Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Kaiser Augustus

Die römische Lichtgestalt

Till Niermann CC BY-SA 3.0Augustusstatue Primaporta aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Die 2,04 Meter große Statue wurde 1863 entdeckt und steht in den Vatikanischen Museen in Rom.

Er gewann die römischen Machtkämpfe nach der Ermordung Julius Caesars, erweiterte sein Reich mit Kriegen und begründete durch seine kluge Politik eine lange Friedensperiode – die Pax Augusta.

Der römische Kaiser Augustus herrschte rund 50 Jahre, er wurde als gottähnlicher Friedensfürst verehrt und wurde zum Vorbild für Herrscher bis in die Neuzeit. Der Evangelist Matthäus beginnt seine Weihnachtsgeschichte mit dem judäischen König Herodes. Herodes hat unter den Personen der Bibel das denkbar schlechteste Image. Matthäus zeichnet ihn als negativen Pol der Heilsgeschichte, als pathologischen Tyrannen, der alle Neugeborenen Bethlehems töten will, um Jesus aus dem Weg zu räumen. Herodes ging deshalb als monströser Verbrecher in das kollektive Gedächtnis der Menschheit ein.

Es begab sich aber zu der Zeit ...

Lukas dagegen beginnt in seinem zweiten Kapitel die Geburtsgeschichte Jesu mit dem römischen Kaiser Augustus: »Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt werde.« Augustus wurde zur Zeit des Evangelisten als Lichtgestalt gesehen, als segensreicher Herrscher, der das Römische Reich befriedet und zu Wohlstand gebracht hatte. Lukas – im Hellenismus, der griechischen Kultur, zu Hause – schildert die Umstände der Geburt Jesu dann auch als friedvolles Ereignis im ländlich-idyllischen Bethlehem mitsamt Engeln, Hirten und der Krippe.

Wohlhabend, aber wenig bedeutsam

Augustus wurde im Jahr 63 vor Christus in Rom als Gaius Octavius geboren. Die Familie der Octavier gehörte dem niederen plebejischen Landadel an, sie war wohlhabend, aber wenig bedeutend. Als Erster seines Familienzweigs seit über 100 Jahren schlug er die politische Ämterlaufbahn ein. Er stieg in den Senat auf und wurde Prätor – auch mit Unterstützung seines Großonkels, Julius Caesar.

In Rom tobt der Machtkampf um das Erbe Caesars

Im Jahr 46 v. Chr. ließ Caesar ihn an seinem Triumphzug anlässlich des Sieges im Bürgerkrieg teilnehmen. Im Jahr darauf begleitete er seinen Großonkel auf einem Kriegszug in Spanien. Er war als Reiterführer zu einem Feldzug gegen die Parther nach Apollonia im heutigen Albanien unterwegs, als ihn im Frühjahr 44 v. Chr. die Nachricht von Caesars Ermordung erreichte. Er eilte zurück nach Rom, wo bereits der Machtkampf um das Erbe Caesars tobte. Die Caesartreuen um Marcus Antonius kämpften gegen die Caesarmörder um Brutus. Oktavian aber hielt sich heraus, obwohl Caesar ihn in seinem Testament adoptiert und zum Haupterben seines Privatvermögens eingesetzt hatte.

Selbstlose Geste bringt ihm viele Anhänger

Als sich Marcus Antonius weigerte, das Vermögen des Diktators an Octavian herauszugeben, zahlte dieser dennoch die in Caesars Testament vorgesehenen Zuwendungen an dessen Veteranen und die Bevölkerung Roms aus. Dafür nutzte er die für den abgesagten Partherkrieg vorgesehene Kriegskasse, versteigerte aber auch eigene Güter. Dieses selbstlose Vorgehen brachte ihm rasch eine große Zahl von Anhängern und damit auch politisches Gewicht ein.

Noch keine 20 Jahre alt, aber schon Senator

Gaius Octavius nannte sich nun nach seinem Adoptivvater Gaius Julius Caesar und übernahm auch dessen einflussreiche Berater. Während sich Antonius und Brutus in Gallien auf dem Feld bekämpften, baute Octavian in Italien ein Heer aus Veteranen Caesars auf. Auf Drängen des Philosophen Cicero legitimierte der Senat 43 v. Chr. Octavians angemaßte militärische Befehlsgewalt und ernannte den noch nicht 20-Jährigen zum Senator. Noch im selben Jahr besiegte er Antonius in der Schlacht von Mutina.

Mit einem Staatstreich erzwingt er er seine Wahl zum Konsul

Weil beide Oberhäupter der römischen Republik im Mutinensischen Krieg umkamen, verlangte Octavian nun eines der frei gewordenen Konsulate für sich. Als der Senat dies verweigerte, nahm er mit seinen Truppen Rom ein. In einem Staatsstreich erzwang er am 19. August 43 v. Chr. seine Wahl zum Konsul sowie die Ächtung der Caesarmörder.

Triumvirat regiert mit diktatorischen Vollmachten

Zunächst ging er mit dem wiedererstarkten Antonius ein Bündnis ein. Mit ihm und dem Reiterführer Marcus Lepidus bildete er im Oktober 43 v. Chr. ein Triumvirat, das mit diktatorischen Vollmachten regierte und gleich einmal 300 illoyale Senatoren und 2000 Ritter umbrachte. Auch Cicero fiel dem Massaker zum Opfer. Im Jahr 42 v. Chr. gingen Antonius und Octavian nach Griechenland, wo der Caesarmörder Brutus seine Truppen gesammelt hatte.

