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Was sollen wir tun? Ethik


Designerbabys im Kommen

iStock.com/ingram_PublishingWas wird daraus, wenn sie verschmolzen sind – ein Kind oder Forschungsmaterial?Was wird daraus, wenn sie verschmolzen sind – ein Kind oder Forschungsmaterial?

Wer an Embryonen experimentiert, um eventuell Unfruchtbarkeit zu heilen, macht den Menschen zum Ding • Von Susanne Breit-Keßler

Britische Wissenschaftler wollen herausfinden, welche Gene für Fehlgeburten verantwortlich sind. Sie zerstören dafür Embryonen. Ist Kinderwunsch ein Ziel, das alle Mittel heiligt?
Als erstes Land der Welt hat Großbritannien die Genmanipulation an gesunden Embryos im Rahmen eines Forschungsprogramms erlaubt. Der Antrag der Molekularbiologin Kathy Niakan ist genehmigt worden. Schon zuvor hatte Großbritannien Forschenden gestattet, im Labor Mensch-Tier-Kreaturen und Embryonen von drei Elternteilen zu erzeugen.
Niakan will Gene beeinflussen, die in den ersten Tagen nach der Befruchtung aktiv sind. Nach sieben Tagen soll das Experiment beendet und die Embryonen zerstört werden. Es geht um die Frage, wie sich Unfruchtbarkeit behandeln lässt. Die Embryonen stammen von Paaren, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen haben, und sind »überzählig«.
Die Zustimmung einer Ethikkommission zu dem Vorhaben steht noch aus. Nun ist das christliche Ethos eines, das dem Heilen verpflichtet ist. Es ist lebensbejahend, dem Kreativen zugeneigt. Gott hat dem Menschen die Welt zur Gestaltung überantwortet. Das Neue Testament zeigt Begeisterung für Krankenheilungen. Diakonie engagiert sich in Therapie und Pflege von Menschen, die der Hilfe bedürfen.
Fortschritt vermehrt Wissen um Krankheiten und deren Heilung. Innerhalb von 140 Jahren etwa stieg die Lebenserwartung in Deutschland um mehr als das Doppelte an. Das haben wir Forschung und Praxis zu verdanken. Die Humanität Jesu von Nazareth zeichnet sich dadurch aus, dass er sich Kranken zuwendet und sie heilt. Die Heilung ist Zeichen für das umfassende Heil, das Gott für die Welt vorgesehen hat.
Die Stammzellforscherin Niakan will herausfinden, welche Gene dafür verantwortlich sind, dass es Abgänge und Fehlgeburten gibt. Die genveränderten ‧Embryonen dürfen keiner Frau eingepflanzt werden. Machen wir uns nichts vor: Das Ziel ist, Menschen genetisch zu manipulieren, damit sie »funktionieren«, fruchtbar sind, gesund, vital. Natürlich wird damit auch viel Geld gemacht werden.

