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»Martin Luther King«-Musical

Der Chor ist der Star

esz/Creative KircheZunächst haben sie überwiegend zu Hause oder in kleinen Chören geprobt, erst am Tag der Aufführung singen sie gemeinsam: Der riesige Projektchor in der Grugahalle in Essen.

ESSEN. Insgesamt 1200 Sängerinnen und Sänger haben zu einer stimmgewaltigen Uraufführung des Chormusicals »Martin Luther King« beigetragen. Der Auftritt in der Essener Grugahalle wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen bedacht.

 Die ersten Töne klingen durch die dunkle Essener Grugahalle, als sich hinter der Bühne auf den Rängen ein riesiger Chor erhebt. Schon zu Beginn der Uraufführung des Chormusicals »Martin Luther King – ein Traum verändert die Welt« ist klar, dass diese Show vor allem einen Hauptdarsteller hat: Den Chor, bestehend aus 1200 Sängerinnen und Sängern aus ganz Deutschland.

Am Tag der Uraufführung singen alle gemeinsam

Über Monate haben sie mit Hilfe von Übungs-CDs und Chorpartituren die 22 Lieder über das Leben des US-amerikanischen Bürgerrechtlers und baptistischen Pastors geübt. Viele von ihnen haben sich allein angemeldet, aber auch Mitglieder aus über 60 Chören sind dabei. Die meisten kommen aus Nordrhein-Westfalen, aber viele sind auch von weiter her angereist. In regionalen Proben konnten Teile des Chores schon vorher zusammen üben, aber erst am Tag der Uraufführung kommt der gesamte Chor mit den internationalen Musical-Solisten, der Big Band und dem Streichorchester zusammen. Drei Dirigenten sorgen dafür, dass trotzdem alle als Einheit agieren.

Nein zu Rechtsradikalismus

Jörg Knabe ist als Sänger aus Osnabrück nach Essen gekommen und hat sichtlich Freude am Projekt: »Die Stimmung in den Proben war hervorragend«, sagt er. Für ihn ist es schon das dritte Chorprojekt dieser Größenordnung. Ines Schepker ist aus Hude in Niedersachsen angereist. Ihr liegt das Musical auch inhaltlich am Herzen: »Für mich ist es wichtig, dass ich ›Nein‹ sage zu Rechtsradikalismus.«

Autor möchte Engagement anstoßen

Es ist diese politische Botschaft, die für Andreas Malessa, den Autor des Musicals, zentral ist: »Martin Luther King ist in seiner historischen Wirkung eine Ikone der Humanität für alle Menschen.« Wer sich in Deutschland humanitär einsetze, werde als Gutmensch verhöhnt. Martin Luther King habe aber zähes und hartnäckiges Hoffen gelehrt. Mit dem Musical verfolgt Malessa ein klares Ziel: »Ich möchte bürgerschaftliches Engagement bei den Besuchern stimulieren.« Das Musical solle ermuntern, »hartnäckig und dickköpfig hoffnungsvoll zu bleiben«.

Die meisten Lieder sind deutsch

Das Musical beginnt mit dem Tod des Pastors, der 1968 ermordet wurde, und erzählt in exemplarisch ausgewählten Rückblenden vom Leben und Wirken Martin Luther Kings. Die Musik dazu, eine Mischung aus Gospel, Rock ’n’ Roll und Pop, stammt aus der Feder der Komponisten Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken. Gesungen wird zum Teil englisch, aber meistens deutsch.

Martin Luther King »ist Ikone der Welt«

Für Autor Andreas Malessa hat das Erbe Kings auch Implikationen für Religion und Kirche heute: »Martin Luther King gehört weder den Katholiken noch den Protestanten, er ist eine Ikone der Welt.« Das spiegelt sich auch im Chormusical wider, das als ökumenisches Projekt konfessionsübergreifend organisiert wird.

Veranstalterin ist die Stiftung Creative Kirche in Witten, die mit der Evangelischen Kirche im Rheinland, dem Bistum Essen und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden eng kooperiert.

Ökumene zeigt sich bei Teilnehmern

Für Ralf Rathmann aus dem Vorstand der Stiftung Creative Kirche war diese ökumenische Zusammenarbeit ein großer Wunsch und eine logische Konsequenz aus vorherigen Chorprojekten. »Wir haben gemerkt, dass die Sänger an der Basis schon lange zusammen unterwegs sind.« Das ist auch an diesem Abend so. Unter den 1200 Sängerinnen und Sängern sind an diesem Abend knapp 370 Katholiken und über 670 Protestanten.

Mehr als 13.000 Euro für Brot für die Welt

Sie alle singen am Ende des Abends gemeinsam in Anlehnung an Kings berühmteste Rede (»I Have a Dream«) das Schlusslied »Auch unser Traum«. Noch bevor der letzte Ton verklungen ist, stehen die ersten Zuschauer applaudierend im Saal. Es folgen minutenlange stehende Ovationen für die Uraufführung des Martin Luther King-Musicals. Der Applaus wird noch lauter, als auf den Leinwänden die Zahl 13.323,93 Euro erscheint. So viel Geld wurde an diesem Abend vom Publikum für Brot für die Welt gespendet.

Regionale Projektchöre für jede Veranstaltung

Zum nächsten Mal ist das Musical während des Evangelischen Kirchentags in Dortmund im Juni zu sehen. Für diese Aufführung wurden rund 2000 Sängerinnen und Sänger gesucht. Anschließend geht das Werk auf Tournee, begleitet jeweils von regionalen Projektchören.epd/esz

www.king-musical.de

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