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Weise aus dem Osten

Heilige Drei Könige

Stefanie BockDie Weisen aus dem Osten im Kleinformat: Jakob (von links), Damion und Max nutzen die Bahn, um den Stern zu folgen. Ohne Fahrkarte geht das nicht.

Die biblische Geschichte von den Weisen bietet Stoff für viele Legenden. Entscheidend ist: Der Himmel erzählt davon, dass vor diesem kleinen Kind in der Krippe Weise und Könige in die Knie gehen.

Als Kinder konnten mein Cousin und ich stundenlang in den Himmel schauen. Je länger wir hochguckten, desto mehr kamen die Sterne auf uns zu. Ja, sie blinkten und bewegten sich – zumindest kam uns das so vor. Wir haben dann gedacht: Das ist der liebe Gott. Der winkt uns mit den Sternen zu. Es war ein gutes Gefühl. Denn schließlich war ein liebevoller Gott da oben. Da ist einer, der uns sieht. Und er zeigt das auch.

Unklar, was genau die Weisen aus dem Morgenland gesehen haben

Wie mein Cousin und ich haben auch die Weisen aus dem Morgenland in den Sternenhimmel geschaut. So erzählt es der Evangelist Matthäus in der Bibel. Und sie haben einen besonderen Stern gesehen. Oder eine Sternkonstellation. So genau weiß man das nicht, obwohl darüber viel geforscht wurde. Für die Weisen aus dem Osten war klar: Dieser Stern ist ein Wink Gottes. Da ist etwas Besonderes geschehen, denken sie. Ein König wurde geboren, ein Heiland. So haben das Menschen in der Antike öfter gesehen: Ein Stern oder ein Komet kündigt die Geburt eines Herrschers an. Die Weisen aus dem Morgenland sehen nun, wie sich der Stern bewegt – jedenfalls kommt es ihnen so vor. Sie machen sich auf den Weg.

Ein großer Gott wird ein kleiner Mensch

Wahrscheinlich ist die biblische Geschichte von den Weisen und dem Stern eine Legende. Von den vier Evangelisten in der Bibel berichtet nur Matthäus davon. Aber das ist vielleicht auch gar nicht so wichtig. Entscheidend ist: Da ist ein großer Gott. Der wurde ein kleiner Mensch. Der Himmel erzählt davon. Und vor diesem Gott in einem kleinen Menschen gehen Weise und Könige in die Knie.

Von Neugeborenem geht große Hoffnung aus

Aber eins nach dem anderen. Ich möchte von den Weisen aus dem Osten erzählen. Wie aus ihnen die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar wurden und warum so viel Hoffnung von diesem kleinen neugeborenen König Jesus ausgehen kann.

Persische Priester nannte man Magier

Da war also Jesus geboren, in Bethlehem. Matthäus erzählt nichts vom Stall oder von Hirten. Bei ihm sind es Weise aus dem Osten, die den kleinen jüdischen Jungen besuchen, der ein König sein soll. Weise Menschen, Sterndeuter. »Magier« – so heißen sie eigentlich. Als Magier wurden in dieser Zeit persische Priester bezeichnet. Sie gehörten der Religion der Zoroastrier an, mit ihrem Stifter Zarathustra. Angesiedelt im iranisch-persischen Kulturraum. Dazu gehören auch das heutige Afghanistan, der Irak und Teile Indiens. Zoroastrier gibt es auch heute noch. Sie werden in muslimischen Ländern als religiöse Minderheit wie die Christen und Juden meist toleriert, wenn auch mit Einschränkungen. Auch von den Jesiden nimmt man an, dass sie ihre Ursprünge bei den Zoroastriern haben.