Die Ethik des Heilens gegen die Ethik der Menschenwürde

Der menschliche Lebensbeginn – oder sein Ende – ist aber nichts, worüber man beliebig verfügen könnte. Er darf nicht als Rohstoff für die Entwicklung künftiger Therapien dienen. Das wäre Verzweckung und Verdinglichung des Menschen. Manche sagen allerdings, dass es im Namen einer »Ethik des Heilens« möglich ist, die von der »Ethik der Menschenwürde« gesetzten Grenzen zu überschreiten.
Diese Forderung ist gefährlich. Die Erinnerung an die deutsche Geschichte – auch an die Geschichte medizinischer Forschung am Menschen – mahnt zur Vorsicht. Die Würde des Menschen darf keinen politischen, ökonomischen oder anderen Interessen geopfert werden. Das aber geschieht bei dem britischen Projekt. Es missachtet nach meiner Überzeugung zudem den Beginn des menschlichen Lebens.
Wenn menschliches Leben zu einem anderen Zeitpunkt beginnen soll als mit der Verschmelzung von Same und Eizelle, ist zu fragen: Zu welchem? Welche Kriterien muss man erfüllen, um als (werdender) Mensch gelten zu dürfen, der nicht als Verfügungsmasse verwendet wird? Die Antwort auf diese Frage ist entscheidend dafür, ob das britische Experiment ethisch verantwortbar ist.
Noch einmal: Es geht um Forschungsfreundlichkeit. Aber man muss unterscheiden zwischen somatischer Gentherapie oder somatischem Gentransfer und Keimbahntherapie. Somatische Gentherapie ist ethisch vergleichbar mit anderen therapeutischen Maßnahmen. Es handelt sich um die gezielte Einführung genetischen Materials in Zellen von Kranken, um sie zu heilen oder ihren Zustand zu verbessern.
Es ist ethisch verantwortlich, eine defekte Niere durch eine funktionierende zu ersetzen. Man kann Leukozyten, denen wegen eines genetischen Defektes ein lebenswichtiges Enzym fehlt, durch genetisch veränderte, funktionstüchtige Leukozyten Hilfestellung geben. Ethisch anders einzuordnen ist eine Therapie, bei der genetische Veränderungen in der menschlichen Keimbahn und damit des Erbgutes bewirkt werden.
Jetzt wird nicht allein der Körper eines einzelnen Menschen verändert, sondern auch das Erbgut aller seiner Nachfahren. Neben der Selektion kommt eine Kettenreaktion in Gang, die auch Forschende nicht überblicken können. Aus gutem Grund sind Eingriffe in die Keimbahn in Deutschland gesetzlich verboten. Sie sind de facto Maßnahmen einer »positiven Eugenik«.

Alle Achtung für den Wunsch nach einem Kind, aber ...

Keimbahntherapie bedeutet eine Selektion zwischen gewünschtem und unerwünschtem Leben. Das Erbgut wird manipuliert, um gewünschte genetische Veränderungen des künftigen Menschenlebens vorzunehmen. Der Mensch als Herr über die künftige genetische »Ausstattung« anderer Menschen – wollen wir das?
Natürlich ist die bewegende Geschichte von Paaren zu achten, die sich sehnlichst ein Kind wünschen. Es ist tragisch, wenn Menschen sich fürchten, erneut eine Fehlgeburt zu erleiden. Ich frage dennoch: Ist Kinderwunsch ein Ziel, das alle Mittel heiligt? Ist es nicht auch denkbar, auf Kinder zu verzichten, wenn man Sorge hat, sie könnten früh sterben oder sehr krank sein? Solche Fragen machen nicht beliebt.
Ich stelle sie, weil ich selbst aus medizinischen Gründen auf Kinder verzichten musste und weiß, wovon ich rede. In England und den USA gibt es Kinder, die von ihren Eltern in »Auftragsarbeit« erzeugt wurden, um als Ersatzteilspender für schwer erkrankte Geschwister zu dienen. Ehepaare, die ein Kind verlieren, bestehen darauf, selektiv einen Sohn- oder Tochterersatz heranzüchten zu dürfen. Technik statt Trauerarbeit?
Bei den Forschungen der Briten geht es auch darum, mit gentechnischen Verfahren angeborene schwere Erkrankungen zu behandeln. Es ist ethisch fragwürdig, ob man Gene, an die eine bestimmte Krankheit gekoppelt ist, bereits in Keimzellen oder in der befruchteten Eizelle reparieren soll. Die britische Forschung will etwas, was bislang international abgelehnt wurde.
Die Allround-Genschere der Briten soll künftig zielgenau Gene ausschalten, defekte DNA-Teile ersetzen und neue Gensequenzen einfügen. Dann kommt wohl irgendwann endgültig der genetisch designte, durchgestylte Mensch. Ich bezweifle, dass es heilsam ist und glücklich macht, uns und andere nach unserer eigenen Vorstellung zu kreieren.

