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Kirchentag

130 000 Menschen feiern "Abend der Begegnung"

Trotz Unwetterwarnung machten 130.000 Menschen die Dortmunder Innenstadt zum Auftakt des Kirchentages zur Partyzone. Mit einem Mix aus Musik sowie Essens- und Mitmachstationen stimmten sie sich am "Abend der Begegnung" auf die Großveranstaltung ein.

Dortmund. "Mehr als dicke Lippe" steht auf der grünen Schürze von Karin Graef aus der evangelischen Kirchengemeinde Hamm. Sie und ihre Mitstreiterinnen schöpfen Stielmus mit Kartoffeln aus einem großen Topf. "Das ist ein typisch westfälisches Kohl-Gemüse", erklärt sie erstaunten Besuchern, die noch nie von dieser Spezialität gehört haben. In der Innenstadt präsentierten sich zwölf westfälische Regionen unter dem Motto "Da machse wat mit" an fast 300 Ständen. In der Kleppingstraße lag der Schwerpunkt auf den kulinarischen Spezialitäten Westfalens.

Ein paar hundert Meter weiter reißen die Besucher Pfarrer Volker Jeck aus Unna-Hemmerde die Bratkartoffeln förmlich aus den Händen. Schon nach 45 Minuten haben er und seine Helfer 120 von 200 Portionen aus heimischen Kartoffeln verkauft.

Gospel sorgen für Stimmung

Nebenan sorgt ein Gospel-Chor für Stimmung. "Stay in the service of the lord", singen Chor und Publikum gemeinsam. Ein paar Straßen weiter füllt die Sängerin Anna Loos mit ihrer Band den Hansaplatz. Bei ihrem "Lied auf die Freundschaft" beginnen viele Menschen fröhlich zu klatschen und zu schunkeln. Anna und Franzi haben sich auf den Boden gesetzt und hören entspannt zu. "Wir genießen das und stimmen uns auf die nächsten Tage ein", sagen die beiden angehenden Religionslehrerinnen aus Hamburg.

Um Wünsche von Mensch zu Mensch geht es auch am Pavillon der guten Nachrichten. Auf einer Wand sind Dutzende guter Nachrichten zu lesen, etwa dass es mehr Länder mit Frauenwahlrecht gibt oder dass die Kinderarbeit gesunken ist. Manche Gäste greifen auch selbst zum Stift. "Wenn die Menschen Wohlstand haben, dann kümmern sie sich um die Belange der Umwelt und das gesellschaftliche Miteinander", hat ein Besucher formuliert.

Nur ein paar Regentropfen

"Wir sind total zufrieden", sagt ein junger Mann am Stand der Hattinger Johanneskirchengemeinde. Eigentlich waren für den Abend Gewitter angekündigt und die Veranstalter hatten sich auf das Schlimmste gefasst gemacht. Gegen 20.30 Uhr packen einige Helfer halbherzig ihre Sachen zusammen. "Uns wurde gesagt, es gebe eine Sturmwarnung," sagt der junge Mann. Doch trotz dunkler Wolken bleibt das Unwetter bis zum späten Abend aus. Nach ein paar Regentropfen zeigt sich am Abendhimmel ein Regenbogen, während Chöre und Bands in den Straßen weiter musizieren.

Zum Auftakt des Kirchentags hatte die westfälische Präses Annette Kurschus dazu aufgerufen, der alltäglichen Angst und Sorge Geschichten von Hoffnung und Vertrauen entgegenzusetzen. "Wir sind sie all jenen schuldig, die diese Kraft in ihrem Leben gerade so schmerzlich vermissen", sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen im Eröffnungsgottesdienst, der auf der größten Kreuzung in Dortmund stattfand und an dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnahm.

"Hört bloß nicht auf!"

Scheinbare Sicherheiten seien ins Wanken geraten und "was lange selbstverständlich schien, wackelt", sagte Kurschus und verwies auf den Klimawandel, das Sterben im Mittelmeer, Fake News, Hassparolen und die unsichere Zukunft von Demokratie und einem gemeinsamen Europa. Auch die Kirche habe teils Vertrauen erschüttert, schändlich missbraucht und "perfide ausgenutzt", erklärte sie. Angesichts dieser Erschütterung von Fundamenten des Lebens hätten junge Leute das Motto des Kirchentages, "Was für ein Vertrauen", inspiriert.

Im Eröffnungsgottesdienst "Für Groß und Klein" wandte sich die Offenbacher Pfarrererin Henriette Crüwell  in Anspielung auf die "Fridays for Future"-Bewegung an die Jugend und rief: "Hört bloß nicht auf damit! Wenn jetzt nicht alle etwas gegen den Klimawandel tun, ist unsere Erde in großer Gefahr!

Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag mit rund 118.000 Teilnehmern dauert bis Sonntag.

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