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Bundeswehr

Abenteuerurlaub?

dpa/Geisler-FotopressAuch auf der weltgrößten Computerspielmesse Gamescom ist die Bundeswehr im Sommer 2018 mit einem Stand vertreten.

BONN. Immer wieder wird Kritik an der Art und Weise laut, wie die Bundeswehr um Nachwuchs wirbt. Als »verharmlosend« kritisiert der Sprecher eines evangelischen Friedensverbandes die Werbekampagnen.

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat die Anwerbung und den Dienst von Minderjährigen bei der Bundeswehr kritisiert. Seit 2011 habe die Bundeswehr rund 12.000 Minderjährige an der Waffe ausgebildet, erklärte EAK-Sprecher Wolfgang Buff in Bonn. »Jeder zwölfte Rekrut in der Truppe ist minderjährig.« Das sei nicht akzeptabel, erklärte Buff zum »Red Hand Day«, dem Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten Mitte Februar.

Gefährliche Einsätze ausgeblendet

Buff kritisierte vor allem die »sehr offensive Werbung« der Bundeswehr in Schulen und sozialen Medien. »Es ist bedenklich, wenn angesichts des offensichtlich größer werdenden Nachwuchsmangels der Rekruten-Alltag in der Werbung als Abenteuerurlaub dargestellt wird, aber die gefährlichen Einsätze ausgeblendet werden«, warnte der Sprecher des evangelischen Friedensverbandes. Damit werde der Beruf des Soldaten »erschreckend verharmlost, gerade auch bei jungen Menschen«.

Minderjährige sollen Ausnahme sein

Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags habe in seinem Bericht unterstrichen, dass die Aufnahme 17-Jähriger als freiwillige Soldatinnen und Soldaten in die Bundeswehr eine besondere Ausnahme bleiben müsse, betonte Buff, der Referent für Friedensbildung der beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen ist. Die EAK ist Mitglied der »Aktion Rote Hand«, die sich gegen den Einsatz von Kindersoldaten engagiert.

Kindersoldaten als Minensucher werden missbraucht

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten und die Menschenrechtsorganisation terre des hommes wies in Berlin darauf hin, dass weltweit rund 250.000 Mädchen und Jungen als Kindersoldaten eingesetzt. Sie werden in mindestens 19 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in bewaffneten Konflikten zum Kämpfen gezwungen oder als Spione, Minensucher und Wachposten missbraucht. Das Bündnis kritisierte auch Deutschland, wo die Bundeswehr seit einigen Jahren verstärkt Minderjährige rekrutiere.

Deutschland rekrutierte 2018 rund 1700 Minderjährige

Die Bundesrepublik gehört den Angaben zufolge neben den USA und Großbritannien zu den drei Industrieländern, die in großer Zahl Minderjährige als Soldatinnen oder Soldaten rekrutieren. So seien allein im Jahr 2018 in Deutschland 1679 Minderjährige als Soldatinnen und Soldaten rekrutiert worden, kritisierte das Bündnis.

Andere Länder schauen auf Deutschland

Als große Industrienationen untergrabe Deutschland gemeinsam mit den USA und Großbritannien damit den internationalen sogenannten »Straight-18-Standard«, der die Rekrutierung von Minderjährigen verbiete – und damit auch den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten, sagte Rolf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des Deutschen Bündnis Kindersoldaten. »Denn bewaffnete Gruppen und Armeen in Konfliktgebieten, beispielsweise in Myanmar, rechtfertigen die Rekrutierung von Kindersoldaten auch mit dem Verweis auf die Rekrutierung minderjähriger Soldaten in diesen drei Ländern«, so Willinger. epd

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