Evangelische Sonntags-Zeitung

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Liebe ist...


Zwischen Zwist und Liebe

iStock.com/studiomomentZwillinge. So nah können sich Geschwister sein.Zwillinge. So nah können sich Geschwister sein.

»Wie lieblich ist’s, wenn Geschwister einträchtig beieinander wohnen«, schreibt die Bibel – und weiß, dass es nicht immer so ist • Von Martin Vorländer

Es geht gewaltig los. Gleich auf den ersten Seiten der Bibel erschlägt Kain seinen jüngeren Bruder Abel. Es ist aber auch vertrackt. Man hat dieselben Eltern. Man startet unter den scheinbar gleichen Voraussetzungen und hat doch so unterschiedlichen Erfolg. Kain betreibt Ackerbau, eine Zukunftstechnologie von damals, während sein kleiner Bruder einfach Schäfer ist. Doch Kain kann noch so innovativ sein. Allein Abels Opfer findet Gnade bei Gott. Anerkennung ist ein kostbarer Stoff unter Geschwistern und meist ungerecht verteilt. Der eine bekommt sie geschenkt. Der andere kann tun, was er will – er geht leer aus.
 »Du bist ja nur neidisch«, sagt eine Mutter zu ihrem Dreijährigen, der vor Eifersucht platzt, weil sein neugeborenes Brüderchen für jedes Lallen gelobt wird. Stimmt, man kann auf die Schwester und den Bruder neidisch sein. Aber auch das ist ein Gefühl, das genauso verkraftet sein will wie Freude oder Zuneigung.

Die zwei großen Unbekannten in jeder Geschwisterkonstellation

Zwillinge, ob ein- oder zweieiig, sind ein Fall für sich. Vom Mutterleib an nie allein. Immer ist einer da, an dem man sich wahlweise reiben oder wärmen kann. Davon kann Esau ein Lied singen. Sein kleiner Zwillingsbruder Jakob war ihm schon von Geburt an auf den Fersen. So kam er auf die Welt: Er hielt mit seiner Hand die Ferse Esaus. Schon da wollte er seinen Platz einnehmen. Erwachsen geworden luchst Jakob ihm für ein Linsengericht das Erstgeburtsrecht ab und ergaunert sich den väterlichen Segen, der eigentlich für Esau bestimmt ist. Wenig brüderlich oder typisch Bruder – wie man's nimmt.
Gott scheint das nicht zu stören. Im Gegenteil: Jakob kann noch so viel betrügen und lügen. Er ist Gottes Liebling. Für Esau bleibt der Hass im Herzen, von dem er selber spürt, wie er ihn bitter macht. Für Kinder in jeder Familie gibt es die beiden großen Unbekannten: die Liebe der Eltern, die unerklärlich, nicht immer gerecht den einen umhüllt und den anderen ausspart. Und die Liebe Gottes, der Segen, der auf einem Leben liegt.
»Verstehen Sie sich gut mit Ihren Geschwistern oder haben Sie schon geerbt?« Das ist die bittere Realität bis heute. Es kommt nicht allein auf das an, was die Eltern an Vermögen unter ihre Kinder verteilen. Es geht auch um so etwas wie den Segen der Eltern, um die Aufmerksamkeit und Liebe, die sie ihren Kindern mitgeben. Wenn sich da einer zurückgesetzt fühlt, ist die Entzweiung unter den Geschwistern kaum zu überbrücken. Die Wut, der Neid und die Enttäuschung sitzen tief.
Umso erstaunlicher ist die Geschichte der Zwillingsbrüder Esau und Jakob. Fern voneinander bauen sie sich ihr Leben auf. Als gemachte Männer begegnen sie sich wieder. Jakob bietet Esau ganze Viehherden zur Wiedergutmachung. Doch der will von den Geschenken nichts wissen: »Ich habe genug, mein Bruder; behalte, was du hast.« Esau braucht nicht das, was sein Bruder hat. Mag sein, dass der ihm übel mitgespielt hat. Aber daran krallt sich sein Herz nicht. Esau weiß, womit sein Leben gesegnet ist. Das löst den Krampf, und beide weinen. Die zwei haben dann übrigens nicht zusammengelebt wie ein Herz und eine Seele. Esau will Jakob unbedingt begleiten. Doch Jakob lehnt ab. Dass der Bruder ihm verziehen hat, ist ihm genug. Vergebung darf man nicht überlasten.
Nach so viel Konflikt gönnt uns die Bibel zum Aufatmen ein Geschwister-Trio, das sich gegenseitig ergänzt. Mose ist der charismatische Typ, der die Herzen der Leute gewinnt. Nur leider ist er ungeschickt im Reden. Dafür springt ihm der eloquente Aaron bei. Er wird zum Sprachrohr seines Bruders, wenn es darum geht, mit dem Pharao über den Auszug der Israeliten aus Ägypten zu verhandeln. Mirjam, die dritte im Geschwisterbund, sorgt für die nötige Portion Begeisterung, die ein Großprojekt wie das Auswandern eines ganzen Volkes braucht. Als es einen Etappensieg zu feiern gibt, greift sie zur Pauke und stimmt das älteste Lied an, das in der Bibel überliefert ist: »Lasst uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.«
Im Neuen Testament gibt es eine weitere Dreiecksgeschichte unter Geschwistern, die vom Unterschied, aber auch vom Zusammenhalt lebt: die Schwestern Maria und Marta und ihr Bruder Lazarus. Alle drei sind von Jesus begeistert. Der kommt zu Besuch. Marta rackert und tischt auf, damit der hohe Gast bestens umsorgt ist. Maria rührt keinen Finger. Sie sitzt Jesus zu Füßen, um keines seiner Worte zu verpassen. Marta beschwert sich bei Jesus. Doch der weist sie zurecht: »Marta, du hast viel Sorge. Aber Maria hat das gute Teil erwählt.«
Marta macht sich Mühe, Maria macht die Ohren auf. Und Jesus gibt der Haltung derer, die sich anstrengungslos beschenken lässt, den Vorzug. Als Sinnbilder für die »Vita activa«, dem Tätig-Sein, und die »Vita contemplativa«, dem Sich-Besinnen, sind Maria und Marta in die Geschichte des Christentums eingegangen. Beide Spielarten gibt es in jedem. Oft nimmt man die Rolle ein, die noch frei ist. Je mehr der eine macht und tut, desto eher sucht der oder die andere den Gegenpol.

