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Lebensmittel spenden

Den Einkauf der Tafel schenken

epd/Philipp ReissHans-Joachim Wild, Leiter der Segeberger Tafel, mit einer Sammelbox in einem Edeka-Markt in Bad Segeberg. Dort können Kunden haltbare Lebensmittel wie Reis und Nudeln spenden.

BAD SEGEBERG. Im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg können Supermarkt-Kunden im Zuge eines Modellprojektes einen Teil ihres Einkaufs der örtlichen Tafel spenden. Kritiker bezweifeln jedoch, dass das der richtige Weg zur Armutsbekämpfung ist.

Wenn Hans-Joachim Wild derzeit Besuchern die Räume seiner Tafel zeigt, dann ist er auf eine unscheinbare Ecke ganz besonders stolz: Sie liegt rechts hinter der Gemüse-Theke, und in ihr stapeln sich einfache Lebensmittel wie Nudeln, Zucker und Mehl. Was daran so besonders ist? »Dieses Regal ist normalerweise ganz schnell leer«, sagt Wild, der die Tafel im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg leitet. Grund dafür sei, dass diese Waren bislang selten gespendet würden.

Nach der Kasse direkt in die Box

Dass das jetzt anders ist, liegt an einer Sammelbox, die testweise in einem Edeka-Markt in der Stadt aufgestellt ist. Kunden haben dort die Möglichkeit, Lebensmittel, die sie zuvor gekauft haben, direkt als Spende abzugeben. Zweimal in der Woche kommt ein Mitarbeiter der Tafel und holt die Box ab.
Wenn das Pilotprojekt weiterhin so gut läuft, wird es bald schon auf weitere Tafeln in Hamburg und Schleswig-Holstein ausgedehnt, sagt Bernd Jorkisch. Er ist Leiter der Tafelstiftung Schleswig-Holstein und Hamburg.

Nur erstklassige Ware für die Kunden

eDass die Tafel in Bad Segeberg einen chronischen Mangel an lange haltbaren Waren hat, ist kein Zufall. Denn überall bei den Lebensmittelausgaben kann nur das verteilt werden, wofür andere keine Verwendung mehr haben – häufig Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum kurz vor dem Ablauf sei, und das die Supermärkte oder Gastrobetriebe nicht mehr verwerten könnten, sagt Hans-Joachim Wild. Gingen diese nicht an die Tafel, würden sie auf dem Müll landen. »Und es kostet uns viel Zeit und Aufwand, die Lebensmittel zu sortieren. Denn wir bieten nur erstklassige Ware an.«

Ein breiteres Angebot ist möglich

Dieser Aufwand entfalle bei den Lebensmitteln aus der Sammelbox. Und: Die Tafel kann ein viel breiteres Angebot machen. So seien in den ersten drei Wochen beispielsweise 132 Packungen Nudeln zusammengekommen und 46 Kilogramm Reis.

Eigentlich brauchen die Menschen Geld

Der Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge betont, dass es wichtig sei, dass Menschen genug Lebensmittel haben: »Aber das Medium, in dem Menschen in unserer hoch entwickelten Gesellschaft karitative Hilfe benötigen, ist eigentlich Geld. Das Grundgesetz sieht keine Almosen-Empfänger vor, sondern kennt nur Sozialstaatsbürger mit Rechtsansprüchen.« Außerdem sei es nicht die Aufgabe von Supermarktkunden dazu beizutragen, dass arme Menschen etwas zu essen bekommen. »Das ist eine Verschiebung der Verantwortlichkeiten«, sagt Butterwegge. Der Staat ziehe sich aus der Verantwortung.

»Der Staat muss helfen«

Der Dachverband der deutschen Tafeln mahnt für die Verteilung von gespendeten Lebensmitteln staatliche Unterstützung an. Es mangele nicht an Lebensmittelspenden, sagte der Vorsitzende des Vereins »Die Tafel Deutschland«, Jochen Brühl, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Vor allem große Mengen von Produzenten müssen wir mitunter ablehnen, weil unsere Infrastruktur dem nicht gewachsen ist.« Bevor man über ein Gesetz diskutiere, das Lebensmittelhändler verpflichtet, ihre Überschüsse zu spenden, sei deshalb die finanzielle Unterstützung vom Staat für die Rettung und Verteilung von Lebensmitteln nötig.
Sebastian Stoll/epd

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