Evangelische Sonntags-Zeitung

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der Evangelischen Sonntags-Zeitung zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Frauen im Internet

Eine muss den Deckel öffnen

esz/Antje SchruppZwei Frauen, zu denen nachfolgende Generationen aufblicken können: Ute Knie (rechts) und Helga Engler-Heidle haben sich für das Projekt intensiv mit ihrer eigenen Vergangenheit befasst

Frankfurt. Frauen gaben ihre Erlebnisse und Kämpfe meist mündlich an die nächste Generation weiter. Deshalb gibt es nicht viele schriftliche Dokumente von ihnen, vor allem nichts im Internet. Doch wer nicht in Vergessenheit geraten will, der muss seine Geschichte aufschreiben. Genau dies haben nun die Frauen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau getan.

eszDie Geschichte der hessen-nassauischen Frauenbewegung steht nun auf der Homepage der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Fast hat es den Anschein, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist eine Männerkirche. Denn wer sich im Internet auf der Homepage der Landeskirche bislang über deren Geschichte informieren wollte, fand viele Artikel über große Taten von Kirchenmännern. Von Frauen war mal hier, mal da am Rande die Rede, gebündelt fand sich so gut wie nichts. Ein einschneidendes Erlebnis war für Ute Knie die Einführung der Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf. Eine Stelle, die einst von Knie und ihren Mitstreiterinnen erkämpft worden war. Doch Informationen darüber waren weder im Internetlexikon Wikipedia noch auf der Homepage der Landeskirche zu finden. Das konnte nicht so bleiben.

Wer nicht im Netz vorkommt, existiert nicht

Ähnliche Gedanken hegte parallel ihre ehemalige Kollegin Helga Engler-Heidle. Sie merkte, dass Frauen im Internetlexikon eigentlich nicht vorkommen oder aber vieles dort falsch dargestellt ist: »Ich war entsetzt, was da alles nicht steht«, so Engler-Heidle. Ute Knie fügt an: »Doch wer nicht im Internet vorkommt, der existiert nicht.«

Nicht nur ärgern, sondern etwas tun

Die Ruheständlerinnen sind nun keine Frauen, die sich lange über etwas ärgern. Viel eher packen sie an, um etwas zu verändern. Sie suchten den Kontakt zu Oberkirchenrat Stephan Krebs, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit. Das Projekt »Darstellung der Frauenbewegung der EKHN im Internet« ging an den Start.

Meilensteine der Frauenbewegung

Die Ausgangsfrage lautete: Wer sind eigentlich die wichtigen Frauen, die die männlich geprägte EKHN veränderten? Aus den Interviews mit Zeitzeuginnen entstanden Porträts und Artikel über die Meilensteine der kirchlichen Frauenbewegung und ihre wichtigsten Themen. Über viele Themen und Personen können Ute Knie und Helga Engler-Heidle fachkundig berichten, weil sie es selbst miterlebt haben, weil sie die Protagonistinnen selbst kennen oder kannten.

Jungen Frauen Mut machen

Zum einen habe sie gemerkt, wie wenig die junge Generation über die Kämpfe der Frauen wisse und zum anderen will sie jungen Frauen Mut machen, sagt Engler-Heidle. »Bei Dingen, für die man brennt, sollte man dranbleiben, das ist mir ganz wichtig zu zeigen, denn das haben wir damals getan«, erzählt sie. Bis die Forderungen der Frauenbewegung Wirklichkeit wurden, wie beispielsweise 1997 das Frauenbegegnungszentrum in der Frankfurter Innenstadt, hätten sie einen langen Atem und gute Netzwerke benötigt.

Blick in alte Dokumente weckt Erinnerungen

Viele Unterlagen zum Vorgehen, zu Anträgen, Protestnoten lagern noch heute im Keller von Helga Engler-Heidle. Während der Recherchen haben die beiden oft in den alten Dokumente geblättert. »Dabei habe ich gemerkt, wie viel ich selbst vergessen habe im Laufe der Zeit«, sagt Ute Knie. So sei ihr aufgefallen, dass die Arbeitsstelle Frauen in der Kirche niemals aufgearbeitet worden sei. Nirgendwo habe es ein Fazit der Arbeit gegeben.

Frauen müssen sich selbst um ihre Themen kümmern

»Im Zentralarchiv der EKHN waren etliche Kisten mit Materialien eingelagert. Aber keiner hat sich die Mühe gemacht, sie auszuwerten. Die Arbeit ist einfach vergessen worden, obwohl von ihr viele Impulse ausgegangen sind, obwohl diese Stelle und ihr Erhalt uns damals so beschäftigt hat«, erzählt Knie. Da sei ihr klar geworden, was passiere, wenn niemand den Deckel der eingelagerten Kisten öffne: »Wenn Frauen sich nicht selbst darum kümmern, dass ihre Themen und ihre Geschichte dokumentiert wird, dann geschieht es nicht, dann bleibt die Kiste zu«, so die Ruheständlerin.

Texte jetzt im Internet

Unter dem Stichwort »Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau« ist im Internetlexikon Wikipedia der Beitrag zu finden. Weitaus ausführlicher konnten Knie, Engler-Heidle und ihr Team die Texte auf der Internetseite der Landeskirche www.ekhn.de unterbringen. Von Stefanie Bock

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top