Alle Menschen werden Brüder – und Schwestern

Die schäbig behandelte Marta erfährt übrigens später Gerechtigkeit. Als Lazarus, der Bruder der beiden, gestorben ist, spricht sie zu Jesus das Bekenntnis, das in den Evangelien sonst nur Petrus zugeschrieben wird: »Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes.«
Jesus hat ein unkonventionelles Verständnis von Geschwisterlichkeit. Als er hört, dass seine Familie draußen auf ihn wartete, fragt er: »Wer ist meine Mutter und meine Brüder?« Schaut in die Runde und gibt die Antwort selbst: »Wer Gottes Willen tut, ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.« Harsche Worte. Das klingt nicht nach »Du sollst Vater und Mutter ehren«.
Jesus zeigt eine Verbindung, die über Blutsverwandtschaft hinausgeht. Sein Gebet »Vater unser im Himmel« verpflichtet zu solidarischer Geschwisterlichkeit. Alle Menschen werden Brüder – und Schwestern. Dahinter steht ein hohes Ideal, das die Familie stärkt und übersteigt. Menschen, die Kinder Gottes, gehören zusammen zu der einen bunten Familie Gottes. 

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Von Gott zur Beziehung bestimmt

gobasilZur Impulspost der hessen-nassauischen Kirche gehören auch viele Bildmotive zum Thema Familie.Zur Impulspost der hessen-nassauischen Kirche gehören auch viele Bildmotive zum Thema Familie.

Füreinander Verantwortung übernehmen und sich von der Liebe anderer Menschen getragen wissen • Von Volker Jung

Menschen sind auf Beziehungen angewiesen. Eine große Rolle spielt dabei die Familie. Aber die Formen, in denen ‧Familie gelebt wird, sind weit gefasst.
Menschen sind dazu geschaffen, das Leben miteinander zu teilen. Diese Grundwahrheit menschlichen Lebens ist bereits auf den ersten Seiten der Bibel in dem Satz ausgedrückt: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.« Dieser Vers aus der Schöpfungsgeschichte ist deshalb nicht umsonst eine tragende Säule unserer neuen Impulspost-Aktion. In diesen Tagen gehen rund eine Million Briefe zum Thema Familie in alle evangelischen Haushalte in unserem Kirchengebiet zwischen Biedenkopf und Neckarsteinach.
Tatsächlich leben Menschen von Beziehungen und in Beziehungen. Im Kern steht für viele Menschen eine enge, vertrauensvolle und auch intime Beziehung zu einer Partnerin oder einem Partner. Doch der Kreis der Beziehungen ist weiter gesteckt. Säuglinge und kleine Kinder sind ganz darauf angewiesen, dass Eltern und andere Menschen für sie da sind. Heranwachsende Kinder und Jugendliche brauchen Menschen, die für sie sorgen, die ihnen Orientierung geben – in Ermutigung und auch in Widerspruch. Ältere und alte Menschen sind oft in Situationen, in denen sie hilfs- oder auch pflegebedürftig sind. Schließlich gehören auch freundschaftliche, berufliche und andere Kontakte zum Beziehungsgeflecht menschlichen Lebens hinzu.

