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Digitalisierung

»Alexa, lass uns beten«

eöa/Andrea WagenknechtHeimathafen-Gründer Dominik Hofmann (links) und Kirchenpräsident Volker Jung im Gespräch.

WIESBADEN. Es ist eines seiner Themen: Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat im Wiesbadener Heimathafen über Digitalisierung gesprochen. Vielen Menschen macht die digitale Entwicklung Sorgen. Die Kirche muss diese ernst nehmen.

Kann digitale Technologie dem Menschen wirklich dienen oder ist sie nur profitgesteuert? Und wenn wir Digitalisierung gestalten können, welche Rolle hat die Kirche dabei? Über diese und andere Aspekte haben sich der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung und Dominik Hofmann, Gründer des Wiesbadener Gründerzentrums Heimathafen, unter der Frage »Wie kommt Ethik in die Digitalisierung?« ausgetauscht.

Breites Themenspektrum

Als »Digitalpraktiker« waren Birgit Heilig, Standortleiterin des Frankfurter Gründerzentrums »Social Impact Lab«, und Daniel Nowack von Yunus Social Business als weitere Gesprächspartner dabei. Die Themen, die in der zweistündigen Debatte angerissen wurden, reichten von autonomen Waffen über Robotik in der Altenpflege, Künstliche Intelligenz bis hin zum Wandel der Arbeitswelt.

Soziales Leben auch in sozialen Netzwerken

Dass Kirche offen sei für digitale Technologie und Kommunikation, machte Kirchenpräsident Jung gleich zu Beginn deutlich. Dabei wies er auch die Kritik des ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelische Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, zurück, Kirche beschäftige sich zu stark mit digitalen Themen. Von Anfang an die digitale Kommunikation als Falle zu bezeichnen, sei ein Irrweg, sagte Jung. Soziales Leben fände heute auch in sozialen Netzwerken statt, deshalb sei die Kirche dort auch mit Menschen verbunden.

Kluge Balance zwischen digitaler und analoger Welt

Dennoch müsse man die Menschen mit ihren Erwartungen an Kirche und auch mit ihren Ängsten ernst nehmen, so Jung: »Viele sagen uns oft: ›Seid ihr doch bitte die Repräsentanten der analogen Welt‹.« Das Experiment des Segensroboters habe zum Teil riesige Proteste ausgelöst, erzählte der Kirchenpräsident. Für Jung ist deswegen klar, dass es Aufgabe der Kirche, aber auch eines jeden Menschen sei, digitale und analoge Welt in einer klugen Balance zu halten und sie gut miteinander zu verbinden. Denn Digitalisierung aufzuhalten – da sind sich alle einig – geht nicht.

Verschiedene Arten zu beten

Auf die Frage aus dem Publikum, ob denn die Aufforderung »Alexa, lass uns beten« eines Tages möglich sei, sagte Jung: »Ja, das ist selbstverständlich möglich, aber es ist eben etwas anderes, als mit Menschen zu beten. Wir müssen uns immer wieder fragen, was macht Digitalisierung mit uns, was ist verträglich und was nicht? Und das beantwortet ein 15-Jähriger sicherlich auch anders als ein 70-Jähriger.«
Gründer Dominik Hofmann wünscht sich von Kirche, nicht nur die Debatten stärker zu gestalten, sondern auch die Digitalisierung selbst zu prägen, mit eigenen Produkten und Plattformen.

Verführt Digitalisierung die Menschen?

Wie stark die Digitalisierung vom Profitdenken gesteuert wird, und wie sehr sie in einer durchökonomisierten Welt überhaupt gestaltbar sei, stellten viele der Zuhörenden infrage: »Es wird bei dem Thema immer nur nach dem Nutzen gefragt, aber ist es damit getan?«, fragte ein Zuhörer. Ein anderer merkte kritisch an, dass man – Stichwort Fake News und Hasskommentare – den Eindruck habe, dass Digitalisierung die Verführbarkeit des Menschen potenziere.

Getrennte Welten

Ob überhaupt noch voneinander getrennte Welten – digital und analog – existieren und ob die Kirche dabei dann tatsächlich eher die analoge Welt repräsentiere, wurde den gesamten Abend über immer wieder neu verhandelt. Birgit Heilig vom Frankfurter Gründerzentrum »Social Impact Lab« brachte das Dilemma auf den Punkt: »Ist Gott denn nicht im Grunde eine sehr virtuelle Realität?«
Andrea Wagenknecht/esz

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