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Gott ist stärker als der Tod, das Leben siegt! So lautet die klare Botschaft der Auferstehung

Er war nicht der Gärtner

picture alliance/akg/Stefan DillerLateinisch »Noli me tangere«, zu Deutsch: »Rühre mich nicht an«, sagt Jesus zu Maria Magdalena (Johannes 20,17). Sie hat soeben erkannt, dass er nicht der Gärtner, sondern der Auferstandene ist, und will ihn anfassen. Dieses Fresko aus der Unterkirche von S. Francesco in Assisi stammt aus der Giottoschule, um 1320.

Archiv MedienhausAnnegret Puttkammer ist Pröpstin für Nord-Nassau.

»Einmal ganz grundsätzlich: Was ist Ihnen in Ihrem Leben besonders wichtig?«, fragte mich kürzlich jemand. »Die Familie, die Freundinnen und Freunde. Auch meine Arbeit. Und: Ich könnte nicht leben ohne Karfreitag und Ostern. Also ohne zu wissen, dass Gott stärker ist als der Tod und dass er – in der Person Jesu – auch alles Leid und alle Schattenseiten von uns Menschen mitträgt«, antwortete ich.

Nun liegen diese beiden wichtigen Tage vor uns: Karfreitag und Ostern. Ich lese wieder die Berichte in den Evangelien, die mir so vertraut sind. Im Moment achte ich besonders auf diejenigen, die damals dabei waren. Ich ahne, wie fassungslos sie beim Kreuz standen und mit ansehen mussten, wie man Jesus annagelte und wie er Stunden später qualvoll starb. Ich kann die Verzweiflung nachfühlen, die Ohnmacht. Die Frage nach dem Warum. Sein Tod wurde besiegelt mit einem Grab und einem schweren Verschluss aus Stein.

Aber dann lese ich weiter: Nach zwei durchweinten Nächten gehen einige Frauen zum Grab. Und dort: zunächst blankes Entsetzen. Der Stein entfernt, der Tote verschwunden. Ja, ich glaube, dass das Grab leer war. Aber ein klarer Beweis für die Auferstehung ist das nicht. Der erste Gedanke damals war denn auch: Der Leichnam wurde gestohlen. Heute spekulieren manche, dass Jesus gar nicht richtig tot war und gen Asien weiterzog. In der Tat: So könnte man das leere Grab auch deuten, und in regelmäßigen Abständen werden solche Thesen medienwirksam veröffentlicht.

Doch schauen wir auf die Frauen und Männer, die damals dabei waren. Sie hatten keine schnelle Erklärung parat. Sie verstanden keineswegs, was geschehen war. Das wurde ihnen erst nach und nach geschenkt. Und zwar durch die persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen. Maria dachte zunächst, er sei der Gärtner. Die Emmaus-Jünger hielten ihn lange für einen normalen Wegbegleiter. Petrus sah ihn und der komplette Jüngerkreis. Auch der zweifelnde Thomas! Jesus erschien sogar 500 Menschen auf einmal, berichtet Paulus. »Wir haben ihn gesehen«, sagten sie. Das klang vermutlich nicht triumphal, sondern eher überwältigt. Sie konnten es nur so erklären: »Gott hat ihn auferweckt vom Tod.«

Das Leben dieser Menschen änderte sich danach von Grund auf. Sie kehrten nicht einfach zurück in ihr altes Leben, sondern wurden Botschafterinnen und Botschafter für Gottes Sieg über den Tod, Botschafterinnen und Botschafter für das Leben.

Gott ist stärker als der Tod. Das Leben siegt. Das ist für mich Lebensfundament. Nur so kann ich ein fröhlicher Mensch sein, obwohl ich in meinem Beruf so viele Trauernde trösten und an Gräbern stehen muss. Obwohl ich so viel von Versagen erfahre und von Schuldigwerden, von zerbrochenen Biografien und verlorener Heimat. Man könnte über all das Elend der Welt verzweifeln – aber ich weiß mich getragen vom Gott des Lebens. Mit eigenen Augen gesehen habe ich den Auferstandenen nicht. Aber: Seine Kraft, die von Ostern ausgeht, spüre ich auf vielfältige Weise. Ich lebe von Ostern her. Darüber kann ich nur staunen, jedes Jahr wieder neu.

Lateinisch »Noli me tangere«, zu Deutsch: »Rühre mich nicht an«, sagt Jesus zu Maria Magdalena (Johannes 20,17). Sie hat soeben erkannt, dass er nicht der Gärtner, sondern der Auferstandene ist, und will ihn anfassen. Dieses Fresko aus der Unterkirche von S. Francesco in Assisi stammt aus der Giottoschule, um 1320.

Von Annegret Puttkammer

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