Menschen sollen den Weg des Lichtes beschreiten

Die Zorastrier zur Zeit der Geburt Jesu glauben an einen guten und hellen Schöpfergott, der einen bösen und dunklen Widersacher hat. Sie erwarten am Ende der Zeiten einen Heiland, der eine unvergängliche Welt erschaffen wird. Die Toten werden auferstehen. Und der Mensch soll den Weg des Lichtes und der Weisheit beschreiten. Es gibt also Ähnlichkeiten zum Judentum und zum späteren Christentum. Es wundert also nicht, dass Matthäus von diesen weisen Magiern berichtet:
»Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.« (Matthäus 2,1+2)

Magier vermuten das Kind zunächst in der Hauptstadt

So ganz eindeutig war der Stern wohl nicht. Denn die Magier finden den König nicht auf dem direkten Weg. Vielleicht haben sie sich irreführen lassen von der Vorstellung, dass da ein Königskind geboren wurde. Das vermutet man doch am ehesten in der Hauptstadt. Jedenfalls landen sie erstmal in Jerusalem, bei dem amtierenden König Herodes. Ausgerechnet bei dem! Wie so viele Diktatoren macht er sich einerseits beim Volk beliebt. Andererseits herrscht er skrupellos und räumt jeden aus dem Weg, der seine Macht gefährden könnte. Er ist ein Freund der Römer. Und die Römer sind die verhasste Besatzungsmacht in Israel. Herodes, machtversessen und hinterlistig, will natürlich wissen, wo sein potenzieller Konkurrent ist. Matthäus erzählt:

Herodes schickt die Weisen nach Bethlehem

»Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im Lande Juda (...) aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.« (Matthäus 2,3–8)

Von dem Kind geht die Macht der Schwäche aus

Das ist natürlich eine glatte Lüge. Das Leben des kleinen Jesus ist in Gefahr, denn Herodes will ihn töten lassen, bevor er groß wird und ihm den Thron streitig macht. Aber von dem Neugeborenen geht eine Macht aus, die Könige austrickst und Weise in die Knie gehen lässt. Es ist die Macht der Schwäche. Die Macht eines Kindes. Die Macht der Liebe. Paradox ist das. Sie macht die Welt nicht heil, aber doch heller. Sie macht, dass sich Kinder unter den Sternenhimmel stellen und sich geborgen fühlen in Gott.
Die Weisen aus dem Morgenland wissen nicht, dass sie von König Herodes als Spione missbraucht werden. Aber sie wissen jetzt, in welcher Gegend sie den neugeborenen König der Juden suchen sollen. Der Evangelist Matthäus erzählt weiter:

Sie fielen nieder und beteten

»Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.« (Matthäus 2,9–12)

Vielleicht können nur weise Menschen den Stern sehen

Als Kinder und kreative Sterndeuter haben wir, mein Cousin und ich, uns überlegt: Wie soll das denn gehen? Ein Stern bleibt über einem Haus stehen? Wir haben es zwar für möglich gehalten, dass Gott uns mit den Sternen zuwinkt. Aber dass man einem Stern zu dem Haus folgen kann, in dem Jesus geboren wurde – das war doch ziemlich unglaubwürdig.
Aber vielleicht ist es so: Nur die weisen und aufrichtigen Leute können den Stern sehen, der zu dem Jesuskind führt. Nur die, die ohne Gewalt kommen, sehen den Friedensfürst. Nur die, die ihr Herz öffnen, sehen die Liebe des großen Gottes in dem kleinen Menschenkind. Ich glaube, deswegen erzählt Matthäus diese Geschichte. Sie ist kein historischer Bericht. Er erzählt vielmehr von einer anderen, von einer inneren Wahrheit. In diesem Kind zeigt Gott, wie er ist: zart, verletzlich, hilflos. Ja, auch das. Gefährdet wie jedes Kind auf der Welt. Das bringt Menschen in Bewegung. Das macht sie empfänglich für die Not. Das gibt die Kraft zur Hoffnung. So geht Frieden auf Erden.
Von Doris Joachim


Eine ausführliche Version des Textes war am 6. Januar 2019 als hr2 Morgenfeier im Hessischen Rundfunk zu hören: www.kirche-im-hr.de/sendungen.

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