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Dürre

Friedhof mit toten Bäumen

Foto: epd/Rolf ZöllnerDiese Ecke des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs wird künstlich beregnet, woanders sieht es deutlich trockener aus. Die Bäume in dem Landschaftsdenkmal sterben wegen der Dürre.

STAHNSDORF. Wildromantische Parkanlage mit Holzkirche, Mausoleen und Gräbern: Der Stahnsdorfer Südwestkirchhof bei Berlin gilt als einzigartiges Landschaftsdenkmal. Nun bedroht ihn der Klimawandel.

Bei Heinrich Zille ist noch alles in Ordnung. Die Pflanzen am Grab des Künstlers, der vor mehr als 100 Jahren durch »Milljöh«-Bilder aus Berlins Arbeitervierteln bekannt wurde, leuchten in verschiedensten Grüntönen. Das Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof wird gut gepflegt, das Bundesland zahlt dafür. Doch gegenüber sieht es ganz anders aus: Auf Deutschlands größtem protestantischem Friedhof sterben die Bäume.

»Es ist beängstigend«

Drei tote Fichten, eine tote Buche, vertrocknete Rhododendren, geschädigte Eiben. Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt zählt erschüttert die Schäden, die in dem kleinen Bereich des mehr als 200 Hektar großen denkmalgeschützten Friedhofs zwischen Potsdam und Berlin zu sehen sind. Bei seinem letzten Rundgang waren es noch nicht so viele. »Und das ist nur das, was man auf den ersten Blick sieht«, sagt der gelernte Gärtner: »Es ist beängstigend.«

Nicht weit entfernt sind in einer Gemeinschaftsanlage mit kleinen Grabsteinen 1070 Berliner Opfer des Zweiten Weltkriegs bestattet. Daneben beginnt ein Waldbereich. »Eine tote Buche, noch eine«, zählt Ihlefeldt entsetzt: »Da gibt es keine Rettungsmöglichkeit, die müssen gefällt werden, das ist nur noch Brennholz.« Die Bäume kapitulieren vor Hitze und Regenmangel. Die jahrzehntealten meterhohen Rhododendren des 1909 eröffneten Friedhofs sind teils bis auf Kniehöhe vertrocknet. »Das sieht dort aus wie ein Geisterwald«, sagt der Verwalter.

Nur Promi-Gräber werden gepflegt

Der Gartenarchitekt Louis Meyer habe mit dem Südwestkirchhof seinerzeit ein Meisterwerk geschaffen, eine Anlage mit großer Leichtigkeit, eher einen Garten der Toten als eine klassische Begräbnisstätte, erzählt Ihlefeldt. Die Gräber, inzwischen ruhen hier fast 130 000 Tote, liegen versteckt zwischen Sträuchern und Bäumen. »Das war eine revolutionäre Idee für einen Friedhof«, sagt der Verwalter: »Das geht jetzt flächendeckend verloren.«

Den meisten Prominentengräbern geht es noch gut. Der Maler Lovis Corinth und der Komponist Engelbert Humperdinck sind hier bestattet, der »Nosferatu«-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, der Schauspieler Manfred Krug, der Verlagsgründer Gustav Langenscheidt. Die Grabstätten der Prominenten werden in der Regel gepflegt, andere Gräber auch. »Die betreuten Gräber sind wie eine Oase«, sagt Ihlefeldt. Doch um auch die anderen Friedhofsbereiche gegen Klimawandel und Dürre zu verteidigen, fehlen Geld und Wasser.

Pflanzenarten, die Trockenheit und Hitze besser aushalten, könnten auf dem Friedhof eine Zukunft haben, Traubenkirsche, Ahorn, sagt Ihlefeldt: »Aber ästhetisch ist das nicht.«

Yvonne Jennerjahn / epd

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