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Kein Job fordert so viel Verantwortung für das junge Leben, das Gott uns anvertraut

Jeder Tag Muttertag

pxhere.comDas Glück, Mutter zu sein, hängt nicht ab von den geschenkten Blümchen zu diesem besonderen Tag.

privatMareike Frahn-Langenau ist Pfarrerin in der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Samstagmorgen, kurz vor sechs. Draußen ist es noch dunkel, doch aus dem Zimmer meines Sohnes (4) dröhnt bereits seine Lieblings-CD in voller Lautstärke. Und das schon zum dritten Mal. Ich seufze und schlage die Bettdecke zurück. Das war’s dann wohl mit Ausschlafen für heute. Ich brauche erst mal einen Kaffee. Auf dem Weg in die Küche werde ich von einer rosa Prinzessin mit Hexenhut gestoppt. Hinter ihr verläuft eine Spur Glitzerkörnchen über den Fußboden. Die werde ich nachher aufkehren müssen. »Der Frank hört sein Hörspiel so laut!«, beschwert sich Lotta (6) über ihren Bruder. »Ich weiß«, antworte ich müde und mache mich genervt auf den Weg zum CD-Player. »Danke!«, ruft Lotta und knallt ihre Tür zu. Das Chaos in ihrem Zimmer habe ich trotzdem gesehen. Herzlich willkommen im Wochenende einer ganz normalen Familie! Perfekt ist hier niemand.

Ich auch nicht. Ich habe zwei Kinder, bin voll berufstätig, oft unterwegs und noch viel öfter ungeduldig. Ich weiß genau, dass ich auch an diesem Wochenende zwei Maschinen Wäsche bewältigen werde, dreimal die Kinderzimmer aufräume, mehrfach um den Esstisch herum sauge, circa 40 Mal schimpfe und Streit schlichte – bevor am Montag die Arbeitswoche wieder beginnt. Meine Kinder werden derweil spielen, singen, tanzen, motzen und toben. Besonders erholsam ist das Leben von Eltern oft nicht. Immer wieder stelle ich fest: Kein Job ist so fordernd wie die Verantwortung für das junge Leben, das Gott uns anvertraut.

Doch das ist für mich nur eine Seite der Wahrheit. Ich habe mich zwar noch nie so müde gefühlt wie in den letzten sechs Jahren, aber auch noch nie so lebendig und reich beschenkt. Ich darf zwei kleine Menschen von Stunde Null an ins Leben begleiten, darf miterleben, wie sie sprechen, laufen, Rad fahren und lesen lernen. Wie sie Empathie entwickeln und zusammenhalten, wie sie ernsthaft miteinander diskutieren und selbstständig nach Lösungen suchen. Für all das bin ich unendlich dankbar. Und ich freue mich, dass Gott mir diese große Aufgabe zutraut.

Seit ich Kinder habe, kann ich die biblische Rede von Gott als himmlischem Vater oder tröstender Mutter viel besser verstehen. Die Verbindung zum eigenen Nachwuchs ist stark. Sie hält viel aus, und sie lehrt, was Versöhnung heißt. Meine Kinder lieben mich, auch wenn ich mal ungerecht bin. Und ich kann ihnen nicht lange böse sein, wenn sie meine Sachen kaputt machen oder die Wohnung verwüsten. In unserem Miteinander kann ich nachvollziehen, was der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief schreibt: »Die Liebe hört niemals auf.« Sie trägt uns. Auch, wenn das im Alltag nicht immer ausgesprochen wird.

So ist für mich eigentlich jeder Tag Muttertag: ein Tag, an dem ich Mutter bin – mit allem, was dazugehört. Ich bin auch ohne die obligatorischen Blumen am zweiten Sonntag im Mai glücklich.

Über die Geschenke, die mir meine Kinder mit viel Mühe und Liebe zum Muttertag basteln, freue ich mich natürlich trotzdem. Ausschlafen werde ich auch diesen Sonntag nicht können. Weil die beiden es kaum abwarten können, die Freude auf meinem Gesicht zu sehen.

Von Mareike Frahn-Langenau

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