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Weihnachten im Bibelmuseum

Jungfrau Maria entthront die Göttinnen

epd/Thomas RohnkeSven Lichtenecker, Kurator der Ausstellung Weihnachten im Frankfurter Bibelhaus, zeigt die Bansa-Bibel, eine Bilder-Bibel aus dem Jahr 1746. Eine Christbaumspitze mit Eisernem Kreuz und Baumschmuck in Form eines Zeppelins hat eine Besucherin im Blick.Sven Lichtenecker, Kurator der Ausstellung Weihnachten im Frankfurter Bibelhaus, zeigt die Bansa-Bibel, eine Bilder-Bibel aus dem Jahr 1746. Eine Christbaumspitze mit Eisernem Kreuz und Baumschmuck in Form eines Zeppelins hat eine Besucherin im Blick.

FRANKFURT. Der Stern von Bethlehem deutet kein Himmelsereignis an und die Krippe kann ein Sarkophag gewesen sein: Eine Ausstellung im Bibelmuseum in Frankfurt stellt weihnachtliche Motive in ihren historischen Zusammenhang.

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.« Die Worte aus dem Lukasevangelium lassen an ein Baby mit Windeln um die Hüften in einer kleinen Futterkrippe denken. So »niedlich« müsse das aber nicht gewesen sein, sagt Sven Lichtenecker, Kurator der Ausstellung »Weihnachten« im Bibelhaus Erlebnis Museum in Frankfurt. Zur Zeit Christi Geburt hätten Sarkophage häufig eine Zweitnutzung als Krippe erfahren, und das Wickeln könne sich auf den ganzen Körper bezogen haben. Er vermute, dass Lukas mit seiner Wortwahl schon einen Bogen zu Tod und Auferstehung und damit zu Ostern geschlagen habe.

Biblische und außerbiblische Wurzeln von Weihnachten

 Mit Münzen und Figurinen, Inschriften, Ikonen und alten Schriften verdeutlicht das Bibelhaus noch bis März biblische und außerbiblische Wurzeln von Weihnachten. Die Geburtsgeschichten nach Lukas und nach Matthäus sind gegenübergestellt und bekannte Weihnachtsmotive in ihren historischen Zusammenhang gerückt. Sie erfahren so eine neue Bedeutung.

Stern ist ein Symbol der Macht

Der Stern etwa habe seit König Alexander dem Großen (356 bis 323 v. Chr.) als Symbol der Macht gegolten, erklärt Lichtenecker. In der Ausstellung sind mit Sternen verzierte Münzen der Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) und Caligula (12 bis 41 n. Chr.) zu sehen. Der Versuch, im Stern von Bethlehem »ein Himmelsereignis zu sehen, führt an der Bedeutung des Sterns vorbei«, sagt Lichtenecker. Er sei ein Symbol für Macht und die besondere Erwählung des Kindes.

Maria steht auf einer Stufe mit Göttinnen

Der Evangelist Lukas betont die Jungfräulichkeit Marias. Er stellt sie damit auf eine Stufe mit der ägyptischen Göttin Isis und der griechischen Göttin Athena, die als Jungfrauen Kinder geboren haben sollen. Auch Livia, die Mutter von Kaiser Augustus, wird als jungfräulich Gebärende dargestellt. Indem Lukas dieses Attribut einem einfachen jüdischen Mädchen zuschreibt, »entthront er die Göttinnen«, sagt Veit Dinkelaker, Theologischer Referent des Bibelhauses. Diesen »herrschaftskritischen Moment« wolle die Ausstellung zeigen.

Den Sonnengott feiern die Menschen am 25. Dezember

Der Erfolg von Weihnachten gründe sich auch auf seine Verbindung zur Macht, sagt Dinkelaker. Im dritten Jahrhundert nach Christus spielt der Sonnengott eine große Rolle. »Sol Invictus«, unbesiegbare Sonne, wird er genannt. Seine Anhänger feiern seinen Geburtstag am 25. Dezember. Einer von ihnen ist Kaiser Konstantin (272 bis 337 n. Chr.), der dennoch 313 das Verbot des Christentums aufhebt. Kurz danach beginnen Bürgerinnen und Bürger in Rom am 25. Dezember Christi Geburt zu feiern. Das genaue Geburtsdatum von Jesus Christus aber kenne niemand, sagt Dinkelaker.

Eisernes Kreuz am Christbaum

Sowohl die spätantiken christlichen Kaiser in Rom als auch Herrscher Jahrhunderte später gestalten das Fest nach ihren politischen Vorstellungen. Das erste Kriegsweihnachtsfest 1914 feiern die Menschen im patriotischen Taumel. Die Ausstellung zeigt Schmuck für Christbaumspitzen mit dem Eisernen Kreuz, Baumschmuck hat die Form von Waffen.

Eine Bibel für die Kinder

Ergänzt sind die biblischen Bilder und Symbole für Weihnachten in der Ausstellung durch die »Bansa-Bibel«, eine Neuerwerbung des Bibelhauses. Dabei handelt es sich um eine Bilderbibel, die der Frankfurter Ratsherr und Bürgermeister Johann Matthias Bansa (1686 bis 1766) 1746 für seine Kinder und Enkel verfasst hat. Kupferstiche zu Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament hat Bansa jeweils um Zweizeiler ergänzt. Die Stiche stammen aus der Werkstatt Merian.
 Renate Haller

Die Ausstellung ist bis 31. März 2019 im Bibelhaus Erlebnis Museum in Frankfurt zu sehen, Metzlerstraße 19. Geöffnet ist das Museum dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr. Internet www.bibelhaus-frankfurt.de

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