Susanne Breit-Keßler ist Regionalbischöfin im Kirchenkreis München. Sie ist Mitglied der Bioethik-Kommission der Bayerischen Staatsregierung. 

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»Kein weiterer Tabubruch«

iStock.com/ingram_PublishingWas wird daraus, wenn sie verschmolzen sind – ein Kind oder Forschungsmaterial?Was wird daraus, wenn sie verschmolzen sind – ein Kind oder Forschungsmaterial?

Genmanipulationen: Laut Sozialethiker Dabrock haben britische Forscher schon 2015 Grenze überschritten • Von Stephan Cezanne

FRANKFURT. Eine internationale Diskussion darüber, ob sich die Menschheit auf eine Veränderung ihrer Grundlagen einlassen will, fordert der Sozialethiker Peter Dabrock.
Nach dem britischen Ja zu Genmanipulationen an Embryos warnt der evangelische Sozialethiker Peter Dabrock vor übertriebenen Befürchtungen. »Es ist kein weiterer Tabubruch«, sagte der Erlanger Theologieprofessor dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Forschungsvorhaben stehe im Einklang mit der britischen Gesetzgebung. In Deutschland sei durch das Embryonenschutzgesetz die Herstellung von Embryonen für solche Zwecke untersagt. Dabrock ist stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates.
Die britische Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie (HFEA) hatte vergangene Woche einen entsprechenden Antrag des Francis Crick Institutes aus London genehmigt. Danach können Wissenschaftler künftig an gesunden menschlichen Embryonen über die Behandlung von Unfruchtbarkeit und die Ursachen von Fehlgeburten forschen.
Die Embryonen stammen von Paaren, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen haben, wie das Institut mitteilte. Dabei reifen oft mehrere Embryos heran, die nicht alle in die Gebärmutter eingesetzt werden.
Große Bedenken äußerte Dabrock dagegen mit Blick auf eine andere gentechnische Praxis in Großbritannien. So gebe es in England seit 2015 eine rechtliche Grundlage dafür, dass die DNA der Mitochondrien, also des Energiekraftwerkes der Zelle, verändert werden darf. Es sei trotz vieler Beschwichtigungen von Seiten der Forscher keineswegs ausgeschlossen, dass es eine »Interaktion zwischen der mitochondrialen DNA und des Zellkerns gibt«, fügte der Theologe hinzu: »Wenn man das wirklich nicht ausschließen kann, dann war diese Manipulation schon längst der Tabubruch in Großbritannien.« Denn schon damals gab es grünes Licht für Keimbahninterventionen.
Grundsätzlich rechne er damit, dass aus therapeutischen Gründen genetisch manipulierte Embryonen »in nicht allzu ferner Zukunft« implantiert werden, sagte Dabrock: »Ich glaube, dass muss man ehrlicherweise sagen.« In der ethischen Debatte vor allem in Großbritannien, aber zum Teil auch in Deutschland gebe es Stimmen, die Embryonen so lange nicht verändern wollen, so lange die Risiken unkalkulierbar seien. In dieser Einschränkung klinge allerdings an, dass diese Vertreter einer liberalen Position jenseits der Risikoabschätzung keine grundsätzlichen Hemmnisse anerkennen würden, in das menschliche Genom einzugreifen. Dies bedeute, dass man grundsätzlich bereit sei, die Keimbahn als natürliche Grundlage des menschlichen Daseins zu verändern.
Er sei sich sicher, dass die britischen Forscher keinen Rechtsbruch begehen, sagte Dabrock. Allerdings gebe es einen starken wissenschaftlichen Wettbewerb zwischen Großbritannien und China, dass man in »nicht allzuferner Zeit eben soweit kommt, dass die Forscher den Politikern sagen, wir haben jetzt eine so hohe Sicherheit, jetzt lasst uns auch einen solchen keimbahnveränderten Embryo implantieren«. Dann werde argumentiert, die Risiken seien inzwischen so gering, das man es tun könnte, warnte der Sozialethiker. Da die Konsequenzen aber weit über diese Länder hinausreichten, sei eine internationale Debatte dringend nötig, ob sich die Menschheit auf solche Veränderungen ihrer natürlichen Grundlagen einlassen dürfe. epd