Biologische Deutung reicht für die Tiefe der Schöpfung nicht aus

»Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.« In der alten Erzählung von der Schöpfung der Welt, in der diese Worte stehen, wird beschrieben, dass Gott eben nicht nur einen Menschen schuf, sondern – wie es wörtlich heißt – eine »Hilfe als sein Gegenüber«. Im Hintergrund dieser Geschichte steht natürlich die Erfahrung, dass Menschen als Mann und Frau geschaffen sind und sie Kinder zeugen können. Aber eine rein biologische Deutung schöpft die Tiefe dieses Gedankens bei weitem nicht aus. »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei« besagt vielmehr, dass Menschen von Gott dazu bestimmt sind, in Beziehungen zu leben. Menschliches Leben kann nicht gelingen, wenn Menschen sich selbst gleichsam »beziehungslos« verstehen oder andere Menschen nur für sich selbst »nutzen«.
Ohne Zweifel: Eine besondere Rolle im Geflecht menschlicher Beziehungen spielt nach wie vor die Familie. Das heißt, die Beziehung zu den eigenen Eltern, den eigenen Kindern und dem Kreis all derer, die mit diesen wiederum verwandtschaftlich verbunden sind. In den alttestamentlichen Traditionen ist die Familie bereits ein besonders geschützter Raum. Darauf verweisen die Gebote: »Du sollst Vater und Mutter ehren« und »Du sollst nicht ehebrechen«. Aus dieser Tradition heraus hat sich auch der besondere Schutz für Ehe und Familie entwickelt, wie er im Grundgesetz unseres Staates festgelegt ist.
Beachtenswert ist allerdings, dass in den Texten der Bibel durchaus unterschiedliche Formen erwähnt werden, in denen Familie gelebt wird. Die Bandbreite reicht von der Familie mit mehreren Frauen bis hin zum antiken Hausstand mit Sklavinnen und Sklaven. Oder sogar einer Kritik an einem auf die Herkunftsfamilie reduzierten Verständnis von Familie. So sagt Jesus einmal, als er auf seine Mutter und seine Geschwister angesprochen wird, die draußen vor der Tür stehen und mit ihm reden wollen: »Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? …Wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.« (Matthäus 12, 48-50) Wer die Bibel aufmerksam liest, wird auch entdecken: Familie wird außerdem nicht nur als ein Ort des erfahrenen Segens beschrieben, sondern durchaus kritisch auch als ein Ort, an dem Menschen aufgrund von Hass und Neid aneinander scheitern und aneinander schuldig werden können. Familie ist deshalb nicht der Ort, an dem Menschen in einem umfassenden Sinn Erlösung und Heil erfahren. Meines Erachtens ist in biblischer Perspektive gut zu erkennen: Es geht nicht darum, Familie zu idealisieren, sondern gemeinsam zu gestalten.
Familie ist immer etwas Besonderes. Die engsten und ersten Beziehungen, in die Menschen hineingeboren werden und hineingestellt sind, sind in der Familie angesiedelt. Sie sind deshalb auch so außerordentlich wichtig. Eine dauerhafte und verlässliche Partnerschaft stärkt Menschen und hilft, generationsübergreifend Verantwortung zu übernehmen. Für Kinder ist es das Wichtigste, wenn sie sich von der Liebe ihrer Eltern getragen und gehalten wissen.

Kirche will helfen, Familie zu leben

In unserer modernen Gesellschaft wird Familie in unterschiedlichen Formen gelebt. Viele leben Familie in der »klassischen« Form – Mutter, Vater, ein Kind oder mehrere Kinder. Manche leben Familie in sogenannten »Patchwork-Familien«. Auch Alleinerziehende mit Kindern leben Familie und auch das kinderlose Paar, das sich zum Beispiel um die pflegebedürftigen Eltern kümmert. Familie wird auch von gleichgeschlechtlichen Paaren mit oder ohne Kinder gelebt.
Familien stärken bedeutet heute, die Vielfalt wahrzunehmen, in der Familie gelebt wird. Und es bedeutet, Menschen zu ermutigen, verlässlich, dauerhaft und verbindlich Verantwortung füreinander zu übernehmen. Für die Kirche stellt sich die Aufgabe, an gesellschaftlichen Bedingungen mitzuarbeiten, die Menschen helfen, Familie zu leben, und Familien in allen Wechselfällen des Lebens segensvoll zu begleiten. Unsere neue Impulspost-Aktion »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei«, ist dazu ein Beitrag. 

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Aber die Liebe ...

pixelio.de/FotoHieroLiebesschlösser an einem Brückengeländer.Liebesschlösser an einem Brückengeländer.

