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Das Pausenbrot

Ganz unten im Ranzen vergammelt es

Foto: istock/nobligeSo muss es sein. Das Kind ist zufrieden mit seinem Pausenbrot und isst es gerne. Und gesund ist es auch.

Frankfurt. Geschichten über das Pausenbrot gibt es viele. Die meisten laden zum Schmunzeln ein. Dabei übernimmt das Pausenbrot eine wichtige Funktion.

Was wird mich heute erwarten? Eine leere Dose, ein unberührtes Brot oder vielleicht gar ein völlig fremdes Brot? So lautet die aufregende Frage vieler Eltern, wenn sie ihren Sprössling nach der Schule in Empfang nehmen. Mal ist die belegte Brotscheibe zu groß, ein andres Mal ist es die falsche Sorte. Oder aber es ist der ungeliebten Belag oder das Spielen mit den Freunden ist schlichtweg mal wieder wichtiger gewesen als die schnöde Nahrungsaufnahme.

Und so wandert die unberührte Dose bestenfalls zurück in die heimische Küche. Allzu oft jedoch sammeln sich leicht angegammelte Brote am Boden des Schulranzens oder landet das liebevoll zubereitete Vollkornbrot mit Käse, Salat und Tomate in der Mülltonne.

Unter dem Bett, hinter dem Regal

Orte, an denen findige Kinder ihr verwaistes Pausenbrot verstecken können, gibt es etliche: »Es gibt alle möglichen Tricks, das Brot verschwinden zu lassen«, weiß der 15-jährige Gymnasiast, der seinen Namen lieber nicht verraten will. »Unter dem Bett, in allen möglichen Schubladen oder hinterm Regal, da gibt es viele freie Ecken«, zählt er die Hitliste seiner Geheimverstecke auf.

Das ist für German Batz unvorstellbar. Seine Pausenbrote aus der Schulzeit vergisst der 52-Jährige wohl nie. Noch heute, rund 40 Jahre später, kann er sie genau beschreiben. Wurst, Käse, Apfelschnitten und manchmal auch eine kleine Karotte. Und stets die große Scheibe eines riesigen Holzofenbrotes. »Die war so groß, dass ich manchmal meinen Mitschülern was abgegeben habe, wenn sie selbst nichts dabeihatten«, erzählt German Batz. .

Manchmal auch ein Schokoriegel

Ganz selten steckte in der Brotbox auch ein Schokoriegel. »Meine Mutter hat die Brote immer abends geschmiert und mich jedes Mal daran erinnert, sie ja nicht zu vergessen«. Dabei führte sie stets mit einer Geste die Hände zum Mund und biss in das vermeintliche Pausenbrot.

Alexandra Bergen dagegen hat von ihrer Mutter nie ein Pausenbrot geschmiert bekommen. Und dennoch fällt ihr, ohne zu zögern, eine Geschichte ein. Sie erinnert sich noch gut an eine Mitschülerin, die von ihrer Mutter immer mit reichlich Broten versorgt worden sei. »Einmal hat sie ihr Pausenbrot jedoch zu Hause vergessen. An diesem Tag kam ihre Mutter extra in die Schule gefahren, ist über den Schulhof gelaufen, nur um ihrer Tochter das vergessene Essen zu bringen«, erzählt Bergen und erinnert sich noch gut, dass diese Szene lange Schulgespräch war.

Mit einer guten Energiebilanz in den Tag

Wie viele Schüler und Schülerinnen von ihrem Elternhaus ein Pausenbrot mit in den Kindergarten oder die Schule bekommen, ist schwer zu sagen, erklärt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. Die Zahlen schwanken zwischen zehn und 22 Prozent. Doch wie zuverlässig sie sind, ist schwer zu sagen. Wer gibt schon zu, sein Kind ohne Brot oder ohne Frühstück in die Schule zu schicken?

Laut der »Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland« des Robert Koch-Instituts gaben 87,7 Prozent der Eltern von drei- bis sechsjährigen Kindern an, dass diese jeden Tag zu Hause frühstücken. Der Anteil sinkt jedoch mit steigendem Alter: So frühstücken bei den 14- bis 17-Jährigen nur noch 53 Prozent der Kinder täglich daheim.

Doch ein gutes Frühstück ist wichtig. »Zum einen weil es den Tag strukturiert und zum anderen, weil es die Kinder mit einer guten Energiebilanz in den Tag starten lässt«, sagt Ernährungswissenschaftlern Restemeyer. Immerhin ein Drittel das täglichen Energiebedarf sollen Kinder und Jugendliche mit dem Pausenbrot decken. Leistungstiefs und Konzentrationsschwächen während des Unterrichts lassen sich vermeiden, wenn die Kinder in der Schule frühstücken und ausreichend Wasser trinken.

Gutes Essen ist ohne viel Aufwand möglich

Das Brot für die Schule oder den Kindergarten soll den Nachwuchs mit allem versorgen, was sein Körper braucht, gut schmecken und auch noch cool sein. »Der wichtigste Ratschlag ist: Machen Sie das Brot in Absprache mit Ihrem Kind, fragen Sie, welchen Belag es haben möchte, welches Obst es gerne dazu naschen will«, so die Ernährungswissenschaftlerin. Eine Scheibe Vollkornbrot mit einer Scheibe Käse und etwas Basilikum dazu, ein Roggenbrötchen mit Frischkäse und Schnittlauch. »Immer sollte Obst und oder Gemüse dabei sein«, sagt Silke Restemeyer. Wenn Kinder gar kein Obst essen, empfiehlt sie es mit Trockenobst zu versuchen. Das alles müsse gar nicht kompliziert sein und viel Zeit beanspruchen: Hier ein paar Karottenstifte, da ein paar Weintrauben oder Cherry-Tomaten-Mozzarella-Spieße.

In vielen Grundschulen frühstücken die Kinder mit ihren Lehrern im Klassenzimmer und gehen erst danach in die Bewegungspausen auf den Schulhof zum Spielen. Erfahrungen zeigen, dass dadurch mehr Schüler und Schülerinnen ein Brot in die Schule bringen und es auch öfter essen.

Stefanie Bock

Weitere Informationen zur Verpflegung im Schulalltag unter www.schuleplusessen.de

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