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Kirche in der Talkshow und am Lagerfeuer

iStock.com/franckreporterAuch ein Ort für Öffentliche Theologie: Gespräche über Glaube und Leben am Lagerfeuer.Auch ein Ort für ‧Öffentliche ‧Theologie: Gespräche über Glaube und Leben am Lager‧feuer

»Öffentliche Theologie« hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland auf die Fahnen geschrieben – was ist das? • Von Florian Höhn

Glaube gehört in die eigenen vier Wände, Kirche ist zum Beten da und soll sich gefälligst aus der Politik raushalten, meinen die einen. Im Gegenteil, sagt unser Autor, der Theologe Florian Höhne. Sich einzumischen, ist das Kerngeschäft von Kirche.
Kirche ruft zu Umkehr in Flüchtlingspolitik auf«, betitelte die Frankfurter Neue Presse Ende April einen Online-Artikel. Das Thema des Artikels war die Frühjahrstagung der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das Kirchenparlament hatte »auch legale und gefahrenfreie Wege für Flüchtlinge nach Europa« gefordert. Damit hat die Kirche öffentlich und politisch Stellung genommen.
Solche Stellungnahmen werden im Internet immer wieder kommentiert: Manche begrüßen das kirchliche Engagement, andere bekritteln die Art der Stellungnahme und wieder andere fordern die Kirche auf, zu ihrem Kerngeschäft zurückzukehren, zu persönlicher Frömmigkeit und geistlichen Liedern.
Soll sich die Kirche zu politischen Fragen – wie der Flüchtlingspolitik – äußern? Wenn ja: Was soll sie sagen, wie und bei welcher Gelegenheit? Und wie passen diese Äußerungen zum kirchlichen Leben? Darum geht es, wenn von »Öffentlicher Theologie« die Rede ist.
In Deutschland haben bislang vor allem Wolfgang Huber und Heinrich Bedford-Strohm den Begriff geprägt. Der eine war, der andere ist Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). An der Universität Bamberg, wo Bedford-Strohm lehrte, gibt es einen Masterstudiengang und eine Forschungsstelle für Öffentliche Theologie.
Der Begriff Öffentliche Theologie setzt dabei nicht nur Themen, sondern auch inhaltliche Akzente. Für Öffentliche Theologie ist »Zweisprachigkeit« wichtig. Das heißt: Öffentliche Theologie muss zunächst die Sprache des Glaubens sprechen. Für die politischen, ethischen und kulturellen Fragen sucht sie nicht irgendwo nach Orientierungen, sondern in der christlichen Tradition: in den Geschichten der Bibel und in der Theologie.

