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Andacht

Denn die Ernte ist groß

Gott möchte Menschen als seine Partnerinnen und Partner ausrüsten und sie zum Einsatz schicken

EKHNViele Arbeiter im Weinberg: Im Dourotal in Portugals Norden wären die Winzer ohne die tatkräftige Hilfe verloren.

picture alliance/imageBROKERJens Böhm ist Pfarrer und Personaldezernent der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

»Darum bittet den Herrn, dass er Arbeiter in die Ernte schicke.« Wenn ich diese Worte höre, denke ich an den Beginn meines Studiums. Im Wintersemester 1982/83 habe ich das Theologiestudium in Marburg begonnen. Die Erstsemester waren zur Begrüßung in die Aula der Alten Universität eingeladen. Die Aula war gut gefüllt – mehr als 200 Studierende saßen dort. Viele Offizielle sprachen an diesem Tag. Ein Statement habe ich nicht vergessen: »Wir haben Gott um Arbeiterinnen und Arbeiter im Weinberg gebeten – aber doch nicht um so viele.« Wie Gott ein Gebet erhört, lässt er sich dann doch nicht vorschreiben.

»… umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch … verkündigt das Himmelreich, macht Kranke gesund, treibt Dämonen aus«. Der Bibeltext lässt sich nicht so schnell auf den Pfarrdienst übertragen. Die Wanderprediger, die Jesus im Blick hat, die ohne feste Schuhe auf dem Weg sind, sind kaum mit verbeamteten Pfarrerinnen und Pfarrern gleichzusetzen. Die sind in der Regel mit dem Auto unterwegs. Es geht hier nicht um theologisch ausgebildete und kirchlich besoldete Personen. Die Jünger kamen aus unterschiedlichen Berufen. Hier geht es um Christinnen und Christen, die das Himmelreich bezeugen in Wort und Tat, in Beruf und Freizeit, im Ehrenamt und Hauptamt. Und dieses Himmelreich geht nicht in der Verkündigung auf. Diakonie und Seelsorge gehören genauso dazu wie das Eintreten gegen Dämonen. Die Dämonen unserer Zeit heißen Nationalismus, Hetze und Hass.

»… als Jesus die Menschen sah, jammerte ihn« oder in einer anderen Übersetzung: »Jesus sah die vielen Menschen und wurde von einem tiefen Mitgefühl für sie bewegt.« Aus vielen Menschen wird ein einzelner Mensch. Aus der Masse werden Gesichter mit ihren Geschichten. Mitgefühl – das geht nur für konkrete Personen. Für einzelne Menschen auf der Flucht, in Krankheit, in psychischen Notlagen. Jesus verleiht seinen Jüngern und Jüngerinnen die Fähigkeit, mitfühlend zu sein. Konkretion schlägt Verallgemeinerung. Gott erwählt Menschen zu Partnerinnen und Partnern für das Mitgefühl – schenkt ihnen die Fähigkeit, die eigenen Gefühle in das konkrete Leben eines anderen Menschen einzuweben.

Wenn Christen dafür beten, dass Gott Arbeiterinnen und Arbeiter zum Ernten schickt, dass er Menschen als seine Partner und Partnerinnen ausrüsten will, dann sollte niemand überrascht sein, wenn diese Menschen auch kommen. Wenn Christen Gott um Mitgefühl bitten, werden sie viele Menschen in ihren Gemeinden finden, die sich für konkrete Notlagen einsetzen. Aber auch außerhalb der Kirche lässt sich das Himmelreich entdecken. Die Kapitänin der »Sea-Watch 3« – Carola Rackete – hat 40 geflüchtete Menschen in den Hafen von Lampedusa gebracht. Für die italienische Regierung gehört sie ins Gefängnis. Für mich ist sie eine Partnerin Gottes, die die Fähigkeit hat mitzufühlen.

Von Jens Böhm

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