Foto: © FotoHiero / pixelio.de (www.pixelio.de)

... ist die größte, schrieb der Apostel Paulus und ahnte nicht, was der Valentinstag aus ihr macht • Von Martin Vorländer

Großes Bohei um die Liebe am 14. Februar. Wie geht es ihr sonst? So schlecht nicht, zumindest was die Statistik betrifft. Die Zahl der Scheidungen ging laut der jüngsten Erhebung 2013 um 5, 2 Prozent zurück. Die Dauer einer Ehe bis zur Scheidung stieg im Durchschnitt auf gut 14 Jahre. Die meisten Menschen sehnen sich nach Liebe. Sie zu finden, ist schwieriger geworden.
Die Liebe eifert nicht, schreibt Paulus. Sie tut es in der Moderne doch. »Der Heirats- oder Beziehungsmarkt ist ein hochgradig wettbewerbsorientierter Markt«, analysiert die evangelische Theologin Isolde Karle in ihrem Buch »Liebe in der Moderne«. Die Konsumkultur hat die Liebe erfasst. Sie ist zum Projekt geworden, das jeder für sich verwirklichen soll. Das Ich-Kapital steigert, wer in körperliche Attraktivität investiert.
Die Liebe rechnet nicht, schreibt Paulus. In den Internet-Kontaktbörsen zählt jeder Vorzug, den das virtuelle Gegenüber wiegt und oft für zu leicht befindet. Das Buffet der Partnerwahl ist reich gedeckt. Je zahlreicher die Möglichkeiten, desto schwerer fällt die Entscheidung für den einen oder die eine. »Die Ansprüche steigen ins Unermessliche. Moderne Beziehungen operieren deshalb stets am Rande der Enttäuschung«, warnt Karle. Glaube und Liebe haben laut Karle gemeinsam: Beide passen weder ins Kosten-Nutzen-Kalkül noch ins Konsum-Schema.
Die Liebe lässt sich nicht erbittern, schreibt Paulus. Liebe ist ohne Enttäuschung nicht zu haben. Menschen sind endlich. Das begrenzt ihre Fähigkeit, zu lieben. Diese nüchtern-biblische Einsicht schützt davor, sich selbst und den anderen in der Liebe zu überfordern. Liebe erlöst nicht von allen Problemen. Sie ist keine Garantie auf Lebensglück. »Die Ehe ist zwar eine das ganze Leben betreffende, aber keine totale Gemeinschaft«, schreibt Karle. Schon Paulus rät Eheleuten, sich unabhängige Zeit voneinander zu gönnen. (1. Korinther 7)
Der Mensch in der Bibel hat nicht einen Leib. Er ist Leib. Körper, Geist und Seele gehören zusammen. »Sie werden sein ein Fleisch« nennt das poetisch der Schöpfungsbericht der Bibel. Adam und Eva fühlen sich zueinander hingezogen – zunächst unabhängig von Fortpflanzung. Kinder kommen erst nach dem Sündenfall dazu. Darum haben die Reformatoren Sexualität bejaht. Martin Luther hielt Sexualität für so selbstverständlich wie Essen und Trinken. Dabei verstand die Reformation Sexualität nicht losgelöst, sondern eingebunden in eine Liebesbeziehung.
Das »sexualitätsfreundliche Erbe« der Reformation »sollte die evangelische Kirche in den derzeitigen ökumenischen Diskursen über Sexualität profilierter zur Geltung bringen«, fordert Karle und prescht damit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) voraus. Die hat für ihr Familien-Papier 2013 vielfach Prügel bezogen, weil sie darin neben der Ehe auch andere Formen des Zusammenlebens würdigt. Aus Furcht vor neuem Ärger verstaubt seitdem ein EKD-Text zu Sexualethik in der Schublade.
Die Liebe hört niemals auf, schreibt Paulus. Allen Abgesängen auf die Ehe zum Trotz gaben sich 373 660 Paare 2013 das Ja-Wort. Gesine Wulf und Hannes Leitlein lassen in dem Buch »Warum wir heiraten« zwölf Paare erzählen . »Wir haben uns dazu entschlossen, als eines der letzten jungen Paare zu heiraten. Haltet uns für altmodisch, aber wir glauben, wir lösen damit einen neuen Trend aus«, laden Valeria und Andrej zu ihrer Hochzeit ein. Sie kennen sich seit der Schule.

