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Europawahl I

Demokratische Kräfte stärken

epd/Heike Lyding;So wie hier in Frankfurt zeigen Menschen für Europa Gesicht.

MAINZ. In Deutschland wählen die Wahlberechtigten am 26. Mai ein neues Europaparlament. Gisela Zwigart-Hayer vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der hessen-nassauischen Kirche hofft, dass möglichst viele Frauen und Männer von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Allerdings ist ihr nicht egal, was sie wählen.

esz/Margit BefurtFür Gisela Zwigart-Hayer steht außer Frage, dass die Europäische Union eine friedensstiftende Einrichtung ist.

An die Einschusslöcher an ihrem Elternhaus kann sich Gisela Zwigart-Hayer noch gut erinnern. Das Haus stand in Heitersheim am Oberrhein. Die Löcher kamen von Granatsplittern, abgefeuert von Franzosen im Zweiten Weltkrieg. Die Familie lebte praktisch in Sichtweite zur Grenze, die Eltern hatten nach dem Krieg Angst vor den Menschen im Nachbarland. »Auch unsere kindlichen Auszählreime waren alle franzosenfeindlich«, erzählt die 62-jährige Sozialpädagogin, die im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der hessen-nassauischen Kirche (ZGV) in Mainz für das Thema Europa zuständig ist. Heute, fügt sie hinzu, ist das ganz anders. Es gibt einen regen und ungestörten Grenzverkehr, grenzüberschreitende Kultur, Ehen und Freundschaften. Für sie ist das ein Beleg, dass durch die Europäische Union »friedensstiftende sowie toleranz- und demokratiefördernde Entwicklungen gelingen können«.

Vieles ist gelungen, anderes muss weiterentwickelt werden

Zwigart-Hayer blickt auf eine »70-jährige segensreiche Friedenszeit« und zählt einige der Vorzüge auf, die sie mit Europa verbindet: die gemeinsame Währung, den Wegfall von Grenzkontrollen, einen breiten Jugendaustausch und angeglichene Studiengänge. Aber es gebe auch noch viel zu tun, etwa bei der Digitalisierung, in der Asyl- und Migrations- sowie der Außen- und Sicherheitspolitik. »Es gibt viele globale Probleme, die wir nicht alleine bearbeiten können«, ist sie überzeugt, dazu bedürfe es eines starken und geeinten Europas.

Europa nicht den Extremisten überlassen

Deshalb, so ihre Hoffnung, sollten sich möglichst viele Menschen am 26. Mai an den Wahlen zum Europaparlament beteiligen und die demokratischen Kräfte stärken. »Wir dürfen Europa nicht den Extremisten und den Rechtsnationalisten überlassen«, fordert die Referentin.

Gemeinden können Begegnungsräume schaffen

Für Europa können nach ihren Worten auch Kirchengemeinden aktiv sein. Sie könnten Begegnungsräume schaffen, Fahrten ins europäische Ausland organisieren, an Partnerschaften von Kommunen andocken oder eigene Partnerschaften pflegen. Einige Gemeinden böten Gottesdienste zu Europa an, das ZGV verschicke Gottesdienstentwürfe zum Thema oder Materialien für die Konfirmandenarbeit.

Christliches Wertesystem erhalten

»Aus christlicher Verantwortung für die Welt können wir uns nicht heraushalten«, sagt Zwigart-Hayer und fordert Christen ausdrücklich auf, wählen zu gehen. Es gelte dazu beizutragen, das christliche Wertesystem der EU zu erhalten und auszubauen.

Menschen nicht nur unter Produktivitätsgesichtspunkten sehen

Allerdings, gesteht sie ein, bedürfe es auch der Veränderung innerhalb der EU: »Wir brauchen dringend mehr Transparenz darüber, wie Entscheidungen fallen und was sie bedeuten.« Auch müsse ein soziales Europa gestärkt werden. Kirchen als zivilgesellschaftliche Akteure müssten weiter auf Solidarität zwischen den Staaten hinwirken und darauf, dass die Menschen und ihr Zusammenleben nicht nur unter Produktivitätsgesichtspunkten betrachtet werden.
Renate Haller

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