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Wechselseitige Teilnahme

Einladung zum Abendmahl?

GettyImages/Lincoln BeddoeDas gemeinsame Abendmahl oder die Eucharistie sind umstritten in der evangelischen und katholischen Kirche. Viele Gläubige hoffen auf eine Annäherung.

FRANKFURT. Protestanten und Katholiken sollen am Abendmahl der jeweils anderen Konfession teilnehmen dürfen: Das Dokument mit diesem Votum führender Theologen könnte ein Schritt in Richtung Kirchengemeinschaft sein.

Ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten ist zwar noch nicht in Sicht. Doch das Votum führender evangelischer und katholischer Theologen für die wechselseitige Teilnahme am Abendmahl könnte einen Schritt in diese Richtung bedeuten. Eine Teilnahme an der Abendmahlsfeier der jeweils anderen Konfession soll möglich sein – ohne die bestehenden Unterschiede zu leugnen. Das ist der zentrale Punkt des in Frankfurt vorgestellten Papiers zur gemeinsamen Abendmahlspraxis des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen.

»Bahnbrechendes Dokument«

Die Autoren sind Theologen aus den beiden großen Kirchen. »Ich sehe darin einen wichtigen und gangbaren Schritt auf dem Weg hin zu einer sichtbaren Einheit unserer beiden Kirchen«, sagte der Limburger katholische Bischof Georg Bätzing. Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, sprach von einem »bahnbrechenden Dokument«.

»Die Sehnsucht wächst«

Das Votum der Theologen bezieht sich nicht auf ein »gemeinsames Abendmahl«, das ein Zeichen für die sichtbare Einheit der Kirche wäre. Aber: »Die Sehnsucht wächst, dass uns dies zu unseren Lebzeiten geschenkt wird«, sagte Bätzing. Es gehe nicht um die sogenannte Interzelebration – also einer gemeinsamen Feier mit gemeinsamer Liturgie, betonte Hein. Jedoch mache das Dokument deutlich, dass es keine theologischen Gründe gebe, die Angehörigen der anderen Konfession vom Abendmahl auszuschließen.

Gemeinsames Votum war nicht selbstverständlich

Zehn Jahre lang habe man an der Studie gearbeitet, sagte die Professorin für Ökumenische Theologie, Dorothea Sattler, bei der Vorstellung. Dass am Ende der Arbeit ein gemeinsames Votum stehe, sei nicht selbstverständlich gewesen. Sattler ist die katholische Leiterin des Arbeitskreises. »Wir formulieren eine Möglichkeit für eine gemeinsame Abendmahlspraxis und hoffen, dass diese bald Wirklichkeit wird«, sagte der Tübinger Kirchenhistoriker Volker Leppin, der evangelische Leiter des Arbeitskreises. Bislang hat der Text keine bindende Kraft.

Hoffnung auf Abendmahl 2021

Damit aus dem Text auch Praxis wird, brauche es eine theologische Rezeption, betonten Hein und Bätzing gleichermaßen. Er hoffe, dass das Dokument bereits mit Blick auf den dritten Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt »zu einer solide begründeten und zugleich vorsichtig verantwortbaren Öffnung« der bisherigen Praxis beitrage, erklärte Bätzing.

Jesus Christus lädt ein

Ein wesentlicher Grund für die Kirchentrennung, die in einem fehlenden gemeinsamen Abendmahl sichtbar wird, ist das Ämterverständnis in der katholischen und evangelischen Kirche. Im Arbeitskreis habe sich die Auffassung durchgesetzt, dass nicht die handelnden Geistlichen im Zentrum der Feier stünden, sondern Jesus Christus als der Einladende, hieß es. Fragen des Amtsverständnisses seien dagegen nachrangig.
Franziska Hein/epd





Studie zum Herunterladen im Internet u.epd.de/1bds

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