Den Mutigen gehört die Welt

Beide sind als Kinder aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Irgendwann stellten sie fest, wie viel sie sich zu erzählen haben über das Fremdsein und das Hiersein in Deutschland. Verliebt im März, verlobt im Herbst. Verheiratet fünf Jahre später. Da ist Valeria 21, Andrej 25. »Den Mutigen gehört die Welt«, lassen sie in ihre Eheringe gravieren.
Die Liebe erträgt alles, schreibt Paulus. »Wie der das mit mir aushält«, sagt Lili über Christian. Die beiden, 24 und 28, haben schon viel gemeinsam bewältigt. Sie hat ihm geholfen, seinen Berufstraum Fotograf zu verwirklichen. Sie waren arm, aber verliebt. Jetzt geht es bei beiden beruflich aufwärts. Gerade da ziehen schwarze Wolken auf. Lili steht morgens nicht mehr auf. Christian entdeckt eine Wunde an ihrem Oberschenkel. Sie hat sich mit dem Taschenmesser selbst verletzt. Da weiß er: »Ich bin überfordert, da müssen Profis ran.« Er bringt Lili in eine psychiatrische Klinik. »Rezidivierende Depression« heißt die Diagnose. Eine Depression, die immer wiederkommt. Für beide schwer. Aber sie bleiben zusammen. »Stimmt, du bist wahnsinnig anstrengend«, sagt Christian zu Lili. »Aber auch wahnsinnig aufregend.« »Und ich«, erwidert Lili, »habe immer an dich geglaubt.« Dieses und sechs andere Paare hat Ursula Ott getroffen und deren Geschichten in dem Buch »Was Liebe aushält« aufgeschrieben.
Die Liebe ist langmütig, schreibt Paulus. Was geschieht, wenn die Liebe im Alltag angekommen ist? In ihrem Buch »Göttergatten, Schwiegermütter und himmlische Sonntage« legt die Münchner Regionalbischöfin und Autorin Susanne Breit-Keßler Paaren die biblischen Zehn Gebote als Leitfaden für eine glückliche Ehe ans Herz. Das erste Gebot »Gott ist der Herr« entlaste vom »Terror der totalen Verantwortung für das eigene und das gemeinsame Leben«. Das fünfte Gebot »Du sollst nicht töten« schärft die Aufmerksamkeit, was die Liebe tötet. Gegenseitiges Aufrechnen zum Beispiel à la »immer bist du, nie machst du«. Das sechste Gebot ist ohnehin für die Ehe gemacht: »Du sollst nicht ehebrechen.« Ist ein Flirt schon tabu? Die Distanz ist kurz »zwischen Flirt und dem Räkeln zwischen Laken«.
Liebe in der Bibel ist nicht Haben-Wollen, sondern Hingabe. In der Liebe ist man außer sich und ganz beim anderen. Erstaunlicherweise gewinnt man dabei eine neue, ungeahnte Nähe zu sich selbst. Die Liebe, schreibt Paulus, ist die größte. 

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Frau oder Mann – alles Wurst?

Picture-Alliance/Jörg CarstensenWie ein Phönix aus der Asche. Mit diesem Titel hat Conchita Wurst am 10. Mai in Kopenhagen den Eurovision Song Contest gewonnen. Sängerin mit Bart: Adam und Eva in einem Menschen?Wie ein Phönix aus der Asche. Mit diesem Titel hat Conchita Wurst am 10. Mai in Kopenhagen den Eurovision Song Contest gewonnen. Sängerin mit Bart: Adam und Eva in einem Menschen?

Die Diskussion um das »Mannweib« Conchita und was die Bibel über den kleinen Unterschied sagt • Von Peter Scherle

An Conchita Wurst scheiden sich die Geister. Die einen feiern das erste Bondgirl mit Bart als Paradiesvogel und lebenden Beweis, wie tolerant Europa ist. Für die anderen ist Wurst ein Unglücksrabe und verkörpert den Untergang des christlichen Abendlandes. Wie groß oder klein ist der Unterschied zwischen Mann und Frau und darf man ihn verwischen? Was lässt sich biblisch-theologisch dazu sagen?

Haben Sie überhaupt noch Worte?«, fragte die dänische Moderatorin, als Conchita Wurst sichtlich überwältigt die Siegestrophäe des Eurovision Song Contest überreicht bekam. »Doch, habe ich!«, sagte die Sängerin mit Bart. »Dieser Abend ist allen gewidmet, die an die Zukunft von Frieden und Freiheit glauben.« Das sehen andere anders. Der serbisch-orthodoxe Metropolit von Montenegro, Amfilohije, hat Conchita Wurst die Schuld an den Überschwemmungen in Serbien gegeben. Sie sei beispielhaft »für den verirrten Weg unserer Gesellschaft«. Frau und Mann in einem – Erinnerung ans Paradies oder Verstoß gegen die Natur?

Zu Christus gehören, das ist entscheidend

Conchita Wurst als Kunstfigur provoziert unsere Vorstellungen von dem, was natürlich ist und was nicht. Wann ist ein Mann ein Mann, eine Frau eine Frau? Das ist kulturell geprägt. Marlene Dietrich in ihren jungen Jahren löste noch einen Skandal aus, als sie Smoking trug. Heute gehört der Hosenanzug selbstverständlich zur Damengarderobe. Röcke für Männer – bei den Schotten Tradition, bei uns eher ungewöhnlich. Vom Neuen Testament her betrachtet sind alle Beschreibungen, welches Geschlecht man hat, unerheblich. Zu Christus gehören, das ist entscheidend. Frau, Mann – im Angesicht des Reiches Gottes sind das keine endgültigen Festlegungen. »Wer den Willen Gottes tut«, sagt Jesus, »ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter« (Markus 3, 35). 