Theologie muss verständlich sein – auch für Nicht-Christen

Auf das Beispiel Flüchtlingspolitik bezogen, könnte etwa die Erinnerung an eigene Fremdheit im Alten Testament Orientierung geben: »Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisset um der Fremdlinge Herz, dieweil ihr auch seid Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.« (2. Mose 23,9)
Gleichzeitig geht es Öffentlicher Theologie darum, dass diese Orientierungen heute verständlich sind – und zwar auch für den, der mit Kirche nichts am Hut hat. Deshalb die »zweite« Sprache, die Übersetzung in allgemeinverständliche Sprache. Aufs Beispiel bezogen, könnte dabei die Frage herauskommen: Was für eine Flüchtlingspolitik würde man aus der Erinnerung an eigene Fremdheitserfahrungen machen?
Die Übersetzung ist wichtig, weil Öffentliche Theologie Demokratie, Zivilgesellschaft und kritischen Diskurs bejaht: Christen dürfen der Gesellschaft ihre christlich begründeten Orientierungen nicht aufzwingen. Sie sollen mit guten Argumenten öffentlich für sie werben. Dafür muss verständlich sein, wie sie ihre Meinung begründen.
Warum das Ganze? Warum nicht Konzentration aufs vermeintliche Kerngeschäft persönlicher Frömmigkeit? Weil öffentliches Engagement zum Kerngeschäft gehört! In einer Demokratie tragen alle Mitverantwortung dafür, wie es hier zugeht – auch Christinnen und Christen. Das gleiche gilt für die Kirchen als Großorganisationen. Diese Verantwortung will Öffentliche Theologie wahrnehmen helfen. Für dieses Ja zur Verantwortung gibt es theologische Gründe.
Ein Grund ist das Gebot der Nächstenliebe: Sie findet Ausdruck in der Hilfe für einen notleidenden Nächsten – etwa im Einsatz für die Lebensmittelausgabe der Tafel. Weitergedacht heißt Nächstenliebe auch: sich für gerechte Strukturen und Gesetze einsetzen, die verhindern, dass die Nächsten überhaupt erst in Not geraten. Ein anderer, vieldiskutierter Grund ist die Hoffnung auf das Reich Gottes. Christen suchen immer wieder nach Entsprechungen zu dem, was Gott verheißt: Frieden und Gerechtigkeit. Die Welt ist nicht der Himmel auf Erden. Aber Christen versuchen, davon so viel wie möglich jetzt schon zu leben. Das führt ins öffentliche Engagement.

Nicht Bonusprogramm, sondern Kernaufgabe

Schließlich und vor allem drängt der Auftrag Jesu die Jünger in die weite Öffentlichkeit, zu allen Völkern (Matthäus 28,19). Deshalb lässt sich von einem Öffentlichkeitsauftrag der Kirche sprechen. Die Gründe zeigen: Öffentliches Engagement ist für die Kirche nicht Bonusprogramm, sondern Teil der Kernaufgabe. Wie der Auftrag der Kirche in der Welt wahrgenommen werden kann, darüber denken Öffentliche Theologen nach. Dabei ist Öffentliche Theologie keineswegs nur etwas für Bischöfe, die in Talkshows sitzen. Die ganze Kirche, also der und die Einzelne, die Gemeinde, die Leitung sind gefragt. Arbeiten über Öffentliche Theologie beschreiben drei verschiedene Rollen von Kirche.
Die erste stellt Kirchenmitglieder in den Mittelpunkt. Kirche und Gemeinde sind Lernorte. Hier lernen Menschen, wie Zusammenleben, wie Diskussionen und Gremienarbeit funktionieren. Hier erhalten Menschen christliche Orientierung und denken darüber nach, was das in ihrem privaten und beruflichen Leben bedeutet – und engagieren sich dann gesellschaftlich.
Zweitens: Kirche und Gemeinde können ein sichtbares Vorbild sein. Wie sehr dies erwartet wird, führt jeder Skandal in Kirche oder Diakonie vor Augen. Gemeinden sind selbst Öffentlichkeiten. Hier entsteht öffentliche Meinung. Nicht nur in Jauchs Talkshow, sondern auch auf Kirchentagen, beim Seniorencafé und am Lagerfeuer auf der Jugendfreizeit. Welche wichtige Rolle Kirche hier spielen kann, haben die letzten Jahre der DDR gezeigt. Bei Montagsgebeten und in der Friedensbewegung entstand eine freiere Gegenöffentlichkeit zur staatlich kontrollierten.
Drittens: Christliche Orientierung wird da öffentlich hör- und sichtbar, wo sie öffentlich geäußert wird. Das kann ein offizieller Kirchenvertreter sein, etwa eine Bischöfin, die in einer Talkshow spricht. Das können auf kommunaler Ebene der Pfarrer oder die Kirchenvorsteherin sein, die Stellung nehmen. Oder es kann eine Frühjahrssynode sein, die gegen die Unmenschlichkeit der Flüchtlingspolitik protestiert. All das ist gelebte Öffentliche Theologie.

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