Kleopatra wird zur Staatsfeindin

Brutus’ Niederlage besiegelte den Untergang der römischen Republik. Seinem verbliebenen Rivalen Antonius wurde eine Affäre mit der ägyptischen Königin Kleopatra zum Verhängnis. Blind vor Liebe hatte er damit begonnen, Teile des römischen Ostens an Kleopatra zu verschenken. Octavian zwang die Priesterschaft zur Herausgabe des bei ihnen hinterlegten Testaments des Antonius und ließ es in Auszügen vor dem Senat und der Volksversammlung verlesen. Eigentlich ein Sakrileg, aber der Plan ging auf. Antonius hatte Kleopatras Kinder als Erben römischer Gebiete eingesetzt und bestimmt, dass er neben Kleopatra in Alexandria bestattet werden wolle. Als dies bekannt wurde, enthob der Senat Antonius aller Ämter und erklärte Kleopatra zur Staatsfeindin.

Epoche der römischen Bürgerkriege endet

Octavian ließ sich nun zum »Führer Italiens« (dux Italiae) ausrufen und führte gegen Kleopatra und Antonius den Ptolemäischen Krieg. Bei der Einnahme Alexandrias begingen Antonius und Kleopatra Selbstmord. Damit endete der Machtkampf und zugleich die 100 Jahre währende Epoche der römischen Bürgerkriege. Als Zeichen dafür, dass im ganzen Reich Frieden herrsche, wurden am 12. Januar 29 v. Chr. die Tore des Janustempels auf dem Forum Romanum geschlossen.

Octavian bekommt den Ehrennamen Augustus

Am 13. Januar des Jahres 27 v. Chr. begann im Senat von Rom ein mehrtägiger Staatsakt, der den Ausnahmezustand des Bürgerkriegs auch offiziell beendete. Formal wurde die alte Ordnung der Republik wiederhergestellt, tatsächlich aber eine auf Octavian zugeschnittene Alleinherrschaft eingerichtet: das spätere römische Kaisertum in Gestalt des Prinzipats. Der Senat verlieh Octavian den neu geschaffenen Ehrennamen Augustus.

Beginn einer neuen Epoche der römischen Geschichte

Drei große Aufgaben warteten auf ihn: den Staat neu aufzubauen, das Reich nach innen und außen zu sichern und seine Nachfolge zu regeln. Weil alle drei Dinge gelangen, markiert der Staatsakt vom Januar 27 v. Chr. den Beginn einer neuen Epoche der römischen Geschichte. Seine Herrschaft mündete in eine lang anhaltende Friedensphase, die als Pax Augusta in die Geschichtsschreibung einging.

Die Stabilisierung des Reichs gelingt

Augustus, der im Kampf um die Macht weder Gesetz noch Skrupel kannte, machte nun äußerst klugen Gebrauch von ihr. Sein Vorteil war, dass kein Römer mehr einen Bürgerkrieg wollte. Ihm gelang die Stabilisierung des Reichs, seine wirtschaftliche Erholung, die Wiederherstellung von Recht und Ordnung in Rom und den Provinzen und die Sicherung der Grenzen. Augustus konnte mehr als ein Drittel der rund 70 Legionen entlassen, etwa 80.000 Mann. Die Veteranen konnte er mit der ungeheueren Beute aus dem ägyptischen Staatsschatz abfinden und ihnen Land kaufen. So entstand in Italien und den Provinzen eine breite Schicht ihm ergebener Bauern. Auch seine Anhänger in Rom wurden mit Geld und Posten bedacht.
Augustus regierte nach der Erringung der Alleinherrschaft noch mehr als 40 Jahre. Seine neue Ordnung hatte sogar 300 Jahre Bestand.

Keine Gewalt stört die Ruhe

Der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus fasste die Wirksamkeit von Augustus’ Politik zusammen: »Die Äcker fanden wieder Pflege, die Heiligtümer wurden geehrt, die Menschen genossen Ruhe und Frieden und waren sicher im Besitz ihres Eigentums.« Auch der römische Dichter Horaz besang die Verdienste des Kaisers: »Solange Caesar Augustus Hüter der Welt ist, stört kein Bürgerwahnsinn, keine Gewalt die Ruh. Kein grimmer Zorn, der Schwerter schmiedend Städte verfeindet zum eigenen Elend.«

Augustus bringt Frieden und Wohlstand

Tatsächlich brachte Augustus den Römern mit seiner Herrschaft das, was sie zuvor Jahrzehnte vermissen mussten: Frieden, Stabilität und Wohlstand. Allein die augusteischen Germanenkriege endeten in einer Katastrophe. 9 n. Chr. vernichtete ein von dem Cheruskerfürsten Arminius geschmiedetes Bündnis germanischer Stämme im Teutoburger Wald drei römische Legionen unter dem Befehl des Varus.

Mausoleum steht heute noch in Rom

Augustus starb am 19. August des Jahres 14 n. Chr., am gleichen Tag, an dem er über 50 Jahre zuvor sein erstes Konsulat angetreten hatte. Seine Leiche wurde auf dem Marsfeld in Rom verbrannt und die Asche im Augustusmausoleum beigesetzt, das der Kaiser dort für sich und seine Familie hatte errichten lassen. Es steht heute noch in Rom.

Volkszählung zwingt Maria und Josef, nach Bethlehem zu reisen

An Augustus und seiner Epoche haben sich viele Herrscher ein Vorbild genommen: Von Kaiser Konstantin über Karl den Großen, dem Medici-Herrscher Lorenzo il Magnifico bis hin zu Napoleon und den russischen Zaren. Nach ihm ist ein ganzer Monat benannt. Und er war daran beteiligt, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde. Seine Volkszählung zwang Maria und Josef dazu, nach Bethlehem zu reisen.
Helmut Frank

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top