In der Debatte um Conchita Wurst treffen zwei konträre Sichtweisen über die »Natur« des Menschen aufeinander. Die einen gehen davon aus, dass die Zweigeschlechtlichkeit in der Natur, also in den Genen vorgeschrieben sei. Demnach gebe es nur zwei Geschlechter, beide grundverschieden. Der Unterschied zwischen Frau und Mann diene der Fortpflanzung. Die anderen gehen davon aus: Menschliche Keimzellen sind erst einmal geschlechtlich neutral, weder Mann noch Frau. Sie sind gewissermaßen pluripotent, hätten also viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Sie seien nicht zwingend nur auf Vermehrung angelegt. 

»Mädchen oder Junge?« Alles andere gilt als abweichend

Vielen erscheint als »natürlich«, dass es nur zwei Geschlechter gibt. So ist unsere Welt eingerichtet: In öffentlichen Räumen werden Toiletten und Waschräume nach Frauen und Männern getrennt. Kleidung und Körperhaltung definieren die Geschlechtsrollen, so dass Frau und Mann eindeutig identifizierbar scheinen. Selbst psychische Muster werden nach Geschlecht kategorisiert. Die eine Eigenschaft gilt als typisch »männlich«, die andere als typisch »weiblich«: der »tapfere Junge«, die »Heulsuse«, »Mutterinstinkt«, »Vatergefühle«. Wenn Menschen nicht der Zuordnung von Frau oder Mann entsprechen, gelten sie schnell als »krank« oder »abweichend«. Bis heute wird nach der Geburt sofort eine geschlechtliche Zuordnung vorgenommen: »Mädchen oder Junge?« Lässt sich die Frage biologisch nicht eindeutig beantworten, wurde früher die Zuordnung sehr schnell operativ hergestellt. Das geschieht auch heute noch. Doch die Ärztinnen und Ärzte sind mit Operationen vorsichtiger geworden. Sie empfehlen, mit Eingriffen bis zum Jugendalter zu warten. 

Eine vermeintlich gottgegebene Ordnung bewahren

Erstmals im Jahr 2013 hat ein Mensch in Australien erreicht, dass in seinem Pass statt »männlich« oder »weiblich« ein »X« für Intersexuell eingetragen wurde. In Deutschland ermöglicht das Personenstandsrecht seit 2013 den Verzicht auf eine Eintragung des Geschlechts, wenn dieses nicht eindeutig in die Kategorien männlich oder weiblich passt. 

Mann oder Frau, von Anfang an genetisch vorgeschrieben. So sehen es die einen. Andere halten dagegen: Die Entwicklung zu Frau oder Mann ist ein komplexer Prozess. Auch biologisch ist ein werdender Mensch nicht zwingend auf Hoden hier, Eierstock dort festgelegt. Die »Natur« bringt eine Vielfalt von Menschen hervor. In den aktuellen Debatten sind viele Menschen entrüstet, wenn die Kirche nicht das vertritt, was als »natürlich« erscheint. Ein Teil der Empörung über die evangelische Kirche speist sich aus der Erwartung: Wenigstens die Kirchen müssten doch eine vermeintlich gottgegebene Ordnung bewahren. 

Doch in der Bibel sind die Zweigeschlechtlichkeit und Geschlechterordnung keineswegs »natürlich« oder eine gottgegebene Schöpfungsordnung. In den Bibelwissenschaften hat sich längst eine Lesart der Geschichte der Geschlechter etabliert, die vermutlich staunen lässt. Das erste menschliche Wesen ist geschlechtlich nicht festgelegt: Adam, aus dem Hebräischen übersetzt: der Erdling. Erst als Gott Adam in einen Schlaf fallen lässt und aus seiner Rippe Eva formt, werden aus dem Erdling »Isch« und »Ischah«: zwei Menschen, die sich zwar als Mann und Frau erkennen, aber als ähnlich: »Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.« 

Geschlechterkampf gehört nicht ins Paradies

Gott überträgt ihnen gleichberechtigt die Verantwortung für die Erde. Frauenrolle, Männerrolle oder gar Geschlechterkampf gehören keineswegs zum Leben im Paradies. Sie sind vielmehr Folge des Sündenfalls. Erst nach dem Sündenfall werden Kleider zu geschlechtsspezifischen Merkmalen. Nach der Vertreibung aus dem Paradies wird die Erhaltung des Lebens zu einem geschlechtlichen Muster: Die Frauen gebären unter Schmerzen. Die Männer müssen im Schweiße ihres Angesichts für den Lebensunterhalt sorgen und herrschen über die Frauen. Die Schöpfungsgeschichte in der Bibel versucht diese Verhältnisse nicht zu begründen. Sie will einfach verstehen, warum das so geworden ist zwischen Mann und Frau. 

