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Andacht

Frieden, Freiheit und Brot

Soldaten sind nicht per se schuldig, aber auch nicht automatisch Helden

Privat/Alexander LiermannDer Ehrenhain in einem Bundeswehr-Feldlager in Afghanistan. Zu den Aufgaben eines Pfarrers gehört es, hier Ansprachen zu halten.

Privat/Alexander LiermannAlexander Liermann aus Mainz war für mehrere Monate als Militärpfarrer in Afghanistan im Einsatz.

Als ich in einem Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan meine Arbeit tat, war es immer wieder die Ansprache am Ehrenhain, die mich forderte. Dabei handelt es sich um die Gedenkstätte für gefallene und verstorbene Soldaten. Zum Gedenken stehen dann 50, 60 Soldaten in Reih und Glied vor der Wand mit den Namen der Toten, wenn politische oder militärische Prominenz zu Besuch ist. Im Feldlager war oft Volkstrauertag. Es schwang dabei immer die Erwartung an einen Heldengedenktag mit – wie schon das Wort Ehrenhain nahelegt. Internationale Soldatenkultur ist an solchen Orten von Heldenverehrung geprägt.

»Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.« So lautet das biblische Leitwort für den vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, den Volkstrauertag. Ist das eine Drohung oder eine Verheißung? Ist damit gemeint: Fürchtet euch nur, denn alle eure bösen Gedanken und auch die bösen Werke, die daraus folgen, sind Gott bekannt und er wird euch spüren lassen, was ihr alles falsch gemacht habt? Wenn es eine Drohung sein soll, dann gilt sie auch Soldaten, Männern, die sich früher oft gegen ihren Willen in einer Riesenarmee wiederfanden, die Weltkriege bis zum bitteren Ende führte. Sie gilt dann auch den Soldaten und Soldatinnen einer demokratisch legitimierten Armee, die schuldig werden können, wenn das eigene Leben auf dem Spiel steht.

Wenn es als Drohung gemeint ist, dass Menschen sich vor dem Richterstuhl Christi wiederfinden, dann gilt sie allen, die sich gegen andere zur Wehr setzen. Nicht unbedingt mit Mitteln, die den Tod bedeuten. Auch mit Ironie, Zynismus, Ausgrenzung und Verleumdung kann man dem Leben jede Freude nehmen.

Aber der Satz »Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi« lässt sich auch als Verheißung betrachten. Vielleicht wird den vielen hunderttausend (oder Millionen?) Soldaten, die keine Krieger sein wollten, die nicht auf Menschen schießen wollten, endlich Gerechtigkeit widerfahren. Denjenigen, die nicht unter dem Zeichen des Eisernen Kreuz bestattet liegen wollten, denen, die aus Panik geschossen haben und es bitter bereuten.

Vielleicht werden die Matrosen, die vor 100 Jahren am Ende des Ersten Weltkriegs in Wilhelmshaven, Kiel und andernorts sich weigerten, zu einer militärischen Wahnsinnstat mit ihren Schiffen auszulaufen, vor Christi Stuhl aufrecht stehen, weil sie dort niemand mehr der Feigheit bezichtigt. Dort wird ihnen Verständnis zuteil dafür, dass sie Frieden, Freiheit und Brot gefordert haben, dass sie sich weigerten, um der Ehre willen in zerschossenen glühenden Stahlkolossen auf den Grund der See zu sinken – einer vielfach überlegenen britischen Flotte ausgeliefert zum Sterben.

Es könnte ein erbarmender Freispruch werden – von allem, was verwirrt, verstört und auf falsche Bahnen lenkt. Dahin, wo am Ende nur Scham und Selbstverfluchung zu Hause ist. Am sogenannten Ehrenhain wollte ich nicht Urteile über tote Soldaten und ihr Leben sprechen.

Sie sind nicht schuldiger, einfach weil sie Soldaten waren. Aber ihr gewaltsamer Tod macht auch keine verehrungswürdigen Helden aus ihnen. Gott wird sich ihrer annehmen, so wie er sich aller annehmen wird. Wir alle leben von seiner und auf seine Gnade hin.

Von Alexander Liermann

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