zu ihrem Tod. Und immer kam die Frage: Welches Gebet haben Sie mir heute mitgebracht? Ich weiß, nein – ich hoffe, dass sie in unseren Gesprächen und diesen Gebeten Trost gefunden hat.

»Tröstet, tröstet mein Volk, redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist. Sage den Städten Judas: Seht, da ist euer Gott.« So lesen wir es in der alttestamentlichen Lesung aus dem Propheten Jesaja zum dritten Advent. So hören wir es in den adventlichen Liedern.

Aber mit dem Trost ist das so eine Sache. Der Grat zwischen Trost und Vertröstung ist schmal. Als Kind war es einfach, mich zu trösten. Hatte ich mir wehgetan, nahm mich meine Mutter auf den Schoß, pustete über die Stelle, die wehtat und ein Bonbon ließ mich vollends den Schmerz vergessen. In unserem erwachsenen Leben und Glauben lassen wir uns nicht so leicht trösten. Da stellen sich viele Fragen, Fragen, die nicht so leicht verstummen. Die Frage nach dem Warum, die Frage nach dem Sinn in all dem, was uns widerfährt. Doch in diesen Fragen verbirgt sich die Sehnsucht nach Trost, die Sehnsucht nach der Nähe Gottes und seiner Zuwendung in den Krisen und Belastungen unseres Lebens.

»Tröstet, tröstet, redet freundlich ...« Wie also geht trösten? Wer trösten will, muss sich zu allererst dem Schmerz, der Angst, den Fragen des anderen aussetzen. Auch der eigenen Angst und Hilflosigkeit. Wer trösten will, muss anerkennen, was der andere fühlt und empfindet. Wer trösten will, muss auf Sprüche verzichten. Kein »Kopf hoch, wird schon wieder«, kein »Das Leben geht weiter«, kein »Die Zeit heilt alle Wunden«. Wer trösten will, bleibt da, auch wenn ihm keine tröstlichen Worte, keine Lösung einfällt, auch wenn er den Schmerz nicht wegnehmen kann. Trost kommt von Treue. Treue heißt Dableiben, Mitaushalten, Zuhören. Darauf vertrauen, dass Gott da ist.

In einem Gebet, dass Frau Z. so gerne hörte, heißt es: »Du hast mich getröstet, mein Gott. Ich bin nicht verlassen. Ich gehe weiter auf dem unbegreiflichen Weg, den du mich führst.«

Von Elisabeth Knecht

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Andacht
Bibelwort des Tages
Losung und Lehrtext für Mittwoch, 19. Dezember 2018
Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise. Psalm 19,8
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