Nicht der König ist Gottes Ebenbild, sondern alle Menschen

Die biblischen Schriften durchzieht von der Schöpfungsgeschichte her eine scharfe Kritik an den Machtverhältnissen zwischen Frau und Mann. »Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und schuf sie als Mann und Frau« (1. Mose 1, 27). Hier geht es nicht darum, die Menschheit in Frau und Mann zu trennen. Die Aussage hat zum Ziel: Nicht der König ist Gottes Ebenbild, sondern alle Menschen, ob männlich oder weiblich. Es geht um die größtmögliche Inklusion. Und da gehört heute auch Conchita Wurst ins Bild. 

Schauen wir weiter ins Neue Testament: In Christus wird alles neu. Auch die Geschlechterverhältnisse. »Da ist weder Jude noch Grieche, weder Herr noch Sklave, weder Mann noch Frau«, schreibt der Apostel Paulus (Galater 3, 28). In Gottes neuer Welt wird eine neue Geschlechterordnung sichtbar, die alle umgreift, bis hin zum geschlechtlich nicht festgelegten Adam, dem ersten Erdling. Paulus schreibt: Durch den einen Menschen Adam ist die Sünde in die Welt gekommen. Durch den einen Menschen Jesus Christus ist die Sünde überwunden (Römer 5). Das wäre wohl missverstanden, wenn die Erlösung nur Adam, dem Mann, gelten würde, nicht aber Eva, der Frau. 

Nur zwei Geschlechter, Mann und Frau und der Mann der Frau übergeordnet. Das lässt sich theologisch nicht als Schöpfungsordnung ansehen. Die Bibel hält von der ersten bis zur letzten Seite fest: Alle Menschen brauchen Erlösung. Die Neuschöpfung, die in Christus begonnen hat, kennt kein Geschlecht. Solange wir als Menschen leben, soll unser Umgang mit der Geschlechtlichkeit dem Wohl aller dienen. 

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Schritt vor Imam und Traualtar

privatZur Trauung in der Kirche versammelt: Links die muslimische Braut Naheed Asraf und ihr evangelischer Bräutigam Dominic Frank. Die islamische Theologin Rabeya Müller und Pfarrerin Ilona Klemens stehen auf der rechten Seite.Zur Trauung in der Kirche versammelt: Links die muslimische Braut Naheed Asraf und ihr evangelischer Bräutigam Dominic Frank. Die islamische Theologin Rabeya Müller und Pfarrerin Ilona Klemens stehen auf der rechten Seite.

Naheed und Dominik haben geheiratet: standesamtlich, muslimisch und christlich • Von Doris Stickler

Sie Muslima, er evangelischer Christ. Die beiden lieben sich und wollen heiraten. Beiden ist ihr Glaube heilig. Beide wollen mehr als eine Eheschließung auf dem Papier. Wie sieht eine evangelische Trauung aus, die die andere Religion einbezieht? 

Eine einzige brauchbare Trauliturgie

Die Bitte um eine Trauung brachte Pfarrerin Ulrike Schweiger vor zehn Jahren ziemlich in die Bredouille. Zum ersten Mal trat ein christlich-islamisches Paar an sie heran. Entsprechend ratlos, wie sie dem Wunsch nachkommen soll, durchforstete die Theologin das Internet. Nach langen Recherchen stieß sie schließlich auf eine einzige brauchbare Trauliturgie. Damals noch Pfarrerin im Frankfurter Stadtteil Höchst, in dem rund 50 Prozent Muslime wohnen, traute Schweiger später ein weiteres christlich-islamisches Paar und arbeitete in einer Projektgruppe mit, die die Handreichung »Lobet und preiset ihr Völker! Religiöse Feiern mit Menschen muslimischen Glaubens« erstellte.

2011 wurde die Orientierungshilfe vom Zentrum Ökumene der hessen-nassauischen Landeskirche herausgegeben. Sie leistete Ilona Klemens bei einer interreligiösen Trauung unlängst gute Dienste. Namentlich bei »der Herausforderung, einen Weg auszuloten, der allen gerecht wird und zugleich den evangelischen Charakter bewahrt«. So beschreibt sie die Aufgabe. 

Die Frankfurter Pfarrerin für interreligiösen Dialog hatte in der Vergangenheit zwar wiederholt Kolleginnen und Kollegen in Sachen christlich-islamische Trauung beraten, war jedoch erstmals selbst als Ausführende damit betraut. Naheed Ashraf und Dominic Frank lag es als gläubigen Menschen am Herzen, ihre Verbindung nicht nur standesamtlich zu legitimieren. Sie suchten mit Pfarrerin Klemens etwa ein Jahr lang nach Formen, Gebeten und Liedern, in denen sich beide Religionen wiederfinden. Von der Liturgie her wurde es ein originär evangelischer Traugottesdienst. Die islamische Theologin Rabeya Müller rezitierte eine Sure. Die Braut gab ihr Eheversprechen im Namen Allahs. Dass dies möglich war, schreibt Klemens nicht zuletzt der Unvoreingenommenheit des Paares zu. Ashraf und Frank würden »klare Positionen beziehen und größtmögliche Offenheit bei größtmöglicher Authentizität gegenüber der eigenen Tradition« bezeugen. 

Die Kauffrau für Bürokommunikation und der Rektor an der Integrierten Gesamtschule Eschersheim (IGS) setzen sich eingehend mit beiden Religionen auseinander. Durch ihr Bemühen, sich hierbei auf die Sicht des anderen einzulassen und bestehende Unterschiede zu akzeptieren, flog schon so manches Vorurteil über Bord. 

Den biblischen Trauspruch fand die muslimische Braut

Bezeichnenderweise war es Ashraf, die in der Bibel den geradezu maßgeschneiderten Trauspruch entdeckte: »Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.« Was Paulus einst seiner Gemeinde in Korinth empfahl, wählte sich das Paar zum Leitmotiv der Ehe. Das Neue Testament kennt Ehen zwischen Christ und Nicht-Christin. Im Koran ist kein ausdrücklicher Einwand gegen die Heirat zwischen einer Muslima und einem Christen zu finden. Das hatten Ashraf und Frank nach gründlichem Studium der Schriften bereits zuvor erleichtert festgestellt. Natürlich führen die unterschiedlichen Bekenntnisse immer wieder mal zu Kontroversen. Bisher hätten die Reibereien aber vor allem fruchtbare Lernprozesse ausgelöst, die das Zusammenleben spannend machen. Zudem ließen sich vorhandene Gemeinsamkeiten umso mehr genießen – ganz zu schweigen vom Zugewinn an Feiertagen. 

Naheed Ashraf begleitet zum Beispiel gerne ihren Mann zum Gottesdienst und ist im Dezember die erste, die fragt: »Wann stellen wir den Weihnachtsbaum auf?« Sie stammt aus einem weltoffenen Elternhaus. Gemäß des Familienmottos »Leben und leben lassen« führen ihre vier Geschwister ebenfalls interreligiöse Ehen. Allerdings wollte Ashraf als einzige dem Bund mehr als eine standesamtliche Unterschrift zugrunde legen. Als Dominic Frank seine heutige Schwiegermutter um die Hand ihrer Tochter bat, war seine Religionszugehörigkeit denn auch kein Hindernis. Zu seiner Bestürzung erlebte er mit den eigenen Eltern – der Vater ist Pfarrer – das Gegenteil. Sie stellten sich gegen die Heirat mit einer Muslima und brachen den Kontakt völlig ab. 

Zur Geburt Koransure, ein paar Tage später Taufe

Zur Trauung erschienen jedoch seine Schwester, sein Bruder und seine Nichte. Dominic Frank, der als Lehrer auch evangelischen Religionsunterricht gibt, hält die Tür offen. Er sieht, dass die Eltern mit der Zurückweisung sich selbst mehr nehmen als ihm – beispielsweise Großeltern zu sein. Ashraf und Frank möchten Kinder. Sie sind sich an der wohl verwundbarsten Stelle interreligiöser Ehen einig: Unmittelbar nach der Geburt bekommt das Baby nach muslimischem Brauch eine Koransure ins Ohr geflüstert. Ein paar Tage später wird es getauft. Das Paar legt Wert darauf, seinen Kindern beide Religionen zu vermitteln und sie später frei entscheiden zu lassen. Für Ashraf und Frank ist ihre freisinnige Haltung das Fundament für eine Beziehung, die verschiedene Bekenntnisse verbindet. Um anderen Mut zu machen, willigten sie in eine Fernsehreportage ein. Es wurde über ihre Trauung berichtet, die einige Monate vor der kirchlichen nach muslimischem Ritus vollzogen worden war. Dass der 15-minütige Beitrag viele interreligiöse Paare zum Schritt vor den Imam und den Altar animierte, erfüllt sie mit Freude. Die Sendung löste »eine kleine Welle von Anfragen bei der islamischen Theologin Rabeya Müller« aus. 

Pfarrerin Klemens ist klar, dass muslimisch-christliche Verbindungen unter besonderer Beobachtung stehen. Interreligiöse Ehen haben einen eigenen Charakter. Und doch muss Ilona Klemens bei Einwänden gegen interreligiöse Ehen an die Vorbehalte denken, die lange gegen die Vermählung von Katholiken und Protestanten ins Feld geführt wurden.

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